G.Linkow: Entschlossene Menschen

Partisanen11Moskau 1941. Eine Gruppe Freiwilliger mit wenig militärischen Erfahrungen (zwei Krankenschwestern, 4 Funker und etwa 30 Kämpfer mit Waffen und Munition) wird im Hinterland des Feindes, im faschistisch besetzten Teil Belorußland, abgesetzt. Nachdem der Kommandeur der Gruppe nach 29 Tage andauerndem qualvollem Umhersuchen in einem 100 qkm großen Wald- und Sumpfgebiet seine Mitkämpfer wieder versammeln konnte, und er sich ein Bild gemacht hatte über die Stimmung der Bevölkerung unter den neuen „Machthabern“, unternimmt er erste Schritte für den beginnenden Partisanenkampf…

Entschlossene Menschen, die darauf brannten, gegen die Okkupanten zu kämpfen, konnte man im Herbst des Jahres 1941 in Belorußland überall antreffen. Hier gab es Angehörige der Roten Armee, die keine Aussicht mehr hatten, Anschluß an die Front zu finden; es gab Menschen, die aus den westlichen Gebieten der Ukraine und Belorußlands evakuiert und hier von den Deutschen überrascht worden waren, und schließlich Einheimische, die sich vor den Sondereinheiten in die Wälder geflüchtet hatten.

Der Kampf einzelner konnte natürlich keine wesentlichen Ergebnisse zeitigen. Erforderlich war eine breitangelegte Organisation der Kräfte, erforderlich waren Waffen, die Verbindung mit den in die Illegalität gegangenen Parteiorganisationen und der Zentralleitung und schließlich Führer, Kommandeure mit fester Hand und genügender Autorität. Autorität ist notwendig. Dem, der sie nicht hat, schenkt das Volk kein Vertrauen, und es folgt ihm nicht. Unter den im feindlichen Hinterland herrschenden Bedingungen den Kampf durch Befehle zu erzwingen, ist sehr schwierig. Im Partisanenkrieg ist der einzelne bei der Erfüllung einer Aufgabe häufig auf sich selbst angewiesen, und der Erfolg einer Aktion hängt weitgehend von seinem Mut, seiner Geistesgegenwart und Entschlußkraft ab. Wer nicht aus freiem Willen kämpft, wird keine Initiative an den Tag legen und folglich auch der Sache keinen Nutzen bringen.
Partisanen1

Partisanen12Ich sah mit eigenen Augen, wie furchtbar das Joch war, das auf der Bevölkerung der belorussischen Dörfer lastete. Aber ich überzeugte mich auch davon, daß das, was unsere Sowjetmacht ausmacht, diesem Druck doch nicht nachgegeben hatte. Die Dörfer Belorußlands stellten eine gewaltige Kraft dar, stark genug, die Macht der Deutschen im Hinterland zu brechen. Allerdings konnten die Hitlerfaschisten sich diese Kraft auch zwangsweise zunutze machen. Ich war verpflichtet, dafür zu kämpfen, daß sie nicht dem Feind zugute kam, sondern uns, unserer Sowjetmacht, erhalten blieb. Aber nicht nur das – ich mußte den Menschen helfen, gegenüber dem verderblichen Einfluß des Faschismus seelisch und geistig fest zu bleiben. Als ich mit meiner Abteilung in das Hinterland des Feindes flog, gab es noch keinen Zentralen Stab der Partisanenbewegung, und vor uns stand die Aufgabe, die Partisanenbewegung zu einer Massenbewegung zu machen, der Bevölkerung zu helfen, sich gegen den Feind zu erheben, und sie zu lehren, sich die neuen Methoden des Kampfes gegen die Okkupanten anzueignen.

Ich schlief ein mit dem Gedanken: Die durch die faschistische Okkupation niedergedrückten Kräfte des Volkes müssen aufgerichtet werden.

G.Linkow, Krieg im Hinterland des Feindes, Moskau, 1956, S.128.

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