Der Marxismus als Grundlage der Pädagogik

pedagogikDer dialektische und historische Materialismus (kurz: der Marxismus) ist eine wissenschaftliche Weltanschauung. Und nur auf wissenschaftlicher Grundlage kann man die Welt erkennen und zum Wohle der arbeitenden Menschen verändern. Doch gerade das will die herrschende Ausbeuterklasse, die Bourgeoisie,  mit aller Macht verhindern. Denn sie lebt auf Kosten der Arbeiter. Und so halten russische Popen als Lakaien der Bourgeoisie, um ihren Einfluß auf die Erziehung geltend zu machen, bereits in aller Öffentlichkeit Vorträge darüber, wie wichtig die Religion ist. Mathematik sei zum Beispiel äußerst schädlich für die kindliche Entwicklung, da sie das logische Denken zerstöre. Das ist nur ein Beispiel für die systematische Verblödung, die sich in den Ländern des Kapitalismus vollzieht…

Wozu brauchen wir den Marxismus?

Die geniale Leistung von Marx und Engels bestand nicht nur darin, daß sie den dialektischen und historischen Materialismus begründeten. Von ebensolcher Bedeutung war, daß Marx und Engels im Proletariat die Klasse entdeckten, die als einzige dazu berufen und befähigt ist, die Gesellschaft zu revolutionieren, den Kommunismus zu verwirklichen. Marx und Engels sahen ihre wichtigste Aufgabe stets darin, die revolutionäre Theorie mit der Arbeiterklasse zu verbinden und die proletarische Partei zu schaffen: „Die Theorie wird zur materiellen. Gewalt, sobald sie die Massen ergreift.“ [1] Darin ist bereits ein wesentlich pädagogisches Moment enthalten: Die große erzieherische Aufgabe der revolutionären Arbeiter, ihre Klassengenossen mit der revolutionären Theorie auszurüsten und sie zu bewußten Klassenkämpfern heranzubilden.  In diesem Sinne schrieb Marx, „daß der aufgeklärteste Teil der Arbeiterklasse sich vollauf dessen bewußt ist, daß die Zukunft seiner Klasse und folglich der Menschheit ganz und gar von der Erziehung der heranwachsenden Arbeitergeneration abhängt.“ [2]

Der Schlüssel für das Verständnis der Welt

Die Lehre von Marx und Engels, der dialektische und historische Materialismus, ist von größter Bedeutung für die Pädagogik. Indem er die Entwicklungsgesetze von Natur und Gesellschaft aufdeckt, indem er als einzige Philosophie die objektive Realität unverzerrt widerspiegelt, gibt er zum ersten Male die Möglichkeit, eine Wissenschaft von der Erziehung zu schaffen, die die gesellschaftliche Bedeutung, das Wesen und die Gesetze der Erziehung richtig erkennt und in der Lage ist, den vielgestaltigen erzieherischen Prozeß nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu lenken und zu leiten. Marx legte damit dar, daß Art und Weise der gesellschaftlichen Produktion die Bewußtseinsinhalte bestimmen, daß in ihr der Schlüssel für das Verständnis, aber auch für die Veränderung aller gesellschaftlichen Verhältnisse zu finden ist.

Für die Pädagogik bedeutet das, daß auch die erzieherischen Prozesse wie die pädagogischen Ideen keine unabhängigen, absoluten Erscheinungen sind. Sie haben ihre Grundlagen und ihre Wurzel letzten Endes in der Produktionsweise der entspechenden Epoche. Jede Erscheinung auf pädagogischem Gebiet kann in letzter Instanz nur verstanden werden aus den in der Struktur der ökonomischen Basis liegenden Ursachen. Inhalt und Formen der erzieherischen Prozesse und der pädagogischen Ansichten werden von hier aus bestimmt. Die Erziehung ist als Bestandteil des vielgestaltigen und komplizierten gesellschaftliehen Prozesses eine gesellschaftliche Erscheinung.

Die Pädagogik ist eine Gesellschaftswissenschaft. Aus der Tatsache, daß jede pädagogische Erscheinung letzten Endes nur als Wirkung ökonomischer Ursachen verstanden werden kann, ergibt sich der oberste Gesichtspunkt für die Beurteilung pädagogischer Theorien und Maßnahmen: Entscheidend ist, ob diese oder jene pädagogische Erscheinung die Entwicklung der Produktivkräfte fördert oder hemmt.


Wer treibt die Entwicklung voran?

Die zweite große Entdeckung von Marx und Engels besteht in der Erkenntnis, daß die gesamte bisherige Geschichte (mit Ausnahme der Urgesellschaft) die Geschichte von Klassenkämpfen gewesen ist, daß die Klassenkämpfe, auf der Grundlage der Widersprüche zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen entstanden, die vorwärtstreibende Kraft der Geschichte sind. Im Zusammenhang damit wiesen Marx und Engels nach, daß die Bewußtseinsformen, die Ideen und Theorien als Bestandteile des ideologischen Überbaus in der Klassengesellschaft mit Notwendigkeit Klassencharakter annehmen müssen. Die ökonomisch herrschende Klasse ist gleichzeitig die ideologisch herrschende. Sie erhebt ihre Ideologie zur herrschenden Ideologie.

„Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, das heißt die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht. Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, so daß ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die :M:ittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen sind.“ [3]

Für die Pädagogik lassen sich daraus wichtige Folgerungen ableiten: In der Klassengesellschaft tragen Erziehung und Pädagogik Klassencharakter. Es kann keine über den oder außerhalb der Klassen stehende Erziehung geben. Die Erziehung ist ein wichtiges Mittel des Klassenkampfes; die verschieden Klassen verfolgen auf pädagogischem Gebiet ihre eigenen, klassenbedingten Interessen; die Erziehung wird zum Schauplatz des Klassenkampfes. Der Charakter des herrschenden Erziehungssystems wird stets von der herrschenden Klasse bestimmt.

Da die Erziehung als gesellschaftliche Erscheinung in ganz bestimmter Weise von anderen gesellschaftlichen Prozessen (Produktion, Klassenkampf) abhängt und mit ihnen in Wechselwirkung steht, ist sie nicht allmächtig, ihre Wirksamkeit wird hestimmt und he grenzt durch die jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse. Damit gibt die Lehre von Marx und Engels die Möglichkeit, die Aufgaben, aber auch die Grenzen der Wirksamkeit der Erziehung, ihre Rolle und ihre Bedeutung im gesamten historischen Entwicklungsprozeß der Gesellschaft zu erkennen und zu bestimmen.


Man muß die Dinge im Zusammenhang sehen…

Ein drittes wesentliches Moment in der Lehre von Marx und Engels ist die Anwendung der dialektischen Methode. Die Begründer des Marxismus wiesen nach, daß sich die Entwicklung auf allen Gebieten in Widersprüchen und eben durch diese allen Erscheinungen innewohnenden Widersprüche vollzieht, daß die Entwicklung revolutionär ist. Sie überwanden damit nicht nur die alten metaphysischen Weltanschauungen, sondern auch die bürgerlich-liberalistische Vorstellung von einer ruhigen, stetigen, kontinuierlichen Entwicklung.

Der Marxismus zeigt, daß der Untergang der kapitalistischen Gesellschaftsordnung unvermeidlich ist. Mit ihr werden auch die ihr entsprechenden Institutionen und Ideen verschwinden. Es ändern sich nicht nur die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Verhältnisse, sondern auch die politischen, moralischen, pädagogischen Ansichten.

Pädagogik und Erziehung entwickeln sich ständig weiter, verändern sich, wandeln mit der Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse Inhalt und Form. Auch auf pädagogischem Gebiet gibt es keine ewigen, unveränderlichen Kategorien. Die pädagogischen Systeme und Anschauungen und die erzieherischen Institutionen sind Produkte ihrer Zeit und werden mit der Änderung der ökonomischen Basis selbst umgestaltet. Marx und Engels wiesen insbesondere auf die Vergänglichkeit und Klassenbedingtheit der als ewig und zeitlos proklamierten bürgerlichen Moral hin, die in der bürgerlichen Schule den Kindern der Werktätigen als allgemeinmenschliche und zeitlose sittliche Norm eingeimpft wird.

Die drei angeführten Gesichtspunkte hilden nur drei Seiten in der untrennbaren Einheit und Geschlossenheit der Lehre von Marx und Engels. Sie zeigen, daß der dialektische und historische Materialismus die Grundlage für eine neue, auf höherer Stufe stehende pädagogische Wissenschaft ist.

Quelle:
Geschichte der Erziehung. Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1957, S.304-306.

Zitate:
[1] K.Marx/F.Engels: Die heilige Familie. Dietz Verlag, Berlin 1953, S.20.
[2] Marx-Engels-Gesamtausgabe, I.Abt. Bd.V, Berlin 1931, S.199.
[3] K.Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie. Dietz Verlag, Berlin 1951, S.13.
[4] K.Marx/F.Engels: Die deutsche Ideologie. Dietz Verlag, Berlin 1953, S.44.

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