Kleines Lexikon: Was ist Gesellschaftswissenschaft?

Marx-Zitat

Karl-Marx-Zitat in der Humboldt-Universität zu Berlin (DDR)

„Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert, es kömmt aber darauf an, sie zu verändern!“ – sagte schon Karl Marx [1]. Doch dazu brauchen wir eine Wissenschaft. Bekanntlich gibt es nicht nur in der Natur allgemeine, notwendige und wesentliche Zusammenhänge, welche unabhängig und außerhalb vom Bewußtsein und vom Willen des Menschen wirken. Es gibt sie auch in der Gesellschaft und im menschlichen Denken. Diese Gesetze bilden die Grundlage jeder ernstzunehmenden Wissenschaft. Ihre Richtigkeit läßt sich jederzeit in der Praxis überprüfen. Und der Mensch kann sie sich zunutze machen kann, wenn er sie erkannt hat.

Die Wissenschaft als Machtinstrument

Im Kapitalismus steht die Wissenschaft im Dienste der Bourgeoisie. Inzwischen gibt es eine Unmenge an bürgerlichen Theorien, die alles andere sind als wissenschaftlich. Ob es die gerade wieder mal aktuelle Steinersche „Kuschelpädagogik betrifft, die auf Max Weber zurückgehende „Herrschaftssoziologie, die in Studentenseminaren gern traktierte „Hermeneutik oder die in Lehrerweiterbildungen verbreiteten Theorien zur sogenannten „Kompetenzentwicklung. Sie alle sind zumeist nichts anderes als blanke Spekulation, die darauf abzielt, die vorhandene Ratlosigkeit, Unwissenheit und Verwirrung nur noch zu vermehren, was ja die Unwissenden und Verwirrten umso beherrschbarer macht. Ein unerkanntes Gesetz, schrieb Lenin „macht uns zu Sklaven der ‚blinden Notwendigkeit‘. Sobald wir aber dieses Gesetz, das (wie Marx tausendmal wiederholte) unabhängig von unserem Willen und unserem Bewußtsein wirkt, erkannt haben, sind wir die Herren der Natur. [2]

Die Produktionsverhältnisse sind entscheidend

Aus den oft undurchschaubaren gesellschaftlichen Verhältnissen hob Karl Marx die Produktionsverhältnisse heraus, da sie die entscheidende, die bestimmende Seite des menschlichen Zusammenlebens darstellen. Er zeigte damit zugleich, daß auch die Entwicklung der Gesellschaft ein objektiver, gesetzmäßiger Prozeß ist, den man wissenschaftlich erfassen kann. Und so ist eben auch alle bisherige (nicht-marxistische) Philosophie außerstande, den geschichtlichen Prozeß zu begreifen, zu erklären, welche Veränderungen notwendig sind, da sie die gesetzmäßigen Zusammenhänge nicht versteht. Erst der dialektische und historische Materialismus brachte eine Veränderung im philosphischen Denken hervor.

Verwirrung der Begriffe

Im Vorwort zum Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Soziologie wiesen die Verfasser darauf hin, daß die scharfe und prinzipielle Auseinandersetzung zwischen bürgerlicher und sozialistischer Ideologie keineswegs nur den allgemeinen weltanschaulichen Standpunkt der Soziologen berührt, sondern auch die Grundlagen der soziologischen Forschung durchdringt. Es zeigt sich, daß „eine Vielzahl von Begriffen und Ausdrücken, die … scheinbar neutrale allgemeinmenschliche Situationen ausdrücken, in Wirklichkeit von Anfang bis Ende vom bürgerlichen Klassenstandpunkt durchdrungen … lediglich dazu geeignet sind, das soziologische Denken und die Forschungspraxis zu desorganisieren. [3] Das gilt nicht nur für die Soziologie, sondern für die gesamte bürgerliche Wissenschaft, die auf diese Weise desorganisierend wirkt und im Alltagsbewußtsein der Menschen nichts als Verwirrung stiftet.

Quellen:

[1] Karl Marx, Thesen über Feuerbach, In: Marx/Engels Werke, Dietz Verlag Berlin, 1969, Bd.3, Seite 5ff.
[2] W.I. Lenin: Materialismus und Empiriokritizismus. In: Werke, Bd.14, S.187.
[3] Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Soziologie, Dietz Verlag Berlin, 1969, S.7.

Siehe auch:
Eine wissenschaftliche Weltanschauung
Wozu brauchen wir eine wissenschaftliche Weltanschauung?
Gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten und wissenschaftliche Voraussicht
Karl Marx, „Feuerbachthesen“

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