Die Verblödung kommt aus den USA

Effel Welt

Jean Effel – Die Erschaffung der Welt (Kommentar eines kommunistischen Zeichners und Satirikers)

Vor einigen Jahren, genauer: am 20. Februar 2009, fand in Dortmund eine interdisziplinäre wissenschaftliche Konferenz statt, die Problemen des Unterrichts über die Evolution und die Beziehungen der Europäer zur Wissenschaft überhaupt und zur Evolution insbesondere gewidmet war (Attitudes and Knowledge concerning Evolution and Science in Europe, AKESE). Die Gesellschaft steht auf dem Standpunkt, daß der Kreationismus kein „rein amerikanisches Problem“ ist. Umfragen und Überprüfungen hatten ergeben, daß in Europa vom Hauptgrund für die Ablehnung der Evolution nicht (wie in islamischen Ländern) in der Religiosität zu suchen ist, sondern im fehlenden Verständnis für grundlegende Prinzipien der Wissenschaft und der Methodologie der wissenschaftlichen Erkenntnis bei Studenten, Lehrern und „breiten Schichten der Bevölkerung“. In einer Reihe von den Ländern trägt dazu der Umstand bei, daß die Schüler schon in den unteren Schulklassen die religiöse Bildung erhalten, und Biologie und andere naturwissenschaftliche Fächer erst viel später unterrichtet werden, so daß viele ihnen schon als überzeugte Kreationisten in den Unterricht kommen.

Die Popularität des Kreationismus in Europa erklärt sich nicht durch die Religiosität, sondern durch die gravierende Unbildung der Schüler und Studenten

Alexander Markow

Man muß kein hochqualifizierter Biologe sein, um feststellen zu können, wieviel Dummheit dazu gehört, wenn es heutzutage noch Leute gibt, die an der Evolution zweifeln. Wo doch die Evolutionsbiologie stets neue und bislang unerreichte Erfolge zu verzeichnen hat, und die Beweise für die Evolution, die von Genetikern, Molekularbiologen, Paläontologen, Embryologen, vergleichenden Anatomen usw. kommen, so zahlreich, so vielfältig und so unbestreitbar sind, daß es völlig unmöglich ist, dies nicht zu zu sehen und zu verstehen.

Mehr als die Hälfte der US-Amerikaner verneinen die Evolution

Es ist nicht ausgeschlossen, daß wegen dieser so offensichtlichen Unbestreitbarkeit der Tatsache der biologischen Evolution die europäische wissenschaftliche Gesellschaft so lange darauf verzichtete, sich ernsthaft mit der Bedrohung durch die Verbreitung des Kreationismus in Europa auseinanderzusetzen. Viele haben sich daran gewöhnt, den Kreationismus für eine „rein amerikanisches Problem“ zu halten. Tatsächlich haben die regelmäßig in den USA durchgeführten Umfragen gezeigt, daß mehr als die Hälfte der amerikanischen Bürger die Evolution verneinen. Und es ist auch kein großes Geheimnis, daß dies direkt mit der unversöhnlichen Haltung der protestantischen Kirchen verbunden ist, die besonders in den Südstaaten der USA einen sehr großen Einfluß auf das Bewußtsein der Amerikaner haben.

Gezielte Verblödung auf höchster politscher Ebene

Doch haben die Kreationisten in den letzten Jahre auch in einer Reihe von europäischen Ländern damit begonnen, sich auf höchster Ebene lautstark bemerkbar zu machen. Natürlich ist mit der „höchsten Ebene“ nicht die der wissenschaftlichen Hierarchie gemeint, sondern die politische (wer allerdings Politikern und Journalisten das Recht gibt, sich zu Fragen zu äußern, die genau genommen zum Kompetenzbereich der Wissenschaft gehören, ist eine andere Frage).

Zum Beispiel hat die Regierung von Silvio Berlusconi 2004 versucht, den Unterricht in der Evolutionslehre an italienischen Schulen zu verbieten. 2006 hat der stellvertretende Bildungsminister Polens, Mirosław Orzechowski, die Evolution als „Lüge“ bezeichnet. Und 2007 hat sich die Kultusministerin des Bundeslandes Hessen (BRD), Karin Wolff, für den Unterricht in Kreationismus an den Schulen eingesetzt.

Umfragen erbrachten beunruhigende Ergebnisse

Gesamteuropäische soziologische Forschungen gibt es dazu bisher nicht, doch auf einer Konferenz wurden sehr beunruhigende Ergebnisse von Umfragen vorgestellt, die in einigen Ländern zu diesem Thema durchgeführt wurden. Nach Meinung des Organisators der Konferenz, Professor Dr. Dittmar Graf haben die an der Dortmunder Technischen Universität vorgestellten Ergebnisse überzeugend bewiesen, daß der Kreationismus nicht nur ein amerikanisches Problem ist.

Wie sich zeigt ist der Kreationismus sogar in der Heimat von Charles Darwin ziemlich stark verbreitet. Eine Umfrage, die im Dezember 2008 unter 923 Schullehrern Englands und Wales durchgeführt wurde, hat ergeben, daß 37 % der Lehrer die Idee eines Unterrichts in Kreationismus neben der Evolution unterstützen. Sogar unter Biologielehrern und Lehrern anderer naturwissenschaftlicher Fächer finden sich erschreckende 30 % Anhänger des Kreationismus.

Eine bekämpfte UN-Resolution…

Im Jahre 2007 gelang es im Europa-Rat unter großen Schwierigkeiten eine Resolution zu verabschieden, in der sich der Europarat „entschieden gegen einen Unterricht in Kreationismus als wissenschaftliche Disziplin auf gleichem Niveau wie die Evolutionstheorie, und gegen die Verbreitung kreationistischer Ideen in jeglichem Unterricht, außer im Religionsunterricht“ ausspricht. Die Resolution wurde im Endeffekt zwar angenommen, doch hat sie bei einer Reihe von Abgeordneten zu einer unerwartet starken Gegenreaktion geführt.


Warum ist die „Schöpfungstheorie“ so zählebig?

Nach Meinung vieler Teilnehmer der Konferenz, sind die Gründe für die Zählebigkeit des Kreationismus in Europa nicht nur in den Kirchen, sondern vor allem auch in den Schulen zu suchen. Dittmar Graf stellte einige äußerst interessante Ergebnisse einer Überprüfung von 1.228 deutschen Studenten vor, die im Begriff sind, Lehrer zu werden. Diese Überprüfung brachte eine Reihe merkwürdiger Bildungslücken an den Tag. Nur ein Drittel der künftigen Biologielehrer konnte grundlegende Fragen zu Mechanismen der biologischen Evolution befriedigend beantworten. Die wichtigste und unerwartete Schlußfolgerung dieser Forschung besteht darin, daß die Voraussetzung für kreationistische Ansichten unter zukünftigen Lehrern nicht in der Religiosität zu suchen sind, wie man erwarten könnte, sondern im allgemeinen Unverständnis der Grundlagen der Wissenschaft und der Methodologie der wissenschaftlichen Erkenntnis. Mit anderen Wörtern, die Menschen stoßen zum Kreationismus nicht durch die Religion, sondern vielmehr aufgrund ihrer gravierenden Bildungsmängel.

Wie ist die Situation in Deutschland?

Doch die BRD ist, insgesamt gesehen, in dieser Hinsicht noch ein günstiges Land (nur etwa 20 % der Bevölkerung verneinen die Evolution). Viel schlechter verhält es sich dagegen in den mohammedanisch geprägten Ländern. Mehr als die Hälfte der Biologielehrer in solchen Ländern wie Senegal, Libanon, Marokko, Tunesien und Algerien, haben nichts gegen die Behauptung einzuwenden, daß „das Leben zweifellos von Gott erschaffen wurde“.

Kreationismus in der Türkei

Harun

Der türkische Kreationist Harun Yahya ist einer der aktivsten Propagandisten der wissenschaftsfeindlichen Schöpfungslehre

In der Türkei, die aktiv bestrebt ist, Mitglied der EU zu werden, soll die Schule weltlichen Charakter tragen. Auch an türkischen Universitäten wurde der Unterricht in Kreationismus offiziell verboten. Jedoch hat eine Überprüfung, die nach der selben Methodik durchgeführt wurde, wie in der BRD, ergeben, daß 75% der Studenten der Universität Hacettepe in Ankara, die sich darauf vorbereiten, einmal Schullehrer zu werden, die Evolution leugnen. Im Unterschied zu Deutschland ist in der Türkei die Religiosität die Ursache für evolutionsfeindliche Ansichten.

Problematisch: ungenügende wissenschaftliche Bildung

Einer der Hauptgründe für die Verbreitung des Kreationismus in den europäischen Ländern ist der Umstand, daß die Kreationisten mit dem großen Erfolg damit begonnen haben, bei den Schülern eine Methodik der frühzeitigen Indoktrination anzuwenden. In einer Reihe von den Ländern, einschließlich in Deutschland, erhalten die Schüler bereits in den unteren Schulklassen eine religiöse Bildung, während sie erst in den höheren Klassen im Biologieunterricht erstmals etwas über die Evolution erfahren. So ist es nicht verwunderlich, daß viele Schüler schon als überzeugte Kreationisten in diesen Unterricht kommen.

Nach der Meinung von Professor Graf, muß man um vieles früher damit beginnen, die Schüler mit der Evolution bekanntzumachen. Außerdem ist der Unterricht über grundlegende Prinzipien der Wissenschaft und wissenschaftliche Methoden an den Schulen allem Anschein nach nur ungenügend wirksam. Tatsächlich wissen heute viele europäische Schüler und sogar Lehrer nicht, was Wissenschaft ist, wie sie arbeitet, worauf ihre Schlußfolgerungen gegründet sind und warum es nötig ist, sich mit ihr vertraut zu machen. Möglicherweise besteht darin der Hauptgrund jener merkwürdigen Zählebigkeit des Kreationismus und anderer lügnerischer Ideen in den europäischen Ländern und in der ganzen Welt.

Quelle: Andrew Curry. Creationist Beliefs Persist in Europe//Science. 2009 V. 323. P. 1159. / Fornit: Популярность креационизма в Европе объясняется не религиозностью, а научной безграмотностью (Übersetzung aus dem Russischen: Sigmar Wehling)

Kreationismus: auch „Schöpfungstheorie“ genannt; eine unwissenschaftliche Irrlehre, die davon ausgeht, daß ein Gott die Welt erschaffen habe.


P.S. In den USA gibt es 22 Kreationismus-Museen, bspw. in Silverlake (Staat Washington), in Key West (Staat Florida),in Cincinnati (Staat Ohia) usw. Das sind 22 größtenteils staatlich geförderte Verblödungzentren, die vor allem Familien mit Kindern ansprechen sollen.

Siehe auch: Mr.Kerry und das Recht auf Dummheit

Dieser Beitrag wurde unter Bildung und Erziehung, Dummheit, Massenmanipulation veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Die Verblödung kommt aus den USA

  1. gunst01 schreibt:

    `Ich neige dazu, alles so zu betrachten, als folge es den Gesetzen des Schöpfungsplans´. (Charles Darwin am Ende seines Lebens)

    • sascha313 schreibt:

      Darwin irrte sich zuletzt. Wenn Sie das aber auch so sehen, dann ist das Ihre Sache, Herr Gunst! Sie wollen doch jetzt sicher nicht wissen, was ich davon halte? ))))

    • Hanna Fleiss schreibt:

      gunst01, diese Äußerung erklärt sich daraus, dass auch Darwin als Kind seiner Klasse und seiner Zeit philosophisch im Idealismus befangen blieb. Ich würde sogar sagen, er musste es, wollte er seine Erkenntnisse in die Welt bringen, denn seine Welt war die idealistische, die christliche. Er versuchte immer wieder, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse in Übereinstimmung mit der christlichen Religion zu bringen, um nicht als verpönter Materialist, und das heißt zu seiner Zeit und in seinen Kreisen, als nicht ernst zu nehmender Wissenschaftler, dazustehen. Und Angriffe in dieser Hinsicht gab es sehr viele. Nichts wäre für ihn verheerender gewesen, als mit dem Stempel Materialist und Spinner bedacht zu werden. Wobei es sicher nicht ausblieb, dass er am Christentum seine Zweifel hatte, aber grundsätzlich hielt er offiziell an der Existenz Gottes fest, blieb also Idealist. Für ihn war augenscheinlich das wichtigste, dass seine Forschungen in der Wissenschaft anerkannt wurden. Heute kommt niemand mehr um die Evolutionstheorie herum, will er sich nicht lächerlich machen oder als Kreationist entpuppen.

      • gunst01 schreibt:

        DarwinsTheorie ist eng an die Sedimentationstheorie der Gesteinsbildung von Charles Lyell geknüpft. Auch sie harrt zu großen Teilen eines schlüssigen Beweises. Insofern kann sich auch niemand lächerlich machen, wenn er im Unschlüssigen dies oder jenes mal anzweifelt. Außer dies wird zur Religion.

      • Hanna Fleiss schreibt:

        gunst01, du irrst dich, wenn du glaubst, Darwin hätte seinen eigenen Forschungen nicht glauben können. Er hat sie vielleicht im ersten Moment angezweifelt, weil seine empirischen Erkenntnisse in völligem Gegensatz zu allen bisherigen verknöcherten Lehrmeinungen standen. So ist es letztlich aber nicht, wie du annimmst – seine wissenschaftlichen Erkenntnisse hat er nie angezweifelt, im Gegenteil, er wusste, dass sie eine Revolution der Wissenschaft sind. Und er wusste auch, dass er auf starken Widerstand in der bürgerlichen Wissenschaft stoßen würde, was ja dann auch geschah. Mit der Gesteinsbildung nach Charles Lyell hatte das absolut nichts zu tun, falls du das denken solltest, da würdest du dich auf Abwegen befinden. Es waren die gesellschaftlichen Ursachen seiner Zeit in den Kreisen der britischen Gelehrten, die ihn vorsichtig werden ließen, um nicht die bürgerliche und vor allem wissenschaftliche Reputation zu verlieren.
        Letztlich aber haben sich seine Erkenntnisse in der gesamten wissenschaftlichen Welt durchgesetzt, auch wenn sie bestimmten bürgerlichen Kreisen nicht schmecken wollen. Und eben besonders nicht dem Kreationismus, der die Entstehung der Welt als göttliche Schöpfungsgeschichte darstellt und nicht als die Entwicklung vom Niederen zum Höheren.

      • gunst01 schreibt:

        Hanna Fleiss, vielen Dank für die ausführliche Stellungnahme.Doch hier muss ich einen Irtum aufklären. Ohne Lyells Theorie wäre die Altersbestimmung von Sedimentschichten und deren Bezug zur Entwicklungsstufe, wie auch den klimatischen Bedinungen nicht möglich.

        Ergo stände die Darwinsche Theorie im luftleeren Raum. Ob tatsächlich der Mensch tatsächlich soweit höher über der Ameise steht, die sich immerhin schon wackere 55 Millionen Jahre fast unverändert auf der Erde behaupten konnte, muss wohl erst noch mit einer weiteren Theorie bewießen werden.

      • Hanna Fleiss schreibt:

        gunst01, Saschas Beitrag gibt es nichts hinzuzufügen. Er hat für mich überzeugend aufgezeigt, dass die Erkenntnis der Natur und auch der Gesellschaft nicht auf Schlüssen basiert, die von einem von Menschen gemachten Gottglauben abhängen. Nun bin ich weder Biologin noch Geologin, zu den fachspezifischen Erklärungen kann ich mich also nicht äußern, denke aber, dass erst die dialektisch-materialistische Methode zu realistischen Bewertungen führen kann. Natürlich hast du insoweit recht, dass alle Wissenschaft zusammenhängt, die Beachtung aller Seiten der Erkenntnis nötig ist, also auch Lyell, sicher oder unsicher, einen Baustein dazu beigetragen hat, letztlich „Die Entstehung der Arten“ Wirklichkeit werden zu lassen. Was ja wiederum der Beweis ist, dass jede Entwicklung, sei es in der Natur oder in der Gesellschaft, vom Niederen zum Höheren geschieht.

  2. Pingback: Die Krise der bürgerlichen Philosophie | Sascha's Welt

  3. sascha313 schreibt:

    Es ist wider jede Vernunft, wissenschaftliche Erkenntnisse nur deshalb für zweifelhaft zu halten, weil andere Erkenntnisse noch ihrer Erklärung harren. Für viele Arbeiten bürgerlicher Theoretiker ist heute charakteristisch, daß logische Gesetze immer häufiger von den Positionen idealistischer philosophischer Systeme abgehandelt werden. Man hält sich an Prinzipien des Positivismus, einer der am weitesten verbreiteten Strömungen in der bürgerlichen Philosophie, und gibt sich den Anschein, als ob man in eigenen Theorien nicht von abstrakten Schlüssen ausgehe, sondern nur von positiven Tatsachen (die in Wirklichkeit nichts anderes sind als subjektive Wahrnehmungen, Vorstellungen und Erlebnisse). Schon ENGELS hat sich über diese „Allinduktionisten“ lustig gemacht.

    Aber um das alles noch ein wenig anschaulicher zu machen: Die Entstehung des Lebens auf der Erde aus nicht lebender Materie ist ein historisch bedingter Entwicklungsprozeß, wie jeder andere Entwicklungsprozeß auch. Zunächst entstanden aus niedermolekularen organischen Stoffen komplizierte makromolekulare organische Verbindungen (abiogene Entwicklung). Die Bildung dieser biologisch wichtigen Makromoleküle durch Selbstorganisation der Materie wurde experimentell nachgewiesen. Der Übergang von makromolekularen nicht lebenden organischen Verbindungen zu Urorganismen ist noch nicht völlig erforscht, es gibt darüber jedoch wissenschaftlich begründete Hypothesen. Und das ist durchaus nichts Ungewöhnliches in der Wissenschaft. Wenn nun wissenschaftlich ungebildete Laien daraus ableiten, daß hier eine eine übernatürliche „Ursache“ zur Entstehung des Lebens auf der Erde geführt haben müsse, so ist auch das wiederum nichts Ungewöhnliches. Es ist ein abstrakter Schluß und damit völliger Unsinn, geologische Anschauungen auf biologische Vorgänge zu übertragen. (Was nebenbei bemerkt ebensolcher Unsinn ist, wie die mechanistische Übertragung gesellschaftlicher Vorgänge wie ’struggle for life‘ auf die Biologie.) Daraus zu folgern, die Darwinsche Theorie stünde bei all ihren bekannten Mängeln „im luftleeren Raum“, grenzt schon an Mystizismus. Ebenso lächerlich ist der Hinweis auf die Ameise; hier ließe sich beispielsweise folgender schöner Syllogismus konstruieren:
    (A) Die Ameisen haben sich fast nicht verändert.
    (B) Der Mensch ist keine Ameise.
    ————————————————–
    (C) Der Mensch hat sich verändert.

    Wenn zuvor Lamarck seine Anschauungen über die Entwicklung der Tierarten aus einfacheren Formen nicht durchsetzen konnte, so lag das insbesondere daran, daß sie im Widerspruch zur biblischen Schöpfungsgeschichte standen. Damit war zugleich gesagt, daß es in der Welt eine ständige Entwicklung gibt, und daß der derzeitige Zustand nicht gottgewollt und endgültig ist. Und revolutionäre Geister schreckten nicht davor zurück, den Schluß zu ziehen, daß auch die gesellschaftliche Struktur der Monarchie, mit einer kleinen besitzenden und einer großen besitzlosen Klasse, mit all den Ungerechtigkeiten, die eine kleine Schicht von Unterdrückern der großen Masse der Unterdrückten täglich antat, nicht ewigen Bestand haben müsse. Die Tatsache, daß es einen Fortschritt in der Tierwelt gab, faßten sie als Ermutigung in ihrem Kampf um den Fortschritt der Menschheit auf. So ist es nicht auch verwunderlich, daß die Lehre Lamarcks von der Veränderlichkeit der Tierarten sehr bekämpft wurde. Es dauerte fast ein Jahrhundert, bis Darwin, gestützt auf zahlreiche inzwischen bekannt gewordene Tatsachen dem Entwicklungsprinzip zum Siege verhelfen konnte. „Darwin“, schrieb W.I. Lenin, „hat der Vorstellung ein Ende bereitet, Tier- und Pflanzenarten seien durch nichts miteinander verbunden, zufällig entstanden, ‚von Gott erschaffen‘ und unveränderlich, … er hat als erster die Biologie auf eine völlig wissenschaftliche Grundlage gestellt, indem er die Veränderlichkeit der Arten und die Kontinuität zwischen ihnen feststellte…“ (Werke, Bd.1, S.133.)

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