Deutsche Klassenkämpfe in den Jahren 1918-20

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Die feige Erschießung eines jungen Arbeiters durch die Reichwehr. Man beachte seine entschlossene Haltung…

Im Jahre 1914 waren Hunderttausende junger deutscher Soldaten von ihrem Kaiser in einen sinnlosen Krieg geschickt worden. Bei Langemark und Verdun fanden sie ihr Grab. Doch dann geschah etwas, das die Welt veränderte: die Große Sozialistische Oktoberrevolution. Sie hatte einen entscheidenden Einfluß auf die revolutionäre Entwicklung in Europa. Am 25. November 1917 kam es auch in Berlin zu Massendemonstrationen. Das Volk begrüßte die Errichtung der Sowjetmacht und forderte die sofortige Einstellung des Krieges. Wie kam es nun zur Novemberrevolution in Deutschland und was ist dabei falsch gelaufen? Um es gleich vorweg zu nehmen: Es gibt eine Reihe von Fehlern, die man nicht wiederhollen sollte…

Die Situation war ziemlich kompliziert, zumal es keine Einheitlichkeit gab. Deutschland war in Dutzende kleine Fürstentümer zersplittert, und die Arbeiterklasse hatte, obwohl sie die zahlenmäßig stärkste Klasse war, noch keine einheitliche Partei. Doch nun im einzelnen:

Von der Novemberrevolution bis zum Kapp-Putsch

Das letzte Kriegsjahr des 2. Weltkriegs

Die Armeen Deutschlands und seiner Verbündeten waren durch die langen, erfolglosen Kämpfe erschöpft und erlitten eine Niederlage. Am 29. September 1918 kapitulierte das mit Deutschland verbündete Bulgarien und am 3. November das auseinanderfallende Osterreich-Ungarn. Die militärische Niederlage beschleunigte die Entwicklung der politischen Krise in Deutschland. Die herrschende Clique Deutschlands nahm zu einem Manöver Zuflucht. Um sich vor der Revolution zu retten, bildeten die deutschen Imperialisten am 3. Oktober 1918 unter Prinz Max von Baden eine Koalitionsregierung. In dieser sog. »demokratischen« Regierung war die Sozialdemokratie mit ihren Führern Scheidemann und Bauer vertreten.

Die USA regierten bereits damals in Deutschland mit

Die Bildung dieser neuen Regierung war von dem Präsidenten der USA, Woodrow Wilson, diktiert worden. Die amerikanischen Monopolherren traten bereits damals offen als Retter des deutschen Imperialismus auf. In der Nacht zum 5. Oktober wandte sich die neue Regierung an den Präsidenten der USA mit der Bitte, Waffenstillstand zu schließen und Friedensverhandlungen einzuleiten. Die militärische Katastrophe Deutschlands verschärfte die zu jener Zeit herangereifte politische Krise und beschleunigte den Ausbruch der Revolution.

Der Aufstand der Kieler Matrosen

Am 3. November erhoben sich im Kieler Hafen die Matrosen der Kriegsflotte. Im Laufe der ersten Novemberwoche erfaßte der Aufstand nahezu das ganze Land. Auf Geheiß der anglo-amerikanischen Imperialisten, die die bewaffnete Intervention gegen den Sowjetstaat durchführten, brach die deutsche Regierung am 5. November 1918 die diplomatischen Beziehungen zu Sowjetrußland ab und forderte die Abreise der sowjetischen Botschaft aus Berlin. Unterdessen griff der Aufstand immer weiter um sich. In einigen deutschen Staaten wurden die Dynastien gestürzt. Überall bildeten sich Arbeiter-und Soldatenräte.

Der Einfluß der verschiedenen Parteien

Der »Spartakusbund« förderte durch seine revolutionäre Propaganda die Schaffung von Räten in ganz Deutschland; er war jedoch organisatorisch schwach und vermochte nicht, sich an die Spitze der revolutionären Massenbewegung zu stellen. Die rechten Sozialdemokraten und die Mitglieder der sog. Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (die »Unabhängigen«), die sich das Fehlen einer einigen revolutionären Partei zunutze machten, rissen in den Räten die Führung an sich, um mit Hilfe der Räte die Konterrevolution vor der Revolution zu schützen. [1]

Generalstreik. Und wie ging es weiter?

Am 9. November traten die Arbeiter Berlins nach einem Aufruf des Spartakusbundes in den Generalstreik. Die Arbeiter und mit ihnen die Soldaten besetzten die wichtigsten Regierungsgebäude, die Post, das Telegrafenamt, die Bahnhöfe u.a. Unter dem Druck der revolutionären Massen brach die Monarchie der Hohenzollern zusammen. Kaiser Wilhelm II. floh nach Holland. Während die sozialdemokratischen Führer ihre Pläne zur Rettung des zusammengebrochenen deutschen Imperialismus entwarfen, rief Karl Liebknecht am 9, November auf einer gewaltigen Massendemonstration die Räterepublik aus. Zwei Stunden später proklamierte Scheidemann die bürgerliche Republik.

Wie wurde der Imperialismus gerettet?

Die erschütterte Bourgeoisie legte die Rettung des deutschen Imperialismus in die Hände des rechten Sozialdemokraten Ebert, dem Prinz Max von Baden die Regierung übergab. An die Macht gelangt, rief Ebert das Volk auf, nach Hause zu gehen, die kaiserlichen Beamten aber ersuchte er, auf ihren Plätzen zu bleiben. Am 10. November trat die Vollversammlung der Berliner Räte zusammen und bestätigte die tags zuvor in Geheimverhandlungen gebildete Regierung, den sog. »Rat der Volksbeauftragten«, bestehend aus drei rechten Sozialdemokraten (Ebert, Scheidemann und Landsberg) und drei »Unabhängigen« (Haase, Dittmann und Barth). Einige kaiserliche Staatssekretäre wurden als »unentbehrliche Fachleute« in der Regierung belassen.

Welche Rolle spielte der sog. »Rat der Volksbeauftragten«?

Karl Liebknecht lehnte es ab, dem Rat der Volksbeauftragten anzugehören, da seine Bedingung, Deutschland zur sozialistischen Republik zu erklären, alle Macht den Räten zu übertragen und die bürgerlichen Politiker aus der Regierung auszuschalten, nicht angenommen worden war. Der Rat der Volksbeauftragten, der zur Irreführung der Massen radikale Erklärungen abgab, verfolgte in Wirklichkeit eine bürgerliche Politik, die sich gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung richtete. Der gesamte bürgerliche Staatsapparat blieb unangetastet. Das Eigentum der Monopole, der Großgrundbesitz und die Privilegien des Junkerturns wurden durch die neue Macht geschützt. Die Regierung untersagte den Räten, sich in Angelegenheiten des Eisenbahnverkehrs, der Kohlenindustrie und der Versorgung einzumischen. Am 15. November schlossen die Führer der reformistischen Gewerkschaften mit dem Unternehmerverband ein Abkommen über »Zusammenarbeit« [2].

Die Westmächte diktierten die Bedingungen

Aus Furcht, die Revolution könne weiter um sich greifen, kam den deutschen Imperialisten die französische, englische und amerikanische Bourgeoisie zu Hilfe. Am 11. November 1918 wurde das Waffenstillstandsabkommen von Compiègne unterzeichnet. Für den Kampf gegen die revolutionäre Bewegung in Deutschland und den Krieg gegen Sowjetrußland erklärte sich die Entente (gemäß den Waffenstillstandsbedingungen) mit der Beibehaltung einer deutschen Armee einverstanden; die deutsche sozialdemokratische Regierung verpflichtete sich freiwillig, an der antisowjetischen Intervention teilzunehmen.

Langsam begann das Volk zu begreifen…

Der Stab der Obersten Heeresleitung wurde zum Stab der deutschen Konterrevolution. Die Spartakusleute entlarvten die reaktionäre Politik der Regierung Ebert-Scheidemann. Die Werktätigen begannen allmählich zu begreifen, daß die Politik des Rates der Volksbeauftragten gegen das Volk gerichtet war. Ende November 1918 brach ein großer Streik aus, der Berlin, Oberschlesien, das Ruhrgebiet und andere Industriegebiete des Landes erfaßte. Die Arbeiter forderten Lohnerhöhungen und die Sozialisierung der Großindustrie. Ebert und Scheidemann, die bereits am 9. November 1918 mit der Obersten Heeresleitung ein Geheimabkommen über den gemeinsamen Kampf gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung abgeschlossen hatten, nahmen die Aufstellung konterrevolutionärer Streitkräfte in Angriff.

Eine konterrevolutionäre Verschwörung

Am 6. Dezember organisierten die Reaktionäre einen Putsch, um mit der Arbeiterklasse abzurechnen. Die Arbeiter kämpften jedoch die konterrevolutionäre Verschwörung nieder. Als die bürgerlichen Parteien und die opportunistischen Führer der Sozialdemokratie erkannten, daß es nicht gelingen würde, die Monarchie wiederherzustellen, orientierten sie sich auf eine bürgerliche Republik. Sie forderten die Beseitigung der Räte und die sofortige Einberufung einer verfassunggebenden Nationalversammlung. Vom 16. bis 21. Dezember fand der erste Reichsrätekongreß statt. Den Sozialverrätern, die den gesamten Staats- und Parteiapparat mobilisiert hatten, gelang es, auf dem Kongreß die überwältigende Mehrheit zu erzielen (373 von 485 Sitzen).

Die Arbeiter- und Soldatenräte wurden beseitigt

Trotz der am 16. Dezember vom Spartakusbund organisierten Demonstration von 250.000 Werktätigen, die unter der Losung »Proklamierung Deutschlands zu einer sozialistischen Republik und Bündnis mit Sowjetrußland« stand, nahm der Kongreß mit Stimmenmehrheit den Beschluß über die Durchführung von Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung an. Der Beschluß des Kongresses bedeutete die Selbstauflösung der Räte. Am 23. und 24. Dezember 1918 wurde mit Hilfe Eberts der zweite Versuch eines konterrevolutionären Putsches unternommen, der ebenfalls scheiterte. In dem Bestreben, den rechten Sozialdemokraten bei der Beseitigung der Räte nicht im Wege zu stehen und gleichzeitig ihren Einfluß unter den Massen zu erhalten, schieden die Vertreter der »Unabhängigen« aus der Regierung der Volksbeauftragten aus. Ihre Plätze nahmen Rechtssozialdemokraten ein.

Die Gründung der KPD

Am 29. Dezember 1918 faßte die Reichskonferenz des »Spartakusbundes« den Beschluß zur Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Die Kommunistische Partei wurde auf dem Gründungsparteitag vom 30. Dezember 1918 bis 1. Januar 1919 ins Leben gerufen. Der Parteitag verkündete den Kampf um die Macht der Räte und die Diktatur des Proletariats als die unmittelbare Aufgabe des deutschen Proletariats. Die Delegierten des Parteitages brachten ihre uneingeschränkte Solidarität mit Sowjetrußland zum Ausdruck.

Erste schwerwiegende Fehler

Das vom Parteitag gleichzeitig angenommene Programm enthielt jedoch schwerwiegende halbzentristische Irrtümer Rosa Luxemburgs, wie sie dem Spartakusbund eigen waren, z.B. die mangelnde Erkenntnis der Rolle der Partei als Vorhut der Arbeiterklasse, die Unterschätzung der Bauernschaft als Verbündeter des Proletariats u.a.

  • In dem Programm wurde nichts über die Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates, die Säuberung der Räte von Sozialreformisten und Versöhnlern und die Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes des Proletariats gesagt;
  • anstelle des Prinzips des demokratischen Zentralisrnus verkündete der Parteitag die politische und organisatorische Selbständigkeit der örtlichen Parteigruppen;
  • er lehnte ferner die Teilnahme an den Wahlen zur Nationalversammlung und die Arbeit in den reformistischen Gewerkschaften ab.

Die Gründung der KPD festigte die Positionen des Proletariats jedoch bedeutend.

Ein erneuter Generalstreik … und Verrrat

In der Absicht, die Vorhut der revolutionären Arbeiter zu vernichten, beschloß die sozialdemokratische Regierung, das Proletariat der Hauptstadt zum vorzeitigen Losschlagen zu provozieren, indem sie den unter den Werktätigen beliebten linken »Unabhängigen« Eichhorn seines Postens als Berliner Polizeipräsident enthob. Am 5. Januar fand in Berlin eine Protestkundgebung statt, an der sich 150.000 Demonstranten beteiligten. Der Generalstreik erfaßte nahezu alle Betriebe. Die »Unabhängigen« jedoch, die die Mehrheit in dem von den Arbeitern gegründeten Revolutionsausschuß (Vollzugsausschuß) bildeten, der die Regierungsfunktionen übernommen hatte, traten verräterisch in Verhandlungen mit Ebert ein, anstatt den Aufstand zu organisieren.

Die Ermordung Liebknechts und Luxemburgs

Die verräterische Taktik der »Unabhängigen« demoralisierte die Arbeiter. So war es dem sozialdemokratischen Kriegsminister Noske, der die weißgardistischen »Freikorps« zusammengezogen hatte, möglich, abermals – wie bereits im November 1918 bei der Unterdrückung des Matrosenaufstandes in Kiel – in der Rolle des »Bluthundes« aufzutreten und am 11. Januar alle konterrevolutionären Krafte gegen die Arbeiter einzusetzen. Der Aufstand des Berliner Proletariats wurde mit außerordentlicher Brutalität niedergeschlagen. Am 15. Januar wurden die Führer der deutschen Arbeiterklasse Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg auf direkte Anweisung Noskes von einer Gruppe konterrevolutionärer Offiziere bestialisch ermordet.

Später wurde dokumentansch festgestellt, daß sich in der »Antibolschewistischen Liga«, die die Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs vorbereitet hatte, deutsche Monarchisten, englische Offiziere und rechte sozialdemokratische Führer aktiv betätigten. Die englischen Offiziere waren eigens zu diesem Zweck nach Berlin entsandt worden.

Der Klassenkampf weitet sich aus

Der Januaraufstand in Berlin zog weitere Aufstände und Massenstreiks nach sich, von denen die großen proletarischen Zentren Deutschlands erfaßt wurden. Im Verlauf des Winters und des Frühjahrs 1919 schritt das Proletariat in Rheinland-Westfalen, an der Ruhr und in Sachsen zu revolutionären Aktionen. In Bremen wurde eine Räterepublik errichtet, die vom 10. Januar bis 3. Februar bestand, desgleichen in Bayern (13. April bis 1. Mal 1919). Aber alle diese Aktionen fanden nicht gleichzeitig statt; sie wurden ohne genauen Plan, und ohne eine einheitliche revolutionäre Leitung durchgeführt.

Einmischung der USA und der Westmächte

Die rechten Sozialdemokraten schlugen mit Hilfe der kaiserlichen Offiziere und unterstützt von den englischen, französischen und amerikanischen Imperialisten die proletarische Massenbewegung blutig nieder. Anläßlich der Unterdrückung des Januaraufstandes der Arbeiter sandte der Präsident der USA, Wilson, eine Grußadresse an Ebert. Lenin schrieb:

»Solange die deutschen Arbeiter dulden, daß Verräter des Sozialismus, Schurken und Lakaien der Bourgeoisie, wie die Scheidemänner und ihre ganze Partei, an der Macht sind…, kann von einer Rettung des deutschen Volkes nicht die Rede sein.« [3]

Ein erneuter Fehler der KPD

Unter dem Terror der Reaktion wurden am 19. Januar 1919 die Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung durchgeführt; 56% der Sitze in der Nationalversammlung erhielten die bürgerlichen Parteien. Die Sozialdemokraten und die »Unabhängigen« waren trotz der prahlerischen Erklärungen über ihren unausbleiblichen Sieg in der Minderheit. Die KPD beging den Fehler, die Wahlen zu boykottieren. Die Wahlkampagne zeigte, daß die deutschen Arbeiter noch nicht zum Sturm auf die kapitalistische Ordnung vorbereitet waren. Am 6. Februar ·wurde in Weimar die verfassunggebende Nationalversammlung eröffnet.

Der Arbeiter- und Soldatenrat kapituliert

Am 11. Februar 1919 wurde Ebert zum Reichspräsidenten gewählt, und am 13. Februar bildete Scheidemann die erste Regierung der »Weimarer Koalition«, die sich aus Vertretern der Sozialdemokratie und der Christlichen Volkspartei (katholisches Zentrum) zusammensetzte. Am Eröffnungstage der Nationalversammlung trat der Zentralrat der Arbeiter- und Soldatenräte, der sich in den Händen opportunistischer sozialdemokratischer Führer befand, seine Rechte und Pflichten an die verfassunggebende Versammlung ab. Das war das Todesurteil für die deutschen Räte.

Industrie- und Finanzkapitalisten sind an der Macht

Am 31. Juli 1919 nahm die Nationalversammlung die Verfassung an, in der die Aufhebung der Monarchie und die Bestätigung der bürgerlichen Republik festgelegt war.
In der Weimarer Republik bildeten, genau wie im kaiserlichen Deutschland, die Bourgeoisie und die Gutsbesitzer die herrschenden Klassen. Der Unterschied zwischen dem kaiserlichen Deutschland und der Weimarer Republik bestand lediglich darin, daß nach 1918 in dem Bündnis zwischen Bourgeoisie und Junkertum nicht die Junker, sondern die Industrie- und Finanzmagnaten die führende Rolle spielten.

Was war das Ergebnis der Novemberrevolution?

  1. Die Novemberrevolution, die mit der Monarchie Schluß gemacht hatte, rührte nicht an den Grundlagen der sozialen Verhältnisse im deutschen Dorfe – der Großgrundbesitz blieb unangetastet.
  2. Der deutschen Bourgeoisie gelang es, die Arbeiterbewegung infolge des Verrats der sozialdemokratischen Führer und der direkten Unterstützung seitens der anglo-amerikanischen Reaktion zu zerschlagen.
  3. An der Spitze der revolutionären Bewegung der werktätigen Massen stand keine wahrhaft revolutionäre, marxistisch-leninistische, durch Kampferfahrung gestählte einige Massenpartei.
  4. Die Mehrheit der Arbeiterklasse ließ sich weiterhin von den sozialdemokratischen Führern am Gängelband führen.
  5. Die Arbeiterklasse verstand es nicht, die werktätige Bauernschaft mit sich zu reißen.Zudem war der linke Flügel der deutschen Arbeiterklasse nicht imstande, eine breite nationale Bewegung zu entfalten und zu führen, um das deutsche Volk vor den Folgen des langen Krieges zu bewahren – dem Hunger und Elend – und später vor dem Versailler Raubfrieden, der Deutschland von den englischen, französischen und amerikanischen Imperialisten aufgezwungen wurde.
  6. Der jungen KPD, welche die Strategie und Taktik des Bolschewismus nicht beherrschte, gelang es nicht, den verräterischen Führern der Sozialdemokratie die Führung der Massen aus den Händen zu reißen.

Stalin erklärt:

»Allerdings war die Revolution in Deutschland eine bürgerliche Revolution und keine sozialistische, waren die Räte das gefügige Werkzeug des bürgerlichen Parlaments, denn in den Räten herrschten die Sozialdemokraten, Paktierer vom Schlage der russischen Menschewiki, und daraus eben erklärt sich die Schwäche der Revolution. Wie schwach die Revolution dort war, ist schon daraus ersichtlich, daß sie die straflose Ermordung so hervorragender Revolutionäre wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch deutsche Weißgardisten zuließ«. [3]

Der Friedensvertrag von Versailles

Am 28. Juni 1919 unterzeichneten die Vertreter Deutschlands den Friedensvertrag von Versailles. Dieser Raubvertragwurde mit seiner ganzen Last auf die Schultern der deutschen werktätigen Massen abgewälzt. Er bürdete dem deutschen Volk das doppelte Joch sowohl der deutschen als auch der englischen, französischen und amerikanischen Imperialisten auf. Lenin kennzeichnete den Versailler Vertrag mit der Feststellung, daß es »hunderte Millionen von Menschen unterjocht« und das deutsche Volk »den Bedingungen einer unerhörten, beispiellosen Versklavung« [4] aussetzt.

Dier Macht des Imperialismus blieb erhalten

Der Vertrag wurde ohne die Teilnahme Sowjetrußlands und gegen Sowjetrußland abgeschlossen. Durch ihn blieben die Voraussetzungen fur die Wiederherstellung des deutschen Kriegspotentials und die Kerntruppe der deutschen Wehrmacht erhalten. Deutschland war es laut Versailler Friedensvertrag gestattet, ein 100.000-Mann-Heer (Reichswehr) und eine Kriegsflotte in Stärke von 6 Panzerkreuzern, 6 leichten Kreuzern, 12 Torpcdobootzerstörern und 12 Torpedobooten zu unterhalten. Neben der Armee durfte Deutschland eine Polizei haben. Lenin und Stalin wiesen bei der Enthüllung des imperialistischen Charakters des Versailler Friedensvertrages wiederholt darauf hin, daß er die Unvermeidlichkeit eines neuen Krieges in sich birgt.

Verschlechterung der ökonomischen Lage

Das Jahr 1919 war durch eine weitere Verschlechterung der ökonomischen Lage Deutschlands gekennzeichnet. Die allgemeine Zerrüttung der Wirtschaft die zunehmende Teuerung, die steigende Zahl der Arbeitslosen und der Hunger begannen sich auszuwirken. Die damalige Koalitionsregierung, mit den Sozialdemokraten an der Spitze, unterdrückte rücksichtslos alle Aktionen der Arbeiter. Militaristen, Monarchisten und faschistische Elemente, die von den deutschen Magnaten ausgehalten wurden und sich iuch der Unterstützung durch die anglo-amerikanischen Imperialisten erfreuten, erhoben wieder ihr Haupt.

Der konterrevolutionäre Kapp-Putsch

Das Erstarken der Reaktion im Lande trat in dem von einem Klüngel hoher Reichswehroffiziere organisierten konterrevolutionären Kapp-Putsch zutage. Ohne auf Widerstand zu stoßen, besetzten die Putschisten am 13. März 1920 die Hauptstadt und bildeten eine Regierung mit dem Reaktionär Kapp an der Spitze. Der Reichspräsident und die deutsche Regierung Bauer (Juni 1919 bis März 1920) flohen nach Stuttgart; aber die Arbeiter riefen den Streik aus, der das ganze Land erfaßte. Dank dem einmütigen Handeln des Proletariats wurde der Kapp-Putsch niedergeschlagen.

Wieder nach Berlin zurückgekehrt, gingen Ebert und Bauer vor allem daran, den Generalstreik zu brechen. Gestützt auf dieselben Kräfte, die eben erst den Kapp-Putsch durchgeführt hatten, unterdrückten sie die Arbeiterbewegung in Rheinland-Westfalen, die sich ihre »Rote Garde« geschaffen hatte. Die Autorität der sozialdemokratischen Führer bei den Massen war erheblich untergraben. Hiervon zeugte die Reichstagswahl im Juni 1920, bei der die Sozialdemokraten gegenüber 1919 die Hälfte ihrer Stimmen einbüßten. Die KPD, die erstmalig an Wahlen teilnahm, erhielt etwa 600.000 Stimmen.

Quelle:
Jürgen Kuczynski/Wolfgang Steinuitz (Hrsg.): Große Sowjetenzyklopädie, Deutschland, Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin, 1953, S.142-148. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Zitate:
[1] Vgl. И.В. Сталин  (J. W. Stalin, Werke). Bd.13, S.226; deutsch: J. Stalin, Fragen des Leninismus. Berlin 1951, S.489.
[2]  Die sog. Zentralarbeitsgemeinschaft. (Die Red. d. dtsch, Ausg.) 
[3] История ВКБ [б]. Краткий курс (Geschichte der KPdSU [B]. Kurzer Lehrgang), S.221; deutsch: ebenda, Berlin 1951, S.288-289.
[4]  В.И. Ленин, соч. (W.I. Lenin, Werke). 4. Aufl., Bd.31, S.281-282.

(wird fortgesetzt)

Das bedeutsamste Ergebnis der Novemberrevolution 1918 war die Gründung der Kommunistischen Partei.

Lehren der November Revolution

Quelle: Geschichte, Lehrbuch für die Klasse 9, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1978, S.69.

pdfimages  Von der Novemberrevolution bis zum Kapp-Putsch

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