Ein Kompaß fürs Leben

lifedirectionWir alle bewegen uns in einer Zeit, die uns manche Rätsel aufgibt. Wir wissen oft nicht, wem man noch Glauben schenken kann. Von den Politikern werden wir umschmeichelt und belogen. Die alltäglichen Probleme scheinen uns aufzufressen, und wenn wir über die Situation in unserer heutigen Welt nachdenken, begleitet uns ständige Ratlosigkeit: Wie soll das einmal weitergehen? Womit soll das Drama einmal enden? Diejenigen, die etwas ändern könnten, verharren in einer gewissen Starre. Und diejenigen, denen das Schicksal am heftigsten mitgespielt hat, sind ohnehin kaum noch in der Lage, etwas daran zu ändern. Doch es gibt einen Kompaß, nach dem man sich richten kann, und der den Ausweg aus unserer heutigen sozialen Misere weist…

Wovon muß man ausgehen, wenn man unsere heutige Zeit verstehen will?

Wenn Marx und Engels vor allem durch die genaue Kenntnis der Wissenschaften ihrer Zeit und durch das gründliche Erforschen der kapitalistischen gesellschaftlichen Praxis nachgewiesen haben, daß die materielle Grundlage allen menschlichen Lebens die Produktionsweise ist, daß diese materielle Grundlage es ist, von der man ausgehen muß, um die Lebensweise, die Ideologien, die Kunst einer Gesellschaft in ihrer Zeit und vieles andere mehr richtig zu verstehen, so haben sie damit zugleich anhand der Praxis und in der Praxis auch die dialektisch-materialistische Anschauungsweise begründet.

Wie kann man unsere Gesellschaft beurteilen?

So wenig man den einzelnen nach dem beurteilen kann, was er sich selbst dünkt, kann man auch eine geschichtliche Epoche, das Handeln der Menschen in der Gesellschaft nicht nur aus den Ideen und Vorstellungen der Epoche her beurteilen, [1] sondern man muß ihre materiellen Grundlagen und die Entwicklungsgesetzmäßigkeiten derselben betrachten und von dort ausgehend die Kräfte finden, die den Fortschritt verkörpern.

Worin besteht das Wesen unserer Zeit?

Weiter: Wenn Marx begründet, daß die Menschen in ihrer gesellschaftlichen Produktion nicht willkürlich verfahren können, sondern „bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse eingehen, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen“ [2], so deckt er damit den inneren, gesetzmäßigen Zusammenhang der menschlichen gesellschaftlichen Entwicklung auf, der in jeder Zeit praktisch überprüft werden kann, so vielfältig auch die menschliche Geschichte ist.

Aussteiger haben wenig Chancen…

Keiner kann sich seiner Zeit entziehen, er wird in eine bestimmte Gesellschaft mit ganz bestimmten entwickelten Produktivkräften, denen wiederum bestimmte Produktionsverhältnisse entsprechen, hineingeboren. Nur unter diesen materiellen Bedingungen kann er sein Leben gestalten, ob er das will oder nicht.

Die Gesellschaft spaltet sich in Klassen

Und noch eine weitere Wahrheit ist mit dieser Entdeckung verbunden: Alle bisherige Geschichte. von der Urgemeinschaft abgesehen, ist eine Geschichte der Klassen und von Klassenkämpfen, die sich notwendig aus den verschiedenen Produktionsweisen ergeben.

„Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander. führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen.“ [3]

Welche Chance bietet der Kapitalismus?

Erst die kapitalistische Produktionsweise schafft die Voraussetzungen, unter denen Ausbeutung und Unterdrückung ein für allemal überwunden werden können. Sie bringt die Klasse hervor, die diese historische Aufgabe meistern kann, die Arbeiterklasse. Diese Klasse ist mit der industriellen Großproduktion verbunden und entwickelt sich mit ihr. Aufgrund seiner Situation in der Gesellschaft seiner Lage als ausgebeutete Klasse, die über kein Eigentum an Produktionsmitteln verfügt, deren Angehörige zwangsläufig in großer Zahl konzentriert und diszipliniert arbeiten müssen, bekommt das Proletariat im täglichen harten Existenzkampf zu spüren, was seine gemeinsamen Interessen sind, und erkennt diese dann schließlich auch.

Wozu braucht das Proletariat eine wissenschaftliche Weltanschauung?

So ist das Proletariat aufgrund seiner materiellen Lage zum revolutionären Handeln geschichtlich berufen. „Es handelt sich nicht darum. was dieser oder jener Proletarier oder selbst das ganze Proletariat als Ziel sich einstweilen vorstellt. Es handelt sich darum. was es ist und was es diesem Sein gemäß geschichtlich zu tun gezwungen sein wird“, schrieben Marx und Engels 1844. [4] So können wir den Kreis unserer Gedanken wieder schließen: Die Philosophie der Arbeiterklasse, der dialektische und historische Materialismus, ist eine Wissenschaft, weil die Klassiker dieser Theorie diese entsprechend den Gesetzen der Wissenschaft erforscht begründet und anhand der Praxis geprüft haben.

Warum ist der Marxismus-Leninismus die Grundlage allen Fortschritts?

Der Marxismus-Leninismus kann deshalb auch die theoretische Grundlage für richtiges gesellschaftliches Handeln in unserer Epoche, für die Strategie der um den Frieden und Fortschritt kämpfenden kommunistischen und Arbeiterparteien sein. Als solche ist sie bereits für das Leben, Wohlergehen und Glück jedes einzelnen von unschätzbarer Bedeutung. Sie vermag aber – gerade deshalb – auch dem einzelnen Sicherheit im persönlichen Leben zu geben, ihn zu orientieren, seine Grundhaltung zu prägen, ihn in seinen Entscheidungen zu leiten, ihm erreichbare und anzustrebende Ziele zu weisen.

Ist Philosophie nur eine reine „Glaubenssache“?

Je besser wir es verstehen, uns diese Weltanschauung so anzueignen, wie sie ist, eine revolutionäre, die Praxis verändernde Theorie, je mehr wir sie in unserem eigenen praktischen Handein erproben, ein desto sicherer Kompaß wird sie für den einzelnen sein. Nun gibt es immer wieder bürgerliche Philosophen und Politiker, die erklären, in der Philosophie ginge es um Glauben, um Auffassungen von der Wirklichkeit und vom Leben, die objektiv nicht überprüfbar sind. Wer das eine glaube, könne das andere nicht glauben, und wer recht habe, ließe sich wissenschaftlich nicht beweisen. Das stimmt im Hinblick auf viele der heute existierenden Philosophien. Aber daraus zu schließen, dann sei auch der dialektische und historische Materialismus nichts anderes als philosophischer Glaube, entspringt den vergeblichen Versuchen derer, die ein Interesse daran haben, uns diese Wahrheit auszureden. Das tun sie aus verständlichen Gründen: Wir sollen dem dialektischen und historischen Materialismus mißtrauen, sollen unsicher werden, ob seine Aussagen richtig sind und ob man sie im Leben gebrauchen kann.

Bürgerliche Ideologien tragen zur Verblödung bei…

Bekanntlich setzen gerade in der Gegenwart die herrschenden Kreise der USA. der BRD und anderer kapitalistischer Länder erhebliche finanzielle und materielle Mittel ein, um mit modernen technischen Einrichtungen, mit den Massenmedien des Rundfunks und des Fernsehens den ideologischen Kampf gegen den Sozialismus zu führen, Zweifel an der Wissenschaftlichkeit des dialektischen und historischen Materialismus zu säen und zu nähren gehört dabei zu den wichtigsten Zielen dieses Kampfes.

Warum brauchen wir eine wissenschaftliche Weltanschauung?

Gerade in diesem Zusammenhang ist es gut auch über die andere Seite der Medaille nachzudenken: warum die Philosophie, in der die Lebensinteressen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen weltanschaulichen Ausdruck finden, nur eine wissenschaftliche Philosophie sein kann? Könnten diese Interessen nicht auch in philosophisch anderer. nichtwissenschaftllcher Form ausgedrückt werden, zum Beispiel in der Form irgendwelcher philosophischer Glaubenssätze? Ist es vieIleicht nicht sogar einfacher, Glaubenssätze zu verkünden. Warum muß denn die Philosophie der Arbeiterklasse unbedingt verläßliches und wissenschaftlich bewertbares Wissen sein?

Diese Frage läßt sich leicht beantworten. Der Kampf der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten fur den Sozialismus, für eine menschliche, friedliche Welt laßt sich nur erfolgreich führen, wenn er bewußt. planmäßig und zielstrebig geführt wird. Das kann man nur auf wissenschaftlicher Grundlage. Die Erkenntnisse der Naturwissenschaften und der Gesellschaftswissenschaften sind dazu ebenso unerläßlich wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse von den allgemeinen, in Natur, Gesellschaft und Denken gleichermaßen gültigen Entwicklungsgesetzen, die die Philosophie untersucht.

Welche Philosophie ist nun die richtige?

Die Frage, welche Philosophie die richtige Philosophie für den einzelnen ist, welche philosophischen Auffassungen nicht nur für soziale Klassen und für die ganze Gesellschaft wichtig und nützlich sind, sondern auch für den einzelnen, für sein Leben, für seine Zukunft, läßt sich nicht von der Frage nach dem Klassencharakter einer Philosophie trennen. Die Klasseninteressen der Arbeiterklasse erfordern auch in der Weltanschauung uneingeschränkt und ohne jeden Kompromiß die wissenschaftliche Wahrheit. „…je rücksichtsloser und unbefangener die Wissenschaft vorgeht, desto mehr befindet sie sich im Einklang mit den Interessen und Strebungen der Arbeiter“ schrieb Friedrich Engels im Jahre 1886 [5] Das gilt immer noch und wird weiterhin gelten.

Ein Kompaß fürs Leben

Jeder hat eine Weltanschauung, sei sie illusionärer oder wissenschaftlicher Natur. Weltanschauung – das ist die Auffassung der Menschen vom Wesen und vom Charakter der Welt als Ganzes, von den allgemeinen Zusammenhängen der Dinge und Erscheinungen in der Welt. von der Stellung des Menschen in der Welt, von seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten, von den Werten der menschlichen Kultur und von den allgemeinen Erfordernissen und Regeln menschlichen Verhaltens und Zusammenlebens.

Was wir auch immer beruflich tun, welche gesellschaftlichen Aufgaben wir haben, welche Interessen uns bewegen, welche Ziele wir uns im Leben setzen – ohne Überblick, ohne umfassende geistige Orientierung erreichen wir weniger oder verfehlen so manches Ziel.

Quelle:
Herbert Steininger: Was nützt mir Philosophie? Dietz Verlag Berlin, 1984, S.54-60.

Zitate:
[1] Siehe Karl Marx: Zur Kritik der Politischen Ökonomie. Vorwort. In: MEW. Bd. 13. S.9.
[2] ebd. S.8. 
[3] Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. In: MEW, Bd.4. S.462.
[4] Friedrich Engels/Karl Marx: Die heilige Familie. In: MEW Bd.2, S.38. 

[5] Friedrich Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie In: MEW, Bd.21, S.307.

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