Vom Leseland zum Land der Idioten…

BibliothekDas vorrevolutionäre Rußland war durch den bürgerlich-gutsherrlichen Klassencharakter dieses Staates geprägt. Etwa 80% der Kinder und Jugendlichen hatten nicht einmal Zugang zur Elementarschule. Mittel- und Hochschulbidung war fast ausschließlich den privilegierten Schichten der Bevölkerung vorbehalten. Nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, also nach 1917, stand die Liquidierung des massenhaften Analphabetentums der Bevölkerung an erster Stelle. Heute hingegen scheint sich alles wieder dahin zu entwickeln, wo das Lesen im einstigen Leseland UdSSR zur Seltenheit geworden ist und der Wortschatz der Mehrzahl der Jugendlichen in Rußland gerade mal ausreicht, um eine SMS abzusenden.

Besondere Bedeutung kam in der Sowjetunion den Bibliotheken zu. 1914 gab es in Rußland etwa 13.000 öffentliche Bibliotheken, 50 Jahre später waren es fast zehnmal soviele. Insgesamt gab es 1970 in der Sowjetunion etwa 400.000 Bibliotheken. Und es wurde viel gelesen. (In den USA dagegen gibt es heute lediglich 106.000 wenig genutzte Bibliotheken.*) In der Sowjetunion lasen die Leute in der Metro, an der Bushaltestelle und im Sommer auf den Parkbänken. Zu den größten Bibliotheken der UdSSR gehörte die Staatliche Lenin-Bibliothek mit einem Buchbestand von über 25 Millionen Bänden. Und sie wurde nicht nur von Studenten genutzt. Fast in jedem Dorf gab es eine Rayonbibliothek, in vielen größeren Betrieben gab es eine Gewerkschaftsbibliothek. Heute sind diese Bibliotheken so gut wie alle verschwunden, sie verfallen oder sie wurden zerstört, wie auf den folgenden Bilder zu sehen ist:

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Eine verlassene Gewerkschaftsbibliothek in einem kleinen ehemals sowjetischen Dorf

Quellen:
*siehe: http://www.zlb.de (Bibliotheksdienst 38.Jg.(2004), H.6)
Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, Handbuch, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1971, S.549 u.560.
Bilder: Iana Sator ’11

Siehe auch:
Leseland DDR (Hermann Kant)
Literaturunterricht in der DDR
Schulbücher in der BRD und in der DDR
Die antikommunistische Manipulierung der Schuljugend der BRD
Mr. Kerry und das Recht aud Dummheit
Vandalen zerstörten die Universitäts-Bibliothek in Lugansk
Moskau: Großbrand in der Gesellschaftswissenschaftlichen Bibliothek
Antikommunistische Lektüre in hohen Auflagen

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5 Antworten zu Vom Leseland zum Land der Idioten…

  1. Hans schreibt:

    Also „bürgerlich-gutsherrlich“ war der Staat sicherlich nicht. Das Land war zaristisch mit Stützen der Kirche und Religion. Lenin betonte auch den Kampf gegen die Religion. Viele Menschen waren Bauern. Eine ausgeprägte Arbeiterklasse und Bourgeoisie gab es schlicht nicht. Wenn es Industrie gab, wurde dieses durch westliches Kapital aufgebaut. Die Revolution unter Führung der Leninisten musste zwangsläufig bürgerlichen Charakter haben. Lenin selbst schrieb:
    „Die Marxisten sind vom bürgerlichen Charakter der russischen Revolution unbedingt überzeugt. Was bedeutet das? Das bedeutet, daß jene demokratischen Umgestaltungen der politischen Ordnung und jene sozialökonomischen Umgestaltungen, die für Rußland notwendig geworden sind, an und für sich nicht nur keine Untergrabung des Kapitalismus, keine Untergrabung der Herrschaft der Bourgeoisie bedeuten, sondern daß sie umgekehrt zum ersten mal gründlich den Boden für eine breite und rasche […] Entwicklung des Kapitalismus säubern […]“ (in W.I. Lenin, „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution“. Ausgewählte Werke, Bd. l, S. 558, Dietz-Verlag, Berlin, 1964)
    Auch schrieb er:
    „Der Sieg der bürgerlichen Revolution bei uns ist unmöglich (als) Sieg der Bourgeoisie. Das scheint paradox zu sein, ist aber so. Die vorherrschende Bauernbevölkerung, ihre fürchterliche Unterdrückung vom halbfeudalen Großgrundbesitz, die Kraft und das Bewußtsein des schon in der sozialistischen Partei organisierten Proletariats, alle diese Umstände verleihen unserer bürgerlichen Revolution einen besonderen Charakter. Diese Besonderheit beseitigt nicht den bürgerlichen Charakter der Revolution.“ (in Bd. 11, l. Teil, S. 28)

    • sascha313 schreibt:

      Ach nee, nun wollen Sie uns wohl weismachen, daß es im damaligen Rußland gar keine Arbeiterklasse gegeben hat (vielleicht waren es das auch alles Leiharbeiter aus Westeuropa und Arbeitssklaven aus Ost-China). Wissen Sie was – behalten Sie Ihre aus dem Zusammenhang gerissenen Leninzitate für sich. Erstens ist das erstgenannte Zitat falsch (die Quellenangabe stimmt nicht!) und zweitens bezieht sich Lenin in seinem 1905 geschriebenen Manuskript ganz eindeutig auf die gescheiterte Revolution des Jahres 1905 (Wer’s nachlesen will: Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin 1957, Bd.9, S.35.)
      Ebenso falsch ist das zweite Zitat. Es ist nicht nachweisbar. Das haben Sie wohl aus einem Lesebuch von Trotzki abgeschrieben? Oder von Cajo Brendel, der ebenfalls ein trotzkistischer Demagoge war…

      • Hans schreibt:

        Wir brauchen uns gar nicht über irgendwelche Zitate unterhalten. Meinen letzten Beitrag haben Sie ohnehin nicht veröffentlicht.
        Gehen wir die Sache doch anders an. Warum war das vorrevolutionäre Russland „bürgerlich“ oder „bürgerlich-gutsherrlich“, wie Sie schreiben? Wo war der bürgerliche und wo war der „gutsherrliche“ Charakter des Russland vor der Revolution?
        Ich verlange nicht, dass Sie jetzt alles ausführlich belegen, ich habe meine obigen Behauptungen schließlich auch nicht belegt, aber einige Sätze, wieso es „bürgerlich-gutsherrlich“ gewesen sein soll, wären schon gut.

  2. Vorfinder schreibt:

    Auffällig: da kommen nun so manche um die Ecke, die mal Hans, Willi oder Onkel sich nennen, karren „Zitate“ m/l Klassiker an, die dreist falsch sind, aus dem Zusammenhang gerissen sind oder aus zigfach falsch abgeschriebenen, demagogischen Schmuddelschriften stammen.

    In der Analyse bedeutet dies: die Klassiker werden vom Klassenfeind wieder als wachsende und akute Gefahr gesehen und werden vom Sprechern des Klassenfeindes deshalb verstellt. Selbst den Antistalinismus aufrecht zu erhalten kostet die Bourgeoisie immer mehr Aufwand und steht gegen immer mehr Fakten zu Gunsten Stalins Werk und Lehre. ALLE Kommunisten sollten also gerade jetzt zu den Klassikern greifen und mit so vielen Freunden, Nachbarn, Kollegen lesen wie zu erreichen sind. Das Richtige setzt sich durch, wenn auch noch langsam. Die Angst der Bourgeoisie wächst. Hans und Co. berichten davon. – Auch die Aufklärung in diesem Blog verbreitet sich zunehmend im Proletariat. Unsere Zuversicht schärft der Bourgeoisie die Aussicht auf ihren Untergang. Nehmt jeden „Hans“ als Motivation für unseren täglichen Kampf!

  3. Pingback: Schulbücher – in der BRD und in der DDR | Rote Seiten

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