Karl Liebknecht an seinen Sohn Helmi

LiebknechtDu mußt lernen, daß die Menschen nichts anderes sind als eine höhere Art von Tieren. Jeder voll Schwächen und Kräfte, voll des „Guten“ und „Bösen“, daß sie naturgeschichtlich zu betrachten sind; daß die Aufgabe des Menschen, der sich bewußt ein höheres Ziel setzt und der von seinem Inneren vorangetrieben wird, das Edle zu fördern, daß dessen Aufgabe ist, sich mit allen seinen Fähigkeiten, mit seinem ganzen Wesen hineinzuwerfen in das gewaltige Ringen um die Höherentwicklung der Menschheit, die Befreiung, die Wohlfahrt aller.

Der Krieg und die vielen Mängel der Welt plagen und bekümmern Dich. Jawohl – sie müssen jedes Gemüt umdüstern. Aber aus der Nacht gibts Rettung, nur eine Rettung freilich: den Entschluß, die Beseitigung dieser Übel sich zum Lebenszweck zu setzen. Nur das Leben ist unmöglich, das alles laufen lassen wollte, wie es läuft. Nur das ist möglich, das sich selbst zu opfern bereit ist, zu opfern für die Allgemeinheit.

Mein Leben war bisher, trotz allem, glücklich, gerade in den Zeiten, in denen ich am heißesten zu kämpfen und zu „leiden“ hatte. Und so wirds Dir sein. Das ist unser Krieg.

Du sollst nicht über Deine Bedenken hinwegspringen. – Du sollst nicht auf meine Worte hören. – Du mußt alles von Grund aus durcharbeiten, selbst für Dich durchfechten …

Aus einem Brief, den Karl Liebknecht im März 1917 aus dem Zuchthaus in Luckau schrieb, wo man ihn seiner antimilitaristischen Gesinnung wegen eingekerkert hatte..
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