Ludo Martens: War Stalin ein „Massenmörder“ – oder war er die bedeutendste Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts?

Martens StalinbuchIm Jahre 1994 erschien in Westeuropa das Buch des belgischen Autors Ludo Martens  „Un autre regard sur Staline“, welches später von Clara Boyer und Hans Jürgen Falkenhagen ins Deutsche übersetzt wurde und 1998 im EPO VZW Verlag erschien. Abgesehen von jener häßlichen und beleidigenden Einbandgestaltung der späteren Ausgabe im Zambon Verlag von 2013 ist dieses Buch ein wahrer Volltreffer gegen alle Geschichtsfälscher und Stalinverleumder. Es ist zweifellos eines der wichtigsten Bücher der neueren Geschichte überhaupt. Die Bourgeoisie hat freilich kein Interesse an der Wahrheit und der Verbreitung dieses Buches, denn sie lebt von der Lüge und vom Betrug. Doch Ludo Martens ist nicht der einzige Wissenschaftler, der die Wahrheit über Stalin schreibt. Das meiste liegt auf Russisch vor und wurde bisher noch nicht übersetzt. Unter den Neuerscheinungen der letzten Jahre ist aber unbedingt auch die Taubenfußchronik von Kurt Gossweiler hervorzuheben, in der der Autor mit akribischer Genauigkeit die Rückverwandlung der UdSSR aus einem sozialistischen in ein kapitalistisches Land beschreibt.  

Wir verzichten im folgenden gänzlich auf die Widerlegung sämtlicher Lügen, die von den Nazis in aller Welt verbreitet wurden, und welche die heutigen Imperialisten und deren hochbezahlte Lakaien in Form von Büchern, Filmen und ebenso buntschillernden wie wertlosen Veröffentlichungen tausendfach wiederholen und immer wieder neu erfinden. Wir werden uns also nicht zu den Säuberungen, zu den Gulags oder zu Katyn äußern. Das alles kann man im Buch genauestens nachlesen. Und es wäre dumm, dies nicht zu tun!

Hier nun ein Auszug aus Ludo Martens‘ Buch. Zu Beginn die Aussagen zweier Zeitgenossen Stalins:

Alexander Sinowjew am 25. Februar 1993: Seit meinem siebzehnten Lebensjahr war ich ein überzeugter Antistalinist. Die Idee eines Attentats auf Stalin beherrschte meine Gedanken und Gefühle. Wir studierten die „technischen“ Möglichkeiten für ein Attentat. Wir begannen mit den praktischen Vorbereitungen. … Wenn sie mich 1939 zum Tode verurteilt hätten, wäre das die richtige Entscheidung gewesen. Ich hatte geplant, Stalin zu töten und das war ein Verbrechen, oder? Als Stalin noch lebte, sah ich das anders, aber jetzt, wo ich das ganze Jahrhundert überblicken kann, sage ich: Stalin ist die größte Persönlichkeit dieses Jahrhunderts gewesen, das größte politische Genie. Ein wissenschaftlicher Standpunkt jemanden gegenüber, muß nicht dem persönlichen Verhalten entsprechen. [1]


Mao Tse-tung am 15. November 1956: Ich möchte einige Worte über den XX. Parteitag der KPdSU sagen. Ich meine, da sind zwei „Schwerter“: Das eine ist Lenin, das andere Stalin. Das Schwert Stalin haben die Russen jetzt aus der Hand gelegt. Gomulka und einige Leute in Ungarn haben es aufgehoben, um einen Streich gegen die Sowjetunion zu fohren und gegen den sogenannten Stalinismus Front zu machen. Die kommunistischen Parteien vieler europäischer Länder kritisieren die Sowjetunion ebenfalls, Togliatti ist ihr Anführer.

Und auch die Imperialisten benützen es, um Leute zu erschlagen, Dulles zum Beispiel hat es eine Zeitlang geschwungen. Dieses Schwert wurde nicht verliehen, es wurde aus dem Fenster geworfen. Wir in China haben es nicht weggeworfen. Erstens nehmen wir Stalin in Schutz, zweitens kritisieren wir zugleich seine Fehler; deshalb haben wir den Artikel „Über die historischen Erfahrungen der Diktatur des Proletariats“ geschrieben. Im Unterschied zu einigen Leuten, die Stalin verunglimpfen und in Grund und Boden verdammen, handeln wir in Übereinstimmung mit den objektiven Tatsachen.

Und das Schwert Lenin, ist es nicht ebenfalls von einigen sowjetischen Führern gewissermaßen beiseite gelegt worden? Ich meine, das ist in beträchtlichem Maße geschehen. Hat die Oktoberrevolution noch Gültigkeit? Kann sie weiterhin als Vorbild für alle Länder dienen? Im Bericht von Chruschtschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU heißt es, daß es möglich sei, die politische Macht auf dem parlamentarischen Weg zu ergreifen. Das würde bedeuten, es sei nicht länger notwendig, daß alle Länder von der Oktoberrevolution lernen. Ist dieses Tor einmal geöffnet, dann hat man den Leninismus im Grunde schon über Bord geworfen. [2]


Im Vorwort zu seinem Buch schreibt Ludo Martens:

Was geschah 1917 in Rußland?

Die Oktoberrevolution. Unter Führung der Bolschewiki übernimmt die Arbeiterklasse die Macht. Eine wirkliche Revolution im Sinne Lenins: Der alte Staat und sein Apparat werden ersetzt durch einen neuen Staat, die Diktatur des Proletariats. Die Bourgeoise als Klasse ist weltweit ins Mark getroffen und erschüttert. Sie wehrt sich, unterstützt in Rußland und überall auf der Welt die Konterrevolution. Alle Mittel sind ihr recht, nichts ist zu schmutzig. Bis heute vergißt die Bourgeoisie als Klasse die Oktoberrevolution nicht. Sie fürchtet den Aufstand der Proletarier und der unterdrückten Völker. Deshalb investiert sie Milliarden in ihren repressiven Apparat, in ihre Diktatur. Information ist zur Ware verkommen. Die Bourgeoisie kontrolliert die Medien, die die bürgerliche Diktatur als „Demokratie“ verkaufen.

Warum ist die BRD ein Überwachungsstaat?

Geheimdienste und sogenannte Verfassungsschützer arbeiten Tag und Nacht, um herauszufinden wer, wann, wo und wie möglicherweise einen Aufstand wagt. Sie schreiben die Realität und die Geschichte in ihrem Sinne um, damit die Wahrheit nicht zur Waffe in den Händen der Unterdrückten werden kann. Sie sollen ihr eigenes Elend nicht mehr erkennen. Die Manipulatoren sind im Namen der Menschenrechte unterwegs, um die Rechte der Menschen mit Füßen zu treten.

Warum ist Stalin bei der Bourgeoisie so verhaßt?

Die Bourgeoisie haßt Stalin, der nach dem Tode Lenins mit den ehemals Unterdrückten die UdSSR aufbaute und den Widerstand gegen das Ergeb­nis der Oktoberrevolution brach. Die Konterrevolution konnte ihn nicht besiegen. Und als alles nicht half, da sollte Hitler helfen. Die Bourgeoise benötigte Hitler und Konsorten zur Unterdrückung der Arbeiterklasse und hoffte, daß die Faschisten Stalin besiegen würden.

Sie konnten Stalin nicht besiegen!

Wer lieferte das Diesel für die deutschen Panzer, die in der UdSSR einfielen? Westliche Ölkonzerne! Und noch in der UdSSR vorhandene reaktionäre Kräfte hofften auf den Zusammenbruch der Diktatur des Proletariats unter Stalin. Die Westmächte schauten genüßlich zu, wie die UdSSR von Hitlers Banden massakriert wurde. Aber sie konnten Stalin nicht besiegen. Und deshalb hassen sie ihn.

Warum ignorierten die USA die deutschen Kapitulationsangebote?

Stalin und die Menschen in der Sowjetunion kämpften schon gegen die Nazis als die USA noch zuschauten. Im übrigen erklärte Hitler den USA den Krieg und nicht umgekehrt – eine wichtige Episode der Geschichte. Der Sieg über die Faschisten kostete Millionen Menschen der UdSSR das Leben, Stalin und die Völker der UdSSR zahlten den Blutzoll. Die USA schreckten nicht vor dem Völkermord durch den Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki zurück, um Stalin zu drohen, ihm das gleiche widerfahren zu lassen. Es ging ihnen nicht um den Sieg über die deutschen Faschisten, die vergeblich drei Mal signalisiert hatten, sich ergeben zu wollen. Sie wollten Stalin und die Menschen der UdSSR einschüchtern. Sie konnten die UdSSR aber nicht vernichten.

Die Konterrevolution besiegelte das Ende der Sowjetunion

Stalin und die ehemals Unterdrückten widerstanden. Die Historiker der Bourgeoisie vergessen das nicht. Sie stellen Stalin auf eine Stufe mit Hitler. Schulbücher und Seminare sind voller Haß, Hetze und übler Nachrede auf Stalin. Das gehört zur „political correctness“ oder besser gesagt, zum guten „demokratischen“ Ton. Die Bourgeoisie zittert noch heute vor der Oktoberrevolution und ihren Folgen. Sie fürchtet nach wie vor die Revolution. Nur die Konterrevolution in der UdSSR selbst konnte 1956 unter Chruschtschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU die Diktatur des Proletariats zerstören. Gorbatschow und das endgültige Ende der UdSSR sind das Resultat.

Stalin besiegte in seinem Leben die innere und die äußere Konterrevolution. Das ist sein historischer Verdienst. Und daher wird er von allen Reaktionären und den von ihnen aufgehetzten Kleinbürgern aller Schattierungen verunglimpft und in den schrecklichsten Farben beschrieben.


Und er setzt ergänzend hinzu:

Während der Erstellung des Namensindexes nach Beendigung der Überarbeitung des Buches wurde eine Quelle entdeckt, die darüber be­richtet, daß seit Beginn der 90er Jahre in den Strukturen des Sicherheitsdienstes des russischen Präsidenten B.Jelzin eine gut bezahlte und versorgte Gruppe gebildet wurde, die Archivunterlagen fälschte. Da wir dies dem Leser nicht vorenthalten wollen, fugen wir diese Information als Nachtrag hier ein:

„Mittlerweile ist durch die Veröffentlichung der Erklärung des Abgeordneten der Staatsduma der Russischen Föderation Viktor Iljuchin bekannt geworden, daß nach Angaben eines bei ihm vorstellig gewordenen Augenzeugens und Mittäters seit Beginn der 90er Jahre in den Strukturen des Sicherheitsdienstes des russischen Präsidenten B.Jelzin eine gut bezahlte und versorgte Gruppe gebildet wurde, die Archivunterlagen fälscht. Dazu sollen der frühere Leiter des russischen Staatsarchivs Pichoja und der Stellvertreter des Sicherheitsdienstes des Präsidenten G.Rogosin gehören. Im gleichen Sinne würden archivierte Dokumente von Mitarbeitern des 6. Instituts des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation (Moltschanow) bearbeitet. Zwischenzeitlich seien hunderte gefälschte historische Dokumente in den Archiven. Gefälscht wurden u.a. auch Unterschriften. Der Zeuge habe zum Beweis geheime Unterlagen, Stempel und leere Formulare vorgelegt.“

Die Fälscher im russischen Staatsarchiv

In seiner Rede vor der Staatsduma vom 16.6.2010 berichtete W.I. Iljuchin u.a., daß neben einer Fälschung des als „Lenins Testament“ angesehenen Dokuments u.a. auch Dokumente gefälscht wurden, die mit dem Thronverzicht Nikolai II. und der „Mitarbeit Stalins bei der Ochrana“ sowie weitere Fakten bekannt seien. So sei die Notiz Berijas vom März 1940, in dem der das Politbüro ersucht, 27.000 kriegsgefangene polnische Offiziere zu erschießen ebenso gefälscht, wie Auszüge aus Beschlüssen des Politbüros, in denen dies bestätigt wird. Das treffe auch für „Dokumente“ zu, in denen die Zusammenarbeit des NKWD mit der Gestapo „belegt“ wird.

Die Lügenkampagne dient der Kriegsvorbereitung

Dem entgegenzutreten ist nicht nur eine Frage der Achtung vor den Soldaten und Kommandeure der Roten Armee. Daß die Auseinandersetzung mit der Geschichte von durchaus aktuellem Interesse ist, wird insbesondere im Zusammenhang mit dem Streit um die Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges deutlich. Die in diesem Umfeld inszenierte und organisierte Lügenkampagne ist ein Bestandteil systematischer Vorbereitung neuer Kriege und neuer Verbrechen.

Die verleumderische Gleichsetzung Stalins mit Hitler

Deshalb sollen Hintergründe und Tatsachen des Verlaufes dieses Krieges, seine Auswirkungen und die Opferzahlen verfälscht und in ihr Gegenteil umgeleugnet werden. Dem dient die Gleichstellung der Verbrechen des Hitlerfaschismus mit den Entwicklungsproblemen der UdSSR. Dieses Ziel verfolgt die verlogene Demagogie des Kampfes gegen den „Stalinismus“.

Die Lügen über den Sozialismus nehmen kein Ende

Die systematische Verleumdung aller Ansätze einer sozialistischen Alternative gleich in welchem Gewande – war und ist Bestandteil eines längst noch nicht abgeschlossenen Kapitels des Klassenkampfes. Auch nach der Liquidierung der UdSSR und des sozialistischen Lagers wird alles unternommen, um jegliche Erinnerung an damals gemachte Erfahrungen auszumerzen. [3]


Wer war Viktor Iljuchin?

ProfIljuchin

Viktor Iljuchin (1949-2011)

Viktor Iwanowitsch Iljuchin [russ. Виктор Иванович Ильюхин] war Mitglied der KPdSU seit 1978. Nach einem Fernstudium Jura war Iljuchin Untersuchungsführer in der Seekriegsflotte, seit 1975 in Pensa. wo er 1984-1986 Stellvertreter des Staatsanwaltes wurde. 1986·1,989 arbeitete Iljuchin in der Generalstaatanwaltschaft der UdSSR. wo er mit der Untersuchung der Ereignisse im Nagorny Karabach, in Armenien, Aserbaidshan und Georgien beauftragt war. 1989 wurde er mit der Aufsicht über die Tätigkeit des KGB beauftragt. Am 4.11.1991 eröffnete er ein Strafverfahren gegen M.S. Gorbatschow wegen Vaterlandsverrats (Artikel 64 des Strafgesetzbuches der RSFSR). 1993-1994 war Iljuchin in die Auseinandersetzungen zwischen Präsident Jelzin und dem Parlament involviert. Ein von ihm wegen Verfassungsbruch eröffneteс Strafverfahren gegen Jelzin wurde durch den Einsatz des Militärs behindert. Seit Januar 1994 war er Deputierter der Kommunistischen Partei Rußlands in der staatlichen Duma. In Folge war er Initiator mehrerer Strafverfahren gegen Jelzin und Putin. Nachdem er am 10.2.2011 mit einer sensationellen Offenlegung über staatliche Fälschungen auftrat, starb er im März 2011 unter ungeklärten Umständen.


Quelle:
Ludo Martens: Stalin anders betrachtet, 2.durchgesehene Auflage, Zambon Verlag, 2013. S.6-14. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Zitate:
[1] Alexander Sinowjew: Les confessions d’un homme en trop. Olivier Orban Verlag, 1990, S.104,120. Interview Humo, 25.Februar 1993, S. 48-49.
[2] Mao Tse-tung: Ausgewählte Werke, Band V, Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing, 1978, S 384. (ergänzend dazu: Die Scheingefechte der MLPD
Über die Differenzen zwischen der Führung der KPdSU und der KP China)
[3] Klaus Hesse, Zur Geschichte der UdSSR und der KPdSU, Fragen zur historischen Wahrheit, zu den Quellen, zu Hintergründen der Siege, der Niederlagen und des Scheiterns, Teil 1.2, Der Große Vaterländische Krieg. Leipzig 2012, S.5f.

Siehe auch:
Ludo Martens: Die große Säuberung
Erinnerung an Ludo Martens
Russisch: Мартенс Людо: Другой взгляд на Сталина (Запрещенный Сталин)
Englisch: Ludo Martens: Amother view of Stalin


Nachbemerkung: Im Jahre 1994 brachte der EPO-Verlag der Partei der Arbeit Belgiens Ludo Martens’ Buch „Un autre regard su Staline“, das dann 1998 im gleichen Verlag in einer deutschen Übersetzung erschien unter dem Titel: Stalin anders betrachtet [1]. Diese Ausgabe kann man auch als pdf-Datei herunterladen:

Ludo Martens: Stalin anders betrachtet


Kurt Gossweiler schreibt in seinem Nachruf auf Ludo Martens:

Ludo Martens hat damit ein Standardwerk geschaffen, das dank seiner gründlichen Darstellung des Lebens und der historischen Leistungen Stalins sowie der detaillierten Aufzählung und Widerlegung der Verleumdungen Stalins und des Lügengebirges über ihn dem bulgarischen Kommunisten und Wissenschaftler Michail Kilew zufolge eine Herkulesarbeit darstellt, hatte der doch geschrieben:

„Man braucht viele Leute vom Schlage eines Herkules und die Umleitung mehrerer Flüsse, um die Geschichte der sozialistischen Revolution und des sozialistischen Aufbaus, damit also die Namen und das Werk Lenins und Stalins von den Bergen an Lügen und Verleumdungen zu reinigen… Ihre gigantische Arbeit wird den Völkern erlauben, die Erfahrungen und das revolutionäre Schöpfertum des sowjetischen Volkes kennen zu lernen und zu nutzen.“ [2]

Das ist eine treffende Würdigung der Leistung, die Ludo Martens mit diesem Buch hinterlassen hat, das noch viele Auflagen braucht, um mitzubewirken, die noch immer in den meisten kommunistischen Parteien vorherrschenden Chruschtschow-Lügen über Stalin endgültig und für immer auf den Misthaufen der Geschichte zu befördern.

[1] siehe: L.Martens: Stalin anders betrachtet.
[2] Michail Kilew, Chruschtschow und der Zerfall der UdSSR, in: Offensiv, Zeitschrift für Sozialismus und Frieden, Heft 7/10, S.178.

Quelle:
Kurt Gossweiler: Zum Gedenken an Ludo martens

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5 Antworten zu Ludo Martens: War Stalin ein „Massenmörder“ – oder war er die bedeutendste Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts?

  1. Achim Kessel schreibt:

    Hallo Sascha,

    in unserer Partei, wenn ich unsere sage, meine ich natürlich die SED, gab es meines Wissens, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt auch Auseinandersetzungen mit Mitgliedern, die die Partei reformieren wollten. Mir fallen aus dem Stegreif nur Bahro, Schirdewahn und Wollweber ein. Wie verhält es sich damit.

    Gruß Achim

    • sascha313 schreibt:

      Ja, genauso ist es, Achim. Später gab es die Auseinandersetzungen mit diesen Chruschtschowisten und Trotzkisten nicht mehr. Das hatte auch damit zu tun, daß die „führenden Genossen“ in der SU das ebenfalls nicht taten bzw. verhinderten. Wenn man heute öffentliche Äußerungen z.B. von Wollweber (1954) liest, wird die ganze Heuchelei deutlich. Er sagte nämlich:

      „Die Feststellung des Genossen Walter Ulbricht, daß sich die Arbeit der Organe der Staatssicherheit seit der Entfernung Zaissers verbessert hat, ist den Genossen in der Staatssicherheit Verpflichtung, nach diesem Parteitag in verstärktem Maße alles zu tun, um die Organe der Staatssicherheit in einen solchen Zustand der Kampfbereitschaft zu versetzen, daß sie auch unter den Bedingungen eines sich noch weiter verschärfenden Klassenkampfes und trotz großer Anstregungen feindlicher Zentren ihre Aufgaben erfüllen werden. Eine Voraussetzung dafür ist, die Folgen der Zaisserschen Politik restlos zu überwinden…“ usw. usw. (Protokoll der Verhandlungen des IV.Parteitages der SED vom 30. März bis 8. April 1954, 5.-8.Verh.Tag, Dietz Verlag Berlin, 1954, S.703)

      Woher nimmt er diese Worte? Es ist klar – er mußte im Gegensatz zu seiner persönlichen Meinung genau so reden, denn alle Augen waren auf ihn gerichtet. Vier Jahre später schrieb Kurt Gossweiler in sein Tagebuch: „An der Affäre Wollweber ist noch eines bemerkenswert, weil typisch: Der ‚Drang‘ der alten und neuen Trotzkisten, den Sicherheitsapparat in die Hand zu bekommen. In der SU: Jagoda, Jeschow und Berija. Kaum hatten sie bei uns diese Position mit der Absetzung von Zaisser verloren – schon präsentieren uns die falschen ‚Freunde‘ einen neuen Sicherheitsminister.“ (K.Gossweriler, Taubenfußchronik Bd.II, S.51.)

      Von Bahro, Havemann und Schirdewahn kann man ähnliches lesen. Sie hatten engste Verbindungen zu Moskau. Und Walter Ulbricht war damals klug genug, um diesen falschen „Leninisten“ nicht den geringsten Anlaß zu bieten, selbst in die Schußlinie zu geraten! Denn das hätte seine sofortige Absetzung zur Folge gehabt.

      • Achim Kessel schreibt:

        Guten Morgen Sascha,
        ich habe einige Publikationen zu diesem Thema aber eben immer nur zu den einzelnen Begebenheiten. Die Taubenfuß – Chronik wird es vervollständigen und ich denke dadurch werden die Zusammenhänge sichtbar.

        Gruß Achim

      • sascha313 schreibt:

        Hallo Achim, selbst wenn Du die zwei Bände nicht mit einem Mal liest – es ist ein Nachschlagewerk! Immer wenn die Bourgeoisie uns mal wieder einen „neuen Fall“ präsentieren will, wo der Sozialismus „totalitär“ gewesen ist, dann kann man im Namensverzeichnis nachschlagen und findet immer die richtige Antwort.😉 Gruß N.G.

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