Wer beherrscht die monopolkapitalistische Wirtschaft?

NewYork 1929Man bezeichnete den 24. Oktober 1929 in den USA als den „schwarzen Donnerstag“. Die Börsenkurse brachen stark ein und viele Anleger waren danach hochverschuldet. Dieser Börsenkrach löste die Weltwirtschaftskrise aus. Wer war schuld an dieser Krise? Waren es habgierige Banker? War es der Staat? Oder handelte es sich hier um einen Geburtsfehler der monopolkapitalistischen Gesellschaft? Wer beherrscht eigentlich die Wirtschaft? Und wer profitiert davon?

Die neue Rolle der Großbanken

Immer mehr zeigt sich bei der Entwicklung in der monopolkapitalistisch regierten Wirtschaft, welche dominierende Rolle die Banken einnehmen. Lenin hatte bekanntlich angesichts der Verschmelzung von Industrie- und Bankkapital schon 1920 auf die neue Rolle der Banken hingewiesen, indem er schrieb, daß die Banken das Industriekapital in immer größere Abhängigkeit von sich bringen. [1] Dabei werden die tatsächlichen gesellschaftlichen Verhältnisse oft verkehrt, mystifiziert widergespiegelt. Karl Marx nannte das den der Warenproduktion eigenen Fetischismus. [2]

Zentren des Wirtschaftslebens

Das Geldkapital, so schreibt Kurt Gossweiler in seinem Aufsatz „ist der Gott der kapitalistischen Warenwelt. Seine Macht geht über an die Vermittler zwischen Gott (Geld) und der nach Gott dürstenden Welt – an die Banken. Sie werden zum Papst in der verkehrten Welt der kapitalistischen Warenproduktion, in der die Dinge über den Menschen herrschen. Die Vormacht der Banken gegenüber dem Industriekapital im Imperialismus ist weit weniger wunderbar als es die Siege der Päpste über die mittelalterlichen Kaiser waren. Denn ihrer scheinbar irrationalen Macht liegt ganz etwas anderes zugrunde, als es der religiöse Glaube ist, eine Tatsache, die eben bereits erwähnt wurde und die Lenin in die prägnanten Worte faßte: ‚Die Banken sind… die Zentren des modernen Wirtschaftslebens, die wichtigsten Nervenknoten des gesamten kapitalistischen Systems der Volkswirtschaft.’ [3] Diese Rolle müssen die Banken in der hochentwickelten kapitalistischen Warenproduktion, im Imperialismus spielen, können es aber auch nur in ihr.“ (…)

Der bürgerliche Staat als Werkzeug des Finanzkapitals

„Die Unantastbarkeit des kapitalistischen Eigentums an den Produktionsmitteln, soweit es monopolkapitalistisches Eigentum ist, macht es dem kapitalistischen Staat prinzipiell unmöglich, ‚der Wirtschaft’ gegenüber als Planer und Leiter aufzutreten. Wo er sie aufzutreten scheint, tut er es als Instrument, als Werkzeug des Finanzkapitals zur Durchsetzung der ‚Profit-Planung’ der verschiedenen Finanzgruppen, mit den Banken and er Spitze, als staatsmonopolistische Regulierung. Sie, die Banken sind nicht die einzigen, aber die obersten Kommandozentralen des Finanzkapitals.“ (S.227f.)

Es war keine „Machtergreifung“, sondern eine „Übergabe der Macht“

Kurt Gossweiler weist im übrigen darauf hin, daß insbesondere in der ersten Phase der faschistischen Diktatur die Beschäftigung mit der Wirtschaftspolitik des Faschismus in vielerlei Hinsicht wichtig und aktuell ist. Gerade weil, das faschistische Deutschland das erste Modell einer bereits in Friedenszeiten staatsmonopolistisch regulierten Wirtschaft darstellt. Der Terminus einer „nationalsozialistischen Machtergreifung“ – so Kurt Gossweiler – verschleiere den wahren Sachverhalt, nämlich die Übergabe der politischen Macht an die Nazibande durch das deutsche Monopolkapital zur Verwirklichung seiner reaktionären und aggressiven innen- und außenpolitischen Ziele. (S.132)

Zitate:
[1] W.I.Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, in Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1960, Bd.22, S.214ff.
[2] K.Marx, Das Kapital, Bd.1, in: Marx/Engels, Werke, Bd.23, Dietz Verlag Berlin, 1962, S.86f.
[3] W.I. Lenin, Die drohende Katastrophe und wie man sie bekämpfen soll, in: Lenin, Werke, Bd.25, Dietz Verlag Berlin, 1960, S.338.

Quelle:
Kurt Gossweiler, Die Rolle der Großbanken im Imperialismus, in: Aufsätze zum Faschismus, Akademie-Verlag Berlin, 1988.

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