Kinderferien in der DDR

Ferienlager Röbel

Jungen und Mädchen proben auf der Freilichtbühne des Bungalowdorfes in Gallentin für die Abschlußfeier

Die Freizeit- und Feriengestaltung war in der DDR stets ein wichtiges Anliegen von Partei, Gewerkschaft und Jugendverband. Sie war Bestandteil der staatlichen Jugendförderung und wurde vollständig aus dem Staatshaushalt finanziert. Das war natürlich nur deshalb möglich, weil die Betriebe der DDR Volkseigentum waren und die Gewinne nicht in die Taschen einiger weniger Ausbeuter und sonstiger Parasiten wanderten, wie es heute in der BRD der Fall ist. Die herrschende Klasse in der DDR war nämlich die Arbeiterklasse.

Im Lexikon Arbeitsrecht (DDR) steht: „Der einheitliche Erziehungsprozeß der Schüler und Lehrlinge in der Schule und in den Ferien soll helfen, die Wißbegierde, den Forschungsdrang, die Liebe zur sozialistischen Heimat, zum Buch, zur Kunst und zur sportlichen Betätigung zu wecken.“ Die Betriebsferienlager wurden in der Regel für die Kinder (ab 10 Jahre) der Betriebangehörigen organisiert. Jeder Durchgnag dauerte 18 Tage. Die Teilnehmer zahlten dafür einen geringfügigen Teilnahmebeitrag. Hier eine kleine, und für die damalige Zeit auch wohl recht belanglose Mitteilung aus einer Tageszeitung der DDR vom 22.Dezember 1983:

Ferienhelfer

Es ist für uns heute schon ein erstaunlicher Vorgang. Aber so war das eben in der DDR: Da werden Ferienhelfer ausgezeichnet, die während der Sommerferien in einem der zahlreichen Betriebsferienlager, in einem zentralen Pionierlager oder in einem Lager für Erholung und Arbeit als Lagerleiter, Helfer oder Küchenkräfte eingesetzt waren. Sie machten das selbstverständlich freiwillig, mit einer betrieblichen Freistellung von der Arbeit (d.h. die Kollegen erhielten weiterhin ihren Lohn vom Betrieb und eine Aufwandsentschädigung für die Zeit ihres Ferieneinsatzes). Eine Krankenschwester und ein Arzt begleiteten die Kinder. In jedem Jahr verbrachten auch Kinder aus anderen Ländern (u.a. aus der BRD, aus Polen, der Tschechoslowakei, der Sowjetunion oder aus befreundeten afrikanischen Ländern) ihre Ferien in der DDR.

Ferienlager Gallentin

Frohe Ferientage verleben die FDJler in Röbel an der Mecklenburgischen Seenplatte

Solche Ferien in einem Betriebsferienlager waren für die Kinder immer ein riesiges Vergnügen. Allein die Zugfahrt (für 2-3 Mark je Kind durch die ganze Republik bis an die Ostsee) war schon ein Gaudi. Und es gab viele schöne Kinderferienlager in der DDR. Kein Tag war langweilig und in der Küche des Ferienlagers wurde ein schmackhaftes Essen zubereitet. Nach 14 erlebnisreichen Tagen mit Spiel und Spaß, mit interessanten Exkursionen und Ausflügen kamen die Kinder dann fröhlich und ausgelassen zurück. Die Kosten zahlte der Betrieb. Wer das einmal erlebt hat, wird die schönen Ferien nie vergessen. Dann freuten sich die Kinder wieder auf den 1.September, den Schulbeginn…


Noch eine kleine Statistik:

Die DDR hatte (1986) rd. 18,6 Millionen Einwohner. Davon waren etwa 2 Millionen Kinder im Alter von 7 bis 17 Jahren, die eine allgemeinbildende Schule besuchten. In unserem Land gab es 263 Jugenderholungseinrichtungen. Allein im Ostseebezirk Rostock verbrachten 1986 über 3,4 Millionen DDR-Bürger ihren Urlaub; jeder vierte Urlauber hatte seinen Ferienplatz über den FDGB-Feriendienst erhalten, und fast 8% aller Ostsee-Urlauber waren Kinder, die ihre Ferien in einem Kinderferienlager verleben durften.
(Quelle: Statist. Taschenbuch der DDR, Staatsverlag Berlin, 1987)

Fotos:
Vom Sinn unseres Lebens, Verlag Neues Leben, Berlin, 1983, S.238 u.239.

Siehe auch:
Die DDR – ein kinderfreundliches Land

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2 Antworten zu Kinderferien in der DDR

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