Das Wertgesetz im Sozialismus

WEMA Gera

Flexibler automatis.Fertigungsabschnitt in der Werkzeugmaschinenfabrik UNION Gera*

Nicht nur in der Natur, sondern auch in der menschlichen Gesellschaft gibt es bestimmte Gesetzmäßigkeiten. Sie sind vom einzelnen Menschen unabhängig und wirken außerhalb seines Bewußtseins. Während der Kapitalismus auf der Ausbeutung fremder Arbeitskraft beruht, verschwindet unter sozialistischen Verhältnissen der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit – oder anders ausgedrückt: der Gegensatz zwischen gesellschaftlicher Produktion und privatkapitalistischer Aneignung. Denn im Sozialismus befinden sich die entscheidenden Produktionsmittel, sowie Grund und Boden, sowohl das Transportwesen und als auch der Staatsapparat in den Händen des werktätigen Volkes. Somit verändert sich auch der gesamte Charakter der Produktion. Egoismus, Profitmacherei und Ausbeutung werden abgelöst von gegenseitiger Hilfe und kameradschaftlicher Zusammenarbeit.

Allerdings ist das meist ein recht langwieriger und schwieriger Prozeß, der von zahlreichen Auseinandersetzungen begleitet ist. Denn die bisherige Ausbeuterklasse ist keineswegs bereit, auf ihre alten Privilegien und ihr zusammengeraubtes Vermögen zu verzichten. Das Gebiet der Politischen Ökonomie ist zugegebenermaßen ein recht schwieriges Kapitel. Man versteht darunter die Wissenschaft von den Produktionsverhältnissen, den in ihr herrschenden ökonomischen Gesetzen und jenen Wechselbeziehungen, aus denen sich soziale Veränderungen ergeben. Dabei hat jede historische Entwicklungsstufe ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten.

1) Die Warenproduktion im Sozialismus

Das Leben ändert sich. Und der Charakter der Arbeit verändert sich. Lenin schrieb: „Zum ersten Mal nach Jahrhunderten der Arbeit für andere, der unfreien Arbeit für die Ausbeuter bietet sie ihm (dem Werktätigen, N.G.) die Möglichkeit, für sich selbst zu arbeiten, und zwar zu arbeiten, gestützt auf alle Errungenschaften der modernen Technik und Kultur.“ [1]
Und im Lehrbuch für Politische Ökonomie von 1955 lesen wir: „Im Sozialismus ist die Warenproduktion keine gewöhnliche, sondern eine Warenproduktion besonderer Art. Es handelt sich um eine Warenproduktion ohne Privateigentum an den Produktionsmitteln und ohne Kapitalisten. Sie liegt hauptsächlich in den Händen vereinigter sozialistischer Produzenten (Staat, Kollektivwirtschaften, Genossenschaften). Angesichts so entscheidender ökonomischer Bedingungen, wie sie das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln, die Liquidierung des Systems der Lohnarbeit und der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen darstellen, sind der Warenproduktion im Sozialismus bestimmte Grenzen gesetzt. Deshalb kann sie nicht zu kapitalistischer Produktion werden und dient der sozialistischen Gesellschaft.

2) Das Volkseigentum kann nicht verkauft werden **

In der sozialistischen Gesellschaft hat die Warenproduktion nicht eine so unbegrenzte und allumfassende Verbreitung wie im Kapitalismus. Der Bereich der Warenproduktion und der Warenzirkulation beschränkt sich vor allem auf Gegenstände des persönlichen Bedarfs. In der sozialistischen Gesellschaft ist die Arbeitskraft keine Ware. Der Boden und die Bodenschätze sind staatliches Eigentum und können nicht Gegenstand des Kaufs und Verkaufs oder der Pacht sein. Die staatlichen Betriebe – Werke, Fabriken. Gruben, Kraftwerke mit ihren Produktionsanlagefonds (Produktionsinstrumente, Gebäude, Ausrüstungen usw.) können weder verkauft noch gekauft, sondern lediglich durch besondere Verfügung von der einen staatlichen Organisation an eine andere übergeben werden; sie sind folglich keine Waren, keine Objekte des Kaufs und Verkaufs.

3) Der Staat behält das volle Eigentumsrecht

Die im staatlichen Sektor erzeugten Produktionsmittel – Maschinen, Werkzeugmaschinen, Metall, Kohle, Erdöl usw.– werden auf die staatlichen Betriebe verteilt. In den Volkswirtschaftsplänen werden jedem Betrieb die seinem Produktionsprogramm entsprechenden materiellen Fonds zugewiesen. Diese Fonds werden von den Erzeugerbetrieben an die Verbraucherbetriebe auf Grund der zwischen ihnen abgeschlossenen Verträge geliefert. Beim Übergang von Produktionsmitteln an einen Betrieb behält der sozialistische Staat das volle Eigentumsrecht an diesen Produktionsmitteln. Die Direktoren der Betriebe, die vom sozialistischen Staat Produktionsmittel erhalten, werden keineswegs deren Eigentümer, sondern sind Bevollmächtigte des Staates und haben diese Produktionsmittel nach den staatlichen Plänen zu verwenden.

4) Und wie ist das in der Landwirtschaft und im Außenhandel?

Die Kollektivwirtschaften kaufen Kraftwagen, Ausrüstungen für ihre gesellschaftliche Wirtschaft und einfachste landwirtschaftliche Maschinen und Geräte. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Maschinen aber – wie Traktoren, Kombines usw. – werden nicht an die Kollektivwirtschaften verkauft, sondern in staatlichen Betrieben – in den Maschinen- und Traktorenstationen (MTS) – konzentriert, die mit diesen Produktionsmitteln für die Kollektivwirtschaften arbeiten. Die Produktionsmittel, die innerhalb des Landes auf die staatlichen Betriebe verteilt werden, sind ihre Wesen nach keine Waren; aber sie behalten die Warenform bei, werden in Geld bewertet, was für die Rechnungslegung und die Kalkulation notwendig ist. Auf dem Gebiet des Außenhandels stellen die Produktionsmittel, die an die andere Staaten verkauft werden, Waren dar. Hier erfolgt ein Kauf und Verkauf und ein Wechsel des Eigentümers.“ [2]

5) Das Wertgesetz im Sozialismus

Der sozialistischen Wirtschaft ist das sogenannte „Geschäftsgeheimnis“ fremd. Die technischen Errungenschaften der führenden Betriebe werden schnell zum Gemeingut aller Betriebe des betreffenden Zweiges. All das beschleunigt den technichen Fortschritt und fördert den schnellen Aufschwung der Produktivkräfte der sozialistischen Gesellschaft. „Sofern im Sozialismus die Warenproduktion und die Warenzirkulation bestehen, ist auch das Wertgesetz weiterhin wirksam. Die Wirtschaftsordnung des Sozialismus setzt dem Wirken des Wertgesetzes strenge Grenzen. Die Rolle des Wertgesetzes wird begrenzt durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel in Stadt und Land, durch Einengung des Bereichs der Warenproduktion und der Warenzirkulation und durch das Wirken der ökonomischen Gesetze des Sozialismus, vor allem des Gesetzes der planmäßigen Entwicklung der Volkswirtschaft. Der Wirkungsbereich des Wertgesetzes wird im Sozialismus auch durch die Jahres- und Fünfjahrpläne und überhaupt durch die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit des sozialistischen Staates begrenzt. Deshalb kann das Wertgesetz im Sozialismus nicht die Rolle des Regulators der Produktion spielen.

6) Über die Rentabilität der Betriebe

Wäre das Wertgesetz im Sozialismus Regulator der Produktion, so würden sich in der sozialistischen Gesellschaft in erster Linie die rentabelsten Zweige und Betriebe entwickeln, während vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus äußerst wichtige Betriebe der Schwerindustrie, die zeitweilig unrentabel sein können, geschlossen würden. In der UdSSR werden aber die in der ersten Zeit unrentablen oder wenig rentablen Betriebe, die für die Volkswirtschaft notwendig sind, keineswegs geschlossen, sondern erhalten und unterstützt; dabei werden gleichzeitig Maßnahmen getroffen, um sie rentabel zu machen. Der sozialistische Staat deckt in diesem Falle die zeitweilige Unrentabilität der einen Zweige oder Betriebe aus den Einnahmen, die durch andere Zweige und Betriebe erzielt werden. Der sozialistische Staat baut Betriebe und ganze Produktionszweige auf, wobei er sich nicht von Profitstreben, sondern allein von den Erfordernissen des ökonomischen Grundgesetzes des Sozialismus und des Gesetzes der planmäßigen Entwicklung der Volkswirtschaft leiten läßt.

7) Über die regulierende Wirkung der Preise

Der Wirkungsbereich des Wertgesetzes erstreckt sich im Sozialismus vor allem auf die Warenzirkulation, auf den Austausch von Waren – vor allem von Gegenständen des persönlichen Bedarfs. Auf diesem Gebiet wirkt das Wertgesetz in bestimmten Grenzen als Regulator. Die regulierende Wirkung des Wertgesetzes äußert sich auf dem Gebiet der Warenzirkulation darin, daß der Staat, der ein bestimmtes Preisverhältnis zwischen den verschiedenen Waren des persönlichen Bedarfs festsetzt, dabei sowohl ihren in Geld ausgedrückten Wert als auch die Nachfrage nach diesen Waren und das Angebot berücksichtigt Nichtbeachtung der Nachfrage und des Angebots bedeutet, daß bei Waren mit zu hohen Preisen ein rapider Rückgang der Nachfrage einsetzen würde, während für Waren mit zu niedrigen Preisen die Nachfrage künstlich aufgebläht würde. Am stärksten tritt die regulierende Rolle des Wertgesetzes auf dem kollektivwirtschaftlichen Markt in Erscheinung; hier bilden sich die Preise auf Grund der Nachfrage und des Angebots heraus, wobei die Preisbewegung die Größe und Struktur des Warenumsatzes auf dem kollektivwirtschaftlichen Markt beeinflußt. Der sozialistische Staat übt jedoch einen starken ökonomischen Einfluß auf den kollektivwirtschaftlichen Markt aus, da die Hauptmasse der Waren im staatlichen und genossenschaftlichen Handel zu festen Planpreisen verkauft wird.“ [3]

8) Die Konsumgüterproduktion

Das Wirken des Wertgesetzes beschränkt sich nicht nur auf den Bereich der Warenzirkulation. Es wirkt auch auf die sozialistische Produktion ein; diese Einwirkung ist jedoch nicht bestimmend. Dazu sagte Stalin: „Es ist so, daß die Konsumgüter, die für die Deckung des Aufwands an Arbeitskraft im Produktionsprozeß notwendig sind, bei uns als Waren erzeugt und realisiert werden, die der Wirkung des Wertgesetzes unterliegen. Hier gerade zeigt sich die Einwirkung des Wertgesetzes auf die Produktion. Im Zusammenhang damit haben in unseren Betrieben solche Fragen wie die wirtschaftliche Rechnungsführung und die Rentabilität, die Selbstkosten, die Preise und dergleichen aktuelle Bedeutung. Darum können und dürfen unsere Betriebe das Wertgesetz nicht außer acht lassen.“ [4] Während die Konsumgüter, die Waren sind, einen Wert besitzen, haben die Produktions-mittel, die keine Waren sind, nur die Form der Ware und des Wertes, die der Kalkulation, der Rechnungslegung und der Kontrolle dienen. Im Gegensatz zum Kapitalismus, wo das Wertgesetz als beherrschende Kraft wirkt, wird die Wirkung des Wertgesetzes im Sozialismus bei der Planung der Volkswirtschaft berücksichtigt und bewußt ausgenutzt.

Zitate (kursiv):
[1] W.I. Lenin: Wie soll man den Wettbewerb organisieren? in: W.I. Lenin, Werke, 4.Ausg., Bd.26, S.368 (russ.)
[2] Politische Ökonomie – Lehrbuch, Dietz Verlag, Berlin 1955, S.502f.
[3] ebd. S.506f.(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)
[4] J.Stalin: Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR, S.20

* Foto: VEB Wema UNION Gera/Werkfoto (auch dieser DDR-Betrieb wurde im Zuge der Konterrevolution 1989 von der „Treuhand“ geplündert und restlos vernichtet)
** Es kann nur geraubt oder gestohlen werden wie nach 1989 das Volkseigentum der DDR

Siehe auch:
Was ist Politische Ökonomie?
Was ist sozialistische Planwirtschaft?

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