Der „Anti-Dühring“ – ein geniales Handbuch des Marxismus

Anti-DühringNichts erschien der Bourgeoisie im Laufe ihrer Herrschaft gefährlicher als ihre Entthronung. Schon zu Lebzeiten von Karl Marx und Friedrich Engels versuchten bürgerliche Lakaien, gelehrte Universitätsprofessoren und deren ehrenwertes Gefolge, mit fast religiösem Eifer die wissenschaftliche Weltanschauung, die Marxsche Lehre des dialektischen und historischen Materialismus, zu entstellen und zu verfälschen, um sie hernach umso besser beseitigen zu können. Doch wie schmählich dies mißlang, davon zeugt insbesondere das brillante Werk von Friedrich Engels, der sogenannte „Anti-Dühring“. Trefflich hatten es Marx und Engels verstanden, derlei unwissenschaftliche und fortschrittsfeindliche Angriffe zu verhindern und dem Spott preiszugeben. Das mag uns auch heute noch als Beispiel dafür dienen, mit welcher überzeugend logischen und konsequent materialistischen Polemik man gegen solche revisionistischen Heilslehren vorgehen kann. Auch heute gibt es noch immer Versuche, den Marxismus-Leninismus zu verfälschen, für veraltet zu erklären oder gar neu zu erfinden. Doch sind alle diese Versuche zum Scheitern verurteilt, denn die historische Wahrheit wird sich am Ende immer durchsetzen. Professor A.D. Makarow schreibt: 

Das Werk „Anti-Dühring“ von Friedrich Engels ist, wie W. I. Lenin es charakterisierte, ein erstaunlich inhaltsreiches und lehrreiches Buch; es gibt nicht nur eine gründliche und vollständige Darlegung der drei Bestandteile des Marxismus, nämlich der Philosophie, der politischen Ökonomie und des wissenschaftlichen Sozialismus, sondern es ist auch ein Musterbeispiel des unversöhnlichen und offensiven Kampfes gegen die Feinde des Marxismus, ein Musterbeispiel der Kritik an einer der Arbeiterklasse feindlichen Ideologie.

Der gelehrte Herr Professor Dühring…

Der „Anti-Dühring“ ist ein polemisches Werk; er richtet sich gegen die Schriften des Privatdozenten an der Berliner Universität, Eugen Dühring (1833-1921), eines Metaphysikers und mechanischen Materialisten, des Verfechters eines spezifisch preußischen „Sozialismus“, der der deutschen Sozialdemokratie nahestand.
Zunächst wurde diese Arbeit von Engels im Jahre 1877 unter dem Titel „Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft“ in Fortsetzungen im „Vorwärts“, dem Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie, abgedruckt; 1878 erschien sie als besonderes Buch.

Gemeinsam gegen Ideologen der Bourgeoisie

Das Buch „Anti-Dühring“ hat zwar Engels geschrieben, aber auch Marx hat sich aktiv an seiner Vorbereitung beteiligt, da er in der theoretischen Zerschlagung der Ansichten. Dührings, dessen Schriften in jener Zeit zu den ideologischen Grundlagen des Opportunismus in den Reihen der deutschen Sozialdemokratischen Partei gehörten, eine wichtige Aufgabe sah. Marx hat nicht nur die Arbeit von Engels gelesen, bevor sie in Druck gegeben wurde, sondern er schrieb auch für den politökonomischen Teil ein eigenes Kapitel „Aus der Kritischen Geschichte“.

Der Feind im roten Gewand

Das Erscheinen des Werkes „Anti-Dühring“ fällt in den Beginn der zweiten Periode der Geschichte des revolutionären Kampfes des internationalen Proletariats, als alle vormarxistischen Formen des Sozialismus bereits zusammengebrochen waren und der siegreiche Marxismus sich in der Arbeiterbewegung immer weiter verbreitete. Aber, so schreibt Lenin:

Die Dialektik der Geschichte ist derart, daß der theoretische Sieg des Marxismus seine Feinde zwingt, sich als Marxisten zu verkleiden. Der innerlich verfaulte Liberalismus versucht, sich als sozialistischer Opportunismus neu zu beleben. Die Periode der Vorbereitung der Kräfte zu den großen Schlachten deuten sie im Sinne des Verzichts auf diese Schlachten. Die Verbesserung der Lage der Sklaven für den Kampf gegen die Lohnsklaverei wird von ihnen so erklärt -als verkauften die Sklaven ihre Rechte auf Freiheit für ein Butterbrot. Feige predigen sie den „sozialen Frieden“ (d.h. den Frieden mit der Sklavenhalterei), den Verzicht auf den Klassenkampf usw. [1]

Der Opportunismus begann sich bereits gegen Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts in den Reihen der deutschen Sozialdemokratie zu verbreiten.

Entstellungen des Marxismus im Gothaer Programm

Besonders deutlich zeigte sich dies bei der Annahme des Programms der deutschen Sozialdemokratischen Partei auf dem Vereinigungsparteitag in Gotha im Jahre 1875. Der Parteitag nahm das Programm an, obwohl der Entwurf dieses Programms von Marx und Engels als unbefriedigend bezeichnet und einer gründlichen und eingehenden Kritik unterzogen worden war.

Im Gothaer Programm waren so grundlegende Lebensfragen der marxistischen Partei, wie die Frage der sozialistischen Revolution, der Diktatur des Proletariats und die Frage der Rolle des Staates in der kommunistischen Gesellschaft übergangen worden. Das Programm war in seinen Hauptpunkten voll von opportunistischen und vor allem Lassalleschen Thesen. In den Reihen der deutschen Sozialdemokratie, sogar unter den leitenden Funktionären, wie Wilhelm Liebknecht und August Bebel, waren immer häufiger Fälle des Abweichens von den theoretischen und taktischen Grundlagen des revolutionären Marxismus zu beobachten.

Bismarck und die offenen Feinde des Marxismus

Der Opportunismus in der Partei wurde im Jahre 1878 besonders stark, nämlich vom Zeitpunkt der Einführung des Bismarckschen Sozialistengesetzes an. Die Schwierigkeiten, denen die Partei zu dieser Zeit gegenüberstand, wurden, wie Lenin sagt, noch dadurch vergrößert, daß zu den Verfolgungen durch die offenen Feinde des Marxismus und der Arbeiterbewegung noch eine innere Krise hinzukam,

Schwankungen in den grundlegenden Fragen der Taktik. Zuerst erhoben die Opportunisten ihr Haupt, die sich durch die Aufhebung der Legalität einschüchtern ließen und zu jammern anfingen, sich von den ungeschmälerten Losungen lossagten und sich selber vorwarfen, sie wären zu weit gegangen usw …

Eine andere Schwankung war damals, Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, die Begeisterung für Dühring. Kurze Zeit teilte auch Bebel diese Begeisterung. Die Anhänger Dührings, deren hervorragendster Most war, spielten die „Linken“ und glitten sehr bald auf die Bahn des Anarchismus ab. Der scharfen, vernichtenden Kritik der Dühringschen Theorien durch Engels wurde in vielen Parteikreisen mißbilligend begegnet, und auf einem Parteiabend wurde sogar der Antrag eingebracht, diese Kritik aus den Spalten des Zentralorgans zu entfernen. [2]

Unter diesen Bedingungen, als in der deutschen Sozialdemokratie immer häufiger Fälle von Unbeständigkeit und des Abweichens von der revolutionären Theorie und Taktik des Marxismus zu beobachten waren, wurde der Kampf von Marx und Engels gegen Erscheinungen des Opportunismus und Revisionismus in der Partei, deren Fundament zu jener Zeit erst gelegt wurde, besonders aktuell und scharf.

Warnung vor dem „rechten Flügel“ der Arbeiterpartei

W. I. Lenin betont, wenn er vom Briefwechsel zwischen Marx und Engels aus den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts spricht, daß sich darin durch alle Äußerungen über die deutsche Bewegung wie ein roter Faden die „Warnung vor dem ‚rechten Flügel‘ der Arbeiterpartei, der schonungslose (mitunter, wie bei Marx in den Jahren 1877 bis 1879, wütende) Krieg gegen den Opportunismus in der Sozialdemokratie“ [3] zieht. Der Opportunist Höchberg und andere Vertreter des „rechten Flügels“ der deutschen Sozialdemokratischen Partei versuchten, indem sie die versöhnlerische Haltung Wilhelm Liebknechts ausnutzten, die sich bildende Sozia1demokratische Partei in eine, Partei sozialer Reformen zu verwandeln und den wissenschaftlichen Sozialismus in einen utopischen, kleinbürgerlichen Materialismus aufzulösen.

Marx kritisiert die konfuse Halbwisserei

Marx äußerte im Hinblick auf die Opportunisten, die danach trachteten, dem Kurs der Partei eine reaktionäre Wendung zu geben, folgende Kritik:

Diese Leute…, wollen dem Sozialismus (den sie sich nach den Universitätsrezepten zurechtgemacht) und namentlich der sozialdemokratischen Partei die Zähne ausbrechen, die Arbeiter aufklären, oder wie sie sagen, ihnen „Bildungselemente“ durch ihre konfuse Halbwisserei zuführen, und vor allem die Partei in den Augen der Spießbürger respektabel machen. Es sind arme, konterrevolutionäre Zungendrescher. [4]

Einer der bedeutendsten Vertreter dieser Art „Sozialisten“ war Eugen Dühring, dessen Schriften „Kursus der Philosophie“ (1875), „Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Sozialismus“ (1875), „Kursus der National- und Sozialökonomie“ (1876) von vielen leitenden Funktionären der Partei, so von Wilhelm Liebknecht, August Bebel und anderen, positiv aufgenommen wurden. In einem Brief an Sorge vom Oktober 1877 schrieb Marx im Hinblick darauf:

… In Deutschland macht sich in unserer Partei, nicht so sehr in der Masse, als unter den Führern (höherklassigen und „Arbeitern“) ein fauler Geist geltend. Der Kompromiß mit den Lassalleanern hat zum Kompromiß auch mit anderen Halbheiten geführt, in Berlin … mit Dühring und seinen „Bewunderern“, außerdem aber mit einer ganzen Bande halbreifer Studiosen und überweiser Doktores, die dem Sozialismus eine „höhere ideale“ Wendung geben wollen, d.h. die materialistische Basis … ersetzen … [5]

Eine klare Darlegung der Marxschen Lehre

Engels entlarvte im „Anti-Dühring“ die Ansichten Dührings als unwissenschaftlich und dem revolutionären Kampf des Proletariats feindlich. Indem er Dühring, und in dessen Person die ganze Gesellschaft der damals in Deutschland ihr Unwesen treibenden armseligen Epigonen des utopischen Sozialismus, einer vernichtenden Kritik unterzog, erfüllte Engels zugleich eine andere, äußerst wichtige Aufgabe: er gab in seinem Buch eine zusammenhängende, systematische Darlegung der marxistischen Theorie.

Sie hatten sich in den Idealismus verirrt…

Im „Anti-Dühring“ entlarvte Engels Dühring als Eklektiker und Metaphysiker, als mechanischen Materialisten, der sich auf Schritt und Tritt in die Positionen des Idealismus verirrt und dem Pfaffentum eine Hintertür offen hält. Durch seine Kritik der philosophischen Anschauungen Dührings, die einige Führer der deutschen Sozialdemokratie derart in ihren Bann gezogen hatten, zeigte Engels, daß Dühring, dem allgemeinen Niveau seiner Philosophie entsprechend, niedriger steht als viele Materialisten der vormarxistischen Periode. Als mechanischer Materialist und Metaphysiker „unten“, das heißt, was die Interpretation und Methode der Erkenntnis der Dinge und Erscheinungen in der Natur anbetrifft, als Idealist und Metaphysiker „oben“, was die Erklärung und Erkenntnisweise der gesellschaftlichen Erscheinungen betrifft, steht das Niveau des Dühringschen Materialismus auf einer Stufe mit solchen Reisepredigern des Vulgärmaterialismus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wie Vogt, Büchner und Moleschott.

Die „idealistischen Schrullen“ des Herrn Dühring

W.I.Lenin betonte, daß Engels‘ „Anti-Dühring“ ein Musterbeispiel für die Anwendung des marxistischen Prinzips der Parteilichkeit in der Philosophie sei, sowie für die Verteidigung des dialektischen Materialismus und für den schonungslosen und unversöhnlichen Kampf gegen die „idealistischen Schrullen“ Dührings:

Den ganzen Kampf gegen Dühring führte Engels vollständig unter der Losung der konsequenten Durchführung des Materialismus, wobei er den Materialisten Dühring beschuldigte, daß dieser das Wesen der Sache durch Wortschwall verdunkelte, daß er Phrasen drosch, daß er sich einer Betrachtungsweise bediente, die eine Konzession an den Idealismus, den Übergang zur Position des Idealismus zum Ausdruck brachte. Entweder bis zu Ende konsequenter Materialismus oder die Lüge und Konfusion des philosophischen Idealismus – das ist die Fragestellung, wie sie in jedem Absatz des „Anti-Dühring“ gegeben ist, … [6]

Der „Anti-Dühring“ – ein wertvolles Handbuch des Marxismus

Engels‘ „Anti-Dühring“ war schon in den achtziger und neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts in den Reihen der internationalen Sozialdemokratie weit verbreitet, er wurde zum Handbuch jedes echten revolutionären Marxisten, spielte eine große Rolle bei der Verbreitung der allein wissenschaftlichen marxistisch-Ieninistischen Weltanschauung unter den Werktätigen und er spielt sie bis zum heutigen Tag.

Quelle:
Professor A.D. Makarow: Über Friedrich Engels‘ Werk „Anti-Dühring“. Lehrmaterialien der SED, Dietz Verlag GmbH Berlin, 1951, Heft 5, S.3-8.

[1] W.I.Lenin, Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Bd, I. Moskau 1946, S. 70-71.
[2] Lenin/Stalin über August Bebel, Dietz Verlag, Berlin 1948, S.10-11.
[3] W.I.Lenin, Marx, Engels, Marxismus. Zweite erweiterte deutsche Ausgabe, Moskau 1947, S. 159/160.
[4] Zitiert ebenda, S.161.
[5] Karl Marx, Ausgewählte Schriften in zwei Bänden, Bd. II, Zürich 1934, S.640.
[6] W.I.Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus, Kritische Bemerkungen über eine reaktionäre Philosophie. Dietz Verlag, Berlin 1949, S. 329.

Download: Makarow Handbuch Anti-Dühring

Siehe auch:
Wie Friedrich Engels dem Herrn Dr. Dühring die Leviten las…

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3 Antworten zu Der „Anti-Dühring“ – ein geniales Handbuch des Marxismus

  1. Hässelbarth Heinz schreibt:

    Du bist ein Aktivist. Ich war kaum zuhause, war das „Goldbuch“ schon im Blog. Danke! Heinz

  2. Pingback: Wie Friedrich Engels dem Herrn Doktor Dühring die Leviten las… | Sascha's Welt

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