Die politischen Handlanger der Großbourgeoisie

HandlangerHinter diesen kraftstrotzenden Symbolfiguren mit Arbeitermütze oder im Arbeiterkostüm verstecken sich gewaltbereite, nicht einmal vor Mord zurückschreckende, gekaufte Kriminelle, die ihre Vorbilder meist aus der Nazizeit beziehen. Wie Brecht schon sagte: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch…“ Doch inzwischen haben sich auch bei Bürgerprotesten Gegenkräfte formiert, die oft genug noch von der Polizei behindert und durch Haussuchungen kriminalisiert werden, die aber doch immer wieder stark genug sind, um den Neonazis den öffentlichen Erfolg ihrer Auftritte zu verwehren. Wer sind eigentlich diese Ewiggestrigen und welche Verbindungen gibt es zur Monopolbourgeoisie? Eben das kann man aus der Geschichte lernen. In seinem Buch „Der Putsch, der keiner war“ schreibt Kurt Gossweiler:

Die Nazipartei war von ihrem Ursprung an ein Geschöpf der deutschen Imperialisten und Militaristen. Ihre Führung stand von Anbeginn an unter dem Einfluß verschiedener widerstreitender kapitalistischer Interessen. Seit ihrem großen Wahlerfolg vom September 1930 nahm der Kampf um die Beherrschung dieser Partei immer heftigere Formen an. An diesem Kampf beteiligte sich nicht nur das Monopolkapital, sondern jede Fraktion der herrschenden Klasse, auch das Junkertum; dafür mag das folgende Beispiel zeugen. Im Februar 1931 richtete der Großgrundbesitzer Fürst Eulenburg-Hertefeld an seine Standesgenossen einen Brief, in dem er seinen Austritt aus der Partei Hugenbergs und seinen Übertritt zur Nazipartei bekanntgab und folgendermaßen begründete [*]:
Eulenberg
Es sind natürlich vorerst noch höchst seltene Glücksfälle, die uns derartige Zeugnisse in die Hände fallen lassen; aber es kann gar keinen Zweifel darüber geben, daß die erfahrene und gerissene deutsche Bourgeoisie in ihrer taktischen Wendigkeit nicht hinter den Vertretern des preußischen Adels zurückstand, sondern diesen darin weit voraus war.

Aus alledem ergibt sich für die marxistische Geschichtsschreibung die Notwendigkeit, sich systematisch mit den führenden Kadern der Nazipartei zu beschäftigen und ihre Biographien zu studieren, um die vieltausendfachen Fäden sichtbar zu machen, mit denen die Nazipartei an die Finanzoligarchie geknüpft war und von ihr gelenkt wurde. Das ist eine keineswegs leichte Aufgabe. Die Fälle, in denen die Verbindung so offen zutage tritt, wie im Falle Göring-Thyssen und Göring-Schacht, sind die Ausnahme.

In der Regel waren die Monopolherren sorgsam darauf bedacht, ihre Beziehungen zur Nazipartei zu tarnen und ihre Mittelsmänner als solche nicht bekannt werden zu lassen. Diese Tarnung war erstens und vor allem notwendig, um den Charakter der Nazipartei als Partei des Monopolkapitals vor den Massen zu verbergen, zum anderen aber auch deshalb, um im Dschungelkampf der Monopolgruppen untereinander dem Gegner nicht die eigenen Stellungen zu verraten.

Deshalb muß die Suche nach den direkten Beziehungen der Naziführer zum Monopolkapital ergänzt werden durch Untersuchungen darüber, für welche der im Streit liegenden Gruppen der Monopolbourgeoisie dieser oder jener faschistische Partei- oder Staatsfunktionär Partei ergriff. Eine solche Parteinahme darf im allgemeinen schon als zuverlässiges Indiz dafür betrachtet werden, daß der betreffende Nazifunktionär ein Vertrauensmann der begünstigten Monopolgruppe ist. Läßt seine Biographie darüber hinaus Berührungspunkte mit dieser Gruppe erkennen, so darf seine Eigenschaft als deren Mittelsmann und Sachwalter in aller Regel als erwiesen gelten. Aus dem Gesagten ergibt sich ferner, daß wichtige Veränderungen in der faschistischen Partei- und Staatsbürokratie in erster Linie daraufhin untersucht werden müssen, ob und in welcher Weise sie mit dem Kampf der Monopolgruppen in Verbindung stehen.

[*] St.A. Potsdam, Bd.2170, Rep.37, Gutsarchiv v. Arnim-Boitzenburg, B1.36f.

Quelle:
Kurt Gossweiler, Der Putsch, der keiner war, PapyRossa Verlag, Köln, 2009, S.204f.

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