Warum man Atomenergie ablehnen muß

Tschernobyl

Das AKW Tschernobyl nach der Explosion 1986

„In Tschern… Entschuldigung, in Fukushima ist heute das zweite Kernkraftwerk explodiert…. Tralalalala! Hier ist ‚Just can’t get enough‘ von Black Eyed Peas. Und hier ist Radio Plump….“ Ein Witz? Nein! So wird man am Morgen von einem dieser immerfort und überall dudelnden Rundfunksender locker plaudernd geweckt. Und dabei verstehen sie es bis zum Überbdruß, die Rundfunkhörer mit seichter Unterhaltung und läppischem Gequatsche und Gelache von den wirklichen Problemen abzulenken. Greifen wir hier also wieder ein Thema auf, das bei all den schon vorhandenen erschütternden Verbrechen in aller Welt ein wenig in Vergessenheit geraten zu droht.
Ein „Experte“ spekuliert, daß es sich bei den Explosionen um harmlose Knallgasexplosionen handeln könnte, wie wir sie in der Schule kennengelernt haben. Alles halb so schlim: Japan sei ja schließlich weit weg. Und ein Bundesminister verbreitet die Lüge, die deutschen Kernkraftwerke seien die sichersten der ganzen Welt. So lauten die bekannten „Argumente“ der Atomlobby. Daß aber allein die drei Energiekonzerne E.ON, RWE und EnBW in den letzten Jahren Rekordgewinne eingefahren haben, davon hört man nichts. In Fachkreisen spricht man sogar von 100 Milliarden Euro seit 2002, davon im Krisenjahr 2009 allein 23 Milliarden Euro und im ersten Halbjahr 2010 bereits 15 Milliarden Euro. Damit verfügen die Energiekonzerne über mehr Macht als vor 10 Jahren. (1) Außerdem: Der Staat hat die Atomenergie von 1950–2010, also über 60 Jahre mit (umgerechnet) 204 Milliarden Euro gefördert….(2)

HIER SIND NUN EINIGE ARGUMENTE GEGEN DIE ATOMENERGIE:

Lüge Nr. 1 – „Atomkraftwerke sind harmlos.“

harmlosDie Liste von „Meldepflichtigen Ereignissen“ und Störfällen in AKWs ist lang, manche waren nur kurz vom GAU entfernt (z.B. Forsmark, Schweden, 2006). Ein hundert Prozent sicheres AKW gibt es nicht. Die älteren Meiler halten noch nicht einmal dem Absturz einer kleineren Verkehrsmaschine stand. Kein einziges AKW ist gegen einen Terroranschlag gerüstet. Auch im Normalbetrieb geben AKWs Radioaktivität über Kamin und Abwasser an die Umwelt ab. Kleinkinder erkranken um so häufiger an Krebs oder Leukämie, je näher sie an einem Atomkraftwerk wohnen. Im 5-km-Umkreis ist das Risiko für Kinder unter 5 Jahren, an Leukämie zu erkranken, sogar doppelt so hoch. In Atomanlagen kommt es immer wieder zu radioaktiven Freisetzungen (z.B. Tricastin, Frankreich, 2008) und Unfällen (z.B. Tokai Mura, Japan, 1999), wodurch Menschen und Umwelt kontaminiert werden.
Kernkraft

Lüge Nr. 2 – „Für den Atommüll gibt es eine Lösung.“

atommuell

So wird der Atommüll in der BRD Gelagert

Weltweit gibt es bis heute kein betriebsbereites Endlager für hochradioaktive Abfälle. Allein aus deutschen AKWs fallen jährlich mehr als 400 Tonnen hochradioaktiver Müll an, der über eine Million Jahre sicher verwahrt werden muss. Im „Forschungsendlager“ Asse hat man es nicht einmal geschafft, die radioaktiven Abfälle über drei Jahrzehnte sicher zu lagern.

Lüge Nr. 3 – „Ohne Atomkraft gehen die Lichter aus.“

hochspannungDie BRD exportiert Strom. 2008 wurde ein Überschuß von 22,5 Mrd. Kilowattstunden erzeugt, das entspricht der Leistung von 2-3 Atomkraftwerken. Und das, obwohl die AKWs Brunsbüttel und Krümmel das ganze Jahr nicht am Netz waren. Weltweit wurden im Jahr 2005 nur zwei bis drei Prozent des Gesamtenergieverbrauchs nuklear erzeugt. Damit schneidet Atomenergie im Vergleich zu erneuerbaren Energien schlecht ab: Denn Energie aus Sonne, Wind & Co. kam schon auf 20 Prozent. Global gesehen ist Atomstrom als Klimaretter damit bedeutungslos.
Stromleitung
Hochspannungsleitung

Lüge Nr. 4 – „Atomenergie ist umweltfreundlich.“

pripjat

Pripjat – eine tote Stadt

Wollte man den Atomstromanteil aus Klimaschutzaspekten drastisch vergrößern, stünde der dafür nötige Brennstoff Uran entsprechend kürzer zur Verfügung. Dann müßte man entweder auf Thorium statt Uran als Brennstoff umsteigen, was auch nur endlich vorhanden ist, oder in die Schnelle-Brüter-Technik einsteigen. Beide Varianten bergen unbeherrschbare Risiken und haben zudem in der Praxis bereits versagt, wie z.B. das gescheiterte deutsche Brüter-Projekt in Kalkar oder der nie über den Probebetrieb hinausgegangene Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR) in Hamm-Uentrop. (3) Radioaktives Material ist von Anfang bis Ende hochgefährlich. Erinnert sei hier nur an die vielen Toten aus der Zeit des Uranabbaus in Ronneburg und die zu Hunderttausenden zählenden Opfer des Atomunfalls von Tschernobyl. Die Umgebung dieses Kernkraftwerks ist über mehrere Generationen hin unbewohnbar, da verstrahlt. Außerdem ist Atomenergie keineswegs frei von Kohlendioxid-Emissionen. Das betrifft den Uranabbau, die Urananreicherung, Transporte, Lagerung von Atommüll und Bau bzw. Rückbau von Atomanlagen. Den Hauptanteil am CO2-Ausstoß liefern dabei die besonders energieaufwendigen Schritte Uranabbau und -anreicherung. Eine Studie des Ökoinstituts Darmstadt kommt zu dem Schluß, daß Atomstrom mehr Emissionen verursacht als Strom aus erneuerbaren Energien. (4)

Lüge Nr. 5 – „Deutsche Atomkraftwerke – die sichersten der Welt!“

atomkraftwerk

…ein „sauberes“ Atomkraftwerk in der BRD

Ein Fachausschuß der OECD hat bereits 1997 einen internationalen Vergleich veröffentlicht und die Sicherheitsstandards mehrerer westlicher Atomkraftwerke miteinander verglichen. Neben dem deutschen Atomkraftwerksblock Biblis B wurden u.a. Anlagen aus Schweden (Ringhals), Großbritannien (Sizewell B ), den Niederlanden (Borssele), der Schweiz (Beznau), aus Japan und aus den USA (Surry, Zion, Robinson, Maine Yankee) unter die Lupe genommen. Grundlage der Untersuchung mit dem Titel „Level 2 PSA methodology and severe accident management“ bildeten die für diese Anlagen durchgeführten offiziellen Risikostudien. Der OECD-Vergleich zeigte, daß beispielsweise im deutschen Atomkraftwerk Biblis B die zu erwartende Wasserstoffkonzentration im Sicherheitsbehälter mit 19% weitaus größer ist als die aller übrigen Anlagen, mit Ausnahme des 1997 stillgelegten US-Reaktors Maine Yankee. (5)

Die bereits 1989 veröffentlichte „Deutsche Risikostudie Kernkraftwerke – Phase B“ kam zum Ergebnis, dass es im deutschen Referenz-Atomkraftwerk Biblis B zu einem schweren Kernschmelzunfall kommen kann. Die von der „Gesellschaft für Reaktorsicherheit“ (GRS) federführend erstellte, aufwеndige Untersuchung bescherte der Fachwelt „erschreckende Ergebnisse“: Bei einer Kernschmelze kommt es sehr schnell zu massiven Freisetzungen von Radioaktivität. Eine Risikostudie der GRS aus dem Jahr 2001 kam zum Ergebnis, daß es auch in den zuletzt in Deutschland errichteten „Konvoianlagen“ (Isar-2, Emsland, Neckarwestheim-2) zum Super-GAU kommen kann (Titel der Untersuchung: „Bewertung des Unfallrisikos fortschrittlicher Druckwasserreaktoren in Deutschland“). (6)

Quellenangabe:
(1) http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1020/seite1/0067/index.html
(2) http://umweltinstitut.org/energie–klima/allgemeines-energie–klima/strompreisluge-808.html
(3) http://umweltinstitut.org/radioaktivitat/klimaretter-atomkraft/hintergrundinformation-536.html
(4) Uwe Fritsche et al.: Treibhausgasemissionen und Vermeidungskosten der nuklearen, fossilen und erneuerbaren Strombereitstellung, Ökoinstitut Darmstadt, März 2007
(5) http://www.ngo-online.de/2007/07/17/wasserstoffexplosionen/
(6) http://www.ippnw.de/atomenergie/atomenergie-sicherheit/artikel/ea48dd7442/wie-sicher-sind-die-deutschen-atomkr.html

Siehe auch:
Die Atomloby lügt!
Enola Gay und das amerikanische Verbrechen

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2 Antworten zu Warum man Atomenergie ablehnen muß

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