Die Achillesferse der Manipulatoren

OctopusTheVerdict1899Angesichts der Selbstsicherheit der herrschenden Klasse und der Trägheit der ausgebeuteten und unterdrückten Massen gewinnt man oft den Eindruck, daß die kapitalistische Welt unumstößlich sei, und wir uns nun wohl oder übel in unser Schicksal als Sklaven des System zu fügen hätten. Doch weit gefehlt. Je mehr im Volke die Erkenntnis um sich greift, manipuliert und betrogen zu werden, desto mehr nimmt auch die Suche der Menschen nach einer Veränderung der Gesellschaft und nach praktikablen Lösungswegen, Gestalt an. Es bedarf nur weniger gutgeführter Schnitte, um dieses Krebsgeschwür, diese Parasiten der Menschheit, zu entfernen. Allerdings – je länger man damit wartet, desto mehr breitet es sich aus. Was ist aber nun die empfindlichste Stelle, die Achillerferse der Manipulatoren?

Dazu müssen wir etwas in die Tiefe steigen und die Ursachen erforschen, die es möglich machen, daß Menschen heute in dieser unverfrorenen Weise manipuliert werden und eben auch manipulierbar sind.

Die wesentlichsten Zusammenhänge sind verdeckt

Ist der Mensch unter den Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnissen des Imperialismus das Objekt zielgerichteter geistiger Manipulation, so nicht nur und nicht einfach im Ergebnis des wissenschaftlich-technisch perfektionierten Einsatzes der Manipulationsinstrumente einschließlich des imperialistischen Staates, der dem Kapital dienenden Parteien und der Parlamente.

Der Mensch ist diesen unmenschlichen Verhältnissen vielmehr ideell auch deshalb als Objekt unterworfen, als allein die Existenz solcher Institutionen reale Sachverhalte schafft, die die wesentlichen, tieferen gesellschaftlichen Gegebenheiten und Zusammenhänge verdecken, ja sie zuweilen ins Gegenteil verkehren.

Diese Sachverhalte und daraus sich ableitende Beziehungen sind es, die gewissermaßen das subjektive illusionäre Abbild „objektivieren“ und damit den großen Volksbetrug mit der „Gemeinschaft“ des Volkes, dem allen „gemeinsamen“ Staat und seinem Interesse, – kurz: den universellen Manipulierungscoup in entscheidendem Maße erst ermöglichen.

Die Entfremdung der Menschen von der Wirklichkeit

Es ist das Verdienst von Karl Marx, die tieferen gesellschaftlichen Zusammenhänge theoretisch aufgedeckt zu haben, auf deren Grundlage die politische und auch die ideologische Entfremdung, die uns heute in zugespitzter Form in der imperialistischen Manipulierung des Volkes entgegentritt, ihren Ausdruck finden. Es ist die ökonomische Entfremdung, die aus der Entwicklung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und der diesem entsprechenden Spaltung der Gesellschaft in antagonistische Klassen erwächst.

„Der Arbeiter wird um so ärmer, je mehr Reichtum er produziert, je mehr seine Produktion an Macht und Umfang zunimmt. Der Arbeiter wird eine um so wohlfeilere Ware, je mehr Waren er schafft. Mit der Verwertung der Sachenwelt nimmt die Entwertung der Menschenwelt in direktem Verhältnis zu. Die Arbeit produziert nicht nur Waren; sie produziert sich selbst und den Arbeiter als eine Ware … Der Gegenstand, den die Arbeit produziert, ihr Produkt, tritt ihr als ein fremdes Wesen, als eine von dem Produzenten unabhängige Macht gegenüber … Die Verwirklichung der Arbeit … erscheint … als Entwirklichung des Arbeiters, die Vergegenständlichung als Verlust und Knechtschaft des Gegenstandes, die Aneignung als Entfremdung, als Entäußerung … Je mehr der Arbeiter sich ausarbeitet, um so mächtiger wird die fremde, gegenständliche Welt, die er sich gegenüber schafft, um so ärmer wird er selbst, seine innre Welt.“ [1]

 (Ist das zu verstehen? Die kapitalistische Gesellschaft bläht sich praktisch auf zu einem Monstrum, daß nicht mehr beherrschbar zu sein schein!)

Die Bourgeoisie sagt: „Wir sitzen alle in einem Boot!“

In seiner Arbeit „Zur Judenfrage“ untersuchte Marx das dem individuellen Leben entfremdete Gattungsleben unter dem Gesichtspunkt des Verhältnisses des Individuums zum bürgerlichen Staat und enthüllte damit zugleich den Nährboden, die objektive Grundlage für die Wirksamkeit der bourgeoisen „Gemeinschafts“-Demagogie. „Der vollendete politische Staat ist seinem Wesen nach das Gattungsleben des Menschen im Gegensatz zu seinem materiellen Leben“, schreibt er. „Der Mensch in seiner nächsten Wirklichkeit, in der bürgerlichen Gesellschaft, ist ein profanes Wesen … In dem Staat dagegen, wo der Mensch als Gattungswesen gilt, ist er das imaginäre Glied einer eingebildeten Souveränität, ist er seines wirklichen individuellen Lebens beraubt und mit einer unwirklichen Allgemeinheit erfüllt.“ [2]  …

Wie ist das mit den bürgerlichen „Freiheiten“?

Auf der Grundlage des kapitalistischen Privateigentums wandelte sich die Form des Verhältnisses zwischen dem Staat und seinen Bürgern. Es wurde seiner Form nach ein unmittelbares Verhältnis des Bürgers als „gleichberechtigtes und freies Glied“ des Staates – wohlgemerkt, der Form, nicht dem Inhalt nach. Der bürgerliche Staat hob notwendig den überkommenen Unterschied der Geburt, des Standes, der Bildung usw. in seiner Weise auf, wenn er, wie Marx schrieb, „ohne Rücksicht auf diese Unterschiede jedes Glied des Volkes zum gleichmäßigen Teilnehmer der Volkssouveränität ausruft … Nichtsdestoweniger läßt der Staat das Privateigentum, die Bildung, die Beschäftigung auf ihre Weise, d.h. als Privateigentum, als Bildung, als Beschäftigung wirken und ihr besondres Wesen geltend machen.“ [3]

Dieser Widerspruch führt zur Spaltung des Individuums in den „abstrakten Staatsbürger“ und das „lebendige Individuum“, in den „citoyen“ und den „homme“. Unter den Bedingungen der bourgeoisen Gesellschafts- und Staatsordnung „führt der Mensch nicht nur im Gedanken, im Bewußtsein, sondern in der Wirklichkeit, im Leben ein doppeltes, ein himmlisches und ein irdisches Leben, das Leben im politischen Gemeinwesen, worin er sich als Gemeinwesen gilt, und das Leben in der bürgerlichen Gesellschaft, worin er als Privatmensch tätig ist, die andern Menschen als Mittel betrachtet, sich selbst zum Mittel herabwürdigt und zum Spielball fremder Mächte wird.“ [4]

Ohne diese widersprüchliche Stellung des Menschen in der kapitalistischen Gesellschaft wäre es den bürgerlichen Ideologen unmöglich, den Klassencharakter des bourgeoisen Staates zu verdunkeln, die Mittel und Methoden der Manipulierung des Menschen so relativ wirkungsvoll und langandauernd anzuwenden.


Das gesamte kapitalistische System muß beseitigt werden

Die wechselseitige Einheit der spontanen Mystifikation und der zielbewußten Manipulation muß deshalb so hervorgehoben werden, weil sie entscheidende Konsequenzen für die revolutionäre Überwindung der Mächte der materiellen und geistigen Unterdrückung des Menschen in sich birgt. Diese Einheit ermöglicht vor allem das theoretisch fundierte Verständnis dafür, daß der Kampf gegen diese Mächte als revolutionäre Aktion gegen das gesamte System imperialistischer Niederhaltung und Manipulierung geführt werden muß.

Die Manipulation ist Bestandteil des Gesamtsystems des staatsmonopolistischen Kapitalismus und kann nur im umfassenden Kampf gegen das gesamte Herrschaftssystem überwunden werden. Die einzelnen Seiten, gegen die sich heute konkrete Kampfaktionen der Arbeiter und vieler anderer demokratischer Kräfte richten, sind – wie die Manipulation – Bestandteil dieses Gesamtsystems und können nur in klarer Frontstellung gegen dieses Herrschaftssystem in seiner Gesamtheit erfolgreich bekämpft werden.


 Stalin erklärt das so: „Bis zu einer gewissen Periode vollziehen sich die Entwicklung der Produktivkräfte und die Veränderungen auf dem Gebiete der Produktionsverhältnisse als elementarer Prozeß, unabhängig vom Willen der Menschen. Aber dies nur bis zu einem gewissen Augenblick, bis zu dem Augenblick, wo die neu entstandenen und sich entwickelnden Produktivkräfte die notwendige Reife erlangt haben. Nachdem die neuen Produktivkräfte ausgereift sind, verwandeln sich die bestehenden Produktionsverhältnisse und ihre Träger, die herrschenden Klassen, in das ‚unüberwindliche Hindernis‘, das nur aus dem Wege geräumt werden kann durch die bewußte Tätigkeit der neuen Klassen, durch gewaltsame Handlungen der Klassen, durch die Revolution.“ [5] Ist das jetzt klar?


Die Achillesferse

Dieser Kampf wird schließlich von Erfolg gekrönt sein; denn trotz aller Bemühungen, das Denken, Fühlen und Handeln der werktätigen Massen zu manipulieren, stellt sich der herrschenden Klasse ein Grundproblem, das sie auch mit Hilfe der erfahrensten Meinungsmacher, Mythen- und Maskenbildner sowie gestützt auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und technischen Errungenschaften auf die Dauer nicht zu lösen vermag.

Dieses Problem, diese unüberwindbare Schwierigkeit besteht darin, daß sie die Volksmassen im Geiste einer Ideologie und Politik zurichten muß, die deren Interessen zutiefst widerspricht, völlig zuwiderläuft. Das ist der Sinn und zugleich die Achillesferse der imperialistischen Manipulation, die immer deutlicher sichtbar wird und trotz aller Faktoren, die dagegen wirksam gemacht werden, zu einer Polarisierung der Klassenfronten führt.


Wann beginnt die proletarische Revolution?

Die Macht der Waffen des Spätkapitalismus findet ihre Grenzen, sobald es im Prozeß der Klassenauseinandersetzung zur Erkenntnis wesentlicher Zusammenhänge und zur Erkenntnis des Widerspruchs zwischen manipulierter Scheinwelt und objektiver Realität kommt, sobald die Arbeiter sich ihrer Klassenposition und ihrer Kraft bewußt werden. Doch Klassenbewußtsein entsteht nicht von selbst. Allein die Tatsache, daß ein Arbeiter Arbeiter ist, macht ihn noch nicht klassenbewußt. Es gibt unzählige Beispiele, die eine solche vereinfachte Vorstellung ad absurdum führen. Klassenbewußtsein muß in der Arbeiterklasse zielstrebig geweckt und gefördert werden. „Die Arbeiterbewegung und ihre Organisationen haben die verantwortungsvolle Aufgabe, den Massen der Werktätigen dieses Bewußtsein zu vermitteln, sie mit dem Wissen um die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung auszurüsten und sie klassenmäßig zu erziehen.“ [6]

Wie kann das System überwunden werden?

Weder Resignation noch kleinbürgerliche Revoluzzer-Phrasen „am Rande Stehender“ können allerdings hierzu führen, können die materiellen und geistigen Waffen der imperialistischen Bourgeoisie und das alle gesellschaftlichen Bereiche umfassende System zerbrechen, das diese Waffen hervorbringt. Das Werk der geschichtlichen Überwindung des imperialistischen Systems kann nur und wird das Ergebnis des Kampfes der revolutionären Hauptkraft, der Arbeiterklasse, sein, von deren Erkenntnis, Organisierung, Mobilisierung und von deren breiter Bündnispolitik alles abhängt.

Kann der Faschismus verhindert werden?

Die neonazistische Gefahr gebietet heute, Lehren aus der Geschichte zu ziehen und eine kampfentschlossene einheitliche Abwehrfront aller Gegner des Neonazismus zu schaffen. Sie erfordert, daß sich alle nach fortschrittlichen Veränderungen in Westdeutschland* drängenden Kräfte nicht durch den Antikommunismus weiter voneinander trennen lassen, sondern sich vereinen und die Kraft ihrer Organisation und Zahl in die Waagschale werfen, um den Vormarsch der neonazistischen Kräfte zu stoppen und den Boden zu beseitigen, auf dem dieser finsterste und aggressivste Stoßtrupp des Finanzkapitals gedeiht. Der gefährlichen Rechtsentwicklung in der Bundesrepublik wirkungsvoll Widerstand zu leisten, setzt voraus, daß sich Sozialdemokraten und Kommunisten, Gewerkschafter und Studenten, daß sich alle sozialistischen und fortschrittlich-demokratisch gesinnten Menschen zusammenfinden und – trotz vieler Unterschiede in weltanschaulichen und taktischen Fragen – die Kraft ihrer Gemeinsamkeit gegen die neonazistische Mobilmachung einsetzen.

Bündnis mit allen fortschrittlichen Kräften

Durch das gemeinsame Handeln der Arbeiterklasse und das demokratische Bündnis aller Volkskräfte gilt es, die gefährliche Rechtsentwicklung zu bannen und Bedingungen zu schaffen, unter denen der werktätige Mensch nicht länger manipuliertes und terrorisiertes Objekt einer ihn beherrschenden Macht ist, sondern das schaffende Volk selbst über seine Geschicke bestimmt.

Was Westdeutschland braucht, ist ein neuer Anfang, ein wirklich demokratisches Neubeginnen, das die Entwicklung in die Gleise des gesellschaftlichen Fortschritts lenkt. Und dieser gesellschaftliche Fortschritt schließt ein, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“, auf daß auch in Westdeutschland „der Mensch das höchste Wesen für den Menschen“ werde. [7]

Zitate:
[1] Karl Marx/Friedrich Engels, Kleine ökonomische Schriften, Berlin 1955, S.98f.
[2] Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd.1, Berlin 1956, S. 354f.
[3] ebd., S.354. In diesem Sinne schrieb auch Friedrich Engels: In den meisten geschichtlichen Staaten werden außerdem die den Staatsbürgern zugestandnen Rechte nach dem Vermögen abgestuft und damit direkt aus­ gesprochen, daß der Staat eine Organisation der besitzenden Klasse zum Schutz gegen die nichtbesitzende ist … Diese politische Anerken.nung des Besitzunterschieds … bezeichnet eine niedrige Stufe der staatlichen Entwicklung. Die höchste Staatsform, … in der der letzte Entscheidungskampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie allein ausgekämpft werden kann – die demokratische Republik weiß offiziell nichts mehr von Besitzunterschieden. In ihr übt der Reichtum seine Macht indirekt, aber um so sicherer aus.“ (Friedrich Engels, Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd.21, Berlin 1962, S.167)
[4] ebd., S.355.
[5] J. Stalin: Über den dialektischen und historischen Materialismus. Verlag der sowjetischen Militärverwaltung in deutschland, Berlin 1946, S.41.
[6] Hermann Matern: Zur Rolle der Sozialdemokratie in der Klassenauseinandersetzung auf deutschem Boden, Berlin 1969, S.18.
[7]  Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd.1, Berlin 1957, S.385

Quelle:
Manfred Banaschek/Förg Vorholzer: Mensch und Macht. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin (DDR), 1979, S.187-198 (gekürzt und mit Zwischenüberschriften versehen, N.G.) *Für Westdeutschland kann man auch BRD oder Bundesrepublik einsetzen.

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2 Antworten zu Die Achillesferse der Manipulatoren

  1. Peter Schäfer schreibt:

    Der Staat hat eine sehr gute Form gefunden, die Besitzenden zu fördern und zu schützen. Sobald ein Gesetz verabschiedet ist, muß es eingehalten werden. Der Staatsapperat hinterfragt nie die Folgen. Laut Hannah Arendt fehlt es dem Bösen immer an TIEFE. Es macht sich keine Gedanken um die Folgen seines Tuns. Die Gedanken hat sie als Beobachter des „Eichmannprozesses“ entwickelt. Sie erkannte „Die Banalität des Bösen“.

    Die deutsche Verwaltung führt aus, sie hinterfragt nicht. Ich hatte viele Gespräche mit Mitarbeitern der Jobcenter. Sie sehen in Ihrer Arbeit keinen Zusammenhang mit Obdachlosigkeit und Armut in Deutschland. Im Gegenteil , die Armen sind ihre Meinung nach Faulpelze, dehnen man Druck machen müsse. Gleichzeitig hat ein Drittel befristete Arbeitsverträge, so das sie sich über Härte besonders hervortun möchten.

    Wir haben eine „Gesetzesherrschaft“. Sobald ich das Gesetz zur Leibeigenschaft verabschiedet habe , muß ich nur noch die Einhaltung des Gesetzes überprüfen. Wenn man ein Verbrechen zum Gesetz erhebt, wird der Kampf gegen das Verbrechen zu Unrecht. Du machst Armut zum Verbrechen der Armen.
    Du kannst deinen Strom nicht bezahlen, dann wird er abgestellt. Du bist schwarz mit der Bahn gefahren weil du kein Geld für einen Fahrschein hattest, ab ins Gefängnis.

    Der Vorgang muß umgedreht werden. Armut ist ein Verbrechen der Regierung. Und die Bevölkerungen werden schon mal über große Emotionen gesteuert.
    Das spart Zeit und verkürzt unliebsame Entscheidungen. Und wenn kein passender Täter zur Verfügung steht , dann macht es der Geheimdienst ebend
    selber. (Die Täter sind dann die ersten Opfer)

    Peter Schäfer

    • sascha313 schreibt:

      Mit juristischen Mittel hat es der Staat sehr leicht, die ausgebeuteten Klassen zu disziplinieren. Das Verrückte dabei ist, daß man sich bei oberflächlicher Sicht so manch bizarrer „Logik“ eben nicht verschließen kann. Klar, der Staat ist das Machtinstrument der herrschenden Klasse; in den kapitalistischen Ländern ist das die Bourgeoisie. Und die Handlanger des Staates setzen deren Interessen durch.

      Hannah Arendt verfolgt bei ihrer Argumentation ein sehr einfaches Prinzip – grob gesagt: Ein Staat ist totalitär, wenn die Herrschaft alle Lebenbereiche erfaßt und Gewalt zur Regel wird. Dieser Rundumschlag ermöglichte die Gleichsetzung Stalins mit Hitler und die pauschale Verurteilung des Sozialismus. Das aber diente letztenendes nur der Bourgeoisie, welche sich immer wieder gern auf Arendt beruft.

      Das „Böse“ ist jedoch keine philosophisch begründbare Kategorie, sondern allenfalls eine willkürliche Zuschreibung, die ja auch von den fanatischen Kriegshetzern der USA gern benutzt wird, um unliebsame Staaten oder Regierungen zu diskreditieren, um sie schließlich bekämpfen und „ausschalten“ zu können.

      Eine einfache „Umkehrung“ dieses Herrschaftsprinzips führt jedoch nicht zum Ziel, denn es geht nicht nur um Herrschaft, sondern vor allem um deren ökonomische Basis, auf der die Herrschaft selbst beruht. Eine Umwälzung dieser Basis bringt folglich einen neuen Überbau hervor, und mit ihm auch neue Machtverhältnisse. Und die asind, was den Sozialismus betrifft, eben gerecht, weil sie frei sind von der Ausbeutung der Mehrheit durch eine verschwindend kleine Minderheit.

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