Der Kommunist Fiete Schulze – ein Held unserer Zeit

Fiete Schulzel

Der kommunistische Arbeiter Fiete Schulze (1894-1935)

Von den Nazis ermordet: Der Mann, von dem hier berichtet werden soll, führte einen Namen, der neben Müller und Meier als gewöhnlichster deutscher Name gilt. Er hieß Schulze, Fiete Schulze. Sein Vater war Arbeiter in Fischbeck bei Hamburg gewesen, und er selbst war Arbeiter in Fischbeck bei Hamburg. Aber vielleicht lebte der Vater auch in Barmbeck und Fiete in Altona… das tut wenig zur Sache. Er war ein Arbeiter. Zu seinem Leben gehörte die Unsicherheit des Arbeitsplatzes ebenso selbstverständlich wie der Wille, für eine bessere Ordnung zu kämpfen, und die Erkenntnis, daß dieser Kampf nur in der Gemeinschaft mit anderen Gleichgesinnten möglich ist.

Er war ein Feind der Nazis, bevor sie zur Macht gelangten, und er blieb ihr Feind auch, nachdem sie ihr Drittes Reich aufgerichtet hatten. Zwei Jahre lang stand er in den ersten Reihen der Untergrundkämpfer. Dann fing ihn die Gestapo. Vor Gericht hielt er sich so tapfer, daß ihm sogar die Nazi-Richter ihre grollende Bewunderung nicht versagen konnten. Sie verurteilten ihn zu insgesamt dreihundert Jahren Zuchthaus; das waren, da Schulze achtunddreißig Jahre zählte, sieben ganze Leben, die ihm so abgesprochen wurden. Sie verurteilten ihn weiter dreimal zum Tode und zweimal zum Verlust dessen, was sie Ehre nannten. Den Kopf schlugen sie ihm – sie konnten nicht anders – nur einmal ab. Bevor dies geschah, rief Schulze, der als letzten Wunsch sich die Teilnahme des Gerichtshofes an der Hinrichtung ausgebeten hatte, mit fester Stimme: «Ein Kämpfer weniger, aber wir werden die Sieger sein!»

Um die Worte des Verurteilten zu übertönen, begannen die Trommler der SS-Abteilung, die den Richtplatz absperrte, einen Wirbel zu schlagen. Auch wurde Fiete Schulze zu weiteren Rufen keine Zeit gelassen. Die Henker stürzten sich auf ihn, und er wurde in der nächsten Minute, wie es das Urteil verlangte, «vom Leben zum Tode befördert». Die Gestapo ließ den Leichnam verbrennen und die Asche, unbekannt wo, einscharren. Aber acht Jahre später, im Kriegssommer 1943, öffnete der Tote seinen Mund wieder: In der von englischen Bombern zertrümmerten Stadt tauchten Flugblätter auf, die den Hamburgern einige von Hitlers Prahlereien über die sichere Vernichtung Londons in Erinnerung brachten und sie zum Sturz der braunen Tyrannei aufriefen. Die Flugblätter waren gezeichnet: «Gruppe Fiete Schulze».

Quelle:
F.C. Weiskopf: Schulze, aus: Der Sozialismus – Deine Welt, Verlag Neues Leben, Berlin, 1975, S.166.

Anmerkung:
Fiete Schulze war ein Kampfgefährte von Ernst Thälmann im Kampf der Arbeiterklasse gegen Faschismus und Krieg. Er leitete 1923 den Hamburger Aufstand und wurde 1935 von den Nazis ermordet. Darüber lasen und wußten in der DDR alle Kinder etwas. Um ihnen die richtigen Gedanken und Vorbilder auf ihren weiteren Lebensweg mitzugeben, bekamen sie zur Jugendweihe ein Buch überreicht, das auch für uns heute noch viele lesens- und bedenkenswerte Geschichten, Erinnerungen und Ratschläge enthält. Aus diesem Buch ist der obenstehende Beitrag über Fiete Schulze entnommen. Die Jugendweihe war in der DDR stets einer der bedeutendsten Höhepunkte im Leben eines jungen Menschen. Jugendliche wurden feierlich in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen und gelobten ihre Treue zum sozialistischen Staat und zu den Idealen der Arbeiterklasse gegen Ausbeutung und Unterdrückung, gegen Faschismus und Krieg.

siehe auch: Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Hamburg
Hier ist auch ein interessantes Faltblatt
Fiete Schulze
(mit links anklicken, dann Download PDF Datei)

Siehe auch:
Die Lehren aus dem Hamburger Aufstand

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2 Antworten zu Der Kommunist Fiete Schulze – ein Held unserer Zeit

  1. Pingback: Ernst Thälmann: Lehren aus dem Hamburger Aufstand | Sascha's Welt

  2. kollektivmax schreibt:

    Danke für diesen Beitrag. Er ist wirklich lesenswert und ist eine wichtige Erinnerung!

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