Die Lebensleistung des Malers Armin Münch

Schrift Münch

Über Lebensleistungen der Menschen in der DDR wird in der heutigen BRD nicht viel geredet. Einer dieser stillen, und doch so ausdrucksstarken Künstler der DDR ist Armin Münch. Er hat das anglo-amerikanische Bombardement Dresdens am 13. Februar 1945 miterlebt, hat dann in der DDR als Maler und Grafiker gearbeitet, Tausende von Grafiken, Bildern und Gemälden geschaffen. Er starb am 21. August 2013 in Rostock.

Wenn gegenwärtig immer wieder von der DDR als der „zweiten deutschen Diktatur“ und von „Lebenslügen“ der ehemaligen „Stasi-Mitarbeiter“ die Rede ist, dann zitiert man gerne die ach-so „mutigen Bürgerrechtler“, die damals „der Stasi die Stirn geboten“ hätten, die „Schreckliches“ erlebt hätten und anhand der Akten immer neue „Verbrechen“ aufdeckten. Was ist denn eigentlich deren „Lebensleistung“? Schon diese Gleichsetzung unseres sozialistischen Vaterlandes mit dem Hitler-Faschismus ist ein unsäglicher Zynismus. Und man kehrt damit stillschweigend die Millionen Toten des vom deutschen Imperialismus angezettelten Krieges, die in den nazistischen KZ’s ermordeten Menschen, die Ausrottung der Juden in Polen und andere grauenhafte Verbrechen der Nazis unter den Teppich. Und man verschweigt, was es an wirklichen und hervorragenden Lebensleistungen in unserer Heimat, der DDR, gegeben hat.

Über einen dieser Menschen, die in der DDR Großartiges geleistet haben, berichtete 1966 der Journalist Peter Palme:

Wenn man Armin Münch auf der Straße begegnet, vermutet man in dem überaus einfachen und unauffälligen jungen Mann keinen Künstler. Mit vielen seiner jungen Kollegen teilt er die Abneigung gegen die äußerliche Betonung dieses Berufes. Er teilt mit ihnen den großen Ernst, den er seiner Aufgabe entgegenbringt. Was ihn hervorhebt in seiner Arbeit, ist sein großes Können. Eines aber unterscheidet ihn vor allem und deutlich: seine große Liebe zum Meer, zur Küste und ihren Bewohnern.

Münch - Mutter
Armin Münch – Stillende Mutter (Federzeichnung)

Er ist in der Nähe von Dresden zu Hause und liebt die See nicht wie sonst viele Binnenländer: als Urlaubsgegend, schön in der Sommersonne, doch die längste Zeit des Jahres ein rauhes, fremdes und unwirtliches Element. Er nahm sich Rostock zur Heimat, weil er die Stadt so jung fand, wie er selbst ist, und weil es da eines der großen Abenteuer unserer Zeit zu bestehen galt: Wo früher Äcker und Wiesen waren, wurden ganze Stadtteile neu gebaut, die größte Werft und der größte Hafen der DDR entstanden dort, und von Rostock aus fahren die meisten Schiffe unserer Handels- und Fischereiflotte in ferne Länder, zu weiten Fangplätzen.

Das alles hat den heute siebenunddreißigjährigen Grafiker gereizt, es mitzuerleben und festzuhalten in einer nur noch schwer zu übersehenden Menge von Kreide-, Pinsel- und Federzeichnungen, in Holzschnitten, Lithografien und Radierungen. Die besten von ihnen waren schon auf großen und kleinen Ausstellungen in vielen Städten unserer Republik zu sehen, aber auch in Hamburg, in Moskau und Leningrad, in Hauptstädten verschiedener Länder Europas sowie Asiens, Afrikas und selbst Amerikas.

Das ist ein Ausdruck der Wertschätzung, die seine Kunst genießt. 1965 wurde er für seine Leistungen mit dem Kunstpreis der Freien Deutschen Jugend ausgezeichnet. Er bekam ihn insbesondere für eine Reihe von Bildniszeichnungen nach jungen Menschen zwischen achtzehn und fünfundzwanzig Jahren, die in Schule und Beruf Hervorragendes leisten. Armin Münch geht dem Geschehen nicht wie ein Reporter mit dem Zeichenstift nach. Immer hat er sich überlegt, was denn das Wesentliche an dem sei, was er gesehen oder wovon er gehört oder gelesen hat. Darum weiß er, der Arbeiterjunge, der ein einfacher Zeichnerlehrling war, bevor er die Kunstakademie besuchte, daß es nicht genügt, nur das beeindruckende Gewirr von Schiffskörpern und Stahlmasten auf der Helling einer sozialistischen Werft abzuzeichnen. (…)

Münch Werft
Großsektionsmontage – „Mathias-Thesen-Werft“-Rostock

Aber Armin Münch sieht nicht nur die heiteren Seiten des Lebens. Er übt seinen Beruf mit großer Verantwortung aus und durchforscht das Weltgeschehen nach wichtigen Ereignissen, über die er seinen Zeitgenossen eine künstlerische Mitteilung geben möchte. Durch die amerikanischen Atombombenversuchsexplosionen ist er, wie alle friedliebenden Menschen, an das Grauen von Hiroshima erinnert worden.

Münch - Atompilz Münch - Kind
Atompilz (Litho) / Badendes kleines Mädchen (Holzschnitt)

Gepeinigt von dem Gedanken, so etwas könne sich wiederholen, hat er in den letzten Jahren Grafik um Grafik geschaffen: Blätter, auf denen sich Atompilze vernichtend über friedlichen Städten erheben, solche, auf denen sorgenvolle Mütter dargestellt sind, die ein Kindchen in ihrem Leib tragen, oder glückliche Mütter, die eines nähren. Bald sind diese Blätter furchterregend, bald freundlich. Alle dienen sie aber nur einem Zweck: die Menschen, die sie betrachten, zu mahnen, nie mehr so etwas Schreckliches zuzulassen und das Leben zu schützen.

Quelle:
Die Zaubertruhe, Band XII, 1966, S.213-216.

Siehe auch:
Armin Münch – Er hat gewirkt in seiner Zeit

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Eine Antwort zu Die Lebensleistung des Malers Armin Münch

  1. Günter Hering schreibt:

    Das badende Mädchen hängt bei uns an der Wand. Darf aber eigentlich keiner wissen, denn im heutigen „Moral“-Verständnis ist das ja Kinderpornographie!

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