Stimmt es, daß die Arbeiterklasse immer mehr verschwindet? Wer ist denn nun die revolutionäre Klasse?

rabochieIn einem sehr interessanten Beitrag befassen sich Manfred Banaschak und Jörg Vorholzer mit der immer wieder gestellten Frage: Wer soll und wer kann denn eigentlich den Kapitalismus abschaffen und den Sozialismus aufbauen, wenn es doch heute gar kein Proletariat mehr gibt wie vielleicht vor über hundert Jahren? Haben sich die Menschen mit ihrer sozialen Lage abgefunden? Hatten sich Karl Marx und Friedrich Engels geirrt mit der Behauptung, daß „nur das Proletariat eine wirklich revolutionäre Klasse“ [1] ist?  Ist der Marxismus schon allein deshalb längst überholt, weil es heute kein Proletariat mehr gibt? Dazu nehmen die Autoren Stellung. Geschrieben wurde das bereits im Jahre 1969. Wir sehen also: Die Frage ist ist nicht neu!

Wo ist die Arbeiterklasse heute?

Untersuchen wir zunächst die Existenzbedingungen der Arbeiterklasse im heutigen Imperialismus, ohne deren exakte Analyse keine realen Schlußfolgerungen für die Kämpfe dieser Klasse und ihrer Verbündeten gewonnen werden können. Die außerordentlich rasch zunehmende Konzentration der Produktion und des Kapitals unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution hat ohne Zweifel auf das gesellschaftliche Sein der Arbeiterklasse und aller anderen Werktätigen ihre Auswirkungen. Offensichtlich ist vor allem, daß dieser Konzentrationsprozeß eine verstärkte Polarisierung der Eigentums- und Machtverhältnisse, eine Vergrößerung des Anteils der Arbeiter und Angestellten an der Gesamtbevölkerung sowie eine Veränderung der Struktur der Arbeiterklasse und anderer werktätiger Schichten mit sich bringt. [2]

Wie sehen das bürgerliche Soziologen?

Bürgerliche Soziologen analysieren insbesondere die strukturellen Veränderungen der „Arbeitnehmer“ und konstatieren, daß ihre Gesamtzahl ständig gewachsen ist – von 30 Millionen zu Beginn des Jahrhunderts erhöhte sie sich auf über 200 Millionen – und daß mit den Erfordernissen der wissenschaftlich-technischen Revolution vor allem der Anteil der „Arbeiter im weißen Kragen“ (Techniker, Ingenieure, Spezialisten u.a.) steigt. Für die USA errechnete z. B. der Ausschuß für Technologie, Automation und wirtschaftlichen Fortschritt, daß sich diese Tendenz verstärkt fortsetzen wird: „Die Gesamtzahl der ‚Arbeiter im weißen Kragen‘ wird voraussichtlich um zwei Fünftel ansteigen und einen Anteil von 48 Prozent am gesamten Arbeitskräftebedarf des Jahres 1975 ausmachen. Der Bedarf an einfachen Arbeitern dürfte nur halb so rasch ansteigen und wird 34 Prozent vom Gesamtbedarf ausmachen.“ Zugleich errechnete diese Kommission ein rasches Anwachsen des Bedarfs an Arbeitskräften in den Dienstleistungsbranchen, die 1975 etwa 14 Prozent der Gesamtbeschäftigtenzahl ausmachen würde. [3]

Der Unsinn vom „Verschwinden“ der Arbeiterklasse

Hinzu kommt natürlich eine teilweise außerordentlich stark differenzierte Entwicklung der einzelnen Wirtschaftszweige, z. B. ein besonders rasches Anwachsen der Beschäftigtenzahlen. in den sogenannten modernen Wirtschaftszweigen, wie Raketen- und Atomindustrie, Elektronik, Erdölverarbeitung und Chemie. Mit der Entwicklung der Produktivkräfte unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution wurde und wird in der Tat die Arbeiterklasse immer zahlreicher und umfassender und zugleich dlfferenzlerter und vielschichtiger. Unbestreitbar ist auch, daß mit der Veränderung des Produktionsprozesses, mit der technologischen Anwendung der Wissenschaft, der „im weißen Kragen“ arbeitende Angestellte, Techniker, Ingenieur und Wissenschaftler mehr und mehr das Erscheinungsbild des Betriebs- und Konzerngeschehens kennzeichnet. Es gehen also gegenwärtig – und in der nächsten Zukunft noch verstärkt – auch strukturelle Veränderungen in der Arbeiterklasse vor sich. Keinesfalls aber berechtigt dieser strukturelle Prozeß und seine sich ständig erweiternde Basis zu Schlußfolgerungen wie: die Arbeiterklasse sei heute nach Marx nicht mehr „definierbar“ oder würde gar „verschwinden“!

Wie definieren Karl Marx und Friedrich Engels das Proletariat?

Wie in jeder wissenschaftlichen Definition legten Marx und Engels der Bestimmung des Begriffs Proletariat nicht äußere Erscheinungsmerkmale zugrunde, sondern erfaBten das innerste Wesen dieser Klasse als „die Klasse der modernen Lohnarbeiter, die, da sie keine eigenen Produktionsmittel besitzen, darauf angewiesen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um leben zu können“. [4] Die Anwendung dieser wissenschaftlichen Definition zeigt, daß die Arbeiterklasse nach wie vor definierbar ist und daß es nicht nur unsinnig ist, vom „Verschwinden“ der Arbeiterklasse zu reden, sondern daß im Gegenteil das Wachstum der Arbeiterklasse unaufhörlich anhält. Heute, da der Prozeß der Vergesellschaftung der Produktion ein nie gekanntes Ausmaß erreicht, ist sogar nicht nur das Industrieproletariat – das nach wie vor der Kern des Proletariats ist – darauf angewiesen, seine Arbeitskraft dem Kapital zu verkaufen, sondern gerade auch die Zahl der Angestellten, Techniker und Angehörigen der Intelligenz, die diesem Zwang unterliegen, steigt stetig. [5]

Die Polarisierung der kapitalistischen Gesellschaft

Dieser Prozeß – Ausdruck der Polarisierung der spätkapitalistischen Gesellschaft – hat mehr oder weniger alle werktätigen Schichten und Berufe erfaßt: die Bauern, deren Ruinierung im Monopolkapitalismus schrittweise, aber stetig wachsend erfolgt; den Einzelhandel, in dem die Machtkonzentration der Konzerne ein Ausmaß wie nie zuvor erreichte; die Beschäftigten im Verkehrswesen, im Bereich der Dienstleistungen und des Gesundheitswesens, die nach vielen Millionen zählen. Die Interessen dieser Klassen und Schichten stimmen zunehmend überein, und ihr wachsendes Zusammenwirken bedeutet eine weitere Einengung der sozialen Basis der Macht der Monopole.

Wohin führt die Entwicklung der modernen Technologie?

Wer sich mit Karl Marx und der sich im Spätkapitalismus vollziehenden Veränderung der sozialökonomischen Struktur wissenschaftlich beschäftigt, sollte auch eine in Deutschland bisher leider nicht veröffentlichte Vorarbeit zum 1. Band des „Kapital“ zur Kenntnis nehmen, weil Marx gerade auch hier in konzentrierter Weise ein Beispiel exakter sozialökonomischer Analyse und Prognose gab. Aus den Gesetzmäßigkeiten der Subsumtion der Arbeit unter das Kapital weist Karl Marx nach, wohin notwendig die Tendenz der Veränderungen im Arbeitsprozeß, in der Entwicklung der sozialen Produktivkräfte der Arbeit „auf großer Stufenleiter“, unter „Anwendung von Wissenschaft und Maschinerie auf die unmittelbare Produktion“ gesetzmäßig führen muß: Zu einem sich immer stärker herausbildenden „sozial kombinierten Arbeitsvermögen“, so daß „eine Masse von Funktionen und Tätigkeiten, die einen Heiligenschein um sich hatten, als Selbstzweck galten, gratis geschahen oder auf Umwegen bezahlt wurden (wie alle Professionals, Ärzte … )“ sich „einerseits direkt in Lohnarbeiter“ verwandeln, „so verschieden ihr Inhalt und ihre Zahlung sein mag. Andererseits verfallen sie … den Gesetzen, die den Preis der Lohnarbeit regeln.“ [6]

Es sind und bleiben also letztlich die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise, die – auf welcher geschichtlichen Stufe diese auch immer stattfindet – dem Erscheinungsbild der heutigen kapitalistischen Gesellschaft zugrunde liegen und ihre innersten Zusammenhänge erklärbar machen.


Schlußfolgerung:

Eine eingehende marxistische Analyse der sozialökonomischen Struktur der heutigen monopolkapitalistischen Staaten führt zu der Erkenntnis, daß unter diesen Verhältnissen

„jede beliebige menschliche Tätigkeit direkt und unmittelbar dem Joch des Kapitals unterworfen wird. Das bedeutet aber auch, daß immer mehr Menschen in ihren grundlegenden Lebensinteressen mit der Macht des Kapitals konfrontiert werden. Es werden immer mehr Menschen in den großen und umfassenden Prozeß der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Imperialismus hineingezogen, sie erkennen mehr und mehr ihre gesellschaftliche Lage und beginnen, gegen die unerträgliche Unterordnung des gesamten gesellschaftlichen Lebens unter die Interessen des Monopolkapitals aufzubegehren.“ [7]


Wer allerdings wie Marcuse im Erscheinungsbild der spätkapitalistischen Gesellschaft befangen bleibt, wer nicht zur Analyse und Erkenntnis dieser tieferen gesellschaftlichen Zusammenhänge vorstößt, kann bei aller „kritischen Theorie“ die klassenmäßigen Konsequenzen nicht ziehen, den revolutionären Weg zur Überwindung dieser Gesellschaft durch die zu mobilisierende und entfaltende Kraft und Macht der Arbeiterklasse und ihrer natürlichen Verbündeten nicht finden und begründen.


Der BEWEIS:

1. Immer mehr Menschen erkennen ihre reale soziale Lage

Die von Walter Ulbricht auf der internationalen wissenschaftlichen Session des Zentralkomitees der SED zum 150. Geburtstag von Karl Marx gezogene Schlußfolgerung findet ihre eindrucksvolle Bestätigung in den Klassenauseinandersetzungen in einer Reihe kapitalistischer Länder. Vor allem der im Frühjahr 1968 geführte machtvolle Massenkampf der französischen Arbeiter und anderen Werktätigen aller Schichten und Bereiche der Gesellschaft zeigte, daß in der Auseinandersetzung mit den monopolkapitalistischen Mächten eine wachsende Zahl von Menschen mehr und mehr ihre reale gesellschaftliche Lage zu erkennen beginnt.

2. Gemeinsame Kampferfahrungen stärken das Klassenbewußtsein

Die gemeinsame antimonopolistische Kampferfahrung, die wie nie zuvor Arbeiter, Angestellte und besonders auch Angehörige der technischen und künstlerischen Intelligenz in einer Streikfront zusammenschloß, wird in ihrem Bewußtsein bleiben. Auch die raffiniertesten monopolkapitalistischen Manöver oder spezifische Neuauflagen der „Elitetheorie“, die die subjektive Erkenntnis der objektiven Übereinstimmung der Grundinteressen des Proletariats und der Intelligenz zu verhindern suchen, können diese Tatsachen nicht ungeschehen machen und daraus in Zukunft erwachsende revolutionäre Potenzen nicht ausschließen. Vor allem aber zeigte der Streik der geeint kämpfenden französischen Arbeiterklasse, daß sich in der heutigen Etappe der allgemeinen Krise des Kapitalismus in den hochindustrialisierten kapitalistischen Ländern die geschichtliche Tendenz der Entwicklung des ökonomischen Kampfes nicht nur in quantitativer Hinsicht fortsetzt [8], sondern daß dieser Klassenkampf immer häufiger beginnt, einen politischen, antimonopolistischen und gesamtnationalen Charakter anzunehmen. In diesem Prozeß wird sichtbarer denn je: Die Arbeiter – und nicht „am Rande Stehende“ – sind der Motor solcher kraftvollen Massenbewegungen, die an der Existenz des Imperialismus rütteln.


Die Grundbedingung siegreichen Massenkampfes

Unter dem Eindruck der sich verschärfenden Klassenauseinandersetzungen in hochindustrialisierten kapitalistischen Ländern beginnt sich die Erkenntnis auszubreiten, daß es ohne Entfaltung der revolutionären Kraft der Arbeiterklasse unmöglich ist, das monopolkapitalistische System erfolgreich zu bekämpfen, geschweige denn zu überwinden. Auch wer die gegenwärtige Situation in Westdeutschland und die Ergebnisse z.B. des Kampfes der außerparlamentarischen Opposition realistisch einzuschätzen versucht, gelangt zu dieser Schlußfolgerung. [9]

Wer soll den Klassenkampf führen?

Zugleich erhebt sich damit aber auch die Frage: Wer vermag den Massenkampf zum Sieg über die monopolkapitalistischen Mächte und zum Aufbau der neuen, sozialistischen Gesellschaft zu führen? Spricht nicht z.B. die Tatsache, daß revoltierende Gruppen von Studenten in einigen Zentren der Herrschaft des Monopolkapitals als erste mit ihren Forderungen auf die Straße gingen und die Arbeiter zur gemeinsamen Aktion aufforderten, für den „intellektuellen Führungsanspruch“? Befähigen nicht die ständige intensive, zu wissenschaftlichem Denken erziehende Geistesarbeit und die objektiv wachsende Rolle wissenschaftlicher Arbeit und Ergebnisse dazu, die tieferen Zusammenhänge des Gesellschaftssystems zu erfassen und die kritische Haltung gegenüber einer satten, innerlich hohlen und verfaulenden Gesellschaft in revolutionäres Handeln umzusetzen?

Sind Studenten oder Jugendliche die revolutionärsten Kräfte?

Ohne Zweifel ist die intellektuelle, kritisch-sachliche Potenz, verbunden mit Vorstellungen, die die kapitalistischen Dschungelgesetze nicht als Normen der Welt von morgen anerkennen, ein wesentlicher Faktor des mutigen Aufbegehrens gegen die „etablierte Gesellschaft“. Gerade deshalb besitzen z.B. die Studenten, die gemeinsam mit anderen Jugendlichen in Westberlin, Frankfurt (Main), München und Hamburg mutig gegen solche Mächte dieser Gesellschaft wie den Springer-Konzern Front machten und von deren Werkzeugen brutal niedergeknüppelt wurden, unsere volle Sympathte. [10] Dieser geistig-moralische Faktor, diese Kraft des Beispiels und des Mutes darf in seiner Wirkung nicht unterschätzt werden. Aber auch die Gefahr unüberlegten, taktisch falschen Verhaltens, das objektiv von der imperialistischen Reaktion genutzt werden und dieser sogar Möglichkeiten zu Provokationen bieten kann, darf keineswegs übersehen werden.

Wozu brauchen die revolutionären Massen eine Partei?

Die strategische und taktische Führung und Organisierung der notwendig nach Millionen zählenden Massen auf dem Weg des revolutionären, bewußten und siegreichen Kampfes gegen das Monopolkapital – das erfordert eine theoretisch wie praktisch wirksam werdende Kraft von wesentlich höherer Qualität und Quantität: die Kraft der Bewußtheit, Organisiertheit und Einheitlichkeit der revolutionären Arbeiterklasse und ihrer kampferfahrenen marxistisch-leninistischen Partei, die seit Generationen gegen den gefährlichen, vor keinem Täuschungsmanöver und vor keiner Provokation zurückschreckenden Klassengegner streitet.

Lenin warnt: Keine revolutionäre Ungeduld!

In diesem Sinne verwies auch Lenin – der die Möglichkeit nicht ausschloß, daß unter bestimmten Umständen die Studentenschaft die Rolle des Trupps spielen könne, „der den Kampf beginnt“ – ausdrücklich darauf, daß „für den Sieg in diesem Kampf … der Aufschwung der Massen des Proletariats notwendig ist“. [11] Die Organisierung und Mobilisierung der Arbeiterklasse, die Entwicklung vor allem ihres Klassenbewußtseins ist ein komplizierter Prozeß, der insbesondere Beharrlichkeit, Systematik, Klarheit über Weg und Ziel erfordert Eigenschaften, die sich nicht durch revolutionäre Ungeduld oder gar ultralinke Phrasen ersetzen lassen. Die Meisterung dieser Aufgabe verlangt vor allem aus der Tatsache, daß die Arbeiterklasse objektiv die Hauptkraft des antiimperialistischen Kampfes ist, die Konsequenz zu ziehen, daß die Entfaltung dieser Kraft die Verwirklichung der Führungsrolle des bewußten und organisierten Vortrupps der Arbeiterklasse notwendig macht. Das ist die eigentliche Konsequenz jeder wahrhaft marxistischen Analyse der Klassenkämpfe unserer Zeit; sie hat ihre praktische Bestätigung überall dort gefunden, wo die Sache der Arbeiter und der mit ihr verbündeten Intelligenz, der Bauern und aller anderen Werktätigen zum Siege geführt wurde.

Anmerkungen:
[1] Manifest der Kommunistischen Partei. In: Marx/Engels: Ausgewählte Werke in sechs Bänden. Dietz Verlag Berlin 1974, Bd.1, S.427.
[2] vgl. hierzu Otto Reinhold: Die Widersprüche des Imperialismus und die demokratische Alternative, „Einheit“, 7/1966
[3] J.K. Galbraith: Die moderne Industriegesellschaft, S. 267f.
[4] Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd.4, Dietz Verlag Berlin 1959, S.462
[5] vgl. hierzu Hellmuth Hesselbarth, Die Rolle der Arbeiterklasse in der Strategie der kommunistischen Parteien Westeuropas und Karl Marx, „Einheit“, 4/5/1968
[6] Marx-Engels-Archiv, Bd.11 (VII), Moskau 1933, S.120 und S.132
[7] Walter Ulbricht, Die Bedeutung und die Lebenskraft der Lehren von Karl Marx für unsere Zeit, Berlin 1968, S.14
[8] Wurden in den 20 Jahren von 1919 bis 1939 in der gesamten kapitalistischen Welt 177.400 Streiks mit 80,8 Millionen Teilnehmern geführt, so waren es in den Jahren von 1946 bis 1966 bereits 387.600 Streiks mit 297,9 Millionen Teilnehmern. („Sowjetwissenschaft“, Gesellschaftswissenschaftliche Beiträge, 6/1968, S.581)
[9] So beantwortete der bekannte Studentenführer Rudi Dutschke – unmittelbar bevor das Attentat auf ihn verübt wurde – die Frage, welche Aussichten er dem Kampf „der jungen Linken“ gäbe: „Wir geben uns nicht der Illusion hin, als Studenten in der jetzigen Periode Revolution machen zu können. Wir haben an einem Punkt, am schwächsten Glied des Spätkapitalismus (Universität), Demokratisierungstendenzen von unten massenhaft in Bewegung gesetzt … Die Einheit von Arbeitern, Angestellten, Schülern, Bauern und Studenten wird bei uns die entscheidende Voraussetzung für die Gesamtrevolution darstellen. Der Prozeß einer Herausbildung einer solchen Kampfeinheit ist nicht kurzfristig möglich.“ („Konkret“, 5/1968, S. 23)
[10] Es wäre übrigens auch nicht richtig, aus der progressiven und kämpferischen Haltung eines Teils der Studenten die Schlußfolgerung zu ziehen, daß diese Einstellung für die gesamte Studentenschaft charakteristisch ist. Auch in der Gegenwart erweist sich die Richtigkeit von Lenins Feststellung: „Die Studentenschaft wäre nicht, was sie ist, wenn ihre politische Gruppierung nicht der politischen Gruppieru ng in der ganzen Gesellschaft entspräche – ‚entspräche‘ nicht im Sinne einer vollständigen Proportionalität zwischen den Studentengruppen und den gesellschaftlichen Gruppen nach Stärke und Zahl, sondern im Sinne des notwendigen und unvermeidlichen Vorhandenseins eben jener Gruppen, die es in der Gesellschaft gibt, auch innerhalb der Studentenschaft.“ (W.I. Lenin, Werke, Bd.7, Dietz Verlag Berlin 1956, S.32)
[11] W.I. Lenin, Werke, Bd.5, Dietz Verlag Berlin 1955, S.290f.

pdfimages Wo ist die Arbeiterklasse?

Quelle:
M.Banaschak/J.Vorholzer: Nensch und Macht. Der Mensch in den entgegengesetzten Gesellschaftssystemen unserer Zeit. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1969, S.206-213. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Kommunistische Partei, Marxismus-Leninismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s