Weltanschauung und Revolution

relativImmer öfter hört man heute die ratlose Feststellung: „Wir leben in einer zerrissenen Welt!“ – Ja, und wenn das wirklich so ist, genügt es doch nicht, das einfach nur festzustellen, sondern wir müssen auch fragen: WARUM IST DAS SO? Und wenn wir nun schon erkannt haben, daß sich gesellschaftliche Widersprüche immer mehr verschärfen, so muß es doch auch Ursachen dafür geben. Und Lösungen. Diese Ursachen gilt es herauszufinden, wenn man aus dem Dilemma herauskommen will. Sich einfach damit abzufinden, ist bequem. Doch irgendwann ist auch die eigene Existenz davon bedroht. Und dann ist HANDELN unvermeidbar. Wir können nicht mehr „so weitermachen wie bisher“. Wir können uns nicht mit Belanglosigkeiten aufhalten, die zu nichts führen. Wir können nicht nur diskutieren und ganz allgemein „das LEBEN bejahen“, wenn wir nicht imstande sind, es zu erhalten. Die Erde ist reich genug, um allen Menschen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen.

In der Physik sind die Dinge offenbar sehr einfach. Die Objekte und Prozesse sind erkennbar, und die physikalischen Gesetze kann sich man zunutze machen. In der Gesellschaft dagegen scheint es komplizierter zu sein. Ein System, das profitabel ist, wird vor allem von denen bis zum bitteren Ende verteidigt, die davon profitieren – ganz egoistisch. Jeder ist sich selbst der Nächste. Hier spielen die Interessen eine gewichtige Rolle. Es ist nun mal so, daß die heutige kapitalistische Gesellschaft profitabel ist und riesige Werte produziert. Und es ist auch klar, daß nur wenige Menschen davon profitieren. Millionen und Abermillionen gehen leer aus. Es sind diejenigen, die nicht über die Mittel und Möglichkeiten verfügen, für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Revolutionen sind also nicht nur in der Naturwissenschaft, wie in der Physik, sondern auch in der Gesellschaft unabdingbar. Es gab sie immer und es wird sie wieder geben. Ohne jeden Zweifel!

Die Relativitätstheorie – eine Revolution in der Physik

Keine hundert Jahre ist es her, da erschütterte die Relativitätstheorie von Albert EINSTEIN das Weltbild der Physik. Man begann zu begreifen, daß die althergebrachten Regeln der klassischen Mechanik keine unbegrenzte Gültigkeit haben. Die rasante Entwicklung der Wissenschaft führte zu immer neuen Ergebnissen. Angesichts dessen waren die alten Denkmuster unbrauchbar geworden. „Die Kritik einer Theorie“ – so schrieb Walther Becker in seiner gemeinverständlichen Einführung in die Relativitätstheorie – „ist, sofern sie von einem Fachmann ausgeführt wird, durchaus berechtigt; unberechtigt dagegen (und doch wieder verständlich) ist das Mißtrauen, welches der gebildete Laie gegenüber einer jeden wahrhaft revolutionären Theorie zeigt, die seinen Denkgewohnheiten zuwiderläuft und eine Umstellung, eine tiefgreifende Revision seiner Weltanschauung verlangt. Und doch wird ihm alles Sträuben gegen die neuentdeckten Wahrheiten nichts helfen: Einst wird doch der Tag kommen, da er wohl oder übel seine Anschauungen einer gründlichen kritischen Würdigung unterziehen muß, wenn er nicht in den Verdacht der Rechthaberei kommen will.“ [1]

Sowjetischer Wissenschaftler  sowjet. Studentin
Die Sowjetunion verfügte einst über das beste Bildungspotential in der Welt

Die Naturgesetze

„Das gesamte Naturgeschehen wird beherrscht von einigen wenigen allgemeinen Gesetzen.“ führt Walther Becker weiter aus. „Diese Gesetze sind nicht von der Natur selbst aufgestellt worden etwa in der Art, wie die Gesetze eines Staates von der Staatsobrigkeit oder der Volksvertretung gegeben werden, sondern sie sind von Menschen gefunden worden, welche durch eifrige Beobachtungen gewisse Zusammenhänge verschiedenartiger Naturerscheinungen feststellten, so daß stets aus einer beobachteten Erscheinung A auf das Eintreten einer Erscheinung B geschlossen werden kann. So folgerte man aus der bekannten Erscheinung, daß ein seiner festen Unterlage beraubter Körper stets zu Boden fällt, daß die Erde eine ganz bestimmte Anziehungskraft auf jeden Körper, der sich in ihrer Nähe befindet, ausübt … In dieser Voraussage bestimmter Naturerscheinungen aus belkannten, der Messung zugänglichen Größen liegt die große Bedeutung der Naturgesetze für den Menschen.“ [2]

Soziale Revolutionen

Zu Beginn des 20. Jahrhundert trat auch der Kapitalismus in ein neues Stadium ein – es begann der Imperialismus. Durch die moderne Industrie hatte Profitmacherei und die Ausbeutung der Arbeiter gigantische Ausmaße angenommen, was wiederum den Besitzern der Produktionsmittel zu unermeßlichem Reichtum verhalf. Das wiederum führte zu Massenarbeitslosigkeit und millionenfacher Verarmung. Und so trieb die Jagd nach Extraprofiten, der Kampf um Rohstoffe und Absatzmärkte die Kapitalisten rund um den Erdball. Die Klassenauseinandersetzungen zwischen Bourgeoisie und Proletariat nahmen zu. Es kam zu Streiks und Demonstrationen. „Jetzt brauchte die Arbeiterklasse eine Partei, die imstande ist, den Weg zum Sturz des Imperialismus zu bestimmen, die Arbeiterklasse auf den Kampf um die Macht vorzubereiten und die anderen Werktätigen um das Proletariat zusammenzuschließen.“ [3] So kam es ganz folgerichtig in Rußland 1917 zur Oktoberrevolution. Erstmals in der Geschichte der Menschheit siegte eine Revolution, in der die bisher ausgebeutete Klasse die Staatsmacht übernahm. Sie beseitigte das kapitalistische Schmarotzertum und so auch die jahrhundertelange Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Die wichtigsten Produktionsmittel kamen nun in die Hände des Volkes. Es begann eine neue Epoche – die Epoche des Übergangs von der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft zum Sozialismus. Es ist klar, daß das nicht ohne Widerspruch geschah. Die junge Sowjetmacht, das erste sozialistische Land der Welt, wurde von der einheimischen Bourgeoisie und von den ausländischen Interventen aufs heftigste attackiert.
Revolution
Die Große Sozialistische Oktoberrevolution war der Beginn einer Zeitenwende

Revolutionen setzen Wissen voraus

Nun muß man verstehen, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt. Man muß die Gesetzmäßigkeiten begreifen, die all diesen Veränderungen zugrundeliegen – sowohl in der Natur und der sie abbildenden Naturwissenschaft, wie auch in der menschlichen Gesellschaft. Gesetzmäßigkeiten existieren unabhängig vom menschlichen Denken. Sie sind eine objektive Tatsache, und mit etwas guten Willen sind sie auch erkennbar. Je mehr und je besser der Mensch die Zusammenhänge erkennt, desto eher ist sein Handeln von Erfolg gekrönt. Und desto mehr verbessert sich sein Leben. Revolutionen sind grundlegende Veränderungen, die gewaltige Beschleunigung der Entwicklung hervorrufen – in der Natur, in der Gesellschaft und eben auch Denken. Sehr richtig sagte Bascher Al-Assad: „Revolutionen setzen Wissen und Ideen voraus, nicht Unwissen. Die Revolutionen setzen ein Vorwärtsgehen voraus und nicht den Rückgang in vergangene Jahrhunderte.“ [4] Und Revolutionen, so stellte auch Karl Marx schon fest, sind die „Lokomotiven der Geschichte“ [5]. Ohne diese Kraft würde sich die Gesellschaft nicht verändern.

Und da wir gerade bei Karl Marx sind…

Karl Marx (1818-1883) war mit Friedrich Engels der Begründer der nach ihm benannten Theorie unmd Weltanschauung der Arbeiterklasse, zu deren Hauptbestandteil neben der Philosophie und dem wissenschaftlichen Kommunismus die politische Ökononmie gehört. Mit der Ausarbeitung des Marxismus wälzte Marx auch die ökonomische Wissenschaft um. (Auch eine Revolution im Denkprozeß!) Er stützte sich hierbei auf die fortschrittlichsten ökonomischen Ideen, die die Menschheit in Jahrhunderten ihrer Entwicklung hervorbrachte, besonders die Lehren der klassischen bürgerlichen Ökonomen A.Smith und D.Ricardo. Marx vermochte die politische Ökonomie als Wissenschaft zu begründen, nachdem er sich vom revolutionären Demokraten zum Kommunisten entwickelt hatte und zu der Erkenntnis gelangt war, daß diese Wissenschaft nur vom Standpunkt der gesellschaftlich fortschrittlichsten Kraft, der Arbeiterklasse weiterzuentwickeln war, denn die Kapitalisten konnten daran kein Interesse mehr haben: Jeder weitere Fortschritt der politischen Ökonomie hätte ihre Ausbeuterrolle und Perspektivlosigkeit enthüllt. Die grundlegende Übereinstimmung vcon proletarischer Parteilichkeit und Wissenschaftlichkeit erwies sich hierbei als ausschlaggebend. [6]

Welches ökonomische Gesetz entdeckte Karl Marx?

Im Prozeß der Erarbeitung des „Kapitals“ entdeckte Marx den Mehrwert. Mit der Mehrwerttheorie schuf er den Grundpfeiler der politischen Ökonomie und begründete wissenschaftlich das Mehrtwertgesetz als Bewegungsgesetz und ökonomisches Grundgesetz des Kapitalismus. Marx bewies, daß der Mehrwert und der Profit unbezahlte Mehrarbeit, also von den Lohnarbeitern umsonst geleistete Arbeit ist, deren Ergebnis sich die Kapitalisten unentgeltlich aneignen. Marx wies damit nicht nur das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung und ihre Verschärfung nach, sondern entdeckte auch das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation und die anderen ökonomischen Gesetze des Kapitalismus. Das von Marx entdeckte Grundgesetz des Kapitalismus bezeichnet Entstehung, Entwicklung und Verfall des Kapitalismus als einen naturgeschichtlichen Entwicklungsprozeß. [7]

Werkhalle  zerrissen
Die Industrie in den ehemaligen Sowjetrepubliken wurde systematisch vernichtet

Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus

Aggressiv und perspektivlos zugleich versuchte der deutsche Imperialismus zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts eine Militarisierung aller Lebensbereiche durchzusetzen. [8] …aggressiv und perspektivlos zugleich versucht auch heute der amerikanische (wie auch der deutsche, der britische usw.) Imperialismus mit immer neuen Waffensystemen, mit immer neuen Methoden die Herrschaft über fremde Länder und Territorien zu erobern. Die Kriegsplaner im Pentagon und in den hellen und freundlichen Räumlichkeiten der NATO, der Bundeswehr, der französischen, israelischen oder britischen Armee denken sich alle möglichen neuen Varianten der Kriegsführung aus. Und sie erklären ihren Soldaten und den Völkern, man habe es mit Terroristen, Piraten oder ganz allgemein mit einer „Radikalisierung des Islam“ zu tun, vor denen man sich schützen müsse. Kriege werden am Computer simuliert und dann zum Teil auch ausgeführt. Der von Kirchenvertretern angemahnte Dialog findet nicht mehr statt. Es wird bombardiert, gemordet, exekutiert, wo immer es nur geht. Das Ziel ist nicht der Frieden, sondern die militärische Präsenz in der jeweiligen Region. Es geht um die Macht. Und es geht um den Profit. Der Kapitalismus zögert sein Sterben hinaus solange es nur geht, und nach und nach reißt er die Menschheit in den Abgrund hinein, wenn – ja, wenn die Völker nicht handeln, wenn sie sich nicht die von Marx, Engels und Lenin erkannten und erprobten Gesetzmäßigkeiten der Gesellschaft zunnutze machen und die bestehenden Verhältnisse revolutionieren. (Und der Marxiusmus-Leninismus ist eine wahrhaft revolutionäre Theorie!) Anders führt kein Weg aus der Zerrissenheit der Welt…

[1] Die Relativitätstheorie – Gemeinverständlich dargestellt von Walther Becker, Verlag Hachmeister & Thal Leipzig, 1921, S.4.
[2] ebnd. S.10f.
[3] Geschichte der SED (Abriß), Dietz Verlag Berlin, 1978, S.24.
[4] Bashar al-Assad, Es geht um den Frieden… (Rede am 6.1.1013, Damaskus)
[5] Karl Marx/Friedrich Engels: Werke, Bd.7, „Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848-1850“, Dietz Verlag, Berlin/DDR 1960, S.85
[6] Jonny Gottschalg, Karl Just und Werner Schlegel (Hrsg.): Jugendlexikon Politische Ökonomie, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1981, S.119.
[7] ebd. S.120.
[8] Joachim Streisand, Geschichte in einem Band, Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1979, S.207

Siehe auch:
Albert Einstein: Warum Sozialismus (1949)
Welches ist das beste Bildungssystem der Welt?

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Eine Antwort zu Weltanschauung und Revolution

  1. sascha313 schreibt:

    Richtig. Und wo ist die Lösung? Sie haben ja schöne Ideen, doch – mit Verlaub – solche Reformvorschläge hatten auch schon die utopischen Sozialisten im 19. Jahrhundert. Und sie haben sie auch praktiziert. Doch was ist aus ihnen geworden??? Das Kapital kümmert sich nicht um solche Änderungswünsche, es verhält sich ganz nach den Gesetzen der gesellschaftlichen Entwicklung. Da braucht man nur mal bei Karl Marx nachzulesen…

    * Hermann Duncker: Einführung in das Studium des Marxismus.
    * Karl Marx und das Proletariat
    * Fred Oelßner: Was ist Marxismus?

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