Der türkische Völkermord an den Armeniern (1915)

armenischer_voelkermord_I_336In der Nacht vom 24. zum 25. April 1915 ließ die türkische Regierung Hunderte von armenischen Persönlichkeiten, darunter auch zahlreiche Ärzte, Lehrer und Wissenschaftler, sowie andere prominente Vertreter der in Konstantinopel (heute bekannt als Istanbul) lebenden armenischen Gemeinschaft verhaften. Sie wurden in die Gefängnisse Anatoliens verschleppt, wo die meisten von ihnen hingerichtet wurden. Das türkische Kriegsministerium folgte mit dem Entwaffnen der armenischen Rekruten in der osmanischen Armee einem Plan der türkischen Regierung zur Versklavung und Vernichtung der armenischen Bevölkerung. Die systematische Dezimierung der armenischen Bevölkerung männlichen Geschlechts, sowie die gleichzeitige Verhaftung und Ermordung der armenischen Führungselite war eine der frühesten Etappen des türkischen Völkermords an den Armeniern.

Die türkische Regierung leugnet ihre Schuld

1915 lebten noch etwa 2 Millionen Armenier im Osmanischen Reich. Doch während des Ersten Weltkriegs ließ die türkische Regierung systematisch 1,5 Millionen Armenier ermorden, um um ein neues Reich mit einer einheitlichen Sprache und Religion zu schaffen. Diese ethnischen Säuberungen zur Beseitigung armenischer und anderer nationaler Minderheiten, einschließlich Assyrer, pontischer und kleinasiatischer Griechen, sind heute als der armenische Rassenmord bekannt. Trotz des politischen Drucks von Seiten Armeniens und anderer Aktivisten weltweit weigert sich die Türkei noch immer, den Rassenmord einzugestehen und behauptet indessen, daß es keinerlei Vorbedacht auf Todesfälle unter den Armeniern gab.

Die ersten Massaker

Die Wurzeln dieses rassistischen Mordens liegen im Zusammenbruch des Osmanischen Reichs. Am Ende des 20. Jahrhunderts zerfiel das weit verbreitete Osmanische Reich an seinen Rändern. Während der Balkankriege 1912-1913 verlor das Osmanische Reich große Teile seines Gebietes an Europa, und so kam es unter den nationalen Minderheiten zu Unruhen. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden Spannungen zwischen den Armeniern und den türkischen Behörden. Sultan Abdel Hamid II., der als der „blutige Sultan“ bekannt wurde, hatte 1890 zu einen Zeitungsjournalisten geäußert: „Ich werde ihnen einen Kasten auf die Ohren setzen, so daß ihnen ihre revolutionären Bestrebungen vergehen.“

Massenmorde in Ostanatolien

1894 wurde dieser „Kasten auf den Ohren“ zu einem ersten Massaker an den Armeniern. Das osmanische Militär überfiel armenische Dörfer in Ostanatolien und tötete 8.000 Armenier einschließlich Kinder. Ein Jahr später wurden in der Kathedrale von Urfa 2.500 armenische Frauen verbrannt. Etwa zur gleichen Zeit wurde eine Gruppe von 5.000 Demonstranten niedergemetzelt, die um weitere Ausschreitungen in Konstantinopel zu verhindern, um internationale Hilfe gebeten hatten. Historiker schätzten ein, daß bis zu Jahre 1896 mehr als 80.000 Armenier getötet worden waren.

Aufstand der Jungtürken

Im Jahre 1909 wurde der osmanische Sultan von einer neuen Fraktion – den „Jungtürken“, einer fanatischen Gruppierung, die einen modernen, verwestlichten Regierungsstil verfolgte – gestürzt. Zunächst begannen die Armenier Hoffnung zu schöpfen, daß auch ihnen ein Platz in dem neuen Staat eingeräumt werden würde, doch schon bald mußten sie erkennen, daß die neue Regierung fremdenfeindlich war, und nicht bereit war, eine multiethnische türkische Gesellschaft zuzulassen. Um das türkische Vorrecht auf die restlichen Gebiete des Osmanischen Reichs zu verfestigen, erdachten die „Jungtürken“ ein geheimes Programm, das die Ausrottung der armenischen Bevölkerung vorsah.

Der erste Weltkrieg

Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 stellte sich Türkei auf die Seite des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns. Der Ausbruch des Krieges war eine willkommene Gelegenheit, um die „armenische Frage“ ein für allemal zu lösen. Unter dem Vorwand, daß die Armenier mit dem christlichen Rußland sympatisierten, beschuldigte die militärische Führung der Türkei die Armenier, sie würden die Triple Entente (ein Bündnis aus Rußland, Frankreich und dem Britischen Königreich) unterstützen. Daraufhin wurde die gesamte armenische Bevölkerung von den Türken entwaffnet. Dieser türkische Verdacht gegenüber den Armeniern führte dazu, daß die Regierung die Armenier im Kriegsgebiet entlang der Ostgrenzen „eliminieren“ ließ.

Der Völkermord beginnt

03rIn einem geheimen Telegrammen, das direkt von den „Jungtürken“ kam, wurde befohlen, die Armenier zu vernichten. Am Abend des 24. April 1915 begannen in Konstantinopel bewaffnete Überfälle, bei denen mehr als 300 armenische Intellektuelle – politische Führer, Pädagogen, Schriftsteller und religiöse Führer – gewaltsam aus von ihren Häusern verschleppt und gefoltert wurden. Danach hat man sie erhängt oder erschossen. Bei den darauffolgenden Trauermärschen, die über viele Monate anhielten und über weite Wege fernab von türkischen Dörfern führten, wurden anschließend etwa 1,5 Millionen Armenier getötet.

Vernichtung der dreitausendjährigen armenischen Kultur

Nachdem auf diese Weise die armenische Bevölkerung beseitigt worden war, ergriff die moslemischen Türken schnell Besitz vom zurückgelassenen Eigentum der Armenier. Dabei zerstörten die Türken auch jegliche Reste des armenischen kulturellen Erbes und vernichteten Meisterwerke der alten Architektur, historische Bibliotheken und Archive. Ganze Städte wie die einstmals blühenden Zitadellen von Kharpert und Van, sowie die alte Hauptstadt Ani wurden von den Türken dem Erdboden gleichgemacht, um alle Spuren der dreitausendjährigen armenischen Zivilisation zu beseitigen.

Zusammenbruch der armenischen Republik

Da die Entente den Armeniern nicht zu Hilfe kam, brach die armenische Republik zusammen. Und nur ein winziger Teil des historischen Armeniens, das östlichste Gebiet, gelang es zu überleben, da es Teil der Sowjetunion wurde. Nach den vom Zentrum zur Erforschung des Völker- und Rassenmordes (Center for Holocaust and Genocide Studies) an der Universität von Minnesota ermittelten Zahlen gab es von den 1914 im Osmanischen Reich lebenden 2.133.190 Armeniern 1922 nur noch ungefähr 387.800 Überlebende.

(nach einem Bericht von Syrian Free Press – Übersetzung: Karin Wetzel) https://syrianfreepress.wordpress.com/2016/04/24/armenian-genocide/
Mit freundlicher Genehmigung übernommen von Kommunisten-Online

images   Der türkische Massenmord an den Armeniern 1915

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2 Antworten zu Der türkische Völkermord an den Armeniern (1915)

  1. Achim Kessel schreibt:

    Hallo sascha,
    Hier wird deutlich, welche „Allianz“ seit einhundert Jahren, mal mehr mal weniger, deutlich vorhanden ist.

  2. Pingback: Zur Geschichte Armeniens | Sascha's Welt

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