Das Märchen vom USA-Aufschwung

Die tatsächliche Arbeitslosenquote in den USA liegt bei 23 Prozent.
47 Millionen US-Amerikaner leben von Essenmarken

Quelle: rt deutsch

USA-EssenmarkeDem US-amerikanischen Ökonomen und Publizisten Paul Craig Roberts*** zufolge befindet sich die US-Wirtschaft in einer tiefen Krise. Roberts, stellvertretender Finanzminister unter Reagan und später Mitherausgeber des Wall Street Journals, wirft in einem aktuellen Beitrag der Obama-Regierung vor, die Arbeitslosenzahlen massiv zu schönen um einen wirtschaftlichen Aufschwung zu simulieren, der in Wahrheit gar nicht existiert. Zudem sind mittlerweile rund 47 Millionen US-Bürger, 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, auf die Essensmarken des Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP) angewiesen.

Ein lügenhafter statistischer Trick

Offiziell liegt die Arbeitslosenquote in den USA bei 5,3 Prozent. Das klingt nach Aufschwung und wirtschaftlichem Triumph. Doch hinter der vermeintlichen Erfolgsgeschichte steckt ein simpler statistischer Trick. Denn wie der ehemalige US-Vize-Finanzminister Paul Craig Roberts aufdeckt, operiert die Obama-Regierung bei ihren Arbeitsmarktdaten mit geschönten Zahlen. Für die offiziellen Angaben wird die Kennziffer U.3 verwendet und in dieser werden nur Arbeitssuchende gezählt, die sich in den vergangenen vier Wochen um einen Job bemüht haben.

Kein wirtschaftlicher Erfolg

Betrachtet man die Kennziffer U.6, die Jobsuchende zählt, die seit einem Jahr nach einer Beschäftigung Ausschau halten, liegt die Arbeitslosenquote schon bei über 10 Prozent. Besonders heikel wird es, wenn auch die Langzeitarbeitslosen nicht einfach von der statistischen Zählung herausgerechnet werden. 1994 entschied sich die Clinton-Regierung zu diesem Schritt, wodurch die offiziellen Zahlen nahezu Vollbeschäftigung in den USA simulieren. Doch auf der Analyseplattform shadowstats.com mißt John Williams weiterhin mit der alten Methode, die auch die Langzeitarbeitslosen zählt, und kommt so auf eine Arbeitslosenquote von satten 23 Prozent. Das klingt schon weniger nach wirtschaftlichem Erfolg.

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Chancenlosigkeit und Unterbezahlung

Zudem kritisiert Roberts, daß die meisten neuen Jobs im schlecht bezahlten Dienstleistungsgewerbe entstehen. Oft bleibt für junge Menschen nur eine Betätigung als Barpersonal, Kellner, Einzelhandelsverkäufer oder Lageristen. Mit den Gehältern in diesen Branchen ist es oft unmöglich ohne einen Zweitjob finanziell über die Runden zu kommen, geschweige denn, für eine Familie zu sorgen.

Die Abzockerbranchen

Gleichzeitig sieht Roberts einen Boom bei Berufen, die mit Lobbying, dem Finanzsystem und privaten Interessengruppen zu tun haben. Geld verdienen kann in den USA nur noch, wer im Feld der „Bereicherung“ tätig ist:

„Die lukrativsten Jobs in Amerika beinhalten das Betrügen an der Wall Street, Lobbyarbeit für private Interessengruppen, wobei ehemalige Kongress- und Senatsmitglieder und Leute aus der Exekutive bevorzugt werden, und die Entwicklung von Maßnahmen zur Bereicherung von Spendern für Think-Tanks, welche maskiert als öffentliche Politik Gesetze erlassen können.“

Stetige Verschlechterung der Lage

Auch verschlechtert sich, anders als von der Regierung offiziell verkündet, die Lage stetig. Seit 2007 gibt es in den Vereinigten Staaten vier Millonen Arbeitsplätze weniger für Menschen zwischen dem 25. und 54. Lebensjahr. Immer mehr US-Amerikaner müssen sich deshalb mit schlecht bezahlten Teilzeitjobs über Wasser halten. Mittlerweile leben zudem rund 47 Millionen US-Bürger, also 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, von den Essensmarken des Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP). 150 bis 200 Dollar erhält jeder Bedürftige monatlich in Form der Gutscheine, was lediglich für qualitativ minderwertige Mangelernährung ausreicht. Jedes 30. Kind lebt in den USA bereits auf der Straße.

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Weit verbreitete Obdachlosigkeit

In Folge von Mietwucher und Zwangsräumungen trifft die Obdachlosigkeit vor allem junge Familien, deren Einkommen nicht einmal mehr für ein Dach über dem Kopf reicht. Paul Craig Roberts ernüchterndes Fazit:

„Dies ist eindeutig keine Volkswirtschaft mit Zukunft. Das würden Sie aber niemals erfahren, wenn Sie nur auf die Finanzmedien hören, oder den Wirtschaftsteil der New York Times oder des Wall Street Journals lesen. Wäre ich noch Redakteur beim Wall Street Journal, wäre der erbärmliche Zustand der US-Wirtschaft auf der ersten Seite.“

(Mit Dank übernommen vom Kommunisten-Online)


*** Paul Craig Roberts (geb. 3. April 1939) ist ein US-amerikanischer Ökonom und Publizist. Er war stellvertretender Finanzminister während der Regierung Reagan und ist als Mitbegründer des wirtschaftspolitischen Programms der Regierung Reagans (“Reaganomics”) bekannt.Er war Mitherausgeber und Kolumnist des Wall Street Journal, Kolumnist von Business Week und dem Scripps Howard News Service. Er wurde bei 30 Anlässen über Themen der Wirtschaftspolitik im Kongress um seine Expertise gebeten. (Wikipedia)

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6 Antworten zu Das Märchen vom USA-Aufschwung

  1. Harry 56 schreibt:

    Was uns hier Herr Roberts über den Zustand der US-Wirtschaft berichtet, dessen Folgen für das Leben von Millionen von Amerikanern, den schier endlosen Statistik-Lügenzirkus über „boomende“ Arbeitsmärkte, „boomende“ Wirtschaft, kennen wir das alles nicht auch zur Genüge bis schon zum Überdruss aus der heutigen BRD und anderen europäischen Ländern?

    Die bürgerliche Journaille bleibt sich eben überall gleich im Schönreden der kapitalistischen Zustände, im Verdrängen der häßlichen abstoßenden Seiten des Kapitalismus. Ebenso gleich ist sie sich aber ebenso in geradezu widerlichster Heuchelei über einzelne gewisse menschliche Schicksale, welche in Wahrheit in vielen Fällen ebenso ihre Ursache in den unmenschlichen kapitalistischen Verhältnissen haben.

    Jüngstes Beispiel hierzu die Geschehnisse von vergangener Woche in einem kleinen sächsischen Dorf bei Ankunft von Asylbewerbern. Oberflächlich, rein so aus dem Bauche heraus mag man diese Ereignisse, dass Verhalten der etwa 100 Dorfbewohner als häßlich, als beschämend ansehen. Und natürlich kotzt sich nun wieder mal die ganze bürgerliche Staats- und Konzernmedien-Journaille moralisch-heuchlerisch aus bis zum letzten. Doch niemand von diesen Schmierfinken und Brüllaffen mag auch nur Ansatzweise nach den tieferen gesellschaftlichen Ursachen für das Verhalten dieser Dorfbewohner fragen, nach deren Leben unter diesen kapitalistischen Verhältnisse, deren Ängsten in dieser Gesellschaft vor Armut, Ausgrenzung, Verachtung und möglicher krimineller Gewalt.

    Mit Verbalkeulen wie Rassismus und Ausländerfeindlichkeit wird wieder wie wild um sich geschlagen, denn so ist es eben einfacher, alle tieferen gesellschaftlichen Ursachen für das Verhalten gewisser Menschengruppen moraltriefend zu „verurteilen“. Ganz selbstverständlich werden dort bald wieder „pflichtgemäß“ alle diese „Gewerkschaftler“, „Linke“, „Grüne“ und sonstiges polittouristisches Gelichter anrollen zwecks „Solidarität“, „Zeichensetzen“, überhaupt mit ganz viel überschäumenden „Gutmenschentum“.

    Wohlgemerkt, Armut und Ausgrenzung, zunehmende Obdachlosigkeit, Verwahrlosung oder Opfer krimineller Gewalt ihrer eigenen Mitbürger selbst in unmittelsbarster Nachbarschaft gehen diesem Gelichter eiskalt am Arsch vorbei, da werden keinerlei „Zeichen gesetzt“, schon gar keine gegen alle diese weltweiten imperialistischen Kriege und „Frühlinge“ aller Art. Und hier schließt sich denn auch der Kreis für jeden Menschen, welcher gelernt hat, gewohnt ist in gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen zu denken, einschließlich aller weltkapitalistischen Zusammenhänge.

    Das ständige penetrante Schönreden und Schönschreiben der realen BRD-Verhältnisse einerseits, die real viel weniger schönen Verhältnisse von Millionen von Bürgern und Bewohnern dieses Landes sind nur die zwei Seiten jener neuen kapitalistischen Medaille, welche die bürgerliche Journaille seit über einem Jahr nur noch diffamierend als „rassistischen ausländerfeindlichen Mob“ oder „Pack“ zu bezeichnen pflegt.

    Daher nur un-gutmenschliche Grüße an alle hier!

    • heinz maier schreibt:

      Ein toller Beitrag, den ich voll unterstütze!!

    • WT-Rudi schreibt:

      „Wohlgemerkt, Armut und Ausgrenzung, zunehmende Obdachlosigkeit, Verwahrlosung oder Opfer krimineller Gewalt ihrer eigenen Mitbürger selbst in unmittelbarster Nachbarschaft gehen diesem Gelichter eiskalt am Arsch vorbei, da werden keinerlei ‚Zeichen gesetzt‘, schon gar keine gegen alle diese weltweiten imperialistischen Kriege und ‚Frühlinge‘ aller Art.“ (Harry)

      Da haben Sie vollkommen Recht. Aber genau diese Kapitalismusliebe und USA/NATO/EU Zugehörigkeit wird von AfD und ihren Gruppen noch übertroffen. Vor ein paar Stunden haben sich der deutsche vinyardsakerblog, aber auch der nocheinparteibuch Blog als AfD-Fanclubs erwiesen. Warum entpuppen sich immer mehr „russlandfreundliche“ Medien als kapitalistische AfD-Clubs ?

      • Günter Hering schreibt:

        Eines der gefährlichsten Werkzeuge der Herrschenden gegenüber ehrlichen kritisch Engagierten (also ohne die AfD einzuschließen) ist die Verunglimpung der kritisch Engagierten. Das Ergebnis ist zumeist deren vielfältige Spaltung. Die Angriffe auf friedenspolitische Aktivitäten mit dem Ergebnis einer nahezu völligen Lähmung der Friedensbewegung sind uns wohl allen gut bekannt.
        Vinyardsaker und nocheinparteibuch habe ich bislang nicht als AfD-Fanclub erkennen können, eher im Gegenteil. Wenn Du, WT-Rudi, entsprechendes feststellst, warum kritisierst Du es nicht auf den genannten Seiten, statt hier an einem ganz anderen Blog, der darauf keinen Einfluss hat? Hier hat Dein Kommentar nur eine für die Herrschenden erfreuliche Wirkung…

  2. Harry 56 schreibt:

    Kapitalistische AfD-Clubs?
    Die führenden Häuptlinge dieser AfD haben sich ganz klar zur NATO bekannt
    Was will man von denen noch weiter erwarten?

  3. Pingback: Die USA – ein Imperium des Verbrechens | Sascha's Welt

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