So werden Kanzler gemacht…

KanzlermacherIm Jahre 1962 erschien im Verlag der Nation, Berlin (DDR), ein Buch, das die deutsche Geschichte im vergangenen 20.Jahrhundert  genauestens analysiert und beschreibt. Dieses Buch ist von Joachim Hellwig und Wolfgang Weiß. Es heißt: So macht man Kanzler (die Seitenangaben beziehen sich auf dieses Buch):

Um die Jahrhundertwende hatte Deutschland seinen Rückstand auf wirtschaftlichem Gebiet gegenüber den am weitesten entwickelten kapitalistischen Ländern aufgeholt. Es war zur zweitstärksten ökonomischen Macht in der Welt geworden. Doch den Herren von Rhein und Ruhr genügte das nicht. Sie erstrebten eine Beteiligung an der ökonomischen und territorialen Aufteilung der Welt, die der ökonomischen und politischen Macht des deutschen Imperialismus entsprach. (S.5)
Um das zu erreichen und dabei die Weltherrschaft zu erobern, ließen sie Kaiser Wilhelm II. den Krieg vorbereiten. Für die Rohstoffquellen und Absatzgebiete der deutschen Industriellen sollten die deutschen Soldaten in den Krieg ziehen – nicht für das Vaterland, wie man ihnen sagte. Am 1. August 1914 war es dann soweit. Der erste Weltkrieg begann. Zu denen, die in München den Krieg begrüßten, gehörte ein gewisser Adolf Hitler.

KriegIn seinem Buch „Mein Kampf“ schildert er seine Begeisterung über den Kriegsausbruch 1914: „Ich schäme mich auch heute nicht, es zu sagen, daß ich, überwältigt von stürmischer Begeisterung, in die Knie gesunken war und dem Himmel aus übervollem Herzen dankte, daß er mir das Glück geschenkt, in dieser Zeit leben zu dürfen.“

Die deutschen Monopolherren verloren diesen Krieg. Arbeiter und Soldaten erhoben sich und drohten, das System der Monopole zu erschüttern. Der Kaiser mußte gehen. Doch die Monopole blieben – und mit ihnen die Generale. Sie taten alles, um dieses System zu erhalten. (S.6-8)

Auf Betreiben des Geheimrats Kirdorf, der die politischen Fonds des „Vereins für bergbauliche Interessen“, den sogenannten Ruhrschatz, verwaltete, faßte der geschäftsführende Ausschuß dieses Vereins einen Beschluß, nach dem jeder Unternehmer, der dem Kohlesyndikat angehörte, verpflichtet war, „Kohlepfennige“ an die Hitlerpartei zu zahlen. Allein im Jahre 1929 ergaben diese „Kohlepfennige“ einen Betrag von 6.150.000 Reichsmark. (S.46)

FlugzeugJetzt konnte die Propagandawalze der Nazis wieder auf Touren gebracht werden, konnten Plakate gedruckt, Broschüren vertrieben und Versammlungen mit riesigem Aufwand in Szene gesetzt werden. Für die bevorstehenden Reichstagswahlen wurde eine Maschine der Deutschen Lufthansa für Hitler gechartert. Mit ihr flog Hitler sieben Tage lang von einer Stadt zur anderen und sprach in 21 Versammlungen. (S.68) (…) So kann Goebbels am Abend dieses 20. Februar 1933 notieren: „Wir treiben für die Wahl eine ganz große Summe auf, die uns mit einem Schlag aller Geldsorgen enthebt.“ (S.110)


Kommentar:
Das Ende dieser Geschichte ist bekannt: Die Nazis hatten ganz Europa mit Krieg überzogen und 50 Millionen Tote und bis zur Unkenntlichkeit verwüstete Städte und Landschaften hinterlassen. Am 8. Mai 1945 wurde Deutschland von der Sowjetunion und den Alliierten der Antihitlerkoalition vom Faschismus befreit. Vom Nürnberger Gericht wurden die Hauptkriegsverbrecher verurteilt. Nicht alle. Gegen den Protest der UdSSR entgingen Fritzsche, Schacht, Papen und andere Großindustrielle ihrer gerechten Strafe.

Doch damit nicht genug. Die vormals Mächtigen gelangten in Westdeutschland auch nach 1945 mit Hilfe der westlichen Besatzungsmächte wieder an die Macht. Und wie einst Hitler mit Hilfe des Kapitals zum Reichskanzler gemacht wurde, folgten später Adenauer, Erhard, Kiesinger, Kohl und Merkel. Die Geschichte wiederholte sich mit fast den gleichen Hintermännern und ähnlichen Statisten. Im Westen Deutschlands blieb die Bourgeoisie an der Macht. Die BRD wurde zum Juniorpartner der USA gemacht. Das war vor allem gegen die Sowjetunion gerichtet. Damit begann der „Kalte Krieg“.

Herren1 Herren2 Herren3

Darüber schrieb man damals in der DDR:

„Dreimal wurde die deutsche Bourgeoisie von der Geschichte gewogen und zur Führung des deutschen Volkes zu leicht und als untauglich befunden. In allen entscheidenden Situationen der deutschen Geschichte hat die deutsche Großbourgeoisie unserem Volk unendlichen Schaden zugefügt. Sie hat damit jeden Anspruch auf Führung unseres großen und begabten Volkes verloren. Allein in den sechs Jahrzehnten seit der Jahrhundertwende waren mehr als zehn Jahre seines Lebens durch zwei Weltkriege, weitere zwanzig Jahre durch Inflation und Überwindung wenigstens der schwersten Kriegsfolgen, weitere lange Jahre mit Aufrüstung und neuen Kriegsvorbereitungen angefüllt. Hinzu kamen Not und Elend der Wirtschaftskrisen. Wem allein zu Nutzen? Nur den Herren der Konzerne und Banken, den Junkern und Großgrundbesitzern. Sie bereicherten sich auf Kosten aller anderen Schichten des Volkes an Krieg und Inflation. Solange die Konzerne, Großbanken und ihre Militaristen auch nur in einem Teil Deutschlands die Herrschaft ausüben, ist die physische Existenz des ganzen deutschen Volkes bedroht.

In der Deutschen Demokratischen Republik, in der Imperialismus und Militarismus ein für allemal überwunden sind, in der die Ausbeutung der arbeitenden Menschen für immer beseitigt ist, verkörpern sich die demokratischen, humanistischen, friedlichen und sozialistischen Traditionen des deutschen Volkes. Die Deutsche Demokratische Republik wird geführt von denjenigen Kräften…, die unter ungeheuren Opfern ihre Pflicht gegenüber dem deutschen Volk erfüllten, die den Kampf gegen die verhängnisvolle Politik der Großbourgeoisie in den verschiedenen Zeiträumen führten, die niemals kapitulierten, die niemals das Volk verrieten und sich damit das geschichtliche Recht auf Führung des deutschen Volkes erworben haben.“

(Aus dem Dokument des Nationalrates „Die geschichtliche Aufgabe der Deutschen Demokratischen Republik und die Zukunft Deutschlands“)

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