Helmut Preißler: Die Menschlichkeit

Hände

Helmut Preißler

DIE MENSCHLICHKEIT
hat nur Gewicht,
wenn sie die Macht
der Unmenschen bricht.

Jahrtausende Hohngelächter,
in dem Märtyrer verdarben.
Und immer die Salven der Schlächter,
in denen die Duldenden starben,

und immer die Härte, die leicht
das Wehrlose, Weiche zerstört,
die Demut, die nichts erreicht,
die Bitten, die keiner erhört,

und immer ein Unten und Oben,
und die Untren gekrümmt im Leid,
und immer loben die Obren
der Getretenen Friedfertigkeit,

und sie raten: Die andere Wange
halt hin, wenn dich einer geschlagen!
Und sie nehmen die in die Zange,
die verzweifelt den Widerstand wagen.

Bei jedem Volkserheben
hört man Erbarmen! sie Schrein.
Die niemals Pardon gegeben,
mahnen nun, milde zu sein.

Und so wird das Menschlichsein
zur Krücke für Unmenschlichkeit,
und so wird mildes Verzeihn
zur Quelle für neues Leid,

Die Menschlichkeit
hat nur Gewicht,
wenn sie die Macht
der Unmenschen bricht.

Quelle:
Helmut Preißler: Erträumte Ufer, Gedichte, Verlag Neues Leben Berlin, 1979, S.33.
Foto: Wolfgang Gregor (ebd.)

Siehe auch:
Helmut Preißler. Ich liebe Rot…

Dieser Beitrag wurde unter Poesie, Sozialistische Literatur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Helmut Preißler: Die Menschlichkeit

  1. Günter Hering schreibt:

    Danke, Sacha. Warum nur ist mir Preißler bisher entgangen?

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