Die Renegaten und der Kommunismus

Renegat

DER RENEGAT

Als einen Renegaten bezeichnet man einen Abtrünnigen, einen Überläufer, der zur entgegengesetzten Partei oder Front übergeht. Ein Renegat verleugnet seine bisherige politische Überzeugung oder seinen bisherigen Glauben und kehrt denjenigen den Rücken, auf deren Seite er bisher gestanden hatte. Nach 1990 nannte man das auch „Wendehals“. Mitunter waren solche Figuren in ihrer Vergangenheit sogar – wie man so sagt – „Hundertfünfzigprozentige“, die keinerlei Kompromisse duldeten, die vermeintliche Abweichler mit drastischen Strafen bedrohten oder belegten, die selber den Eindruck zu erwecken suchten, Gralshüter der von ihnen vertretenen Weltanschauung zu sein. Lesen Sie hier über Renegaten in der kommunistischen Bewegung:

Warum wird einer zum Renegaten?

Man kann darüber spekulieren, warum sich jemand von seinen ehemaligen Klassengenossen abwendet. Die Gründe können sehr verschieden sein. Mal ist es Eitelkeit, mal verletzter Stolz, mal sind es Rachegelüste oder karrieristische Motive, mal ist es Selbstbetrug oder auch nur simple Unkenntnis der Tatsachen. Und es ist auch nicht ausgeschlossen, daß Manipulierung dabei im Spiel ist, daß die Gegenseite mit ihren Verführungskünsten bei dem Betroffenen auf fruchtbaren Boden traf. Auch ist Bestechlichkeit nicht selten.

Und noch etwas: Man darf auch nicht vergessen, wie viele Philister es 1989 gegeben hat, die gleich nach der Öffnung der Grenzen ihr Parteibuch weggeworfen und mit anderen mitgebrüllt haben: „Stasi in die Produktion“. Sie reden heute noch davon, wie sie in der DDR „immer nur belogen“ wurden. Diese Leute sind nicht weniger schlimm als diejenigen, die letztenendes die Schuld an der Konterrevolution tragen. Auch das verdeutlicht die Banalität des kleinbürgerlichen Denkens…

Woran erkennt man einen Renegaten?

Natürlich ist es nicht schwer, einem Renegaten solches nachzuweisen, sofern die Widersprüchlichkeit seiner eigenen Positionen gar zu offensichtlich ist. Ebenso ist es auch nicht schwer, wenngleich erheblich mühevoller, wenn man beweisen will, daß die Gedankenkonstruktion eines Renegaten auf sachlichen oder logischen Fehlern, auf Irrtümern oder gar auf Lügen beruht. Der Betrug ist jedenfalls erkennbar: Es sind Antikommunisten im roten Gewand.

Beispiel eines Renegaten: Prof.Dühring

Es gibt in der Geschichte zahlreiche Beispiele, wo es nötig war, sich mit Renegaten und deren Gefolge auseinanderzusetzen. Ein klassisches Beispiel dafür lieferte Friedrich Engels mit seinem Werk „Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft (Anti-Dührung)“. August Bebel schreibt darüber in seinen Erinnerungen:

„Dühring war es gelungen, fast die gesamten Führer der Berliner Bewegung für seine Theorien einzunehmen. Auch war er der Ansicht, daß jede schriftstellerische Leistung, die, wie die Dühringschen Arbeiten, dem bestehenden Sozialzustand scharf zuleibe ging und sich für den Kommunismus erklärte, aus agitatorischen Gründen unterstützt und für uns ausgenutzt werden müsse.“ [1]

Rechter Antikapitalismus = linker Antikapitalismus?

Gerade darin besteht die Schwierigkeit. Wenn Zwei das gleiche tun, so ist es noch lange nicht dasselbe. Mögen beide auch den gleichen Feind haben, so werden sie dennoch nicht einander Freund sein können. Das war auch einer der Gründe, warum sich Engels mit Marxens Unterstützung vehement gegen die Entstellungen der dialektisch-materialistischen Weltanschauung durch den Herrn Professor Dühring wandte und dessen Theorien schließlich gründlich widerlegte.

Renegaten in einer linken Partei

Ähnlich ist es mit den Renegaten in der sogenannten „Linkspartei“ und der DKP, die zwar gegen den Kapitalismus auftreten, angeblich auch für den Kommunismus seien, die aber in Wirklichkeit revisionistische oder bürgerliche Ansichten vertreten. So schrieb z.B. ein gewisser Professor Herbert Münchow in einem Leserbrief an die Zeitung „junge Welt“:

„Ich erkläre, daß ich mich als Mitglied der DKP mit Steigerwald solidarisiere. Der Streit, um den es hier geht, ist wahrlich grundsätzlicher Art. Provoziert wurde er durch Aufsätze und Artikel, die ganz offensichtlich bewußt die sehr wichtige Lehre des »Kurzen  Lehrgangs« ignorieren, daß die »Partei (…) zugrunde (geht), wenn sie ihre Fehler verheimlicht, wunde Punkte vertuscht, ihre Unzulänglichkeiten bemäntelt, indem sie ein falsches Bild wohlgeordneter Zustände zur Schau stellt, wenn sie keine Kritik und Selbstkritik duldet, sich von dem Gefühl der Selbstzufriedenheit durchdringen läßt, sich dem Gefühl der Selbstgefälligkeit hingibt und auf ihren Lorbeeren auszuruhen beginnt« (Berlin 1951, S. 449). Der XX. Parteitag der KPdSU war dieser Lehre ein Stück näher gekommen, obwohl er insgesamt noch sehr inkonsequent gewesen ist.“ [2]

Wie war das mit Steigerwald und dem dem XX.Parteitag?

Nun muß man allerdings wissen, wer dieser Steigerwald ist, und man muß die Geschichte kennen. Steigerwald war ein Revisionist wie er im Buche steht. Mit ihm hatte schon der Kommunist Kurt Gossweiler das zweifelhafte Vergnügen. [3] Auch hat die Geschichte gezeigt, daß der XX.Parteitag der KPdSU der Anfang vom Ende des Sozialismus im Weltmaßstab war. Und Chruschtschow war eben ein Revisionist, genauer gesagt: Er war ein Antikommunist. [4] Ihm und seinen „sauberen“ Kumpanen haben wir den abgrundtiefen Haß auf Stalin zu „verdanken“, vom ihm (nicht nur!) stammen alle Verleumdungen und der Schmutz, der in den letzten Jahrzehnten über dem Kommunismus ausgeschüttet wurde.

Lügen haben kurze Beine

Nicht nur, daß Münchow die zitierte Stelle aus dem „Kurzen Lehrgang“ verfälscht und aus dem Zusammenhang reißt, indem er sie für einen Verräter mißbraucht, sondern er beraubt die Geschichte des Sozialismus zugleich um wesentliche Erfolge und Errungenschaften. Liest man, was derselbe Professor im „Marxistischen Forum“ (Heft 65, S.44) von sich gibt, so wird klar, auf wessen Seite dieser Mann steht. Münchow schreibt: „Der Versuch, unter Rückgriff auf Stalin, Bernstein und Kautsky den organisierten Kommunismus zu erneuern, muß in einer tödlichen Sackgasse enden.“ Was hat Stalin mit den Revisionisten Bernstein und Kautsky gemeinsam? Nichts. Doch demagogisch stellt Münchow sie auf die gleiche Stufe.

Der „bauernschlaue“ Nikita

Weiter (ebd. S. 47) zitiert er W.Markov mit dessen Worten, denen er sich anschließt: „Nikita Sergejewitsch (Chruschtschow, N.G.) war bei aller staatsmännischer Begrenztheit der Mann, der die Lagertore öffnete und Hunderttausenden, wenn nicht Millionen Freiheit oder wenigstens die Ehre zurückerstattete. Als solcher ist er, der dem praktizierten Sozialismus sein menschliches Gesicht wiedergab, in die Erinnerung meiner Generation eingegangen… mußte er sich sehr auf seine ‚Bauernschläue‘ verlassen…“ Wie bitte??? Welche Tore hat dieser „bauernschlaue“ Nikita denn sonst noch geöffnet, wenn nicht zu allererst dem Imperialismus das Einfallstor in den Sozialismus. Und „Sozialismus mit menschlichen Gesicht“, haben wir das nicht schon mal irgendwo gehört – „demokratischer Sozialismus“??? Ein typische Parole des Antikommunismus!

Ja, wir werden Grenzen ziehen müssen…

Ferner (und noch schärfer – ebd.S.50) schreibt Münchow: „Die marxistische Partei wird zur Gewährleistung ihrer politischen Souveränität Grenzen ziehen müssen. Sie kann nicht zulassen, daß J.W. Stalin – vielleicht noch als ‚vierter Klassiker‘ – zur Gallionsfigur einer kommunistischen Erneuerung gemacht wird. Wer heute noch den gewaltigen Mißbrauch des Vertrauens des sowjetischen Volkes durch Stalin mit allen seinen folgenschweren Konsequenzen leugnet, ist politisch zutiefst unglaubwürdig.“ Ja, die Kommunisten werden Grenzen ziehen müssen. Aber nicht zwischen Stalin und der KPdSU, sondern zwischen dem Marxismus und diesen Renegaten.

Grenzen zwischen dem Kommunismus und seinen Verleumdern

Von Renegaten muß die Partei sich abgrenzen. Und dieser Münchow ist und bleibt ein Renegat. Was er schreibt, ist reiner, unbegründeter und emotionaler Anti-Stalinismus und eine dreiste Verleumdung der historischen Rolle des Führers des sowjetischen Proletariats im Kampf gegen den Imperialismus, im Kampf gegen den deutschen Faschismus bis hin zu seiner Überwindung. Das ist Schönrednerei der Chruschtschowschen Verbrechen des Verrates der Sowjetunion und der Preisgabe des Sozialismus an den US-amerikanischen Imperialismus. Und deshalb gilt auch heute noch:

„Bevor man sich vereinigt und um sich zu vereinigen“, schrieb Lenin schon im Herbst des Jahres 1900, „muß man sich zuerst entschieden und bestimmt voneinander abgrenzen.“ [5]

…und zwar zuallererst von diesen Renegaten!

Zitate:
[1] August Bebel: Aus meinem Leben. Dietz Verlag, Berlin,  1947, Bd.II, S.517.
[2] „junge Welt“ vom 5./6. Januar 2008: Leserbrief „Nicht hinnehmen“ von Herbert Münchow, Leipzig.
[3] Kurt Gossweiler: Briefe an Robert Steigerwald. Nachzulesen unter: Kurt Gossweiler „Politisches Archiv“ (http://kurt-gossweiler.de/?p=872)
[4] Siehe: Eine verbrecherische Rede
[5] W.I. Lenin: Was tun? In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1955, Bd.5, S.377.

images Die Renegaten und der Kommunismus


Siehe auch:
Dreiste Fälschung und freche Unterstellungen
Wenn Renegaten die Linkspartei beraten…

Gegen den Antikommunismus im roten Gewand

Dieser Beitrag wurde unter Marxismus-Leninismus, Meine Heimat DDR, Wider den Antikommunismus! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Die Renegaten und der Kommunismus

  1. Pingback: Wenn Renegaten die Linkspartei beraten… | Sascha's Welt

  2. Pingback: Eine trotzkistische Brecht-Interpretation | Sascha's Welt

  3. Dr. Burkhardt schreibt:

    Ja, auch ich habe viele nach der Wende getroffen, die ihr Fähnchen nach dem Wind drehten. Bei der Beurteilung von Sachverhalten gibt es drei intellektuelle Stufen: Meinungen, Standpunkte und Überzeugungen. Überzeugungen sind am stabilsten. In der DDR wurde es vielen zu leicht gemacht, mit auswendig gelernten Phrasen, Karriere zu machen. Am meisten bin ich enttäuscht von ehemaligen Gesellschaftswissenschaftlern (nicht von allen), die heute keine politische Meinung mehr haben oder sich auf der entgegengesetzten befinden.
    Dr. Reiner Burkhardt

    • sascha313 schreibt:

      Das sind traurige Gestalten! Sie haben ihre Meinungen so wie es gerade opportun ist. Und sie hätten ja auch heute nichts zu befürchten… Wie sagte schon Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799): „Nichts kann mehr zu einer Seelenruhe beitragen als wenn man gar keine Meinung hat.“ (G.C.Lichtenberg, Aphorismen, Essays, Briefe, Lepzig 1970, S.76.) Das zeigt aber auch, in welcher geistigen Umnachtung sich diejenigen befinden, die selbst noch an offenkundigen Irrtümern festhalten.

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