Was man aus der Geschichte lernen kann…

IndustrieDie wirtschaftliche Konjunktur bringt Illusionen hervor. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts stand die KPD vor einer schwierigen Aufgabe. Unter dem wiedererstarkenden Imperialismus hatte sich die Lebenslage der Volksmassen verbessert. Obwohl die Ausbeutung weiter zugenommen hatte, stieg der durchschnittliche Wochenlohn eines Industriearbeiters von 1924 auf 1925 von 16,50 auf 35,60 Mark. Es war natürlich, daß die arbeitenden Menschen nach den harten Kriegsjahren jede Verbesserung ihrer Lebenslage hoffnungsvoll begrüßten. Die sozialdemokratische Reformpolitik fand allgemeine Zustimmung. Vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Konjunktur wuchs auch in weiten Teilen der Arbeiterklasse die Illusion der baldigen Überwindung des Kapitalismus und eines friedlichen Übergangs zum Sozialismus.

Vor welcher Aufgabe stand damals die KPD?

Aus diesen Bedingungen mußte die KPD die richtigen Schlußfolgerungen für den revolutionären Kampf ableiten. „In der KPD-Führung gab es dazu unterschiedliche Auffassungen und harte Auseinandersetzungen. Einige ihrer Vertreter waren ungeduldig und verkannten, daß zunächst die proletarische Revolution nicht auf der Tagesordnung stand. Dagegen mahnten besonnenere, erfahrenere Führer, nicht den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun, und erinnerten an die Erfahrungen der Bolschewiki in Rußland. Sie erklärten, die Überwindung der Spaltung der Arbeiterbewegung und die Gewinnung der Massen sei notwendiges Erfordernis zur Lösung der nächstliegenden Aufgaben…“ [1]

Wie sich die realistischeren Ansichten in der KPD durchsetzten…

Im Oktober 1925 wurde das Zentralkomitee der KPD neu gebildet. Und es beherzigte die Lehren Lenins. Der 39jährige Ernst Thälmann, war nunmehr zum Ersten Vorsitzenden der KPD berufen worden. Auf seine Meinung hörten die Arbeiter. Er ging von der Erkenntnis aus: „Die deutsche Arbeiterklasse kann nur im Bunde mit der Sowjetunion, ihre Partei kann nur auf dem von Lenin und der Partei der Bolschewiki gewiesenen Wege im Kampf gegen den Imperialismus bestehen.“ [2] In den Auseinandersetzungen hatte sich gezeigt, daß Ernst Thälmann „fraktionelles Machtstreben verabscheute und daß ihm pseudoradikales Getue zuwider war. Durch die Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit seines Wesens und durch seinen revolutionären Optimismus hatte er sich das Vertrauen des revolutionären Proletariats erworben.“ [3]

Rotfront 1928

Demonstration des Rotfrontkämpferbundes im Mai 1928 in Berlin

Systematische Verbreitung einer wissenschaftlichen Weltanschauung

Ohne Kenntnisse über die poltischen und ökonomischen Zusammenhänge war es unmöglich, die Arbeiterklasse im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung zu vereinen. Deshalb forderte die Parteiführung nun von den Genossen, daß sie die aktuellen Probleme der Arbeiter aufspüren und aktiv zur Verbreitung der marxistisch-leninistischen Weltanschauung beitragen solle. Das setzte aber eine verstärkte ideologische Schulung der KPD-Mitglieder voraus. So wurde im April 1927 die Reichsparteischule der KPD gegründet, es erschienen zahlreiche Schriften Lenins in deutscher Sprache und in vielen Städten entstanden „Marxistische Arbeiterschulen“ (MaSch).

Das Erstarken reaktionärer und faschistischer Kräfte

Doch die nach 1918 entmachteten Fürsten, Herzoge und Grafen wurden immer dreister. Ehemalige Landesfürsten aus Thüringen , die seit jener Zeit 15 Millionen Mark errafft hatten, waren damit jedoch keinesfalls zufrieden. Im Herbst 1925 vereinten sich die Fürstenfamilien und forderten von der Republik weitere 2,6 Milliarden Mark. Ernst Thälmann rief in Kundgebungen dazu auf: „Das Schmarotzertum muß ein Ende haben!“
Mitte der 20er Jahre gab es in Deutschland etwa 110 bewaffnete, militärische Organisationen wie den „Stahlhelm“ (400.000), der „Wehrwolf“ (300.000) oder den „Kyffhäuserbund“ (2,4 Millionen Mitglieder). Die Kommunisten warnten eindringlich vor einer erneuten Kriegsgefahr, und die Arbeiter begannen sich gegen den zunehmenden Polizeiterror zu wehren.

Die geistige Manipulierung der Bevölkerung

Einige große Verlagskonzerne bestimmten das geistige Klima in der Weimarer Republik. Mit einer Flut von Zeitungen und Zeitschriften überschwemmten sie das Land. Der Gesamtumsatz der bürgerlichen Druckereien betrug 1929/39 etwa 600 Milliarden Mark, proletarische Verlage hatten dagegen nur etwa 6 Mio. Mark Umsatz. [4]

Quelle:
[1] Geschichte, Lehrbuch 9.Klasse, Volk und Wissen Volskeigener Verlag Berlin, 1988, S.57.
[2] Ernst Thälmann, Eine Biographie, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1980, Bd.1, S. 250.
[3] a.a.O. S.251.
[4] Geschichte, Lehrbuch, a.a.O. S.69.

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