Klaus Hesse: Kommunisten in den Kämpfen der Gegenwart

ZASTAVA-1.MAJ_1Der Gedanke daran, daß die Chance verspielt wurde, das neue 21. Jahrhundert zu einem sozialistischen Jahrhundert zu machen, wo endlich die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt ist und mit ihr auch die Ursache sämtlicher Kriege, führt bei vielen Menschen, die nichts anderes kennengelernt haben als den Kapitalismus, nicht selten zu einem gewissen Fatalismus: Wir können eh‘ nichts daran ändern! Klaus Hesse hat sich einmal der Mühe unterzogen, die Geschichte der kommunistischen Bewegung krititsch unter die Lupe zu nehmen, Fragen zu stellen, Hintergründe zu beleuchten, Zusammenhänge aufzudecken und Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung zu erklären. Ein überaus spannendes und faktenreiches Buch! Hier nun einige Abschnitte daraus.

Keine Illusionen!

Die Geschichte und unsere Erfahrungen aus 70 Jahren Sowjetunion und 40 Jahren DDR lehren: Wer immer auch davon träumen mag, daß dieser Prozeß schneller und ohne die damit verbundenen Brüche im Leben derer über die Bühne der Geschichte gehen möge: Sie mögen doch bitte nicht vergessen, daß die, die seit Generationen daran gewöhnt sind, ihre Macht und den von ihnen zusammengeraubten Reichtum mit allen Mitteln, mit Verbrechen aller Art auf Kosten anderer auszudehnen, bereit sind, diese ihre Macht, ihren Reichtum und ihre Privilegien ohne Widerstand abzugeben.

Glaubt nicht ihren Versprechungen!

Das gilt insbesondere auch angesichts ihrer freundlich vorgetragenen heuchlerischen Sprüche von Menschenrechten, Demokratie und Freiheit Wer immer versucht, derlei zu predigen – man frage ihn, ob er denn noch bei Troste ist oder wer ihn dafür bezahlt. Das ist kein akademischer Streit und hier ist kein Platz für Rechthaberei und Eitelkeiten aller Art. Denn hier lauerte die Gefahr, dass erneut jene historischen Chancen verspielt werden, die erst unter ungeheuren Opfern zustande kamen.

Eine Frage des Klassenstandpunkts…

Wie die jüngste Geschichte aber auch bewiesen hat: Die Gefahr, dass in der eben erst aus den alten Verhältnissen hervorgehenden Gesellschaft Kräfte entstehen, die die ihnen anvertraute Macht durchaus nicht nur im Interesse derer wahrnehmen, die sie damit beauftragt haben, ist nicht weniger ernst zu nehmen. Wenn man heutzutage nachfragt, wo die denn abgeblieben sind, die damals als 250prozentige ganz besonders scharf waren, wenn da wer kritische Gedanken äußerte – mittlerweile ist auch die Frage beantwortet, was denn von denen zu halten ist, die seinerzeit keine Hemmungen kannten, wenn es ihnen denn möglich war, sich auf Kosten anderer in ihrem lauthals vorgetragenen Bekenntnis zum Klassenstandpunkt der Arbeiterklasse, zur Partei der Arbeiterklasse und zu ihrer Führung hervorzutun.

Das käufliche Gewissen

Neu ist das nicht: Rosa Luxemburg hatte derlei schon im Prozeß der reformistischen Deformation von Abgeordneten und leitenden Funktionären der SPD erlebt. Jetzt wiederholt sich dieses Spektakel: Immer dann und dort, wo mit regierungsoffizieller Unterstützung und dem Wohlwollen der eigentlichen Machthaber in den Aufsichtsräten der Banken, Versicherungen, Hedge-Fonds und Monopole das Anbiedern an deren Interessen großzügig honoriert wird, finden sich Figuren ein, denen die großen Worte leicht von den Lippen kommen, weil sie dann doch nur noch ‚ihrem Gewissen verantwortlich’ [1] sind, was immer sie davon halten. Nicht wenige ziehen es mittlerweile vor, nach der Abwicklung ihrer ohnehin weit überdurchschnittlich honorierten gewerkschaftlichen resp. Parteifunktion mit dem Seitenwechsel zur eigentlich geplanten Karriere als Personalchef, Geschäftsführer etc. offen für ihre Auftraggeber zu arbeiten. Andere bleiben ‚in der Politik’ und machen damit so richtig Kohle, werden Redner und Kandidat für den Bundeskanzler …

Die falschen Werte der westlichen Welt

Da wird lautstark und mit Pathos von ‚Demokratie’ und ‚Menschenrechten’, von ‚Freiheit’ und den ‚Werten’ der westlichen Welt geredet. Aber bei nüchterner Betrachtung hat diese ‚Demokratie’ nichts mit der Herrschaft des Volkes zu tun. Im Kleingedruckten ist nachzulesen, dass das keine ‚direkte’, sondern eine ‚repräsentative Parteiendemokratie’ ist. Der Wähler darf einmal in vier Jahren seine Stimme für eine dieser Parteien abgeben, danach ist dem Volk die Macht ausgegangen. Das geschieht unter Bedingungen, in denen diesem Wähler durch die Macht der Monopole über die Medien vorgespielt wird, wie er denn abzustimmen hat.

Sie reden ständig von Freiheit und Demokratie!

Was von dieser Sorte von Menschenrechten zu halten ist, wird ganz schnell geklärt, wenn man liest und hört, wie viel und wie oft über die Pressefreiheit der monopolisierten Medien geschwätzt wird und darüber nachdenkt, warum die Frage nach dem Menschenrecht auf Arbeit gar nicht erst gestellt wird. Nicht weniger aufschlußreich ist das schöne Wort von der ‚Freiheit’ wer ist wie frei, was kann einer mit Freiheiten anfangen, die er gar nicht mehr bezahlen kann?? Wie ‚frei’ sind Arbeitslose, Hartz-4- Empfänger und deren Kinder, was haben sie von der Freiheit, überall hin reisen zu können? Wie ist das mit der Freiheit von Asylbewerbern, welche Menschenrechte bleiben denen, die an Europas Grenzen abgewiesen werden, weil sie nichts haben???

Herrschaft des Volkes? Wie soll das gehen?

Deshalb auch hier die nach wie vor ernst zu nehmende Warnung der Rosa Luxemburg: „Jawohl Diktatur! Aber diese Diktatur besteht in der Art der Verwendung der Demokratie, nicht in ihrer Abschaffung, in energischen, entschlossenen Eingriffen in die wohlerworbenen Rechte und wirtschaftlichen Verhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft, ohne welche sich die sozialistische Umwälzung nicht verwirklichen läßt. Aber diese Diktatur muß das Werk der Klasse und nicht einer kleinen führenden Minderheit im Namen der Klasse sein, d.h. sie muß auf Schritt und Tritt aus der aktiven Teilnahme der Massen hervorgehen, unter ihrer unmittelbaren Beeinflussung stehen, der Kontrolle der gesamten Öffentlichkeit unterstehen, aus der wachsenden politischen Schulung der Volksmassen hervorgehen.“ [2]

Wofür kämpfen die Kommunisten?

Angesichts der Erfahrungen mit dem Scheitern der UdSSR und der europäischen sozialistischen Staatengemeinschaft und einer nicht mehr abreißenden Kette von Konterrevolutionen ist es jetzt an der Zeit, diese Niederlagen der internationalen Arbeiterbewegung mit aller gebotenen Nüchternheit zu analysieren. Auch und gerade angesichts der seit Mitte des vorigen Jahrhunderts durch immer neue Serien wissenschaftlich-technischer Revolutionen eingeleiteten gewaltigen Umwälzungen der materiell-technischen Grundlagen und der auch dadurch in Bewegung gebrachten sozial-ökonomischen Entwicklung ist die Frage nach dem Platz und der Rolle der Kommunisten in den Klassenkämpfen der Gegenwart für uns von äußerster Aktualität.

Das Vertrauen der Arbeiterklasse neu gewinnen

Dabei geht nicht nur darum, das durch die eigenen Fehler verlorene Vertrauen der Arbeiterklasse neu zu gewinnen. Es reicht nicht aus, sich von den Fehlern der Vergangenheit zu distanzieren. Daraus zu lernen heißt, sich den neuen Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft zu stellen. Ansonsten laufen wir Gefahr, uns selbst als eine Art Traditionsverein von den Problemen der Arbeitenden und der heranwachsenden Generationen zu verabschieden.

Eigene politische Erfahrungen analysieren

Das Bekenntnis zum Marxismus – Leninismus wird zu einer hohlen Phrase, wenn diese theoretischen und methodischen Grundlagen unserer Gesellschaftswissenschaft nicht in der kritischen Auseinandersetzung mit der aktuellen Entwicklung des Imperialismus und der Analyse der eigenen Erfahrungen und der eigenen Fehlentwicklungen weitergeführt und weiter entwickelt werden.

Die Machtverhältnisse des Kapitals beseitigen

Aber die politische Praxis hat auch gezeigt, dass Versuche kommunistischer Parteien und der von ihr abgespaltenen Linken, sich im Rahmen der bestehenden Machtverhältnisse für die sozialen Interessen der Benachteiligten einzusetzen, keine wirkliche Alternative zur Macht des globalisierten Finanzkapitals sein kann. Diese Erfahrung war und ist untrennbar mit der Geschichte der opportunistisch-revisionistischen Deformierung von Teilen der Arbeiterbewegung verbunden.

Die verlogenen Phrasen der angeblichen Linken

Die sich immer noch ‚sozial-demokratisch’ und ‚sozialistisch’ nennenden Parteien sind durch die demagogische Instrumentalisierung der verlogenen Phrase vom ‚demokratischen Sozialismus’ [3] mit Berufung auf ihre irregeleitete Mitgliedschaft mittlerweile eines der zuverlässigsten Instrumente des Machterhaltes der herrschenden Kreise des Finanzkapitals geworden. Auf dem Wege der parlamentarischen Zusammenarbeit mit diesen Kräften sind ehemals einflußreiche kommunistische Parteien in der Bedeutungslosigkeit versunken. Ihre Rolle als Erfüllungsgehilfe opportunistischer ‚Pragmatiker’, hat auch dazu beigetragen, dass sich diese noch effektiver als die offen konservativen Parteien für die aggressiven Interessen der eigentlich herrschenden Kräfte einsetzen konnten.

Was geschah in der Sowjetunion?

Aber die Vielzahl der Fragen nach Keimformen und Anfängen dieser Entwicklung kann ohne eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der UdSSR und der KPdSU weder verstanden noch beantwortet werden. Zwar wird in der aktuellen Diskussion auch von Mitgliedern, Anhängern und Führungen kommunistischer Parteien der Standpunkt vertreten, daß sich diese Debatte mit dem nun auch von ihnen geführten Kampf gegen den Stalinismus sozusagen von allein erledigt. Solcherart werden zwar Stereotype antikommunistischer Hetze bedient. Aber damit werden weder die konkret-historischen Hintergründe noch die eigentlichen Ursachen dieser dramatischen Entwicklung aufgedeckt. Und folgerichtig können im Spinngewebe dieser Oberflächlichkeit auch die daraus resultierenden Folgen nicht erfaßt werden.

Der XX.Parteitag

Die eigentliche Ursache dieser Vorgehensweise ist weder in den Parallelen zwischen der damaligen blinden Begeisterung und der gegenwärtigen pauschalen Verurteilung zu suchen. Vielmehr stellt es sich heraus, daß die in einer solchen Untersuchung sichtbar werdenden Parallelen in der Handlungsweise von heute lebenden, handelnden und führenden Personen, der von diesen geförderte und geduldete Personenkult verdeckt bleibt. Es war weder der Tod Stalins, noch waren es die Auseinandersetzung mit dem Personenkult, den damit verbundenen tatsächlichen und vermeintlichen und anderen Verstößen gegen die Gesetze, die der kommunistischen Bewegung seit dem XX. Parteitag der KPdSU schweren und schwersten Schaden zufügten.

Unerträglicher Zynismus

Wer sich ernsthaft mit der Geschichte dieser Ereignisse befaßt, wird sehr bald darauf stoßen: Nikita Chruschtschow und die ihn tragenden Kräfte der Nomenklaturkader sind nicht nur wegen des insbesondere von ihm und von ihnen praktizierten Personenkultes unter Stalin und ihrer weitaus schwerer wiegenden Schuld für die Ausdehnung von Unterdrückungsmaßnahmen gegen alle und jeden, die ihnen potentiell in die Quere kommen konnten, verantwortlich. Deshalb ist der Zynismus geradezu unerträglich, in dem sich ausgerechnet diese Personen seit dem XX. Parteitag als Kritiker der von ihnen nach Kräften geförderten Zustände profilieren.

Demontage der kommunistischen Partei

Wer sich mit dem Wirken dieses Personenkreises nach der Ermordung Stalins auseinandersetzt, wird feststellen, daß die sich daran anschließende Phase durch Voluntarismus und Subjektivismus und durch einen Kult um Chruschtschow geprägt war, den dieser – im Unterschied zu dem, den er um seinen Amtsvorgänger veranstaltete – nicht nur selbst nach Kräften förderte, sondern einforderte. Aber der schwerwiegendste Vorwurf, der diesem Manne und seinen damaligen und heutigen Anhängern zu machen ist, ist der der systematischen Demontage der Identität der kommunistischen Partei. [4]

Die Macht des Volkes verhindert

Schon 1936 traten Chruschtschow zusammen mit anderen Gebietssekretären gegen die von Shdanow und Stalin vorgeschlagene Demokratisierung der Sowjetmacht und Wahlen in der Partei ein. Er und seinesgleichen, die auf Grund ihrer unzureichenden Qualifikation um ihre Macht fürchten mußten, provozierten mit der Forderung nach einem verschärften ‚Kampf gegen Volksfeinde’ die Liquidation aller potentiellen Konkurrenten ein.

Irreführung des Volkes als Programm

Nun selbst an die Macht gekommen setzte dieser Mann mit ihm ergebenen Kräften im Partei- und Staatsapparat die sich verselbständigende bürokratische Macht der Nomenklaturkader und ihrer Privilegien an die Stelle der offiziell propagierten Überwindung der Klassenspaltung. Unter der irreführenden Einstufung der KPdSU als einer Partei des ganzen Volkes wurde mit der Veränderung ihrer sozialen Zusammensetzung eine programmatische Demontage eingeleitet.

Dummheit und Antikommunismus

Wenn heute über den ‚langen Schatten Stalins’ lamentiert wird [5], ohne sich mit den Tatsachen auseinander zu setzen, die von der antikommunistischen Hetze zu schrecklichen Ungetümen aufgebläht, in ihr Gegenteil verdreht oder bewußt verschwiegen werden, so ist vielmehr nach den verhängnisvollen Folgen des Opportunismus und Revisionismus zu fragen, die sich in allen kommunistischen Parteien im langen Schatten Chruschtschows fortpflanzten und nach wie vor wirksam sind.

Was ist falsch gelaufen?

Nur scheinbar einleuchtend ist das Argument, daß Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit und der kommenden Jahre nicht zu finden sind, wenn wir uns auf die Aufarbeitung unserer jüngsten Geschichte und der widersprüchlichen Vielfalt unserer Erfahrungen konzentrieren. Denn ohne eine unvoreingenommene kritische Auseinandersetzung mit diesen Erfahrungen und den daraus zu ziehenden Schlußfolgerungen ist abzusehen, das sich alles das wiederholt, was damals aus welchen Gründen auch immer falsch gelaufen ist.

Sind wir wieder bei Marx?

Insbesondere geht es dabei um die Überwindung aller Keimformen und Folgen der mittlerweile schon tradierten Erscheinungsformen des Opportunismus und Revisionismus. Wir sind erst dann „wieder bei Marx“ [6], wenn es uns gelingt, nicht nur damit aufzuräumen. Noch wichtiger ist es, den in den vergangenen Jahren zugelassenen Rückstand in der kritischen Auseinandersetzung mit den Problemen und Herausforderungen der Entwicklung der modernen Produktivkräfte, mit den Veränderungen und Verschiebungen im Verwertungsprozess des Kapitals, mit der Masse der daraus resultierenden wirtschaftlichen, politischen, militärischen, wissenschaftlichen, ideologischen und kulturellen Folgen aufzuräumen und solcherart in kritischer Auseinandersetzung mit unserer Politik den Anschluß an die gegenwärtige Entwicklung zu erarbeiten.

Der Sozialismus ist nicht leichter zu haben…

Mancher mag einwenden, daß das mehr Arbeit ist, als wir gegenwärtig verkraften können. Und es geht ja nicht nur um die theoretischen Voraussetzungen, sondern immer auch um die Mitwirkung in den Klassenkämpfen der Gegenwart. Alles das ist richtig, aber unterhalb dieses Anspruchs laufen wir Gefahr, uns aus der Hand in den Mund zu orientieren, d.h. sich ohne gründliche Analyse in Prozesse und Bewegungen einzutakten, deren Tendenz sich letztlich gegen die Interessen der Arbeiterklasse richtet. Beides zu packen scheint schwer möglich. Aber auch hier und gerade eingedenk der damit verbundenen Herausforderungen kommt es darauf an, im Wissen um offenen Fragen zu unserer Geschichte und daraus resultierenden Unzulänglichkeiten prozeßbegleitend zu handeln und zu analysieren und im Handeln das nun schon qualifizierte Wissen zu erproben.

Ehrliche und kritische Auseinandersetzung

Dabei ist die kritische Hinterfragung der eigenen Erfahrungen unabdingbar notwendiger Bestandteil jeder ernst zu nehmenden kritischen Auseinandersetzung mit den Problemen der von Gegenwart und Zukunft. Dieser immer wieder neu zu erarbeitende Maßstab ist eine unabdingbare Voraussetzung für jede erfolgreiche politische Tätigkeit. Er unterscheidet sich vom billigen Populismus eines mediengehetzten Aktivismus durch den Anspruch, die vielschichtig widersprüchliche Realität der aktuellen Klassenkämpfe in einer Art und Weise auf den Begriff zu bringen, die für die davon Betroffenen überzeugend ist. Das ist nicht zu erreichen, indem die sich täglich ändernde Nachrichtenlage kommentiert wird. Dazu bedarf es eigenständiger systematischer Arbeit von uns allen….

Quelle:
Dr.Klaus Hesse: Zum Streit über den Sozialismus, die Alternative zu imperialistischer Barbarei. Eigenverlag Leipzig 2011-20013. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

[1] „Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“ GG der BRD Artikel 38 (1)
[2] R. Luxemburg: Zur russischen Revolution, Gesammelte Werke Bd.4, Berlin 1990, S.363f. (Der Artikel „Zur russischen Revolution“ wurde von Rosa Luxemburg weder abgeschlossen noch veröffentlicht. Die erste
Ausgabe wurde nach Rosa Luxemburgs Tod 1922 von Paul Levi und 1928 nach einem wieder aufgefundenen Manuskript veröffentlicht. Jetzt wird ein Teilsatz aus einer Fußnote ihres nicht veröffentlichten Manuskriptes antikommunistisch kultiviert: „…Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ R. Luxemburg: Zur russischen Revolution, in: Gesammelte Werke, Bd.4, Berlin 1990, S.359 Fußnote 3.)
[3] Die Linke: Demokratischer Sozialismus im 21. Jahrhundert
[4] siehe L.Pribytkowa: Wie die KPdSU den Sozialismus in der Sowjetunion zerstörte
[5] dies bezieht sich auf eine antikommunistische Hetzschrift „Heraus aus Stalins langem Schatten“ der Leipziger Professoren Wagner, Kretzschmar, Lieberam, Münchow und Roß, die erschienen ist unter der Redaktion von Kurt Pätzold und Ekkehard Lieberam, Marxistisches Forum, Heft 65, GNN Verlag Schkeuditz, 2011.
[6] „Wir sind wieder bei Marx, unter seinem Banner“ in: R. Luxemburg: Gründungsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands vom 30. Dezember 1918 bis 1. Januar 1919 in Berlin – III Unser Programm und die politische Situation, in: Rosa Luxemburg Gesammelte Werke, Band 4 August 1914 bis Januar 1919, Berlin 1990, S. 492


Anmerkung: Wer die Mühe nicht scheut, dieses fast 400 Seiten umfassende Buch zu lesen, der wird viele interessante Details erfahren und Antworten finden auf Fragen der Gegenwart und an die Geschichte des 20.Jahrhunderts. Das Buch bietet eine Fülle bisher wenig bekannter Fakten, regt zur Diskussion und zum Nachdenken an. Gegen die Weitergabe der Texte (selbstverständlich mit Quellenangabe) gibt es keinerlei Einwände. Darüberhinaus sind Hinweise und Ergänzungen vom Autor ausdrücklich erwünscht. Eine überarbeitete Kopie kann als pdf-Datei hier heruntergeladen werden (Größe 6 MB):

Klaus Hesse: Zum Streit über den Sozialismus

Kalinin

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Geschichte, Kommunisten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Klaus Hesse: Kommunisten in den Kämpfen der Gegenwart

  1. Vorfinder schreibt:

    Lieber Sascha,
    der Imperialismus hat 2015 zu einem Jahr finsterer Drohungen und realen Leids, weiterer Kriege und Chaos gemacht. Um so mehr zählt, was wir alle der Barbarei entgegen zu stellen vermögen. Um der Menschheit eine lichte Zukunft möglich zu halten braucht es Aufklärung, lernen, Einheit, Kampfeskraft und Solidarität. Zur Aufklärung und zum Lernen trägt gerade dieses Blog hier stetig, engagiert und interessant bei. Dafür kann gar nicht genug gedankt werden und es ist jeden Tag eine Ermunterung und Aufforderung an alle, was von der Arbeit und Anstoß von diesem Blog ausgeht.

    Ich wünsche Dir und allen, dass 2016 die Verbreitung und Wirkung dieser tüchtigen Arbeit weiter gewinnt und wir der Befreiung vom Kapitalismus und eben dem Sozialismus näher kommen.

    Ich wünsche allen ein gesundes, solidarisches und zuversichtliches 2016!
    Venceremos!
    Vorfinder

  2. sascha313 schreibt:

    Danke, Vorfinder! Das wichtigste ist es jetzt, eine marxistische kommunistische Weltabschauung bei den Menschen zu formieren. Wir werden nicht blind sein! In der kommunistischen Bewegung herrscht eine geistige Zerfahrenheit. Wir wünschen allen starke Gedanken und Mut!

  3. tommmm schreibt:

    Ich stelle jetzt mal einen provokativen Kommentar rein:
    In der DDR gab es in den 80-ger Jahren keine Arbeiterklasse mehr. Es waren alles nur noch Angestellte. (Diese Gedanken sind auf des Bewußtsein bezogen)

    • sascha313 schreibt:

      Naja, tommmm, so oder ähnlich muß es wohl gewesen sein… Das glaubt jedenfalls auch die MLPD, und die halten den Sozialismus gar für einen Staatskapitalismus. Das ist natürlich Unsinn.
      Was also ist die Arbeiterklasse im Sozialismus?
      1. Sie ist die Hauptproduktivkrafr des gesellschaftlichen Reichtums.
      2. Sie ist gemeinsam mit allen Werktätigen Eigentümer der Produktionsmittel.
      3. Sie ist die machtausübende Klasse.
      4. Als produktiv tätige Klasse ist sie in der Mehrheit in der Industrie, besonders in Großbetrieben tätig.

      So – und nun kann man darüber rätseln, ob sie sich wirklich durch eine höhere politische Reife auszeichnete. Ich meine: Ja. Denn der Verrat der DDR und die Schuld am Machtverlust kommen nicht auf das Konto der Arbeiterklasse, sondern auf das Konto der Krenz, Modrow, Gysi u. Co. Und wenn man noch weiter gehen will: der Gorbatschow, Breshnew und der Chruschtschowisten. Wobei das ja keineswegs zwangsläufig so war!

      Also „Angestellte“ im Sinne des Arbeitsrechts der DDR waren das nicht. Darunter verstand man solche Werktätige, die i.d.R. im Zeitlohn arbeiteten, die nicht im unmittelbaren Fertigungsprozeß mit der Veränderung des Arbeitsgegenstandes beschäftigt waren, sondern eine arbeitsorganisatorische Vermittlungsfunktion ausübten. Klaro?

  4. tommmm schreibt:

    Sascha,
    seit Jahren zermartere ich mir das Hirn, wie es dazu kommen konnte, dass wir unsere DDR so einfach weggeschmissen haben. Ich bin dir auch sehr dankbar, weil ich durch diesen Blog auf Stalin und Kurt Gosweiler aufmerksam wurde.
    Vor kurzem habe ich noch ein sehr interessantes Buch gelesen. „Fänger und Gefange“ von Landolf Scherzer. Da ging es um die harte Arbeit auf den Fangschiffen des FIKO. Es ist sehr autentisch erzählt. Zum Schluß kamen dann ein paar Nachbetrachtungen, wie das FIKO komplett abgewickelt wurde und wie die Arbeiter ins Elend gestürzt wurden. Aber es war auch viel Gejammer dabei (ich meine das nicht abwertend, ich glaube sie wußten es nicht besser)

    Stalin hat in seinen Werken immer wieder betont, das der Klassenkampf mit dem Sieg der Revolution nicht aufhört hat, sondern immer härter wird, ja mehr der Gegner in die Enge getrieben wird. Ich glaube heute, das er damit vor allem die Herausbildung des Bewußtsein meint.

    Zur Zeit lese ich gerade die Karl-Marx-Biografie von Franz Mehring. Ich finde das Buch sehr gut und denke, man sollte es lesen, bevor man sich an Marx wagt. Auch Mehring schreibt ja schon mit einem ungeheuren Wortschatz. Natürlich gibt es darin auch viele Zitate, die aber teilweise erläutert werden.

    Ich habe die These mit den Arbeitern hier reingeworfen, da ich mir sicher bin, das hier nicht über mich hergezogen wird, sondern vielleicht ich durch eine offene Diskusion neue Denkanstöße bekomme. Fangen wir mit der Definition an: sinngemäß nach Marx: Die Arbeiter besitzen nicht als ihre Arbeitskraft, die sie gezwungen sind auf dem Markt zu verkaufen um ihr Überleben zu sichern.

    Ich denke, dass das den Arbeitern 1989 nicht bewußt war, das es dann wieder so weit ist. Endlose Bewerbungen, heute als junger Mann (bis vielleicht 40 Jahre) ein Leben in den Transportern die 10-12 Stunden täglich über die Autobahn huschen, von Auftrag zu Auftrag hangeln und dann wenn sie hinüber sind vom Markt ausgespuckt und in Harz IV geparkt. Ich könnte Seiten an Beispielen schreiben.

    Ich habe auf der Werft gelernt und wurde zuerst von den Facharbeitern ausgelacht (auf die nette Art, ich habe mich da sehr wohlgefühlt), weil ich bis zum Feierabend durchgearbeitet habe und nicht schon eine halbe Stunde vorher an der Werkbank abhing. Da wir immer zu zweit arbeiteten, mußte immer einer von Ihnen mitziehen. Ich muß zu meiner Schande gestehen, dass ich mich nach einem halben Jahr angepasst hatte. Obwohl ich irgendwie geahnt habe, das es nicht richtig ist. Aber, wir arbeiten doch für uns, es gehört uns doch alles, war einfach zu abstrackt und ich war damals 17 Jahre. Heute möchte ich gar nicht wissen, was aus meinen ehemaligen Kollegen geworden ist. Auf der Werft wurden ja 80 % der Arbeiter entlassen.

    Was hat dieser ganze Mist, mit dem FDJ-Studienjahr gebracht, wo man uns durch die KZ’s geschleift hat oder mit anderen Floskeln beworfen. Das war doch nur für die Abrechnung auf dem Papier. Im entscheidenen Monment haben wir es einfach zugelassen, dass sie uns alles nehmen, was wir vorher aufgebaut haben, das sie unserer Land enteignen und verwerten.

    Ich gebe nicht Modrow oder Krenz die Schuld. Wir selbst waren es. Wo waren die Millionen SED-Mitglieder, als es mal darauf ankam, die Arbeiter anzuleiten? Ich selbst war zur Zeit der Konterrevolution 26 Jahre, aber die Auswirkungen habe ich nicht durchschaut, oder nur ansatzweise. (nachdem ich Stalin gelesen habe war es klar, aber damals…?)

    Die Menschen (Arbeiter, männlich und weiblich) hatten Körbe voller Westjugourt gekauft, damals für 2 DDR Mark pro Napf, also locker mal so 50 – 100 Mark für Zuckerbrühe ausgegeben, weil es einfach nichts gab, was man für sein Geld kaufen konnte. Das Bewußtsein ist doch dann bei Null, wenn man nicht erkennt, das gleich die Molkerei nebenan zugemacht wird.

    Dann diese Werbefuzzis von den 1000 Einzelgewerkschaften und wieviele FDGBler sind da reingegangen, da wußte ich das es schief läuft, was willst du mit solchen Kleinstvereinen? Ich glaube es gab damals nur einen richtigen Streik, der über mehrere Wochen ging, und das war der von den Kaliwerken. Dafür habe ich dann auch mehrmals gespendet.

    Ich glaube es ist ein ziemliches Durcheinander geworden, aber es mußte mal raus. Ich muß wirklich mal diesen ganzen Gedanken eine Struktur verleihen. Zur Zeit mache ich immer eine Wandzeitung, die meine Kinder dann lesen müssen. Aber jetzt ist es wieder ein unendlich weiter Weg, das merke ich jeden Tag.

    • sascha313 schreibt:

      So ist es. Da hat wohl jeder so seine Geschichte erlebt… Und wenn ich heute die großartigen Biographien derer lesen, die in der Sowjetunion Antifa-Schulen besucht haben, Adlige waren und Kommunisten wurden. Oder die Widerstandskämpfer waren, und nun erst einmal wieder anfangen mußten zu „leben“. Ich bin fest überzeugt, daß die damals auf dem richtigen Weg waren; und daß wir es ihnen schuldig sind, diese Verantwortung, diesen Weg wieder aufzunehmen. Es wird schwer werden – aber wer sollte es sonst tun, wenn nicht wir. Kurt war so ein Mensch!

      Ich bin Kurt Gossweiler zu unendlichem Dank verpflichtet – Kurt hat nie verzagt. Kurz vor seinem Tod hat er noch zum Abschied – schon schwach geworden – die Faust gehoben. Rot Front! Von Stalin, von Kurt Gossweiler und von so vielen anderen können wir noch viel lernen. Und das müssen wir weitergeben! Möglichkeiten gibt es viele, tommmm!

    • Politnick schreibt:

      „Ich gebe nicht Modrow oder Krenz die Schuld. Wir selbst waren es. “

      Manchmal denke ich sogar, daß es ein Fehler war, DDR Bürgern die freie Ausreise in den Westen so unendlich schwer zu machen. Wenn wir also unsere eigene Schuld eingestehen, hat das mit Sicherheit auch was mit Informationsdefiziten zu tun. DDR Bürger hatten in der Breite überhaupt keine Möglichkeit sich im Westen mal vor-Ort umzuschauen wie Kapitalismus in der Praxis aussieht.

      Daß alle DDR Bürger in den Westen abhauen wollten ist schließlich auch eine Propagandalüge.

      Freundschaft 😉

  5. tommmm schreibt:

    Realistisch gesehen, denke ich aber auch, dass die DDR zu klein war um autark den Sozialismus zu bewahren. Obwohl, Kuba…..aber das ist wohl leider auch bald Geschichte, wenn Raul uns verläßt.

    Bitte bei meinem vorherigen Text die Rechtschreibfehler nicht überbewerten. Ich habe es in einer kurzen Arbeitspause geschrieben. Das nächste Mal werde ich es besser ausarbeiten.

    • sascha313 schreibt:

      Hast recht. (Und was die Rechtschreibfehler betrifft, so versuche ich sie immer gleich zu berichtigen, wenn ich sie entdecke; selber kann man ja den Kommntaer nicht nochmal korrigieren…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s