Wie Friedrich Engels dem Herrn Doktor Dühring die Leviten las…

Randnoten

Nicht immer sind solche Aufzeichnungen und Randbemerkungen derart lesenswert. Es handelt sich bei dem folgenden, mit Briefzitaten belegten Austausch zwischen Marx und Engels mit einigen ihrer Mitstreiter und Zeitungsredakteuren durchaus nicht um eine Auseinandersetzung, wie man sie mit Gegnern des Kommunismus zu führen hätte. Doch der Unnachgiebigkeit von Marx und der Prinzipienfestigkeit von Engels ist es zu verdanken, daß sich Engels schließlich doch der Sache annahm, den Verfälschungen und Verdrehungen der kommunistischen Wissenschaft durch den Nationalökonomen Dr. Eugen Dühring ein Ende zu setzen und seine Schriften endgültig dorthin zu befördern, wohin sie längst gehörten: auf den Müllhaufen der Geschichte. Man wünschte, daß dies mit den Texten gewisser Pseudokommunisten, Marxfälscher und notorischer Stalinhasser heute ebenso geschähe. Überdies zeigt der Verlauf der Geschichte, daß Engels recht behielt, und daß damit die Schriften des Marxismus-Leninismus um ein unentbehrliches Standardwerk bereichert wurden…

EINIGE VORBEMERKUNGEN DES DIETZ-VERLAGES (1959) ZU ENGELS‘ SCHRIFT „ANTI-DÜHRING“

In der Vorrede zur ersten Buchausgabe schildert Engels die Entstehungsgeschichte des „Anti-Dührings“. Da die Begleitumstände, auf die Engels damals nur andeutungsweise hinwies, für die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung von erheblicher Bedeutung sind, werden die folgenden, auf Grund des vorliegenden Materials gegebenen Ergänzungen willkommen sein. Der Einfluß des Privatdozenten der Berliner Universität, Dr. Eugen Dühring, auf einen Teil der deutschen Sozialdemokratie war in den 70er Jahren des 19.Jahrhunderts nicht unerheblich. August Bebel schreibt in seinen Erinnerungen darüber:

Dühring war es gelungen, fast die gesamten Führer der Berliner Bewegung für seine Theorien einzunehmen. Auch ich war der Ansicht, daß jede schriftstellerische Leistung, die, wie die Dühringschen Arbeiten, dem bestehenden Sozialzustand scharf zu Leibe ging und sich für den Kommunismus erklärte, aus agitatorischen Gründen unterstützt und für uns ausgenutzt werden müsse. Von diesem Standpunkt aus hatte ich schon 1874 von der Festung aus zwei Artikel unter der Überschrift „Ein neuer Kommunist“ im „Volksstaat“ veröffentlicht, in denen ich Dührings Arbeiten besprach. Die betreffenden Bücher hatte mir Eduard Bernstein zugesandt, der damals mit Most, Fritzsche und anderen zu Dührings begeisterten Anhängern gehörte. Daß Dühring bald darauf wegen seiner Lehren mit den Staats-und Universitätsbehörden in Konflikt kam, ein Konflikt, der im Juni 1877 zu seiner Maßregelung an der Berliner Universität führte, erhöhte noch sein Ansehen in den Augen seiner Anhänger. [1]

Bernstein und Most schildern die Sachlage übereinstimmend mit Bebel. Wie weit letzterer, von seinen „agitatorischen Gründen“ geleitet, ging, zeigen die von ihm erwähnten zwei Artikel, die ein enthusiastisches Lob auf Dühring enthalten, allerdings mit einigen kritischen Bemerkungen, die aber den Kernpunkt nicht berühren. Bebel schließt nämlich mit den Worten:

Diese unsere Einwendungen gegen das Dühringsche Werk treffen dasselbe nicht in seinen Grundanschauungen, diese sind vortrefflich und finden unsern vollen Beifall, so daß wir nicht anstehen, zu erklären, daß nach. Marx‘ „Kapital“ Dührings neuestes Werk zu dem Besten gehört, was auf ökonomischem Gebiete die neueste Zeit hervorgebracht hat… [2]

Marx und Engels waren über diese Lobpreisung Dührings mit Recht entrüstet. Sie erhoben Einspruch dagegen, wie aus den Antwortbriefen von Hepner, Blos und Liebknecht hervorgeht. Da die Artikel ohne Unterschrift erschienen waren, fiel der Verdacht der Autorschaft auf verschiedene Personen, bis dann Wilhelm Blos am 27.Mai 1874 Engels mitteilte, daß die Artikel aus Bebels Feder stammen. Im Zusammenhang mit Bebels Artikel schreibt Wilhelm Liebknecht am 13. Juni 1874· an Engels:

Dummheiten sind nicht zu vermeiden, werden aber stets, sobald erkannt, nach Möglichkeit rektifiziert. Das erinnert mich an Dühring, Habt Ihr Gründe anzunehmen, daß der Mann ein Lump oder versteckter Feind? Was ich über ihn erfahren, bestärkt mich in der Ansicht, daß er zwar etwas konfus, aber durchaus ehrlich ist und entschieden auf unserer Seile steht. Der von Euch inkriminierte Artikel war nicht ganz korrekt und zu enthusiastisch – jedoch sicherlich gut gemeint und hat auch nicht schlimm gewirkt.

Unter dem Druck von Marx und Engels reifte langsam bei Wilhelm Liebknecht der Gedanke heran, daß man „dem Dühring aufs Fell steigen“ müsse. Aber noch am 2. März 1875, in Nr. 25 des „Volksstaat“ druckte er eine Stelle aus der zweiten Ausgabe der „Kritischen Geschichte der Nationalökonomie und des Sozialismus“ von Dühring über die Pariser Kommune ab, unter dem Titel „Ein Urteil über die Kommune“, die er mit den Worten einleitete:

Dr. Dühring spricht sich in der zweiten (leider von den Hauptmängeln der ersten nicht gereinigten) Ausgabe seiner „Kritischen Geschichte der Nationalökonomie und des Sozialismus“ folgenderweise über die Pariser Kommune aus.

Diese zweite Ausgabe der in Rede stehenden Dühringschen Schrift enthält noch mehr als die erste die unbändigsten Schimpfereien gegen Marx und die bewußte Entstellung der Marxschen Theorien. Liebknechts Hinweis auf die „Hauptmängel“ der ersten Ausgabe ist infolgedessen in keiner Weise eine dem Sachverhalt entsprechende Behandlung der Frage. Dennoch schreibt er einen Monat später an Engels:

Du wirst Dich entschließen müssen, dem Dühring aufs Fell zu steigen. Der „Volksstaat“ hat bei Abdruck des Passus über die Kommune ausdrücklich auf die Fehler des Dühringschen Opus hingewiesen. [3]

Der Entschluß Liebknechts, Dühring von Engels im „Volksstaat“ kritisch behandeln zu lassen, wurde durch den Umstand verstärkt, daß Dühring sich über „Totschweigen“ seitens des „Volksstaat“ beklagte, und daß die Dühring-Anhänger immer dreister wurden und den „Volksstaat“ in eine Tribüne für Dühring verwandeln wollten. Abraham Enß, ein feuriger Dühring-Adept, sandte im Oktober 1875 das folgende Schreiben an die Redaktion des „Volksstaat“ mit der Forderung seiner Veröffentlichung:

Unser eifrigster, entschiedenster und fleißigster Vorarbeiter auf dem Gebiete der Wissenschaft, Herr Dr. E. Dühring in Berlin, hat nun im Laufe eines Jahres die Herausgabe von drei epochemachenden Werken ermöglicht. Zuerst erschien im November v. Jahres die zweite, bedeutend verbesserte Auflage seiner „Kritischen Geschichte der Nationalökonomie und des Sozialismus“, welche bald für ihn kritisch geworden wäre; dann folgte in Lieferungen bis Ende Februar d.J. der „Kursus der Philosophie als strengwissenschaftlicher Weltanschauung und Lebensgestaltung“, ein Werk von eminenter Klarheit und Schärfe, wie es allumfassender und radikaler nicht gedacht werden kann; wir bedauern nur, durch Mangel an Raum behindert gewesen zu sein, schon früher darüber zu referieren…

Und so weiter in diesem Tone! Liebknecht antwortete Enß im „Briefkasten“ des „Volksstaat“, gleichzeitig die „wissenschaftlich-kritische Beleuchtung der Schriften Dührings“ ankündigend. Den Artikel von Enß sandte er an Engels und drängte ihn, die Angelegenheit in Angriff zu nehmen, um so mehr, da auch Becker das Enßsche Verlangen unterstützt“. Dies zeige die Notwendigkeit, endlich einmal reinen Tisch zu machen. [4]

Engels konnte sich lange nicht entschließen, in den „sauren Apfel zu beißen“. Er begnügte sich vorderhand damit, in Nr.24 des „Volksstaat“ vom 27. Februar 1876, in seinem Artikel „Preußischer Schnaps im deutschen Reichstag“, einen Vorstoß gegen Dühring zu machen. Er schrieb da:

Kartoffelsprit ist für Preußen das, was Eisen- und Baumwollwaren für England sind, der Artikel der es auf dem Weltmarkt repräsentiert. Wohl mag daher der neueste Adept und zugleich Regenerator des Sozialismus, Herr Eugen Dühring, die Brennerei „in erster Linie … als natürlichen An­schluß (der Industrie) an die landwirtschaftlichen Tätigkeiten“ feiern und triumphierend ausrufen: „Die Spirituserzeugung ist von einer solchen Bedeutung, daß man sie eher unterschätzen als überschätzen wird!“ [5]

Die endgültige Entscheidung wurde durch eine Lobpreisung Dührings beschleunigt, die Johann Most im Mai 1876 an Liebknecht zur Veröffentlichung im „Volksstaat“ einsandte. Liebknecht übermittelte den Artikel an Engels mit folgender Bemerkung:

Anbei ein Manuskript Mosts, welches Dir zeigen wird, daß die Dühringseuche auch sonst vernünftige Leute angesteckt hat. Die Abfertigung not­wendig. [6]

Engels befand sich zu der Zeit in Ramsgate, von wo er das Manuskript Mosts und den Brief Liebknechts an Marx in London weitersandte. In seinem Begleitbrief vom 24. Mai 1876 warf er die Frage auf, „ob es nicht an der Zeit sein wird, unsre Stellung vis-a-via diesen Herrn in ernstliche Erwägung zu ziehn“ [7]. Marx antwortete am nächsten Tag, daß nach seiner Ansicht Dühring ohne alle Rücksicht kritisiert werden müsse. [8] Dieser Brief von Marx scheint bei Engels den Ausschlag gegeben zu haben. In seinem Antwortschreiben beklagt er sich zwar noch, daß er „plötzlich wieder alles unterbrechen und dem langweiligen Dühring auf den Pelz rücken“ [9] soll, legt aber gleichzeitig seinen Angriffsplan dar, d.h. er hatte sich entschlossen, in den sauren Apfel zu beißen. Er schreibt:

Anyhow, I have him on the hip now. Mein Plan ist fertig – j’ai mon plan. Anfangs geh‘ ich rein sachlich und scheinbar ernsthaft auf den Kram ein, und die Behandlung verschärft sich in dem Maß, wie der Nachweis des Unsinns auf der einen Seite, der Gemeinplätzlichkeit auf der andern sich häuft, und zuletzt regnet’s dann hageldick. Auf diese Weise ist den Most & Co. der Vorwand der „Lieblosigkeit“ etc. entzogen, und D[ühring] bekommt doch sein Fett weg. Die Herren sollen doch sehn, daß man mehr als eine Manier hat, mit dergleichen Volk fertig zu werden. [10]

Quelle: Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft („Anti-Dühring“); Zur vorliegenden Ausgabe. Dietz Verlag, Berlin, 1959, S.V-IX. (gekürzt, N.G.)


Und somit begann Engels mit seiner und Marxens „Abrechnung“ mit den Dühringschen Verfälschungen der wissenschaftlichen Weltanschauung…

Zitate:
[1] August Bebel: Aus meinem Leben. Dietz Verlag, Berlin 1947, Bd. II, S.517/318.
[2] „Volksstaat“ Nr. 65, 20. März 1874.
[3] Brief an Engels vom 21. April 1875.
[4] „Volksstaat“ Nr.128, 5.November 1875.
[5] Brief an Engels vom 1.November 1875.
[6] Brief an Engels vom 16. Mai 1876.
[7] Karl Marx/Friedrich Engels, Briefwechsel, Dietz Verlag, BerIin 1950, Bd. IV, S. 518.
[8] Ebenda, S. 519.
[9] Ebenda, S. 521.
[10] Ebenda, S. 522.

Siehe auch:
Dr. Kurt Gossweiler – ein unbestechlicher Chronist des Jahrhunderts
Der Bruch in der kommunistischen Bewegung
Marxfälscher und Revisionisten unserer Zeit
Der „Anti-Dühring“ – ein geniales Handbuch des Marxismu
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14 Antworten zu Wie Friedrich Engels dem Herrn Doktor Dühring die Leviten las…

  1. Achim Kessel schreibt:

    Hallo Sascha,

    …Bernstein wird allgemein als Begründer des Revisionismus bezeichnet. Eben aus aktuellem Anlass ein Versuch, diese Problematik zu thematisieren.

    „Revisionismus

    Der Begriff wurzelt historisch in der „Revisionismusdebatte“ (1896 ff.) der deutschen Sozialdemokratie. Er bezeichnet dort eine prinzipielle Abweichung vom ursprünglichen theoretischen Marxismus: Entgegen dessen Annahmen sei der Kapitalismus nicht durch eine Sozialrevolution zu überwinden, sondern nur durch Reformen allmählich zu verbessern (Reformismus). In diesem Sinn bezeichneten bestimmte Richtungen des Kommunismus sinngemäß später auch den Stalinismus, sowie dessen Anhänger wiederum Versuche einer Entstalinisierung als Revisionismus.

    Schon allein daran kann man sehen wie widersprüchlich Aussagen in einem Zusammenhang verdreht werden. ( bei Wikilügika )

    Man wendet den Begriff – Revisionismus – gleichermaßen auf die Revision des Marxismus an und versucht gleichzeitig die Entstellung, die dadurch entsteht, die vermeintlich demokratische – Transformation – einen revolutionären Anstrich zu geben. “

    Kan man das so stehen lassen ?

    • sascha313 schreibt:

      Hallo Achim, in naturwissenschaftlichen Fragen ist wikipedia sicher nicht schlecht, aber sobald es um die Gesellschaft geht, sind 70-80% der Erklärungen schlicht gelogen. Die Vertauschung der Begriffe ist eine billige Methode, Verwirrung zu stiften. Kurz gesagt:

      Der Revisionismus ist eine kleinbürgerliche Strömung in der Arbeiterbewegung, die eine Korrektur des Marxismus-Leninismus fordert, mit dem Ziel, der Arbeiterklasse den revolutionären Inhalt ihrer wissenschaftlichen Weltanschauung zu rauben und durch bürgerliche Theorien zu ersetzen. In der politischen Ökonomie leugnet der Revisionismus die von Marx und Engels nachgewiesenen Gesetzmäßigkeiten der der kapitalistischen Entwicklung.

      Siehe auch: https://sascha313.wordpress.com/2015/07/30/das-wesen-des-revisionismus/
      (Ich würde – der Wissenschaftlichkeit halber – nur Begriffe des Marxismus-Leninismus verwenden!)

  2. Harry 56 schreibt:

    Im Zusammenhag mit der Frage des Revisionismus und Opportunismus sollte der berühmte „Anti-Dühring“ von Friedrich Engels als auch Lenins nicht weniger berühmtes „Was tun“* für jeden Menschen, welcher sich wirklich, für einen wirklichen wissenschaftlichen Sozialismus interessiert, einfach Pfllichtlektüre sein!

    Im Vorwort zu seinen „Voraussetzungen des Sozialismus“ nahm Eduard Bernstein sicherlich schon erahnte Vorwürfe gegen sein Schriftchen zurück, in dem er recht freimütig sagte, dass er ja den Marxismus keinesfalls revidieren wolle, sondern mit seinem Schriftchen lediglich theoretisch rechtfertigen wolle, was ohnehin schon seit Jahren in der SPD in der rein „praktischen“ Politik, „Realpolitik“ üblich war, sich nämlich „friedlich und mit winzigen Reförmchen dauer-begnügend in der bürgerlichen Gesellschaft irgend wie auskömmlich durchzumogeln, duchzuwursteln.

    Hatte Bernstein da unrecht, war er ein „Betrüger“, hinterhältiger Marx-Verfälscher? Keinesfalls!

    Mit diesem seinem Buch hat er in der Tat nur der schon damals oft so opportunistischen Praxis vieler seiner SPD- „Genossen“ eine Art theoretische Weihe, Rechtfertigung erteilt, ebenso zahlreichen schon damals etablierten „Gewerkschaftlern“ mit ihrer ebenfalls so oft nur noch opportunistischen kleinlichen Feilscherei um hier und da ein paar winzige zusätzlichen Krümelchen für die Arbeiter vom reichhaltig gefüllten Tisch kapitalistischer Profite und Extraprofite.

    Auch beim Revisionismus folgte die Theorie immer einer vorangegeangenen Praxis, einer rein opportunistischen. Wer immer sich in einer gegebenen kapitalistischen Gesellschaft gemütlich – opportunistisch einrichten will, muss es letztlich vor sich selbst und anderen mit einer bürgerlichen, d.h. revisionistischen Theorie irgendwie begründen.

    Das mag und kann auch heute noch als ein „Verrat“ am Sozialismus angeprangert werden, der großen Masse der kapitalistischen Lohnsklaven, damals und heute, doch für alle die vielen kleinen Ämterjäger, Ämterinhaber, ein wenig „Aufgestiegenen“, „zu etwas gebracht Habenden“ ob in den Pareiapparaten der sozialdemokratischen Parteien, deren Medien oder den Gewerkschaften war dies alles immer nur persönliches behagliches „Real Life“, für sie lohnte sich das zumindest rein persönlich fast immer. Mit nur wenigen Ausnahmen wurden sie folglich auch alle Antikommunisten, brave Pudel des Besitzbürgertums und dessen bürgerlichen Staates.

    Das Sein bestimmt eben doch letztlich immer das Bewusstsein, wenn auch keinesfalls immer rein „linear“, immer ganz so offensichtlich.

    *Lenin 1902, in „Was tun?“: Der Revisionismus ist fix und fertig von den bürgerlichen Universitäten von bürgerlichen Professoren, Intellektuellensöhnchen des Bürger- oder Kleinbürgertum in die Arbeiterbewegung eingschleuste bürgerliche Ideologie. Noch heute so aktuell wie 1902! Es ist so!

    (Beispiel: Haben kommunistische Arbeiter, Wähler kommunistischer Parteien von FIAT in Italien, Renault in Frankreich; von SEAT in Spanien, VW in Wolfsburg, FORD in Köln etwa den „Eurokommunismus“ einfach selbst „erfunden“ und so sich selbst bewusstseinsmäßig-intellektuell zunehmend entmannt?)

    Beste soz.Grüße!

    • sascha313 schreibt:

      …und dabei ist das nur ein kleiner Ausschnitt (5 von 19 Seiten) der Vorbemerkungen des Dietz-Verlags. Bemerkenswert ist m.E., daß derselbe Verlag diese Vorbemerkungen 1978 nicht mehr für nötig hielt. Sie fehlen komplett! Da fragt man sich doch, ob da der Revisionismus schon überwältigt wurde???

      Übrigens interessant ist auch folgende Anmerkung: Der Stuttgarter Parteitag der deutschen Sozialdemokratie (3.-8.Oktober 1898) war der erste, auf dem die Frage des Revisionismus in der deutschen Sozialdemokratie erörtert wurde. Auf dem Parteitag wurde eine Erklärung Bernsteins, der am Parteitag nicht teilnahm, verlesen, in der er die von ihm früher in einer Reihe von Artikeln geäußerten opportunistischen Ansichten darlegte und verteidigte. Unter den Gegnern Bernsteins herrschte auf dem Parteitag keine Einmütigkeit. Die einen (Bebel, Kautsky u.a.) sprachen sich für einen ideologischen Kampf und eine Kritik an den Fehlern Bernsteins aus, waren aber dagegen, die entsprechenden organisatorischen Maßnahmen gegen Bernstein zu ergreifen. Die anderen, mit Rosa Luxemburg an der Spitze — sie waren die Minderheit —, traten entschiedener gegen das Bernsteinianertum auf. (Anmerkung 98 zu „Was tun?“)

      Der Sozialdemokrat Vahlteich hatte damals erklärt, daß die Aufnahme dieser Artikel von Engels der Partei „großen Schaden“ bringe, daß auch Dühring der Sozialdemokratie „viel genützt“ habe: „Wir haben alle im Interesse der Partei zu benützen, aber wenn sich die Professoren streiten, ist der .Vorwärts‘ nicht das Forum, vor dem dieser Streit ausgefochten werden darf.“ („Vorwärts“ Nr. 65 vom 6. Juni 1877) – mit dem Ziel, Engels‘ Kritik am Revisionismus zu unterdrücken!!!

  3. Achim Kessel schreibt:

    …natürlich, wenn ich etwas verfechte, kann ich nicht Begriffe verwenden, die von vornherein diese Theorie in Frage stellen. Wenn ich die Führungspersönlichkeit X (Namen sind wie Schall und Rauch) nehme. Er benutzte in der Vergangenheit mehrfach den Begriff “ Vulgärmarxismus „. Wenn ich den Begriff – vulgär – definiere, ist es im Zusammenhang mit der Marxistischen Theorie, eine üble Diffamierung, ja Beschimpfung die ein geistvoller Widersacher aus bürgerlichen Reihen nicht in den Mund nehmen würde. Oder ?

    • sascha313 schreibt:

      Wenn ich z.B. sage: „vulgär“ (i.S.v. gewöhnlich, gemein; alltäglich), dann ist das ja noch keine Beschimpfung. Denn unter „vulgarisieren“ versteht man: „eine Lehre unwissenschaftlich u. verflachend darstellen“. Ob aber „geistvolle Widersacher“ da mithalten können, wage ich zu bezweifeln!

    • Harry 56 schreibt:

      Herr Kessel, den Anti-Dühring einfach selbst in aller Ruhe reinziehen, DANN urteilen, meinetwegen auch über den mitunter recht bissigen und polemischen STIL von Engels.

      In diesem Sinne beste soz. Grüße!

      • Achim Kessel schreibt:

        Danke, Harry, für die Grüße,

        ja ich weis, man muss diese Geschichte im Zusammenhang betrachten, aber den Herren lass dort oben einen anbetungswürdigen Mann sein für die, die es mögen.😉

  4. Achim Kessel schreibt:

    … gut Sascha,

    ich nehme einen halben Gang raus, arrogant, unwissenschaftlich, verflachend, abwertend ( gibt es noch ein paar Verben in diese Richtung ) darstellen. Inhaltlich können diese Widersacher nicht mithalten, siehe den Anti – Düring, aber ein kulturvolles Streitgespräch oder eine Diskussion, dass bekommen einige von ihnen noch hin.

  5. Harry 56 schreibt:

    Nochmals zu einem hier vorangegangenen Thema: „Gab es einen Schießbefehl?“
    Nun bin bin ich aber beinahe begeistert:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/petry-fordert-notfalls-schusswaffen-einsatz-gegen-fluechtlinge-an-der-grenze-a-107

    Was sagt man dazu?
    Grenzsicherungsanlagen, notfalls gar Schußwaffengebrauch! Müssten alle ehemaligen DDR-Grenzer, welche für ihren Dienst für die Sicherheit ihrer ehemaligen DDR-Mitbürger nach 1990 vom erobernden BRD-Regime (aller Parteien!) diffamiert und verfolgt, einige sogar eingesperrt wurden, im Nachhinein nicht sofort rehabilitiert und entschädigt werden???

    Aus diesem erfreulichen Anlaß mal an alle, die noch klar im Kopf sind, heute mal beste grenzschützende Grüße !! 🙂 …..

  6. Bolschwik schreibt:

    Als Ergänzung dazu würde ich noch Kapitel IV, Abschnitt 7 (‚Über zweierlei Kritik an Dühring‘) von Lenins Schrift „Materialismus und Empiriokritizismus“ empfehlen zu lesen.

    • sascha313 schreibt:

      Danke für den guten Hinweis! (LW14,237ff.) Engels kam es nicht darauf an, den Materialismus erneut zu begründen (da stimmte er mit Dühring überein); es kam ihm auch nicht darauf an, die Bedeutung des Denkens als höchstes Produkt der Materie zu verteidigen. Sondern er griff Dühring vor allem wegen seines zuwenig folgerichtigen, zuwenig klaren, zuwenig konsequenten Materialismus scharf an. Denn Dühring hatte mit seinen Plattheiten bereits zahlreiche Anhänger gefunden, die sein Geschwätz für eine Offenbarung hielten. (Dieser Schund wird übrigens heute antiquarisch wieder zu Höchstpreisen angeboten!). Engels hätte kaum verächtlicher darauf reagieren können!

      Marx und Engels ging es vor allem um eine „ernsthafte theoretische Weiterentwicklung des Materialismus„, um „seine Anwendung auf die Geschichte“ (Lenin). Und es ging ihnen vor allem um die Dialektik, deren Wert von all den vulgärmaterialistischen „Reisepredigern“ jener Zeit gröblichst unterschätzt wurde. Jede Abweichung vom konsequenten Weg des dialektischen und historischen Materialismus, jede Prinzipienlosigkeit, ist nichts anderes als eine Hintertür, die zu bürgerlich-reaktionären Theorien führt.

      (Siehe auch hier: Ljubow Pribytkowa, „DER EUROKOMMUNISMUS HAT TIEFE WURZELN GESCHLAGEN“)

  7. Pingback: Der „Anti-Dühring“ – ein geniales Handbuch des Marxismus | Sascha's Welt

  8. Pingback: Gibt es verschiedene „Sozialismus-Modelle“ oder ist das ein antikommunistischer Betrug? | Sascha's Welt

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