Ist soziale Gleichheit überhaupt möglich?

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Die Sklavin und ihr Herr

Sind die Menschen nicht zu unterschiedlich, in ihrem Wesen, ihrem Charakter, ihren Ansprüchen und Lebensweisen? Kann man denn alle über einen Kamm scheren? In einem Schulbuch für die siebente Klasse des Gymnasiums steht beispielsweise: »Der gerechte Gott hat das Leben der Menschen folgendermaßen unterschiedlich gemacht: Die einen machte er zu Knechten, die anderen zu Herren.« [1] Das ist nun allerdings kein Buch aus dem 17. Jahrhundert, sondern ein aktuelles Geschichtsbuch der BRD. Zwar ist das nur ein Zitat, doch es scheint, als sei dies die oberste Maxime unserer Zeit. Über die allgemeine Verblödung im Kapitalismus hatten wir bereits geschrieben. [2] Ist soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit in unserer heutigen kapitalistischen Gesellschaft überhaupt möglich?

 Sehr oft hört oder liest man von jungen Leuten über ihre Zukunftswünsche: „Man müßte nur die richtige Geschäftsidee haben, dann könnte man sich selbständig machen“, so als sei das allein der Weg zu Glück und Reichtum. Ist das tatsächlich so? Ist die Selbständigkeit wirklich eine Chance für ein selbstbestimmtes, erfolgreiches Leben, oder ist sie nur eine illusion? Und wird es für die Menschheit jemals die langersehnte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit geben?  Sehen wir nun, was das Kleine Politische Wörterbuch der DDR dazu schreibt:

Wie ist das mit der sozialen Gleichheit?

Die allgemeine, wirkliche und völlige soziale Gleichheit der Menschen entsteht erst mit der Beseitigung des Privateigentums an Produk­tionsmitteln, mit der Herstellung des gesellschaftlichen Eigentums und seiner vollen Entfaltung, mit der voll­ständigen Beseitigung des Klas­senantagonismus und der wesentlichen Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie zwischen körperlicher und geistiger Arbeit, d.h. mit der Errichtunq des Kommunismus, in dem das Prinzip „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ herrscht. Alle Menschen haben in dieser Gesellschaft ein einheitliches sozialökonomisches Verhältnis zu den Produktionsmitteln sowie ihrem Charakter nach einheitliche Bedingungen der Arbeit und Verteilung. Die Verschiedenheit der Talente und der Tätigkeit der Menschen kann dann kein Vorrecht des Besitzes und Genusses mehr begründen.

… und wie ist das mit der Freiheit?

Mit der sozialen Gleichheit der Menschen ist auch ihre volle Freiheit verbunden, die sich vor allem in der Beherrschung und Ausnutzung der gesellschaftlichen Entwick­lungsgesetze, in der ständig wachsenden Beherrschung der Naturkräfte zum Nutzen aller Men­schen und in der Allseitigkeit der Entwicklung der schöpferischen Fähigkeiten der Menschen äußert.

Gleichheit und Freiheit schließen ein­ander nicht aus, sondern bedingen einander. Die Forderung nach Gleichheit, das Gleichheitsideal, hat im Kampf der werktätigen und unterdrückten Klassen und Schichten stets eine bedeutende Rolle gespielt. Es erwies sich, daß die Gleichheit eine Illusion ist, solange die werktätigen Massen besitzlos, ausgebeutet und unterdrückt sind. Erst die Arbeiterklasse gibt durch den Marxismus-Leninismus der Forderung nach Gleichhheit einen wissen­schaftlichen Inhalt.

Gibt es im Sozialismus soziale Gerechtigkeit?

Im Sozialismus wird die Gleichheit der Menschen in bezug auf ihr Verhältnis zu den Produktionsmit­teln und in bezug auf die politischen, staatsbürgerlichen Rechte verwirklicht, aber noch nicht hinsichtlich der Verteilung der mate­riellen Güter. In dieser Hinsicht wird die Forderung nach Gleichheit im Sozialismus durch den Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Lei­stung“ verwirklicht. Da die Menschen aber unterschiedliche Talente und Fähigkeiten, eine unterschiedliche private Lebenslage usw. haben, ergibt sich in der Verteilung noch Ungleichheit. Diese verschwindet erst mit dem weiteren Wachstum der Produktivkräfte und der Erzielung eines Überflusses an materiellen und geistigen Gütern im Kommunismus, der allen Menschen gestat­tet, nach ihren rationell verstandenen Bedürfnissen zu leben.

Warum ist heute keine Gleichheit möglich?

Die imperialistische Philosophie steht dem Gedanken der Gleichheit ablehnend gegenüber. Sie verleugnet damit auch die progressiven bürgerlich-demokratischen Traditionen. Konzentriert kommt die Ablehnung und Verfälschung des Kampfes um eine Gesellschaftsformation, die die wahre Gleichheit der Menschen gesetzmäßig hervorbringt, in den verschiedenen Spielarten der imperialistischen → Elitetheorie zum Ausdruck.

Quelle: Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin, S.253


Über die gesellschaftliche Elite

Die herrschende Ausbeuterklasse, die Bourgeoisie, hält sich selbst für eine auserwählte Klasse, für eine soziale „Elite“, für etwas Besseres. Angeblich seien es die Besten der Gesellschaft, denen die Herrschaft über die große Masse des Volkes zustünde. Doch mit welchem Recht? Ist es das Vorrecht der edleren Geburt, des höheren Standes, des Adels? Sind Herrschaftsprivilegien vererbbar? Keineswegs. Sie sind weder vererbbar, noch von einer Generation auf die andere übertragbar. Doch warum ist das so? Woher kommt deren Macht? Es sind die Privilegien des Besitzes. Wer über das Geld verfügt, die Produktionsmittel besitzt, die Fabriken, Maschinen und Anlagen, die Immobilien, das Kapital und den Grundbesitz, der hat auch die Macht. Das gilt für jede antagonistische Klassengesellschaft, von der Sklaverei über den Feudalismus bis hin zur Gegenwart – bis zum heute herrschenden Kapitalismus. Deshalb erfand die Bourgeoisie eine Elitetheorie, mit deren Hilfe sie ihr selbstgeschaffenes Vorrecht erklärt.

Was ist die Elitetheorie?

Die Elitetheorie betrachtet die gesellschaftliche Entwicklung als Werk einer Führungsschicht, deren privilegierte Stellung und Herrschaft über die Massen sie aus angeblich besonderen sozialen, natürlichen, geistigen oder sittlichen Qualitäten dieser Schicht herzu­ leiten versucht. Die Elitetheorie betrachtet die Massen als unselbständig, willenlos, leicht verführbar, zu selbständiger schöpferischer Leistung und geschichtsbildender Tätigkeit unfähig, als Objekt der Politik einer Elite.

Es geht um die Rechtfertigung der bürgerlichen Macht

Elitetheorien sind der Sache nach in den reaktionären Ideologien aller Ausbeuterklassen enthalten. Sie gewinnen immer dann an Bedeutung, wenn es gilt, die privilegierte Stellung der Eigentümer der Produktionsmittel und damit auch die politische Macht gegenüber dem Volk zu rechtfertigen und zu verteidigen. Die bürgerlichen Elitetheorien entstanden als Reaktion auf den Klassenkampf des Proletariats, als Form des ideologischen Kampfes der Bourgeoisie gegen die Arbeiterbewegung und gegen den zunehmenden Einfluß der marxistisch-leninistischen Weltanschauung.

Was behaupten die bürgerlichen Elitetheorien?

Sie propagieren autoritäre, hierarchisch gegliederte Gesellschaftssysteme, wie die sogenannte Repräsentativdemokratie, den faschistischen Ständestaat, die berufsständische Ordnung u.a. Jede revolutionäre Aktion der Massen wird von den Elitetheorien als „Einbruch des Urwaldes“ (Ortega y Gasset), als blinder Aufruhr, als sinnlos und widernatürlich diffamiert. In der Ideologie und Praxis des deutschen Faschismus offenbarte die Elitetheorie ihre antihumanistischen und barbarischen Züge am sichtbarsten. Nachdem die faschistische Elitetheorie in ihrer rassistischen Gestalt diskreditiert war, traten mit dem Wiedererstehen des Imperialismus und Militarismus in der westdeutschen Bundesrepublik religiös verbrämte Elitekonzeptionen des politischen Klerikalismus besonders hervor.

Was steckt eigentlich hinter den Elitetheorien?

Das von der Elitetheorie benutzte Einteilungsprinzip Elite-Masse basiert auf subjektiven Kriterien. Die Elitetheorie leugnet die Existenz objektiver gesellschaftlicher Gesetze, den Primat des gesellschaftlichen Seins gegenüber dem gesellschaftlichen Bewußtsein. Sie ignoriert die Tatsache, daß die Produktionsweise materieller Güter den Charakter und die Entwicklung der Gesellschaft bestimmt und daß demzufolge die unmittelbaren Produzenten materieller Güter die entscheidenden Träger der gesellschaftlichen Entwicklung und aller wichtigen historischen Ereignisse sind.

Quelle: Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin, S.165.


Anmerkungen:
[1] Geschichte und Geschehen, Klett-Verlag 2013, S.15
[2] Der Kapitalismus blockiert das Denken…

Siehe auch:
Was ist eigentlich ein Kollektiv?
Gemeinschaft und Kollektiv im Sozialismus
Der bürgerliche Staat und seine Schmarotzer
Leeres Gerede über die bürgerliche Freiheit
Warum ist der Kommunismus gut für die Menschen?

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