Das Wertgesetz im Sozialismus

WEMA Gera

Flexibler automatis.Fertigungsabschnitt in der Werkzeugmaschinenfabrik UNION Gera*

Nicht nur in der Natur, sondern auch in der menschlichen Gesellschaft gibt es bestimmte Gesetzmäßigkeiten. Sie sind vom einzelnen Menschen unabhängig und wirken außerhalb seines Bewußtseins. Während der Kapitalismus auf der Ausbeutung fremder Arbeitskraft beruht, verschwindet unter sozialistischen Verhältnissen der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit – oder anders ausgedrückt: der Gegensatz zwischen gesellschaftlicher Produktion und privatkapitalistischer Aneignung. Denn im Sozialismus befinden sich die entscheidenden Produktionsmittel, sowie Grund und Boden, sowohl das Transportwesen und als auch der Staatsapparat in den Händen des werktätigen Volkes. Somit verändert sich auch der gesamte Charakter der Produktion. Egoismus, Profitmacherei und Ausbeutung werden abgelöst von gegenseitiger Hilfe und kameradschaftlicher Zusammenarbeit.

Allerdings ist das meist ein recht langwieriger und schwieriger Prozeß, der von zahlreichen Auseinandersetzungen begleitet ist. Denn die bisherige Ausbeuterklasse ist keineswegs bereit, auf ihre alten Privilegien und ihr zusammengeraubtes Vermögen zu verzichten. Das Gebiet der Politischen Ökonomie ist zugegebenermaßen ein recht schwieriges Kapitel. Man versteht darunter die Wissenschaft von den Produktionsverhältnissen, den in ihr herrschenden ökonomischen Gesetzen und jenen Wechselbeziehungen, aus denen sich soziale Veränderungen ergeben. Dabei hat jede historische Entwicklungsstufe ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten.

1) Die Warenproduktion im Sozialismus

Das Leben ändert sich. Und der Charakter der Arbeit verändert sich. Lenin schrieb: „Zum ersten Mal nach Jahrhunderten der Arbeit für andere, der unfreien Arbeit für die Ausbeuter bietet sie ihm (dem Werktätigen, N.G.) die Möglichkeit, für sich selbst zu arbeiten, und zwar zu arbeiten, gestützt auf alle Errungenschaften der modernen Technik und Kultur.“ [1]
Und im Lehrbuch für Politische Ökonomie von 1955 lesen wir: „Im Sozialismus ist die Warenproduktion keine gewöhnliche, sondern eine Warenproduktion besonderer Art. Es handelt sich um eine Warenproduktion ohne Privateigentum an den Produktionsmitteln und ohne Kapitalisten. Sie liegt hauptsächlich in den Händen vereinigter sozialistischer Produzenten (Staat, Kollektivwirtschaften, Genossenschaften). Angesichts so entscheidender ökonomischer Bedingungen, wie sie das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln, die Liquidierung des Systems der Lohnarbeit und der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen darstellen, sind der Warenproduktion im Sozialismus bestimmte Grenzen gesetzt. Deshalb kann sie nicht zu kapitalistischer Produktion werden und dient der sozialistischen Gesellschaft.

2) Das Volkseigentum kann nicht verkauft werden **

In der sozialistischen Gesellschaft hat die Warenproduktion nicht eine so unbegrenzte und allumfassende Verbreitung wie im Kapitalismus. Der Bereich der Warenproduktion und der Warenzirkulation beschränkt sich vor allem auf Gegenstände des persönlichen Bedarfs. In der sozialistischen Gesellschaft ist die Arbeitskraft keine Ware. Der Boden und die Bodenschätze sind staatliches Eigentum und können nicht Gegenstand des Kaufs und Verkaufs oder der Pacht sein. Die staatlichen Betriebe – Werke, Fabriken. Gruben, Kraftwerke mit ihren Produktionsanlagefonds (Produktionsinstrumente, Gebäude, Ausrüstungen usw.) können weder verkauft noch gekauft, sondern lediglich durch besondere Verfügung von der einen staatlichen Organisation an eine andere übergeben werden; sie sind folglich keine Waren, keine Objekte des Kaufs und Verkaufs.

3) Der Staat behält das volle Eigentumsrecht

Die im staatlichen Sektor erzeugten Produktionsmittel – Maschinen, Werkzeugmaschinen, Metall, Kohle, Erdöl usw.– werden auf die staatlichen Betriebe verteilt. In den Volkswirtschaftsplänen werden jedem Betrieb die seinem Produktionsprogramm entsprechenden materiellen Fonds zugewiesen. Diese Fonds werden von den Erzeugerbetrieben an die Verbraucherbetriebe auf Grund der zwischen ihnen abgeschlossenen Verträge geliefert. Beim Übergang von Produktionsmitteln an einen Betrieb behält der sozialistische Staat das volle Eigentumsrecht an diesen Produktionsmitteln. Die Direktoren der Betriebe, die vom sozialistischen Staat Produktionsmittel erhalten, werden keineswegs deren Eigentümer, sondern sind Bevollmächtigte des Staates und haben diese Produktionsmittel nach den staatlichen Plänen zu verwenden.

4) Und wie ist das in der Landwirtschaft und im Außenhandel?

Die Kollektivwirtschaften kaufen Kraftwagen, Ausrüstungen für ihre gesellschaftliche Wirtschaft und einfachste landwirtschaftliche Maschinen und Geräte. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Maschinen aber – wie Traktoren, Kombines usw. – werden nicht an die Kollektivwirtschaften verkauft, sondern in staatlichen Betrieben – in den Maschinen- und Traktorenstationen (MTS) – konzentriert, die mit diesen Produktionsmitteln für die Kollektivwirtschaften arbeiten. Die Produktionsmittel, die innerhalb des Landes auf die staatlichen Betriebe verteilt werden, sind ihre Wesen nach keine Waren; aber sie behalten die Warenform bei, werden in Geld bewertet, was für die Rechnungslegung und die Kalkulation notwendig ist. Auf dem Gebiet des Außenhandels stellen die Produktionsmittel, die an die andere Staaten verkauft werden, Waren dar. Hier erfolgt ein Kauf und Verkauf und ein Wechsel des Eigentümers.“ [2]

5) Das Wertgesetz im Sozialismus

Der sozialistischen Wirtschaft ist das sogenannte „Geschäftsgeheimnis“ fremd. Die technischen Errungenschaften der führenden Betriebe werden schnell zum Gemeingut aller Betriebe des betreffenden Zweiges. All das beschleunigt den technichen Fortschritt und fördert den schnellen Aufschwung der Produktivkräfte der sozialistischen Gesellschaft. „Sofern im Sozialismus die Warenproduktion und die Warenzirkulation bestehen, ist auch das Wertgesetz weiterhin wirksam. Die Wirtschaftsordnung des Sozialismus setzt dem Wirken des Wertgesetzes strenge Grenzen. Die Rolle des Wertgesetzes wird begrenzt durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel in Stadt und Land, durch Einengung des Bereichs der Warenproduktion und der Warenzirkulation und durch das Wirken der ökonomischen Gesetze des Sozialismus, vor allem des Gesetzes der planmäßigen Entwicklung der Volkswirtschaft. Der Wirkungsbereich des Wertgesetzes wird im Sozialismus auch durch die Jahres- und Fünfjahrpläne und überhaupt durch die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit des sozialistischen Staates begrenzt. Deshalb kann das Wertgesetz im Sozialismus nicht die Rolle des Regulators der Produktion spielen.

6) Über die Rentabilität der Betriebe

Wäre das Wertgesetz im Sozialismus Regulator der Produktion, so würden sich in der sozialistischen Gesellschaft in erster Linie die rentabelsten Zweige und Betriebe entwickeln, während vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus äußerst wichtige Betriebe der Schwerindustrie, die zeitweilig unrentabel sein können, geschlossen würden. In der UdSSR werden aber die in der ersten Zeit unrentablen oder wenig rentablen Betriebe, die für die Volkswirtschaft notwendig sind, keineswegs geschlossen, sondern erhalten und unterstützt; dabei werden gleichzeitig Maßnahmen getroffen, um sie rentabel zu machen. Der sozialistische Staat deckt in diesem Falle die zeitweilige Unrentabilität der einen Zweige oder Betriebe aus den Einnahmen, die durch andere Zweige und Betriebe erzielt werden. Der sozialistische Staat baut Betriebe und ganze Produktionszweige auf, wobei er sich nicht von Profitstreben, sondern allein von den Erfordernissen des ökonomischen Grundgesetzes des Sozialismus und des Gesetzes der planmäßigen Entwicklung der Volkswirtschaft leiten läßt.

7) Über die regulierende Wirkung der Preise

Der Wirkungsbereich des Wertgesetzes erstreckt sich im Sozialismus vor allem auf die Warenzirkulation, auf den Austausch von Waren – vor allem von Gegenständen des persönlichen Bedarfs. Auf diesem Gebiet wirkt das Wertgesetz in bestimmten Grenzen als Regulator. Die regulierende Wirkung des Wertgesetzes äußert sich auf dem Gebiet der Warenzirkulation darin, daß der Staat, der ein bestimmtes Preisverhältnis zwischen den verschiedenen Waren des persönlichen Bedarfs festsetzt, dabei sowohl ihren in Geld ausgedrückten Wert als auch die Nachfrage nach diesen Waren und das Angebot berücksichtigt Nichtbeachtung der Nachfrage und des Angebots bedeutet, daß bei Waren mit zu hohen Preisen ein rapider Rückgang der Nachfrage einsetzen würde, während für Waren mit zu niedrigen Preisen die Nachfrage künstlich aufgebläht würde. Am stärksten tritt die regulierende Rolle des Wertgesetzes auf dem kollektivwirtschaftlichen Markt in Erscheinung; hier bilden sich die Preise auf Grund der Nachfrage und des Angebots heraus, wobei die Preisbewegung die Größe und Struktur des Warenumsatzes auf dem kollektivwirtschaftlichen Markt beeinflußt. Der sozialistische Staat übt jedoch einen starken ökonomischen Einfluß auf den kollektivwirtschaftlichen Markt aus, da die Hauptmasse der Waren im staatlichen und genossenschaftlichen Handel zu festen Planpreisen verkauft wird.“ [3]

8) Die Konsumgüterproduktion

Das Wirken des Wertgesetzes beschränkt sich nicht nur auf den Bereich der Warenzirkulation. Es wirkt auch auf die sozialistische Produktion ein; diese Einwirkung ist jedoch nicht bestimmend. Dazu sagte Stalin: „Es ist so, daß die Konsumgüter, die für die Deckung des Aufwands an Arbeitskraft im Produktionsprozeß notwendig sind, bei uns als Waren erzeugt und realisiert werden, die der Wirkung des Wertgesetzes unterliegen. Hier gerade zeigt sich die Einwirkung des Wertgesetzes auf die Produktion. Im Zusammenhang damit haben in unseren Betrieben solche Fragen wie die wirtschaftliche Rechnungsführung und die Rentabilität, die Selbstkosten, die Preise und dergleichen aktuelle Bedeutung. Darum können und dürfen unsere Betriebe das Wertgesetz nicht außer acht lassen.“ [4] Während die Konsumgüter, die Waren sind, einen Wert besitzen, haben die Produktions-mittel, die keine Waren sind, nur die Form der Ware und des Wertes, die der Kalkulation, der Rechnungslegung und der Kontrolle dienen. Im Gegensatz zum Kapitalismus, wo das Wertgesetz als beherrschende Kraft wirkt, wird die Wirkung des Wertgesetzes im Sozialismus bei der Planung der Volkswirtschaft berücksichtigt und bewußt ausgenutzt.

Zitate (kursiv):
[1] W.I. Lenin: Wie soll man den Wettbewerb organisieren? in: W.I. Lenin, Werke, 4.Ausg., Bd.26, S.368 (russ.)
[2] Politische Ökonomie – Lehrbuch, Dietz Verlag, Berlin 1955, S.502f.
[3] ebd. S.506f.(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)
[4] J.Stalin: Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR, S.20

* Foto: VEB Wema UNION Gera/Werkfoto (auch dieser DDR-Betrieb wurde im Zuge der Konterrevolution 1989 von der „Treuhand“ geplündert und restlos vernichtet)
** Es kann nur geraubt oder gestohlen werden wie nach 1989 das Volkseigentum der DDR

Siehe auch:
Was ist Politische Ökonomie?
Was ist sozialistische Planwirtschaft?

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17 Antworten zu Das Wertgesetz im Sozialismus

  1. Reiner Lenz schreibt:

    Der Versuch das Wertgesetz in realsozialistische Formen zu pressen, führte bekanntlich zur Mangelwirtschaft und in Folge zu sogenannten schwarzen Märkten. Dort fand das Wertgesetz wieder seine volle Anwendung und dort war auch alles im Überfluss zu haben, was im realsozialistischen Alltag eben nicht zu haben war. Insofern gab es in der DDR für alles was in den Kaufhäuseern und Kaufhallen nicht zu haben war, 2 Preise. Der staatliche Preis d.h. ein reines Phantasieprodukt und es gab den Preis der wirklich gezahlt wurde.

    Ein neuer PKW Marke Wartburg z.B. kostete in der DDR Ende der 80ziger Jahre ca 30.000 Mark der DDR. Ein 10 Jahre alter PKW hingegen kostete ca 50.0000 Mark der DDR. Da ein neuer PKW aus der sozialistischen Produktion aber erst nach ca 17 Jahren Wartezeit zu haben war, musste wohl oder übel für einen gebrauchten PKW mehr als doppelt soviel bezahlt werden, als für einen Neuen. Im Ergebnis dieser Tatsachen lässt sich feststellen, dass das sozialistische Wertgesetz nicht so funktioniert hat wie es sollte. Da das sozialistische Führungspersonal allerdings weder Willens noch befähigt war, diese Entwicklung kritisch zu analysieren und zu reformieren, kam was kommen musste.

    Nachtrag: Insofern gab es in der DDR für alles was in den Kauhäusern und Kaufhallen nicht zu haben war, 2 Preise. Erstens, der staatliche Preis d.h. ein reines Phantasieprodukt und es gab den Preis der wirklich gezahlt wurde.

    • Politnick schreibt:

      Die Produktion im real existierenden Kapitalismus, also nicht nur die Produktion von PKWs, hat mit Bedarf überhaupt nichts zu tun. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur sozialistischen Produktionsweise und diesen Unterschied gilt es zu erkennen:

      Die kapitakistische Produktionsweise führt über kurz oder lang zur vollständigen Vernichtung des Planeten Erde. Von den Kriegen um Rohstoffe wie Öl, Erz, Kohle usw. ganz zu schweigen. Achja, da wären noch die Spekulationsgeschäfte, die es im Kapitalismus möglich machen, dass auch Menschen zur Ware werden — Sowas hats im Sozialismus definitiv nicht gegeben!
      Frendschaft!

      • Reiner Lenz schreibt:

        Ist korrekt. In der kapitalistischen Produktion, geht es nicht darum den Bedarf an PKW zu decken, sondern um die Verwertung des Werts.( Marx ) . Der Bedarf ist diesem Ziel nachgeordnet.

        Die sozialistische Produktion sollte sich eben nicht der Verwertung des Werts, sondern der Herstellung von Gebrauchswerten widmen und sollte insofern der Befriedigung von Bedürfnissen dienen.

        Diesem Ziel ist der praktizierte reale Sozialismus allerdings nicht einmal nahe gekommen. Wie dargelegt, führte die im Grunde vernünftige Zielsetzung, zu einer Mangelwirtschaft die nicht in der Lage war, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen.

        Da es eine kritische Öffentlichkeit nicht geben durfte und wo es diese gab diese kriminalisiert und verfolgt wurde, konnten Fehlentwicklungen auch nicht begradigt werden. Die DDR ist deshalb ( nicht nur deshalb, aber auch ) an diesen Widersprüchen zusammen gebrochen.

        Je ne suis pas marxiste ( Karl Marx )

      • sascha313 schreibt:

        Das ist ja nun völliger Quatsch. Die DDR ist nicht aufgrund ihrer angeblichen „Mangelwirtschaft“ oder aufgrund der Verfolgung oder Kriminalisierung einer „kritischen Öffentlichkeit“ „zusammengebrochen“, sondern sie wurde regelrecht zerstört. Darüber haben wir hier mehrfach referiert.

        Und was heißt „Mangelwirtschaft“? Daß vielleicht nicht jeder einen VW oder Audi fahren konnte? Daß nicht jeder ein Eigeneim oder ein Wassergrundstück am Müggelsee besaß oder vielleicht eine Kiste Bananen im Flur stehen hatte? Das ist ja lachhaft! Doch gab es in der DDR irgendjemanden der hungern mußte, der obdachlos war, der keine Arbeit hatte, der – weil er keine Arbeit hatte – auf Sozialhilfe angewiesen war? Gab es Kinderarmut in der DDR? Nein. Das gab es nicht!

        Man muß sich nur mal ansehen, wie der Reichtum in der BRD verteilt ist, dann weiß man, was „Mangelwirtschaft“ ist! Es gab in der DDR bis zuletzt genügend kritische Stimmen, doch nicht ein einziger wurde deshalb verfolgt! Vielleicht hätten da ganz andere verfolgt werden müssen…

      • Doed schreibt:

        Herr Lenz,
        was soll denn diese besagte „Verwertung des Werts“ überhaupt sein? Das ergibt keinen Sinn. Und warum greifen Sie sich die höchste Zahl von 17 Jahren Wartezeit heraus, die scheinbar noch vom CDU-Schwarzfunk (MDR) herausgegeben wurde?
        Eine Planwirtschaft ist von der Logik her viel effizienter Mängel zu verwalten, statt diese herzustellen. Einfach, weil Ressourcen in die allernötigsten Bereiche umgelenkt werden können, ohne zig Privatunternehmen zu befragen oder Unsummen zu bezahlen, die zur Inflation führen.
        Und wieso mangelt es hier überall an Polizei, Lehrkräften, Bildungseinrichtungen, Sozialarbeitern, Ärzten, wenn der Kapitalismus so effizient ist? Wieso bekommt er keine gerechte Einkommensverteilung hin? Warum sehen Parks hier schäbig aus und überall liegt Müll herum? Explodierende Mieten und gleichzeitig kein ausreichender Mindestlohn für alle. Was ist mit der daraus resultierenden Ghettoisierung/Gentrifizierung? Prositution/Menschenhandel? Warum das alles?

    • sascha313 schreibt:

      Das Wertgesetz ist nicht eine Erfindung von irgendwem, sondern eine ökonomische Gesetzmäßigkeit der Warenproduktion, die objektiv und unabhängig vom Willen existiert. Es ist also Unsinn zu behaupten, man habe in der DDR versucht, es „in realsozialistische Formen zu pressen“.

      Das Wertgesetz bestimmt, daß sich die Waren entsprechend ihres Wertes, also entsprechend der in ihnen verkörperten Menge an gesellschaftlich notwendiger Arbeit austauschen. Obwohl die Preise der verschiedenen Waren in der Regel von den Werten abweichen, setzt sich das Wertgesetz dennoch durch, und zwar in der Weise, daß die Summe aller Preise mit der Summe aller Werte übereinstimmt. Da es aber unter sozialistischen Bedingungen i.w. kein Privateigentum an Produktionsmitteln mehr gab, konnte sich das Wertgesetz (wie alle ökonomischen Gesetze im Kapitalismus) bei uns in der DDR nicht spontan und zerstörerisch durchsetzen.

      Die Preise in der DDR waren keineswegs ein „Phantasieprodukt“. Das kann man nur behaupten, wenn man von der Preispolitik in der DDR keine Ahnung hat. Die Verbraucherpreise für Konsumgüter waren über viele Jahre hinweg stabil. Die Preisbildung erfolgte nach genauer Kalkulation in Wechselwirkung mit der materiellen und finanziellen Planung. Daß die Preise und Wartezeiten für Pkw. in der DDR unverhältnismäßig hoch waren, stimmt – dafür aber hatten wir ein sehzr gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz, und die Fahrpreise waren extrem niedrig und arbeiterfreundlich. Für 20 Pfennig konnte man bspw. mit der Straßenbahn von einem Ende der Stadt zum anderen fahren.

      Und was die Preise für Gebraucht-Pkw. betrifft: Ich habe mir bspw. 1981 auf dem privaten Automarkt in Leipzig einen 11 Jahre alten Wartburg 353 für 13.000 Mark der DDR gekauft. Die Preise auf dem freien Markt waren freilich nicht immer kontrollierbar.

      Und solche Aussagen, daß „das sozialistische Führungspersonal“ weder willens noch befähigt gewesen sei, die Entwicklung in der DDR zu analysieren, sind schlichtweg Biertischpolemik. Allerdings war die Situation, insbesondere nach der sog. „Perestrojka“ in deren Zusammenspiel mit der Monopolbourgeoisie der BRD, so katastrophal geworden, daß daran nichts mehr zu ändern war. Trotzdem wurde 1989 das Wohnungsbauprogramm der DDR zu 100% erfüllt!

      • Reiner Lenz schreibt:

        Bester Sascha,
        Das Wertgesetz von Karl Marx ist mir wie andere Schriften dieses genialen Denkers durchaus bekannt. Das was Marx diesbezüglich im Kapital Band 1 geschrieben hat, bezieht sich allerdings auf die, auf der Verwertung des Werts beruhende, also auf die kapitalistische Produktionsweise. Einer Produktionsweise in der Werte und Preise über den Markt vermittelt werden.

        Dies führt zu den verheerenden Konsequenzen, das z.B. alles im Überfluss produziert werden kann und produziert wird, während gleichzeitig unter vielen, vielen Menschen bitterste Not herrscht. Denn es wird im Kapitalismus, nicht gesät und es wird nicht geerntet und wenn Millionen dabei vor Hunger verrecken, wenn die Rendite nicht stimmt.

        Wenn sich Marx also mit dem Wertgesetz auf die kapitalistische Produktionsweise bezieht, dann ist das sogenannte sozialistische Wertgesetz, erstens nicht von Marx und führt zweitens, zumindest so wie es angewendet wurde, zur Mangelwirtschaft, weil die Unternehmen mit diesem sozialistischen Wertgesetz, eben nicht kostendeckend arbeiten konnten.

        Ich betreibe hier auch keine Biertischpolemik, sondern habe dies alles selbst erlebt. Wenn Erich Honecker und sein Politbüro noch am 7 Oktober 1989, während 10-Tausende Leute fluchtartig das Land verließen, die großen Erfolge des realen Sozialismus, feierte, dann ist dies dermaßen bizarr, weltfremd, grotesk und insofern unbelehrbar, das wär ein Stoff für eine Tragikkomödie.

        Die größten Feinde der Menschheit sind Ordnung und Unordnung. Der Kapitalismus widert mich an, aber der Gedanke an den realen Sozialismus, lässt mich schaudern.

      • sascha313 schreibt:

        Die größten Feinde der Menschheit sind offenbar nicht die Ordnung und die Unordnung, sondern die Dummheit und die Besserwisserei.

        Und es waren Millionen, die das Land verließen, nicht nur 10-Tausende, und die kamen wegen des Begrüßungsgeldes von umgerechnet 10 oder zwanzig Euro.

        Ach wissen Sie, wenn es Sie schaudert vor dem Sozialismus – was wollen Sie dann hier? Bißchen stänkern, oder was?

    • Politnick schreibt:

      Lieber Lenz,

      Du kommst selbst durch Überlegen dahin, zu verstehen, dass eine Produktion, die der Befriedigung von Bedürfnissen dient, nur mit einer entsprechenden Planung funktionieren kann, welcher eine reale Bedarfsermittelung vorausgeht.

      Wenn Du dahingegen die Debatte zur „Milchkrise“ verfolgt haben solltest: Da ist nicht ein einziges Mal der Begriff „Bedarf“ gefallen — Und trotzdem wird diese Unwirtschaft weiter gefördert mit EU-Geldern! Solche Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen. Und was infolge einer industriellen Lebensmittelproduktion auf unseren Straßen unterwegs ist, das hat mit Waren täglicher Bedarf nicht das Geringste zu tun!

      Freundschaft 😉

  2. Reiner Lenz schreibt:

    Bester Politnick,

    Das ist mir alles bekannt. Die Milchkrise ergab sich, weil die Verkaufserlöse die Herstellungskosten nicht decken konnte. Oder um es mit Karl Marx zu sagen; Die wahre Grenze des Kapitals ist das Kapital selbst.

    ……………………………………………

    Die wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst, ist dies: dass das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion erscheint, dass die Produktion nur Produktion für das Kapital ist, und nicht umgekehrt die Produktionsmittel bloße Mittel für eine stets sich erweiternde Gestaltung des Lebensprozesses für die Gesellschaft der Produzenten sind.
    Die Schranken, in denen sich die Erhaltung und Verwertung des Kapitalwerts, die auf der Enteignung und Verarmung der großen Masse der Produzenten beruht, allein bewegen kann, diese Schranken treten daher beständig in Widerspruch mit den Produktionsmethoden, die das Kapital zu seinem Zweck anwenden muss und die auf unbeschränkte Vermehrung der Produktion, auf die Produktion als Selbstzweck, auf unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit lossteuern.
    Das Mittel – unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte – gerät in fortwährenden Konflikt mit dem beschränkten Zweck, der Verwertung des vorhandenen Kapitals.
    Wenn daher die kapitalistische Produktionsweise ein historisches Mittel ist, um die materielle Produktivkraft zu entwickeln und den ihr entsprechenden Weltmarkt zu schaffen, ist sie zugleich der beständige Widerspruch zwischen dieser ihrer historischen Aufgabe und den ihr entsprechenden gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen.“ K. Marx, Kapital 3. S. 260.

    ……………………………………………………………………………………………………………

    Marx war der Annahme, dass die enorm hohe Produktivität des Kapitalismus, die Produktivkräfte dermaßen entwickeln würde, dass sich davon ausgehend eine höher stehende Produktionsweise
    ( Sopzialismus, Kommunismus ) entwickeln würde.

    Marx irrte sich und behielt Recht. Der Kapitalismus hat die Produktivkräfte entwickelt, darin behielt Marx Recht, aber das kommunistische Paradies blieb bis heute aus. Jenes was sich selbst zum real-existierenden Sozialismus erklärte war was die Produktivität betraf, dem Kapitalismus hoffnungslos unterlegen. Das muss einem nicht gefallen, aber man muss, das schon zur Kenntnis nehmen. Die Flucht vor der Wahrheit, selbst wenn diese noch so bitter ist, ist keine Lösung.

    Marx kam im Übrigen auch zu dem Schluss, dass ohne hohe Produktivität, sich bestenfalls ein Kommunismus der Armut entwickeln würde, was zur Folge haben würde, dass sich wieder Minderheiten finden würden, die zu Lasten der Mehrheit ungerechtfertigte Privilegien für sich in Anspruch nehmen würden, wobei der Streit ums Eingemachte und die ganze ökonomische Scheiße von vorn beginnen würde.

    Und genau so ist es gekommen, genau das ist in der DDR Geschehen. Marx war eben ein Genie

    …………………………………………………………………………………………………………….

    Diese »Entfremdung«, um den Philosophen verständlich zu bleiben, kann natürlich nur unter zwei praktischen Voraussetzungen aufgehoben werden. Damit sie eine »unerträgliche« Macht werde, d.h. eine Macht, gegen die man revolutioniert, dazu gehört, daß sie die Masse der Menschheit als durchaus »Eigentumslos« erzeugt hat und zugleich im Widerspruch zu einer vorhandenen Welt des Reichtums und der Bildung, was beides eine große Steigerung der Produktivkraft, einen hohen Grad ihrer Entwicklung voraussetzt- und andrerseits ist diese Entwicklung der Produktivkräfte (…) auch deswegen eine absolut notwendige praktische Voraussetzung, weil ohne sie nur der Mangel verallgemeinert, also mit der Notdurft auch der Streit um das Notwendige wieder beginnen und die ganze alte Scheiße sich herstellen müßte, weil ferner nur mit dieser universellen Entwicklung der Produktivkräfte ein universeller Verkehr der Menschen gesetzt ist, daher einerseits das Phänomen der »Eigentumslosen« Masse in allen Völkern gleichzeitig erzeugt (allgemeine Konkurrenz), jedes derselben von den Umwälzungen der anderen abhängig macht, und endlich weltgeschichtliche, empirisch universelle Individuen an die Stelle der lokalen gesetzt hat.
    Marx/Engels: Die deutsche Ideologie, MEW Bd. 3, S. 34-35

    • sascha313 schreibt:

      Werter Herr Lenz,
      Sie brauchen uns hier nicht das Kapital abzuschreiben, das kennen wir selber…

    • Politnick schreibt:

      Nein lieber Herr Lenz. Die Milchkrise gibt es weil zuviele Bauern dasselbe — nämlich Milch — produzieren Ohne dass ein Bedarf besteht!

      Freundschaft 😉

    • Doed schreibt:

      Ich frage mich immer noch, was „Verwertung des Werts“ ist. Der mittlere Absatz ist mehr Rhetorik, als mit wirklichen Beispielen unterlegt. Wo gab es diesen Kommunismus der Armut? Waren die Menschen damals arm? Mitnichten. Natürlich ist der Sozialismus keine Gesellschaft, die das Schlaraffenland verwirklicht. Werte werden eben durch Arbeit erzeugt und da stand der Osten historisch gesehen einfach hinten an. Die wirtschaftliche Aufholjagd zu den Anfangszeiten der SU Früchte getragen. Und die DDR war irgendwo zwischen Platz 10-13 der größten Industrienationen. Wer den Verfall nach der desaströsen Treuhandpolitik und die offiziellen Zahlen der BRD als Ausgangspunkt nimmt, der hat sich einfach nicht bemüht mit dem Thema. Die krasse Armut kennen die Länder der ehem. sozialistischen Ländern nur aus kapitalistischen Zeiten.

      • sascha313 schreibt:

        So ist es Doed. Ich weiß nicht, wieviel Länder es in der Welt gibt, aber die kleine DDR mit gerade mal 17 Millionen Einwohnern, kleiner bspw. als Honduras, mit einem Lebensstandard, der – wenn man die ärmsten Schichten der Bevökerung zum Maßstab nimmt – weltweit eine Spitzenposition einnahm, ist – ohne überheblich zu sein – einmalig in der Welt. Nirgends gab es so sichere Existenzmöglichkeiten, eine so gute Bildung, eine so niedrige Kriminalitätsrate, eine so demokratische Politik wie in der DDR. In der Volkskammer saßen z.B. 54,2% Arbeiter, 6,2% waren Bauern, Gärtner, Fischer und ein Viertel der Abgeordneten kamen aus der Intelligenz.

        Wer also da von Mangelwirtschaft und Armut redet, der sollte sich mal in Europa umsehen oder einfach mal in der nächstgelegenen deutschen Großstadt eine Wohnung von einem Sozialhilfeempfänger ansehen – dann erlebt er, was „Mangelwirtschaft“ ist. Es ist einfach eine Frechheit, mit Marxzitaten über die DDR herzufallen und deren Fehler zu kritisieren. Ich kannte genügend solche Leute, die hatten auf Kosten des Staates ausreichend studiert und sich dann in irgendeinem Betrieb ein warmes Eckchen gesucht mit gutem Gehalt, und die taten einfach nichts für ihr gutes Geld – umso mehr aber in Form von Beschaffungskriminalität während der Arbeitszeit und in der Freizeit.

  3. Politnick schreibt:

    Weil es gerade so schön passt: Die Spargel-Saison beginnt auch dieses Jahr wieder mit einer Lüge!! Da jammert ein brandenburgischer Spargelbauer rum dass er keine Erntehelfer kriegt, obwohl er den Mindestlohn zahlt!? Nun, gucken wir mal etwas genauer hin:

    Ein Arbeiter erntet bis zu 50 kg pro Stunde und soll dafür 8.50 € kriegen. Ohne großartig rechnen zu müssen, dieser Lohn hat absolut keinen Bezug zum Marktpreis, außer dass er ein Bruchteil davon ist! Und das hat mit Kostendeckung auch nichts mehr zu tun, das ist einfach nur Ausbeutung!

    Freundschaft 😉

    • sascha313 schreibt:

      Sehr schön – hier sieht man das sehr anschaulich: Der Spargelhof W. in Hilter bietet den Käufern Spargel an zum Preis von 9,90 € / 700g – Tüte von Klasse 1, 16-26mm, geschält. Und die polnischen und bulgarischen Lohnarbeiter haben „gemütliche“ Schlafkabinen, Waschbecken im Flur, Kochstellenbenutzung und einen Drecksplatz zum „Tennisspielen“, wenn sie dann noch Kraft haben. Saubere Chancen für Lohnsklaven! Und die Herrschaften Kapitalisten verdienen sich dumm und dusslig!

      (Danke, Rolf, für das Beispiel. Es kam mir wie gerufen: hier!)

      • Politnick schreibt:

        Ja, und uns erzähl’ns dann, dass wir den Spargel gar nicht bezahlen könnten, wenn es die Gastarbeiter nicht gäbe — Haha.

        Freundschaft 😉

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