Die Arroganz der Macht

ArroganzImmer mehr schlägt dem einfachen Bürger der BRD, der sich gegen staatliche Gewalt zur Wehr setzt oder auch nur zu widersprechen wagt, eine kalte menschenverachtende Arroganz entgegen. Das zeigt sich schon in der Wortwahl der Zeitungsfritzen in den gleichgeschalteten Medien (der Klassengegner, also das Proletariat, „schimpft“, während der bürgerliche Machthaber „betont“), weiter geht es mit verschärfter Ausbeutung, wo schon keine Schichtzuschläge mehr bezahlt werden, sondern nur noch der „gesetzliche“ Mindestlohn und schließlich die vernichtende Abkanzelung von Hartz4-Empfängern durch die Mitarbeiter der Jobcenter sowie in Kommentaren (wie diesem)….

Das Zurichten von Menschen zu gesteuerten Objekten

Die imperialistische Bourgeoisie kommt ohne Manipulierung des Bewußtseins der Massen nicht aus. Sie braucht zur Durchsetzung ihrer Interessen ein bestimmtes Verhalten der Massen, die nach Möglichkeit um die Realisierung dieser – ihnen fremden, ja entgegengesetzten – Interessen wie um die eigenen kämpfen sollen. Das gesellschaftliche Sein der Menschen ist jedoch unter kapitalistischen Bedingungen durch den antagonistischen Klassengegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat gekennzeichnet. Und der Polarisierungsprozeß setzt sich fort. Immer mehr Menschen der verschiedensten Klassen und Schichten geraten in Widerspruch zur staatsmonopolistischen Führungsgruppe und deren Politik.

Schlimmer geht’s immer!

„Noch nie war der Widerspruch zwischen der Handvoll überreicher Finanzmagnaten und der Mehrheit des Volkes so tief und unüberbrückbar wie im heutigen Kapitalismus?“ [1] Ein einheitliches, gesamtgesellschaftliches Bewußtsein, eine einheitliche, alle Bürger gleichermaßen erfassende und durch sie getragene Ideologie ist daher auf der Grundlage dieses tiefen Widerspruchs, der objektive antagonistische Klasseninteressen reflektiert, unmöglich. Da die imperialistische Bourgeoisie aber zur Befestigung ihrer Macht und zur Erfüllung ihrer Pläne der Massen bedarf, muß sie diesen Widerspruch, den objektiven Antagonismus im Denken der Menschen zu eliminieren versuchen und Methoden anwenden, die ihre eigenen Klasseninter­ essen als gesellschaftliche Gesamtinteressen erscheinen lassen.

Die leise Machtausübung

Carl Friedrich von Weizsäcker wies in seinem Aufsatz „Nur Bewußtsein kann die Zukunft meistern“ darauf hin, daß dem Volk durch Drohung, Terror und physische Gewalt schon immer der Wille der Herrschenden oktroyiert wurde. Er disqualifizierte diese Methoden als im Zeitalter der wissenschaftlich-technischen Revolution recht primitive Nötigung. „Die leise Machtausübung“, so stellt er kritisch fest, „die unmerkliche, die den Beeinflußten gar nicht merken läßt, daß er nicht seinem freien Willen folgt, ist sehr viel effektiver, wenn man sie nur zu manipulieren versteht.“ [2]

Manipulierung des Bewußtseins

Ohne etwa auf Terror, Rufmord, physische Gewaltanwendung zu verzichten – weil sie die Grenzen der Manipulationsmöglichkeiten sehr wohl sehen –, konzentrieren sich die Herrschenden in Westdeutschland [3] zugleich auf die zweifellos wirksame „leise Machtausübung“. Indem sie den Klassenantagonismus durch geschicktes Manipulieren im Bewußtsein der Massen zu vernebeln bemüht sind, versuchen sie, die eigene imperialistische Ideologie zum gesamtgeseIlschaftlichen Bewußtsein zu erheben (das hier seinem Wesen nach folglich gesellschaftliches Unbewußtsein ausdrückt) und die werktätigen Massen dadurch für die imperialistischen Ziele einzuspannen.

Was ist Manipulierung?

Will man den Begriff Manipulation zusammenfassend bestimmen, um die „leise Machtausübung“ näher deuten zu können, so muß man zunächst betonen, daß dieser Begriff sehr weit gefaßt ist. Er läßt sich nicht etwa durch eine spezifische, eng begrenzte Methode der Machtausübung kennzeichnen. Die Manipulierung der Menschen ist vielmehr durch ein ganzes System geistiger Beeinflussung charakterisiert. Das Wort selbst entstammt dem lateinischen Verb „manipulare“, das so viel wie „handhaben“ bedeutet, und zwar durchaus nicht unter negativem Aspekt. Im gesellschaftlichen Leben ist dieser Begriff erst in jüngster Zeit gebräuchlich geworden. Man sagt, er habe hier über einige Bereiche der Technologie, in denen er im Sinne von „zurichten“ verwandt wird, Eingang gefunden. Genau wird sich das wohl nicht mehr feststellen lassen, und es ist für unseren Zweck auch nicht wichtig. Auf jeden Fall kommt die technologische Deutung im Sinne von Zurichten dem Gebrauch des Begriffs im sozialen Leben sehr nahe.

Unter fremden Willen unterordnen

Auf die Gesellschaft bezogen wird der Begriff Manipulation im weitesten Sinne gebraucht als Einflußnahme auf Menschen mit dem Ziel, ihre Interessen und Bedürfnisse, ihr Denken, Fühlen und Handeln einem fremden Willen unterzuordnen. Unter Manipulation verstehen wir hier das Zurichten von Menschen zu gesteuerten Objekten, die Deformation ihres Wesens, ihres Denkens, Fühlens und Handelns und damit die Zerstörung ihrer Persönlichkeit durch Einflüsse, die die eigenen Interessen und Bedürfnisse im Bewußtsein verkehren und sie unmerklich, im Glauben der Willensfreiheit, einem diesen Interessen und Bedürfnissen fremden Willen unterordnen.

Ein raffiniert geführter psychologischer Krieg

Das westdeutsche Monopolkapital legt davon Zeugnis ab. „Der Drang nach Expansion, nach Veränderung des Kräfteverhältnisses in Europa, nach Bewältigung der wissenschaftlich-technischen Revolution auf Kosten des Volkes, nach Unterdrückung der wachsenden Opposition im eigenen Lande ist verbunden mit Bemühungen der imperialistischen Bourgeoisie, durch eine raffinierte Manipulierung des geistigen Lebens das Denken der Werktätigen in ihr Herrschaftssystem zu integrieren“, erklärte Prof. Kurt Hager auf der 10. Tagung des Zentralkomitees der SED. Treffend kennzeichnete er das Wesen dieser Bemühungen um die Integration der Arbeiterklasse in das bestehende Herrschaftssystem. „Staatsmonopolistische Manipulierung ist der planmäßige, mit wissenschaftlichen Methoden geführte psychologische Krieg gegen das Denken, die Vernunft und die Gefühle, kurz gegen jegliche auf den gesellschaftlichen Fortschritt gerichtete Entwicklung der Werktätigen Westdeutschlands.“ [4]

Auch hier hilft Wehklagen wenig…

Dieser psychologische Krieg gegen das Denken, gegen die Vernunft und die Gefühle, der untrennbar verbunden ist mit der wachsenden Konzentration des Kapitals und der imperialistischen Macht, wird von den Repräsentanten dieses Systems für völlig legitim gehalten. „Von der ‚Konzentration‘ zur ‚Manipulation‘ bleibt schließlich nur ein Schritt“, schreibt die Redaktion des großbourgeoisen „Volkswirt“. „Und hier sind die gegenseitigen Vorwürfe kaum noch zu überbieten: Pressekonzerne ‚manipulieren‘, so heißt es, die öffentliche Meinung, Verleger und Rundfunkräte die Redakteure, PR-Männern wird vorgeworfen, sie versuchten es ebenfalls – unter Hinweis aufs Anzeigengeschäft nicht immer ohne Erfolg. Auch hier hilft Wehklagen wenig. Vor allem droht vor lauter beredter Kritik ganz in Vergessenheit zu geraten, daß es in einer pluralistischen Gesellschaft völlig legitim ist, wenn jeder auf seine Weise versucht, jenen Einfluß geltend zu machen, zu dem ihn seine Stellung und Funktion befahigen.“ [5]

Die Klassenmoral der Bourgeoisie

Völlig legitim? Im Sinne der durch die herrschende Klasse gegebenen Gesetzgebung gewiß. Aber auch moralisch legitim, vertretbar? Es ist die Klassenmoral der Monopolbourgeoisie. Welchen Einfluß könnte wohl ein Arbeiter im Verhältnis zu dem eines Großindustriellen geltend machen? Die Antwort hierauf erweist den vermeintlichen Pluralismus als Monopolismus der Macht der superreichen Kapitalmagnaten. Im großbourgeoisen Klassenkampf ist die Manipulation darauf gerichtet, durch zielgerichtete Verkehrung der gesellschaftlichen Gegebenheiten und Zusammenhänge in den und durch die Erscheinungen, durch das Paralysieren des Klassenantagonismus im Bewußtsein der Volksmassen ihnen ein „falsches Bewußtsein“ einzugeben, das die Interessen der Herrschenden als gesamtgesellschaftliche Interessen erscheinen und die Volksmassen in allen Lebensbereichen und -situationen im Glauben der freien Entscheidung gerade das denken, fühlen und handeln läßt, was im Interesse der imperialistischen Bourgeoisie liegt.

Wie ein gut geöltes Schräubchen

In eben diesem Sinne antwortete der bereits erwähnte amerikanische Sozialpsychologe Erich Fromm auf die von ihm gestellte Frage „Was für Menschen braucht unser allumfassender, bürokratisierter Industrialismus?“ mit kritischer Distanz: „Er braucht Menschen, die sich für frei und unabhängig halten und die gleichzeitig gern bereit sind, sich unterzuordnen, das zu tun, was von ihnen erwartet wird, die ein gut geöltes Schräubchen eines gesellschaftlichen Mechanismus sind; er braucht Menschen… , die dazu gebracht werden, nur ein Ziel zu haben: arbeiten, funktionieren, vorwärtsgehen.“ [6]

Anmerkungen und Zitate:
[1] Programm der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Berlin 1963, S.28.
[2] „Die Welt“ vom 10. Mai 1963. Aldous Huxley wies übrigens vor Jahren bereits hierauf hin: Während George Orwells Welt von 1984 „eine fast ausschließlich mittels Bestrafung und Furcht vor Bestrafung beherrschte Gesellschaft“ sei, habe man aus dem Verhalten der Menschen in den letzten drei Jahrzehnten gelernt, „daß Bestrafung unerwünschten Verhaltens auf die Dauer ein weniger wirksames Beherrschungsmittel ist als Belohnung (und durch sie Verstärkung) erwünschten Verhaltens, und daß ein Terrorregime im großen und ganzen weniger gut funktioniert als ein Regime gewaltlosen Manipulierens der Umwelt und der Gedanken und Gefühle individueller Männer, Frauen und Kinder“. (Aldous Huxley, Dreißig Jahre danach, München 1960, S.11)
[3] natürlich gilt das nicht nur in „Westdeutschland“, sondern heute auch im gesamten „Anschlußgebiet“, d.h. in der 1990 okkupierten DDR.
[4] Kurt Hager, Grundfragen des geistigen Lebens im Sozialismus, Berlin 1969, S.19.
[5] Absichten & Ansichten, „Der Volkswirt“, Beiheft zu Nr. 27 vom 4. Juli 1969, $.11.
[6] Erich Fromm, Unser Lebensbild macht uns unglücklich. Saturday Evening Post, übersetzt in „Sonntag“ vom 24. Januar 1963.

Quelle:
Manfred Banaschak/ Jörg Vorholzer: Mensch und Macht. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1969, S.95-101.

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