FRIEDRICH PETER – ein unerschrockener Kämpfer der Hamburger Arbeiterbewegung

Friedrich PeterAuf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg liegt vor dem Mahnmal für die Gefallenen der Revolution das Grab des Jugendfreundes Friedrich Peter. Er fiel als erstes Opfer der Novemberrevolution am 7. November 1918 in Hamburg. Friedrich Peter war ein junger Metallarbeiter, der sich mit glühender Begeisterung der proletarischen Jugendorganisation in Hamburg anschloß. Eifrig studierte er die damals noch spärlich vorhandene marxistische Literatur und trat in den Versammlungen oft als Diskussionsredner auf. Er war ein befähigter Jugendfunktionär, ein unerschrockener Kämpfer gegen Ausbeutung und Militarismus. Wegen dieser Eigenschaften und wegen seines Frohsinns und seiner Lebensfreude war er einer der Beliebtesten und Besten in der Hamburger Jugendbewegung.

Als im Frühjahr 1916 die sozialdemokratische Bürokratie den unerhörten Anschlag beging, den „Jugendbund“ aufzulösen, war „Fiete“, wie wir ihn nannten, unter den ersten, die die „Freie Proletarische Jugend“ gründeten. Diese wiederum wurde im Herbst 1916 vom Militärkommando verboten. Nun ging Fiete mit daran, die vorhandenen Jugendgruppen illegal weiterzuführen, getarnt als „Wanderverein Jungvolk“, als Volkstanzgruppen, als Abstinenzvereine oder •. -ie es gerade am besten paßte, um den Nachschnüffeleien der Kriminalpolizei zu entgehen.

Schließlich kam die Polizei Fiete auf die Spur. Er wurde verhaftet, in Militärgewahrsam genommen und, da er in militärpflichtigem Alter war, kurzerhand an die Front geschickt. Die erste Urlaubsgelegenheit benutzte Fiete, um abzuhauen und als „Deserteur“ ein illegales Dasein zu führen. Seine ganze Kraft setzte er gegen das kaiserliche Militär­regime und für die Beendigung des mörderischen Krieges ein.

Fiete war nicht allein; es gab nicht wenige Agitatoren in feldgrauer Uniform oder unter den Werftarbeitern, die zum Bau der U-Boot gezwungen worden waren, und unter den Frauen und Mädchen, denen die Arbeit in den Pulverfabriken das Haar grün färbte. Die illegalen Fietes waren überall dabei, wenn empörte Hausfrauen ihre Hungerdemonstrationen durchführten. Sie hielten engen Kontakt mit ihren Jugendfreunden in den Gruppen, die die Illegalen in jeder Weise unter stützten, mit Essen versorgten, ihnen Papiere und Unterkunft verschafften. Die Gruppen hatten Verbindung zu den Freunden, die sich in militärischer Haft befanden, und durch das gut organisierte System der „Roten Feldpost“ mit den Genossen in den Heimatgarnisonen und an den Fronten.

Als sich die Kieler Matrosen dem Mordbefehl zum letzten Auslaufen der Kriegsmarine widersetzten und in den ersten Novembertagen ihre Abgesandten nach Hamburg hinüberschickten, trafen diese auf Antikriegsgruppen, besonders unter der Jugend, die zur Aktion bereit waren. Am 6. November 1918, im Anschluß an eine große Versammlung im Hamburger Gewerkschaftshaus, blieben die „Illegalen“, die revolutionären Vertrauensleute des Hafens und der Werften und die aktivsten Freunde der Jugendgruppen beisammen. Der Hauptbahnhof, der Elbtunnel und andere wichtige Punkte wurden von revolutionären bewaffneten Soldaten und Matrosen besetzt. Das Hamburger Gewerkschaftshaus, die „Waffenschmiede des Hamburger Proletariats“, wie Bebel es bei der Einweihung genannt hatte, wurde zum Zentrum der Revolution. Und dort sah ich Fiete Peter wieder: organisierend, anfeuernd, Pläne entwerfend, ein lodernder junger Revolutionsheld!

Morgens formierte sich vor dem Gewerkschaftshaus ein großer Demonstrationszug, voran einige Lastkraftwagen mit Bewaffneten, und auf dem ersten Wagen war unser Fiete Peter, eine flatternde rote Fahne in der Faust. Der Zug bewegte sich durch die Stadt alles auf seinem Wege mitreißend, Offiziere entwaffnend und immer mehr Mitkämpfer sammelnd. Und während von der Seite des Hamburger Hafens her die nach Zehntausenden zählenden streikenden Arbeiter aufmarschierten, erreichte der Zug, zu dessen Anführern auch Fiere Peter gehörte, die Bundesstraße, in der die Kaserne der „76er“, des Hamburger Regiments lag. Die Wagenkolonne fuhr, gefolgt von den Demonstranten, am Tor der Kaserne vor. Die Soldaten wurden zur Übergabe der Kaserne, zum Anschluß an die Revolution aufgefordert. Plötzlich wurden die Rufe vom Getack eines Maschinengewehres zerrissen – vom Portal der Kaserne aus beschossen reaktionäre Offiziere die Wagen.

Fiete Peter stürzte, von Kugeln durchbohrt, vom Wagen. Sein Tod war wie ein unwiderstehliches Signal zum Sturm auf die Kaserne, die dann in wenigen Minuten in die Hand der Revolutionäre fiel. Friedrich Peter war einer der Kühnsten aus der jungen Garde Karl Liebknechts.

Richard Gyptner

Quelle: Deutschlands Junge Garde, 50 Jahre Arbeiterjugendbewegung. Verlag Neues Leben, 1954, S.151-153.

Siehe auch:
Ein Arbeiter erlebt die Novemberrevolution
Novemberrevolution. Was geschah 1918 in Deutschland?

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