Die vollständige Beseitigung des Faschismus in der DDR

ProgrammEines der Hauptziele der Kommunistischen Partei Deutschlands nach 1945 bestand in der vollständigen Liquidierung des Hitlerregimes und der Hitlerpartei.

Warum hatten gerade die Kommunisten großes Interesse daran, den Nazismus zu beseitigen? Warum muß man den den Faschismus bekämpfen? Warum ist der Neofaschismus eine so gefährliche Ideologie? Warum wurde die KPD in der BRD verboten? Alle diese Fragen kann man nur beantworten, wenn man die Geschichte kennt. Es werden heute viele Lügen über die DDR verbreitet. Eine davon ist, daß der angeblich verordnete Antifaschismus in der DDR nicht funktioniert habe. Das ist nachweislich eine Lüge! Hier nun die wahre Geschichte… 

Nach zwölf Jahren faschistischer Herrschaft, nach über fünf Jahren mörderischen faschistischen Raubkriege war es das vorrangige Ziel der deutschen Kommunisten, die Werktätigen, „alle ehrlichen Deutschen“ für die Mitarbeit bei der völligen Überwindung aller Überreste des faschistischen Systems zu gewinnen. Dies mußte und konnte zu einem allerersten Schritt der eigenen Abrechnung mit der faschistischen Vergangenheit werden. Denn 1945 beteuerten Hunderttausende, von den millionenfachen Verbrechen der Faschisten und ihrer Handlanger nichts gewußt zu haben.

Weitere Ziele der KPD bei der Beseitigung des Faschismus waren:

  • Mithilfe aller ehrlichen Deutschen bei der Aufspürung der versteckten Naziführer, Gestapoagenten und SS-Banditen.
  • Restlose Säuberung aller öffentlichen Ämter von den aktiven Nazisten
  • Außer der Bestrafung der großen Kriegsverbrecher, die vor den Gerichten der Vereinten Nationen stehen werden, strengste Bestrafung durch deutsche Gerichte aller jener Nazis, die sich krimineller Verbrechen und der Teilnahme an Hitlers Volksverrat schuldig gemacht haben.
  • Schnellste und härteste Maßnahmen gegen alle Versuche, die verbrecherische nazistische Tätigkeit illegal fortzusetzen, gegen alle Versuche, die Herstellung der Ruhe und Ordnung und eines normalen Lebens der Bevölkerung zu stören.

Damit war diese Aufgabenstellung ein Weg, um Schritt für Schritt das Bewußtsein, die politisch-ideologische Haltung der werktätige Massen zu verändern. Dazu gehörten die Erkenntnis de grauenhaften Verbrechen der Nazis, das persönliche Distanzieren von diesen Untaten bis hin zur aktiven Mitwirkung bei der Aufdeckung von Kriegs- und Naziverbrechen, bei der Entlarvung der Verantwortlichen und deren Verurteilung.

Wie wurden die Naziverbrecher entdeckt?

Dabei waren gewaltige ideologische Barrieren zu überwinden. Jahrelang hatte die Furcht vor Spitzeln und Denunzianten das Leben vergiftet. Die KPD selbst hatte den Kampf gegen Verräter mit unerbittlicher Härte geführt. Nunmehr die Massen für die Abrechnung mit den Faschisten zu gewinnen, zu erreichen, daß sie persönlich auftraten, Verbrechen aufdeckten und anprangerten, dazu bedurfte es des Engagements und ungeheurer Anstrengungen aller konsequenten Antifaschisten.

Was besagte das Völkerrecht?

Diese Aufgabenstellung des Aufrufs der KPD sowie analoge Forderungen der SPD und anderer antifaschistischer Kräfte standen in völliger Übereinstimmung mit den völkerrechtlichen Vereinbarungen des Potsdamer Abkommens. Hiernach waren alle Personen, die den Zielen des Kampfes der verbündeten Großmächte feindlich gegenüberstanden, „aus den öffentlichen oder halböffentlichen Ämtern und von den verantwortlichen Posten und wichtigen Privatunternehmungen zu entfernen“ und durch demokratisch, antifaschistisch gesinnte Personen zu ersetzen. In den Folgemonaten wurden diese Festlegungen durch entsprechende gesetzliche Regelungen des Alliierten Kontrollrates zur Entnazifizierung, eingeschlossen das Gesetz über die Bestrafung von Personen, die Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen den Frieden oder gegen die Menschlichkeit begangen hatten, vervollkommnet.

Wie verlief die Entnazifizierung in der Sowjetzone?

Dieses Ringen um die Beseitigung der Überreste des Naziregimes begann gleich nach Beendigung der Kampfhandlungen und der Besetzung des jeweiligen Ortes oder Gebietes durch die Sowjetarmee. Geführt von den Kommunisten, wurden überall dort, wo Antifaschisten in Verwaltungsfunktionen übernahmen, Betriebe in Gang setzten und leiteten, sofort zahlreiche Nazis aus Ihren früheren Stellungen entfernt. Die Ingangbringung des gesellschaftlichen Lebens bildete eine Einheit mit der Ausschaltung der Faschisten. Die Bildung des Berliner Magistrats, seine Amtseinführung am 19. Mai 1945 und die Entlassung von 15.795 ehemaligen Mitgliedern der Nazipartei aus der Verwaltung und den städtischen Betrieben waren dafür ein Beispiel.

Was geschah mit den Nazibetriebsführern?

Auch in den Betrieben wurden sofort zahlreiche Faschisten ihrer Funktionen enthoben. So wurde aus dem damaligen Olympia-Büromaschinenwerk in Erfurt berichtet, daß sich im Juli 1945 dessen Direktor, Wussow, – ein aktiver Nazi –, vor dem Einrücken der Roten Armee nach dem Westen absetzte. An seiner Stelle traten zwei Arbeiter, und zwar ein Dreher und ein Schlosser, in die Direktion ein. Im Kaliwerk Wintershall in Woltershausen (Thür.) wurden die Nazibeamten von ihren Funktionen entfernt und zur Arbeit in den Schacht geschickt. Inder Hallischen Maschinenfabrik wurde durch Belegschaftsbeschluß einem Direktor sein jährliches Ruhegehalt von 12.000 Mark gestrichen und mit diesen Mittel ein Schulungsfonds für junge Arbeiter finanziert.

So erwies sich die Säuberung aller öffentlichen Ämter und leitenden Funktionen in Betrieben und Einrichtungen als eine unmittelbare und nächstliegende Tagesaufgabe zur Zerschlagung aller Überreste des Naziregimes. Sie war aber auch zugleich ein Kampf um reale Machtpositionen der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten in Verwaltung und Wirtschaft, ein Ringen um die Verwirklichunq der führenden Rolle der Arbeiterklasse.

Worum ging es bei der Entnazifizierung?

Insgesamt vollzog sich die Entnazifizierung in mehreren Etappen. Wesentliche Impulse erhielt dieser Kampf um die Säuberung der Verwaltungen und Betriebe durch die „Gegenwartsforderung“ der SED in ihren „Grundsätzen und Zielen“.

  • Bestrafung aller Kriegsschuldigen und Kriegsverbrecher.
  • Beseitigung der Überreste des Hitlerregimes in Gesetzgebung und Verwaltung.
  • Völlige Säuberung des gesamten öffentlichen Lebens, aller Ämter und Wirtschaftsleitungen von Faschisten und Reaktionären.

Das war die eindeutige Position der SED. Sie wurde von Tausenden ihrer Vertreter in den gebildeten Entnazifizierungsausschüssen konsequent durchgesetzt.

Wurden diese Ziele in der DDR erfüllt?

In diesen demokratischen Ausschüssen auf Orts-, Kreis-und Landesebene wurden Vertreter aller antifaschistisch-demokratischen Parteien und Massenorganisationen und den neuen Verwaltungen zur Ausschaltung der Nazis wirksam. Als sie im März 1948 ihre Tätigkeit einstellten, war im Ergebnis ihrer Anstrengungen in der sowjetischen Besatzungszone fast eine halbe Million aktiver Faschisten aus Verwaltungen, Betrieben und anderen Einrichtungen entfernt worden. Aus diesem Kreis wurden auf der Grundlage gesetzlicher Regelungen 18.328 aktive Nazis unter Anklage gestellt. 118 Kriegsverbrecher wurden zum Tode, 231 zu. Lebenslänglichen Zuchthaus, und mehr als 50 Prozent zu Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren verurteilt. Seinem Charakter nach war das ein hartes Ringen um die Festigung der neuen, antifaschistisch-demokratischen Machtorgane und zugleich eine klare Abgrenzung dieser Machtorgane von den faschistischen Verbrechen.

Was geschah in den westlichen Besatzungszonen?

Welche weitgehende politische Bedeutung dieser Kampf hatte, wurde nicht zuletzt durch den Vergleich mit der Entwicklung in den drei Westzonen deutlich. Dort wurde bereits nach kurzer Zeit eine völlig ungenügende Säuberung der Betriebe und Verwaltungen von Nazis sichtbar, so daß beispielsweise die Gewerkschaftsorganisationen aller vier Besatzungszonen und auch Kommissionen des Weltgewerkschaftsbundes Alarm schlugen.

Wodurch unterschied sich West- von Ostdeutschland?

Während in der sowjetischen Besatzungszone bis zum 1. Januar 1947 36.737 ehemalige Angehörige der SS, der Gestapo, des Sicherheitsdienstes und Mitglieder des Führungskorps der NSDAP verhaftet und von diesen 17.175 Personen verurteilt worden waren, wurden in der US-amerikanischen Zone von 43.601 Verhafteten nur 551 verurteilt. So wurde hinter einem Rauchvorhang angeblicher Aktivitäten gegen die Überreste des Naziregimes die Tatsache deutlich, daß die weitaus größte Zahl der Nazis unbehelligt blieben, ja sogar in ihren Positionen belassen wurden. Selbst amerikanische Organe mußten damals feststellen, daß Millionen ehemaliger Nazis immer noch oder erneut im Dienst waren, wobei die Mehrheit von ihnen ihre früheren Posten einnahm.


Wie wurde die deutsche Rüstungsbasis beseitigt?

Im Wesen das gleiche Bild ergab sich auch bei der Beseitigung aller Überreste der Hitlerwehrmacht und ihrer Rüstungsbasis. Die Sowjetunion kam ihren Verpflichtungen zur restlosen Auflösung aller Einheiten und Einrichtungen der Naziwehrmacht und zur Vernichtung des Rüstungspotentials nach. Das war nicht zuletzt deshalb In kurzer Frist möglich, weil die sowjetischen Organe hierbei eng mit deutschen Antifaschisten zusammenarbeiteten. Diese unwiderlegbaren Tatsachen wurden auch von den vierseitigen Komissionen des Alliierten Kontrollrates bestätigt. Für den sowjetischen Verantwortungsbereich konnten sie konstatieren: Von 733 zur Demontage vorgesehenen Rüstungsbetrieben waren bis Januar 19 676 Betriebe abgebaut beziehungsweise deren Produktion war vollständig umgestellt worden. Die noch vorhandenen militärischen Anlagen waren zu 99 Prozent zerstört.

Wie war die Lage des Rüstungsindustrie in den Westzonen?

Völlig anders war dagegen die Situation in den Westzonen. In der britischen Zone waren von den zu vernichtenden Panzer-, Flugzeug- und Artilleriewerken nur sieben Prozent liquidiert. In der US-amerikanischen Zone waren von 196 unterirdischen Rüstungsanlagen nur 3 zerstört. Im November 1945 schon wiesen die sowjetischen Organe nach, daß in der britischen Zone noch Einheiten der faschistischen Wehrmacht in Stärke von 1 Millionen Mann weiterexistierten. Im Oktober 1946 mußten die USA das Vorhandensein von deutschen militärischen Formationen in Stärke von 9.000 Mann selbst eingestehen. Diese Einheiten wurden dann zur politische und militärischen Kaderreserve bei der Wiederbelebung des deutschen Militarismus und beim Aufbau der Bundeswehr der BRD.


Diese unterschiedlichen Ergebnisse bei der Entnazifizierung und Entmilitarisierung lenkten auf einen weiteren Fragenkomplex hin, auf die Aufklärung und Verfolgung faschistischer Verbrechen durch deutsche Organe und auf die Aburteilung faschistischer Verbrecher durch deutsche Gerichte.

Wie wurden Naziverbrechen in der DDR verfolgt?

Hier wurde im Osten Deutschlands eine völlig neue gesellschaftliche Kraft wirksam, die Zusammenarbeit von Organen der SMAD, der im Mai 1945 geschaffenen Volkspolizei und von Vertretern der antifaschistisch-demokratischen Parteien. und Massenorganisationen.

  • Das KZ Radeburg. So wurde bereits im Mai 1945 eine Kommission aus sowjetischen Genossen und Volkspolizisten gebildet, deren Aufgabe darin bestand, die im „Arbeitserziehungslager Radeberg“ begangenen Verbrechen zu untersuchen. In diesem KZ waren 422 Menschen unterschiedlicher Nationalität ermordet worden. Durch die sofort und gründlich geführten Untersuchungen konnte die Mehrzahl der beteiligten Kriegsverbrecher festgenommen und ver Gericht gestellt werden. Zu diesem Zweck wurde in Sachsen erstmals ein antifaschistisches Volksgericht gebildet. Diesem Gericht, das von einem Juristen geleitet wurde, gehörten fünf Arbeiter, darunter der Vorsitzende und ein Mitglied des Landesausschusses des FDGB, an. Ein Kommunist, Mitglied der LandesIeitung der KPD, wurde zum Volksankläger berufen. Mit dem strengen Urteil gegen die überführten Verbrecher wurde dokumentiert, wie die Arbeiterklasse im Namen der antifaschistischen Kämpfer und der großen Zahl der Opfer des faschistischen Terrors Recht sprach. Die Prozesse solcher Volksgerichte, die auch die Ursachen und die gesellschaftlichen Hintergründe der begangenen Vergehen bloßlegten, übten einen großen Einfluß auf das Umdenken der Werktätigen aus.
  • Das KZ Zeithain. Eine andere Untersuchungskommission, zusammengesetzt aus Vertretern der sowjetischen Militärverwaltung, der Volkspolizei, der SED, des FDGB, der FDJ, des Frauenausschusses sowie der CDU und der LDPD, befaßte sich mit dem Mord an 70.000 sowjetischen Kriegsgefangenen im Lager Zeithain. Auch ihre Arbeit sicherte die Aburteilung des größten Teils der Verbrecher.

Gab es in der DDR anfangs noch bewaffnete Nazi-Banden?

Nicht wenige der untergetauchten Verbrecher versuchten, mitunter in bewaffneten Banden organisiert, die friedliche Bevölkerung zu terrorisieren und den Kampf gegen die neuen, demokratischen Verwaltungen zu führen. So kostete ein Sprengstoffanschlag auf einen Personenzug in Burkau (Kreis Kamenz) fünf Menschen das Leben und forderte zahlreiche Verletzte. In Görlitz richteten Angehörige faschistischer Banden ihre Angriffe gegen Einrichtungen der demokratischen Parteien und der sowjetischen Kommandantur. Überall, wo diese Banden auftauchten, ermöglichte das einheitliche Vorgehen der Volkspolizei, sowjetischer Organe und der Bevölkerung die Vernichtung solcher Kräfte.

Wie wurde die Öffentlichkeit informiert?

Der aktive und harte tägliche Kampf um die Beseitigung aller Überreste von Faschismus und Militarismus war mit umfassenden Anstrengungen der KPD und anderer Antifaschisten verbunden, in allen Kreisen der Bevölkerung eine richtige politisch-ideologische GrundeinsteIlung zur Verfolgung und Bestrafung der faschistischen Hauptkriegsverbrecher herauszubilden. So nahm zum Beispiel bereits eine Woche nach Beendigung Potsdamer Konferenz eine Funktionärskonferenz des FDGB in Berlin zu deren Beschlüssen Stellung. Die Gewerkschafter erblickten in „den festgelegten. Maßnahmen … zur Ausrottung des Faschismus und Militarismus sowie in der Beseitigung aller Institutionen, der Auflösung der großen Kartelle, Monopole und Konzerne die Voraussetzung dafür, daß sich nicht mehr, wie 191 eine neue Clique von Kriegsverbrechern in Deutschland entwickeln kann“.

Wie gelang es den Behörden, die Richtigen zu finden?

Ein Bestandteil dieser umfassenden ideologischen Arbeit, um die Abrechnung mit den aktiven Nazis und Kriegsverbrechern zur Sache aller Werktätigen zu machen, war der Ruf der revolutionären Arbeiterpartei tatkräftiger antifaschistischer Wachsamkeit. Gegen Bestrebungen ehemaliger Nazis, sich zum Beispiel durch die Fälschung von Personalunterlagen zu tarnen, gegen Tendenzen, undifferenziert gegen alle ehemaligen Mitglieder der Nazipartei vorzugehen, orientierte die KPD ihrer Presse darauf, „die Richtigen zu finden. Nämlich die Kriegsverbrecher, die hohen Naziführer. die SD- und Gestapo-Leute, die Folterknechte aus den Konzentrationslagern und ähnliches schwarzes Gesindel, Kerle die im wahrsten Sinne des Wortes kriminelle Verbrecher sind und sich als solche zu verantworten haben.“


DER NÜRNBERGER PROZESS

Anklageschrift

Anklageschrift aus der «Berliner Zeitung» vom 18.Oktober 1945

Systematisch wurden „Zeugnisse der Schande“ publiziert, und jedem das Ausmaß der begangenen Verbrechen, die PIanmäßigkeit ihrer Durchführung und die abgrundtiefe Verkommenheit der Verbrecher vor Augen zu führen, sowie solche Haltungen bei den Menschen auszuprägen, daß sich derartiges nie wiederholen kann.

Gab es eine öffentliche Anklageerhebung?

Unmittelbar nach Beginn des Hauptkriegsverbrecherprozesses, der vom 20. November 1945 bis 1. Oktober 1946 in Nürnberg durchgeführt wurde, schalteten sich die deutschen Antifaschisten, an ihrer Spitze die in Aktionseinheit zusammenstehenden Kommunisten und Sozialdemokraten, in die Anklageerhebung ein. Am 16. Dezember 1945 erhob der Hauptausschuß der „Opfer des Faschismus“ (OdF) auf einer Kundgebung in der Staatsoper Berlin Anklage gegen die Hauptkriegsverbrecher. Hier konstituierten sich die Antifaschisten aus allen Klassen und Schichten de facto als Nebenkläger und klagten an:

„Die Mitglieder der NSDAP, der SS, der SA und aller Ihrer Gliederungen, die um dieser Verbrechen willen erlassenen verbrecherischen Gesetze nicht nur bewußt durchgeführt, sondern darüber hinaus Verbrechen wie: Diebstahl, Plünderungen, Mißhandlungen, Raub und Mord um eigener und ihrer Vorgesetzten Vorteile willen begangen und damit das deutsche Volk sowie die anderen europäischen Völker um Millionen wertvoller Männer. Frauen und Kinder beraubt und in tiefste Not gestürzt zu haben.“

Wie verhielt sich die Bevölkerung im Osten Deutschlands zur Verurteilung der Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg?

Hiervon ausgehend, baten die deutschen Antifaschisten „die Kulturnationen der Welt um das Recht, die In Zukunft gefaßten nationalsozialistischen Verbrecher vor eigenen Gerichten aburteilen zu können. Die Welt wird dadurch Gelegenheit haben, sich an der Scharfe der dort gefällten Urteile von dem ehrlichen Willen zur Läuterung des deutschen Volkes zu überzeugen.“

Schließlich trugen die tägliche umfassende Berichterstattung über den Prozeßverlauf und die Veröffentlichung zahlreicher Beweis- und Prozeßdokumente zur allmählichen Herausbildung und Entwicklung einer neuen antlfaschlstischen Haltung und Denkweise unter der Bevölkerung bei. Hieraus erwuchs die breite und verantwortungsbewußte Zustimmung zum Urteil der Völker. Dieser Urteilsspruch erklärte die oben genannten Naziorganisationen zu verbrecherischen Organisationen und verkündete den Führern und Verantwortlichen der begangenen Verbrechen die Todesstrafe und langjährige Freiheitsstrafen.

Gab es Proteste gegen die Urteile von Nürnberg?

Und noch etwas wurde deutlich, das die erreichten Fortschritte in der politisch-ideologischen Arbeit der SED und anderer Antifaschisten widerspiegelte. Es stellte sich die völlige Übereinstimmung der sowjetischen Anklagevertreter und der breiten demokratischen Öffentlichkeit im Osten Deutschlands heraus in ihrem Protest gegen die Freisprüche für den ehemaligen Vizekanzler und Diplomaten Hitlers Franz von Papen, den Wirtschaftsminister und Reichsbankpräsidenten in der Naziregierung Hjalmar Schacht und den führenden Repräsentanten der faschistischen Ideologie und Melnungsmanlpulierung Hans Fritzsche.

Die Vertreter des Sowjetvolkes forderten, ihren Protest in den Nürnberger Dokumenten festzuhalten. An ihre Seite stellten sich die SED und breite Kreise der Werktätigen Ihr Protest und die Forderung, die freigesprochenen Faschisten deutschen Gerichten zur Aburteilung zu übergeben, wurden Im Osten Deutschlands Inhalt einer um fassenden Volksbewegung. Diese Aktionen der Werktätigen erzwangen von der Nürnberger Spruchkammer später die erneute Verhaftung der drei Faschisten und deren Verurteilung durch deutsche Gerichte.

Warum wurde die VVN gegründet?

Diese angestrengte politische und ideologische Arbeit zur Überwlndung aller Überreste von Faschismus und Militarismus, zur Entwicklung eines neuen, antifaschistischen Bewußtseins der Werktätigen und zur Stärkung des KIassenbewußtseins der Arbeiterklasse bildete dann auch ein festes Fundament für die Gründung der „Vereinlgung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) im Februar 1947. Das war ein wichtiger Schritt von den noch mehr oder weniger losen Ausschüssen der „Opfer de Faschlsmus“, die vornehmlich Fürsorgeaufgaben erfüllten, zu einer politischen Organisation mit einem klare politischen Konzept. In dessen Mittelpunkt wurde der aktive Kampf um den „Aufbau eines neuen, im Innern demokratischen und freiheitlichen und nach außen friedlichen Deutschland“ gestellt.

Was sind die Grundaufgaben der VVN?

Franz Dahlem, Mitglied des Zentralsekretariats der SED, rückte auf der Gründungskonferenz der VVN am 22./23. Februar 1947 in Berlin zwei Grundaufgaben der Organisation besonders ins Blickfeld und erläuterte sie:

  • Zum einen galt es, den tapferen, opferreichen Kampf der deutschen antifaschistischen Widerstandsbewegung darzustellen und vor allem der Jugend nahezubringen.
  • Zum anderen war die internationalistische Zusammenarbeit mit Organisationen antifaschistischer Widerstandskämpfer anderer Länder zu entwickeln, um gemeinsam Faschismus und Krieg für immer aus dem Leben der Völker verbannen zu können.

Wo hatten die Antifaschisten die besten Bedingungen?

Nur in der sowjetischen Besatzungszone hatten die Arbeiterklasse und andere Antifaschisten alle Möglichkeiten, eine breite Aufklärungsarbeit über Erscheinungsformen, Wesen und Ursachen des Faschismus, über Heldentum, Opfer und Lehren des antifaschistischen Widerstandskampfes und zur Verbreitung antifaschistischen Ideengutes zu leisten. Anhand dessen, wie Kommunisten zusammen mit Sozialdemokraten, Gewerkschaftern, Christen, bürgerlichen Demokraten und anderen patriotischen Kräften innerhalb und außerhalb Deutschlands für ein breites Bündnis aller Gegner des Hitlerregimes gekämpft hatten, wurde die Notwendigkeit breitester Zusammenarbeit bei der Bewältigung der faschistischen Vergangenheit tagtäglich untermauert.

Was ist die Bilanz des Aktionsprogrammes?

So wird als Bilanz der Anstrengungen zur Verwirklichung dieses Teils des Aktionsprogramms von KPD und SED deutlich: Auf dem Weg, den die Besten des deutschen Volkes, Revolutionäre, Humanisten, Demokraten und wahre Patrioten, vor Generationen eingeschlagen, auf dem sie mutig und aufopferungsvoll für eine friedliche und glückliche Zukunft des Volkes gestritten hatten, schritten die Antifaschisten siegreich voran. Eine der größten historischen Leistungen der SED auf diesem Wege besteht darin, daß in historisch kürzester Frist die politischen und ideologischen Überreste des Hitlerfaschismus überwunden und eine tiefgehende Wende zum proletarischen Internationalismus, vor allem zu ner neuen Einstellung zur Sowjetunion; und zum sozialistischen Patriotismus vollzogen wurde.

Erich Honecker charakterisierte diese historische Leistung: „Wir haben die historische Chance genutzt, die sich uns mit der Befreiung durch die Sowjetunion und die anderen Mächte der Antihitlerkoalition im Frühjahr 1945 bot. der DDR nahm Gestalt an, wofür die deutschen Antifaschisten in der Illegalität, in Zuchthäusern und Konzentrationslagern, im Exil und an anderen Fronten des Kampfes gegen Nazibarbarei und Krieg das Leben eingesetzt hatten. Ihr Vermächtnis liegt in zuverlässige Händen.“

NACHTRAG: Heute muß man sagen, ihr Vermächtnis „lag in zuverlässigen Händen“, denn die Situation hatte sich nach der Konterrevolution und der Beseitigung der Macht der Arbeiterklasse grundlegend geändert. Und es waren wieder diejenigen an die Macht gekommen, die 1933 den Nazis die Tür aufgehalten hatten…

Quelle: Ein erfülltes Programm. Zum 40.Jahrestag des Aufrufs des Zentralkomitees der KPD vom 11. Juni 1945. Dietz Verlag Berlin 1985, S.44-54.


Siehe auch:

Die Verurteilung des Mörders von Oradour in der DDR

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2 Antworten zu Die vollständige Beseitigung des Faschismus in der DDR

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