Die Bevölkerung Deutschlands nach 1945

Nürnberg1945

Bekanntlich hatten die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die die DDR wirtschaftlich sehr ungleiche Ausgangsbedingungen. Während sich fast das gesamte Industriepotential Deutschlands im Westen des Landes befand, mußte die DDR mit wesentlich schlechteren Ausgangsbedingungen zurechtkommen.

Durch anglo-amerikanische Bombenangriffe waren zahlreiche Großstädte in Schutt und Asche gelegt worden, dagegen blieb eine große Anzahl vor allem größerer Betriebe im Westen des Landes von den Zerstörungen verschont.
Fordwerke1945

Infolge der reaktionären Politik der Westmächte, die im Widerspruch zum Potsdamer Abkommen eine Restaurierung der kapitalistischen Verhältnisse anstrebte, wohingegen die Sowjetunion von Anfang an bemüht war, demokratische Verhältnisse einzuführen, nahm auch die demographische Entwicklung in der DDR einen völlig anderen Verlauf als im Westen Deutschland. In der Großen Sowjet-Enzyklopädie, Band I (Deutschland), lesen wir dazu folgendes:

DIE BEVÖLKERUNG DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK (DDR)

Nach der Schätzung von 1951 betrug die Bevölkerungszahl der DDR zusammen mit Groß-Berlin etwa 22 Mill., in der Hauptsache Deutsche. Eine nationale Minderheit sind die Sorben, ein slawisches Volk, das am Oberlauf der Spree wohnt und über 100.000 Menschen zählt.

Bevölkerung

Dank der in der östlichen (sowjetischen) Besatzungszone durchgeführten demokratischen Reformen und der Herstellung einer demokratischen Ordnung sind seit 1946 in der sozialen und berufsmäßigen Zusammensetzung der Bevölkerung wesentliche Veränderungen vor sich gegangen. Die Zahl der in der Volkswirtschaft beschäftigten Personen ist von 7,7 Mill. im Jahre 1946 auf 8,5 Mill. im Jahre 1950 gestiegen. Die Arbeitslosigkeit ist vollständig beseitigt, die Umsiedler haben Arbeit und Land erhalten, die arbeitsfähigen Familienangehörigen, die früher versorgt werden mußten, sind in den Arbeitsprozeß einbezogen.

Nach den Angaben von 1946 gab es 57,3% in der Volkswirtschaft beschäftigte Arbeiter, die Angestellten der Behörden, Organisationen und Privatbetriebe zählten 18,5%, die selbständigen Wirtschaften (vor allem Bauern, ferner Handwerker, Inhaber von Privatbetrieben usw.) 16,4% und die in den Produktionsprozeß einbezogenen Familienangehörigen 7,8%. 1950 hatte sich die Zahl der Arbeiter und Angestellten etwa um 10% vergrößert (der Fünfjahrplan 1951 – 1955 sieht eine weitere Zunahme um 12,8% vor). Auch die Zahl der selbständigen Gewerbetreibenden hat sich durch die Zuteilung von Land an Landarbeiter und Umsiedler etwas erhöht. Die demokratischen Reformen haben zu einer wesentlichen Abnahme der nichtwerktätigen Elemente geführt. Die werktätige Bevölkerung der DDR verteilt sich wie folgt auf die einzelnen Wirtschaftszweige (in Prozent nach dem Stand von 1946): Industrie und Handwerk 42,2; Land- und Forstwirtschaft 29,3; Handel und Verkehr 14,5; Angestellte staatlicher Behörden und gesellschaftlicher Organisationen sowie Angehörige freier Berufe 11,1; Hausangestellte 2,9.

Während des Zweijahrplans (1949 – 1950) hat sich der Anteil der qualifizierten Arbeiter, Techniker, Ingenieure, Agronomen, Traktoristen und anderen Facharbeiter an der Gesamtzahl der in der Volkswirtschaft Beschäftigten wesentlich vergrößert.

DIE BEVÖLKERUNG WESTDEUTSCHLANDS

Die Bevölkerung Westdeutschlands bezifferte sich im Jahre 1950 auf 48,4 Mill., in der Hauptsache Deutsche. Die größten Gruppen nationaler Minderheiten sind die Dänen (70.000), die in den an Dänemark angrenzenden Gebieten wohnen, die Holländer (39.000) in den an Holland grenzenden Landstrichen und die Friesen.

Westdeutschland weist eine beträchtliche Überzahl der weiblichen Bevölkerung, einen hohen Anteil der älteren Jahrgänge und einen gegenüber der Vorkriegszeit verringerten Prozentsatz der arbeitsfähigsten Altersstufen auf (Personen von 14 – 40 Jahren stellten 1939 62,6% und 1948 53,7%).

Westdeutschland

Nach den Angaben von 1946 kamen auf 13,5 Mill. Arbeiter und Angestellte, die in der Volkswirtschaft tätig waren, 2,5 Mill. Rentner und Pensionsempfänger (vor allem Nazibeamte und Berufsoffiziere) sowie 1,2 Mill. Arbeitslose. »Selbständige Gewerbetreibende« wurden 5,8 Mill. gezählt. Unter diesen befindet sich eine beachtliche Gruppe von Großgrundbesitzern, Inhabern von Großbetrieben, Banken usw. Nach offiziellen, offensichtlich zu niedrig angesetzten Angaben gab es 1950 fast 2 Mill. Arbeitslose; zusammen mit den Kurzarbeitern erreichte die Zahl gegen Ende 1951 4,5 Mill. Besonders hoch ist die Arbeitslosenziffer unter den Umsiedlern.

Die arbeitende Bevölkerung Westdeutschlands gliedert sich nach Wirtschaftszweigen und nach der Art der Erwerbsverhältnisse wie folgt (in Prozent nach dem Stand von 1946): Industrie und Handwerk 40,0; Land- und Forstwirtschaft 29,4; Handel und Verkehr 15,5; Verwaltung, Beamte und freie Berufe 12,3; Hausangestellte 2,8. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der in der Volkswirtschaft Beschäftigten betragen die Arbeiter 47,0%, die Angestellten und Beamten 20,7% und die »selbständigen Gewerbetreibenden« zusammen mit ihren mitarbeitenden Familienangehörigen 32,3%.

Die volksfeindliche Politik der »Bonner Regierung« und die Remilitarisierung Westdeutschlands haben eine Verschiebung zugunsten des Anteils der mit unproduktiver Arbeit Beschäftigten herbeigeführt und die materielle Lage der Werktätigen wesentlich verschlechtert. Die von einem riesigen Anstieg der Profite der Kapitalisten begleitete Remilitarisierung wird auf Kosten der werktätigen Massen durchgeführt, die der doppelten Ausbeutung durch die westdeutschen und die amerikanisch-englisch-französischen Imperialisten ausgesetzt sind. Die Erhöhung der Steuern, der Mieten und Preise für Massenbedarfsartikel senkten den ohnehin schon niedrigen Reallohn der Arbeiter.

Quelle:
Große Sowjet-Enzyklopädie (Deutschland), Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin, 1953, S.26-29

Sehr deutlich ist das auch an dieser Grafik zu sehen:
OstWest

Siehe auch:
Johannes R.Becher: Die DDR – ein Menschenstaat
DDR: Manchmal liegt die Zukunft doch in der Vergangenheit…
Schulbücher – in der BRD und in der DDR

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