Unsere amerikanischen Freunde…

Regenwetter

Wird es Regen geben???

Um zu erkunden, in welcher Situation wir uns heute befinden, genügt es nicht, zum Fenster hinauszuschauen, auch wenn einem da schon manchmal die Haare zu Berge stehen müßten. Das Wasser steht uns bis zum Hals. Es ist durchaus verständlich, wenn die meisten Menschen vor den uns umgebenden Problemen die Augen verschließen möchten, sich abwenden oder schlicht und einfach ihrer Arbeit nachgehen.  Was soll man tun gegen die nahezu uneingeschränkte Macht des Kapitals, gegen die Ausbeutung, die Unterdrückung, die Kriege und das Elend überall. Wie will man beseitigen, was übermächtig zu sein scheint und irgendwie doch nicht greifbar ist? Die menschliche Geschichte ist jedenfalls keine Naturkatastrophe, sie ist selbst verschuldet, und sie ist vor allem selbst gemacht. Maxim Gorki, der bedeutende sowjetische Schriftsteller schrieb in seiner Geschichte „Die alte Isergil“: „Ihr solltet euch die alte Zeit aufmerksam betrachten, da würdet ihr alle Rätsel lösen.“ [1] Betrachten wir einmal (zum wievielten Male nun schon?) die vergangene alte Zeit. Der US-Amerikaner Ge0rge S. Wheeler schrieb 1958 (!) im Nachwort zu seinem Buch „Die amerikanische Politik in Deutschland“

„Solange amerikanische Truppen in Europa stationiert sind, können sie die Interessen der Monopolkapitalisten beschützen, aber eines Tages müssen auch diese Truppen zurückgezogen werden. Dann wird die Aufgabe der neuen, von den alten Militaristen und Faschisten geführten westdeutschen Armee und der von Monopolisten gestützten und geleiteten Bonner Regierung für den Schutz der europäischen Industriellen und Finanzgewaltigen sowie deren amerika­nischen Hintermänner gegen das Volk klar.

Die Gebrüder Dulles, sowie Clay, McCloy und der Rest der Kriegsgewinnler und Imperialisten, die sie vertreten, sind die Hauptschuldigen für die Entwicklung in den Nachkriegsjahren bis zum heutigen Tag. Die Verfassung der Vereinigten Staaten überträgt dem amerikanischen Kongreß die Macht, Krieg zu erklären. Aber indem die Kriegsverbrecher im Westen Deutschlands wieder die Kontrolle über ihren Besitz und damit ihre alte Macht zurückerhalten haben, die Bonner Regierung geschaffen und überall mit Nazis durchsetzt wurde, indem die „Ehre“ der Hitler-Militaristen „wieder hergestellt“ wurde, wurde die Macht, einen Weltkrieg auszulösen, in die Hände der faschistischen Revanchisten der Welt gelegt. Dulles, das Pentagon und die Wallstreet vollbrachten dies im Namen der Demokratie und des Friedens.

Es wird nicht leicht sein, diesen Verbrechern das Handwerk zu legen und ein einheitliches, demokratisches und friedliebendes Deutschland wiederherzustellen. Die Verschwörung, die hohen Grundsätze des Potsdamer Abkommens und die Urteile der Nürnberger Prozesse umzustoßen, ist bis heute leider allzusehr von Erfolg gewesen. Jetzt treten die früheren Kriegsverbrecher schon wieder voller Arroganz und fragwürdigem Ehrgeiz auf. Schon glauben sie, die Welt wieder frech bevormunden zu können und den Dingen einen Lauf nach ihrem Willen zu geben. Sie fühlen sich sicher, denn sie sind der Vortrupp der euopäischen Politik der Wallstreet. Sie sind noch einmal gut davongekommen – wirtschaftlich und politisch –, viel besser, als sie 1945 hoffen durften. Sie leben wieder in einem Wirtschaftsboom und träumen von einem Imperium in Afrika.“ [2]


Immer gibt es im Kapitalismus zwei gegensätzliche Pole, zwei einander gegenüberstehende Klassen: Die Bourgeoisie und das Proletariat. Um nun diesen antagonistischen Gegensatz aufzuheben, um die Macht der besitzenden Klasse zu brechen, muß man diese verkommene, verfaulte kapitalistische Gesellschaft beseitigen und die Verhältnisse von Grund auf verändern. Hier nun ein weiterer Ausschnitt aus dem genannten Buch unseres US-amerikanischen Freundes George S. Wheeler:

Die Deutschlandpolitik der Wallstreet

Was hatte die Wallstreet mit Deutschland vor? Welche Ziele verfolgten Draper, Murphy, McCloy, Clay, Dulles und die anderen Angehörigen der Kartellclique? Diese Ziele lassen sich ziemlich einfach kennzeichnen:

  1. Die Wiederherstellung des Monopolkapitalismus unter der Herrschaft der Wallstreet; Rettung der alten Investitionen und Ausnutzung aller Gelegenheiten zu neuen,
  2. Die Errichtung eines antisowjetischen Militärstützpunktes.
  3. Die Schaffung eines Spannungsfeldes für den kalten Krieg.

Die Verwirklichung dieser Ziele war jedoch keineswegs leicht. Es waren komplizierte Manöver notwendig,. die sich auf alle Sphären des deutschen Lebens erstreckten, von der Religion und dem Erziehungswesen bis zu den Rohstoffen und dem Problem der Arbeitslosigkeit. Schon bei der bloßen Aufzählung dieser Ziele wird es verständlich, daß sie weder beim deutschen Volk noch bei den einfachen Menschen in den Vereinigten Staaten Anklang finden konnten. Sie mußten zunächst sorgfältig mit allgemein anerkannt demokratischen Parolen verbrämt werden. Später ließ man die Maske häufig fallen, aber es blieb viel absichtlich verursachte Verwirrung zurück, die beständig durch neue Täuschungsmanöver vergrößert und mit allen Mitteln verbreitet wurde.

„Internationale Spannungen“ und „permanente Kriegswirtschaft“

So wurde in der ersten Zeit nach dem Kriege der Anschein erweckt, als wolle man öffentlichen Arbeiten den Vorzug geben. Aber schon drei Jahre nach Kriegsende bildeten nicht öffentliche Arbeiten, sondern Rüstungsaufträge die Stütze der Wirtschaft. Präsident Truman erklärte offiziell, daß die „internationale Spannung“ und das Rüstungsprogramm „ernste Rückschläge“ in bezug auf den Beschäftigungsstand und die Produktion verhinderten. (Wirtschaftllcher Halbjahresbericht des Präsidenten, Juli 1948.)

Das Einträglichste wäre für die Kapitalisten natürlich die Fortsetzung des Waffengeschäfts im Umfang der Kriegszeit gewesen. Charles E. Wilson von Morgans General Electric entwarf im Jahre 1945 den Plan einer „permanenten Kriegswirtschaft“ unter Aufrechterhaltung der „dreiseitigen Partnerschaft“ von Regierung, Industrie und Armee. („National Guardian“, 21. Februar 1951.)

Im Jahre 1945 konnte man dem amerikanischen Volk aber unmöglich plausibel machen, daß die Notwendigkeit einer „permanenten Kriegswirtschaft“ bestehe, und zwar aus dem einfachen Grunde nicht, weil es damals – ebenso wie heute – keine Nation gab, die die Vereinigten Staaten bedrohte. Das von den Kapitalisten gewünschte gewaltige Rüstungsprogramm konnte nicht ohne Hinweis auf einen Feind gerechtfertigt werden, und darum bedurfte es der Mär, daß aus einem Verbündeten – der Sowjetunion – ein gefährlicher Feind geworden sei. Es war nicht leicht, diese Behauptung an den Mann zu bringen, denn die Sowjetunion brauchte eindeutig den Frieden und hatte durch den Versuch einer militärischen Aggression nichts zu gewinnen. Dessen ungeachtet entfalteten die Kapitalisten mit Hilfe ihrer Presse und ihres Rundfunks eine intensive Lügenkampagne, um ihr Ziel zu erreichen. Immerhin standen Milliarden Dollar Profite auf dem Spiel. Als unmittelbarer Berührungspunkt mit der Sowjetunion war Deutschland der geeignetste Ort, um Unruhe zu stiften und Spannungen zu erzeugen.

Die amerikanische Öffentlichkeit schien merkwürdig langsam diese Unheil herausfordernde Politik der Wallstreet und ihrer Regierung zu durchschauen und sich dagegen aufzulehnen – aber die Regierung war sich ihrer Handlungsweise voll bewußt:

Zitat1

Der Gedanke, daß die amerikanische Wirtschaft völlig auf Kriegsvorbereitungen und Krieg angewiesen ist, wenn eine Krise vermieden werden soll, wurde zwangsläufig immer unverblümter ausgesprochen; man drohte erpresserisch mit einer Katastrophe, die unvermeidlich sei, falls das Kriegsprogramm nicht unterstützt werde. David Lawrence schrieb:

Zitat2

Es erübrigt sich jedes Wort über den Fäulnischarakter eines Wirtschaftssystems, das auf Grund seiner Profitinteressen vom Kriege und von den Moralbegriffen derjenigen abhängig ist, die bewußt den Frieden hintertreiben. Wichtig für die Untersuchung der Entwicklung in Deutschland ist die Tatsache, daß während der ganzen Nachkriegszeit die Furcht vor einer Wirtschaftskrise ein äußerst wichtiges Moment in der amerikanischen Innenpolitik war und ist. Von gleicher Bedeutung war in der Außenpolitik die Schaffung internationaler Spannungspunkte. Wo es nur angeht, fand und findet man Vorwände, um neue Meinungsverschiedenheiten mit der Sowjetunion. China und den Ländern der Volksdemokratie zu schaffen und die Beilegung bestehender Differenzen zu verhindern. Dieser grundlegenden Tatsachen der USA-Außenpolitik muß man sich bewußt sein, um verstehen zu können, warum internationale Verhandlungen über Deutschland so häufig zusammenbrachen; sobald ein Übereinkommen greifbar nahe schien. Das deutsche Volk und die übrige Welt sind somit im wahrsten Sinne des Wortes zu Opfern des Bedürfnisses der amerikanischen Kapitalisten nach einem großen Spannungsfeld geworden.

Quelle:
George S. Wheeler: Die amerikanische Politik in Deutschland. Kongreß-Verlag, Berlin, 1958, S.26-28.

Zitate:
[1] Maxim Gorki: Die Geschichte mit dem Silberschloß. Frühe Erzählungen. Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1975, S.95.
[2] G.S. Wheeler, Nachwort; a.a.O., S.266f.

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