Deutsche Chronik 1933-1945: Nicht noch einmal!

ChronikIn einem umfangreichen und mit zahlreichen Dokumenten versehenen Bildband beschreibt der Historiker Heinz Bergschicker die Ereignisse der Jahre 1933-1945. Der Präsident der Historiker-Gesellschaft der DDR, Professor Heinrich Scheel, schreibt in seinem Geleitwort: „In der Deutschen Demokratischen Republik hat die Arbeiterklasse unter Führung ihrer revolutionären Partei und im Bunde mit allen fortschrittlichen Kräften des Volkes schon in den ersten Nachkriegsjahren dem Faschismus den Boden ein für alle mal entzogen. Unser Staat braucht die faschistische Vergangenheit weder zu beschönigen noch zu bewältigen, denn er verkörpert Kampf und Hoffnung gerade derer, die dem Faschismus von Anfang an den Weg zu verlegen suchten.“ – nämlich die Kommunisten. Sie hatten von Anfang an vor dem Faschismus gewarnt, sie hatten bis zuletzt dagegen gekämpft und sie waren die ersten, die von den Nazis verfolgt und ermordet worden. Erschienen ist das wertvolle und lehrreiche Buch im Verlag der Nation Berlin (DDR), 1981. Es ist keineswegs überflüssig, darauf hinzuweisen, daß es durchaus möglich ist, daß sich Geschichte allen Mahnungen und Warnungen zum Trotz in dieser oder jener Abwandlung wiederholt. In seinem Vorwort schreibt der Autor:

Der Faschismus war kein Zufall

Was 1933 über Deutschland hereinbrach. bewirkte nicht Gesetz noch Zufall. Der Faschismus war absehbar, aber auch abwendbar. Für seinen Aufstieg wie für seinen Niedergang bestanden gleichermaßen objektive Voraussetzungen. Jedem, der nur sehen wollte, gab seine Zeit ausreichend Hinweise. Doch mochten zu viele weder denken noch handeln.
Die Weimarer Republik, welcher der Faschismus entsprang, war zu keiner Zeit jener freieste der Staaten, zu dem sie von Nachahmern hochgelobt wird. Während ihrer gesamten Existenz bildete sie die – zeitweise freilich recht dekorative – Hülle kaum begrenzter bürgerlicher Klassenherrschaft.

Die schrittweise Abschaffung der Demokratie

Der unüberbrückbare Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit erhielt in ihr sogar eine besonders scharfe Ausprägung durch die zu neuer Machtvollkommenheit drängenden reaktionärsten Kräfte der deutschen Geschichte, die sich nach ihrer ernsten Niederlage im ersten Weltkrieg vorübergehend im Hintergrund halten mußten. In ihrem Endstadium erlebte die Republik von Weimar eine derartige Machtverdichtung dieser Kreise, daß selbst von formaler Demokratie kaum noch die Rede sein konnte. Mit «Notverordnungen» ohne oder gegen das Parlament regierend, leiteten die seit 1930 einander ablösenden Präsidialkabinette durch ihre sich stetig steigernde politische Willkür über zur extremsten Form imperialistischer Machtausübung : zur faschistischen Diktatur.

Radikale Unterwerfung der Arbeiterklasse und Kriegsvorbereitungen

Zielklare Initiatoren dieses Faschisierungsprozesses waren besonders aggressive Gruppen des Industrie­ und Bankkapitals, des Großgrundbesitzes und der Generalität. Ihrem unveränderten Drang nach der globalen Vormachtstellung entsprach schließlich uneingeschränkt nur noch das Programm der Nazis: zunächst im Inneren radikale Unterwerfung der Arbeiterklasse, dann nach außen Gewaltanwendung zwecks Erweiterung der Märkte. Dazu schrankenlose Aufrüstung, endlich Krieg. An den Grenzen der innen-und außenpolitischen Aktionsfähigkeit angelangt, trat der deutsche Imperialismus planvoll in die nächste Phase seines Weltherrschaftsstrebens ein.

Die Arbeiterklasse war gespalten und führungslos

Als echte Gegenkraft kam nach organisatorischer Potenz, politischer wie materieller Interessen lage und historischer Bestimmung allein die Arbeiterklasse in Betracht. Doch stand ihrer Wirksamkeit ihre Spaltung entgegen, die sich in den letzten Jahren der Weimarer Republik noch vertieft hatte. Während die Kommunistische Partei im Kampf mit dem Imperialismus zur richtungweisenden Vorhut des revolutionären Proletariats geworden war, verharrte die im Revisionismus befangene Führung der Sozialdemokratie bei ihrer realitätsfremden Idee vom «Dritten Weg» zwischen den Klassenfronten. Ihr in bürgerlichen Gedankengängen wurzelnder Antikommunismus, nicht das lediglich als Reflex auftretende Sektierertum der anderen war es, der letzten Endes den von den Kommunisten lange und zäh verfolgten Plan der breiten antifaschistischen Einheitsfront scheitern ließ. Derart verunsichert, konnte die Arbeiterklasse nicht den ihr an der Spitze der Nation zukommenden Platz finden. Sich in der Mehrheit selbst begreifend, hätte sie ohne Zweifel den Vormarsch der Reakti on gestoppt.

Die Ratlosigkeit während der Wirtschaftskrise

Im gesellschaftlichen Spannungsfeld zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat von jedem dieser beiden Pole bald angezogen und bald abgestoßen, verloren die Mittelschichten bei wachsender Verwirrung zusehends jeden Halt. Die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise vermehrten das Heer der Desorientierten um die Deklassierten aus Industrie und Landwirtschaft. Aus diesem Wirbelstrom verzweifelnd hoffender Ratlosigkeit bezog der Faschismus in Abstimmung mit Großindustrie und Hochfinanz sein Potential. Mit zunehmender Polarisierung mußte es zusammenbrechen.

Rigorose Befestigung der Herrschaft der Ausbeuterklasse

Der Verfalisprozeß war im Gange. Das Abflauen der Wirtschaftskrise einerseits, andererseits das Eindringen antiimperialistischer Erkenntnis in die Randschichten des Proletariats ließen den Einfluß der Nazipartei stark absinken. Dennoch erschien der Bourgeoisie jeder Versuch einer Rückkehr zur bisherigen Praxis parlamentarischer Demokratie angesichts der bitteren Erfahrungen der Massen untauglich. Die Konstante imperialistischer Politik ließ sich offenbar nur durch den Übergang zu einer noch nicht kompromittierten Staatsform bewahren, die bei rigoroser Befestigung alter bürgerlicher Klassenherrschaft den Anschein neuer nationaler Würde und sozialer Gerechtigkeit erweckte.

Die brutale Gewalt einer herrschenden Minderheit

Der Faschismus erfüllte Ansprüche solcher Art unübertrefflich; ihm wurde die Regierungsgewalt übertragen. Einen wesentlich anderen Eindruck machte die politische Szenerie anfangs indesse nicht. Neben dem braunen Reichskanzler und nur zweien der Paladine erblickte man im «Kabinett der nationalen Konzentration» schon vom vorige und vorvorigen Kabinett her bekannte Gesichter – konservativ und reaktionär. Auch hatte trotz improvisierter Fackelzüge die bürokratische For des eiligen Wechsels vom dritten Präsidialkabinett v. Schleicher zum vierten Präsidialkabinett Hitle nicht entfernt Ähnlichkeit mit einer «nationale Erhebung». Straßenschlachten schließlich war man schon jahrelang gewohnt. So mag vielen zunächst der einschneidende Wandel entgangen sein, nach dem maximale Profite nunmehr durch unverhüllte, brutale Gewalt gesichert wurden.

Die Kommunisten hatten mehrfach gewarnt

Noch konnte der kalte Staatsstreich aufgefangen werden. Die Kommunisten, mit der Umsicht der ewig Verfolgten und dem Weitblick der unentwegt Vorangehenden, warnten, riefen die Klassenbrüder zum Generalstreik. organisierten den Widerstand. Doch der Führung der Sozialdemokratie war der Sinn für Realitäten durch alte Feindschaft und eine neue, in profitablen Regierungsjahren entdeckte Liebe zur bürgerlich-parlamentarischen Ordnung erheblich getrübt. Sie hielt es für möglich, den Faschismus «abwirtschaften» zu lassen.

Blutige Verfolgung der Kommunisten

Vor dem faschistischen Terror zerstoben all jene legalistischen Illusionen. Gestützt auf eine Serie die Verfassung entkräftender Notverordnungen des Reichspräsidenten, unter Beihilfe sämtlicher staatlicher Gewalten und nicht zuletzt mit übelsten Provokationen traten die Nazis zum Generalangriff auf ihre Gegner an. Der erste Schlag traf die gefährlichsten – die Kommunisten und die ihnen geistig unmittelbar Verwandten. Sie wurden unter blutigen Verfolgungen in tiefe Illegalität gedrängt. Der Sozialdemokratie zahlte sich die vornehme Zurückhaltung ihrer Führung ebensowenig aus wie den Gewerkschaften die plumpe Anbiederung der Ihren – Verbot und Verfolgung ereilten beide wenig später. Die Niederlage der Arbeiterklasse war vollkommen.

Auflösung und Verbot aller demokratischen Parteien

Den bürgerlichen Parteien, die den Nazis mittels «Ermächtigungsgesetz» den Anschein einer legalen Vorherrschaft verliehen, blieb als einzig logische Folgerung daraus die erzwungene Selbstauflösung. Ihre Rolle als «Hüter der Demokratie» war in dem Augenblick ausgespielt, als sich die Mehrheit der führenden Monopole auf ihre konsequentesten Interessenvertreter umgestellt hatte. Die Herren des Finanzkapitals waren sich einig mit denen der Reichswehr. Sie gaben dem Faschismus vier Jahre Zeit, sich zu bewähren.

Der enttäuschte Mittelstand

Die unbedingte Ausrichtung auf die Großen mußte den kleinen Leuten herbe Enttäuschungen bringen. Unter dem halbproletarischen Anhang der Nazis wie im Mittelstand kam der Wunsch nach einer «zweiten Revolution» auf. Er wurde im höheren interesse des Profits ebenso rasch in Strömen von Blut erstickt wie alle sonstige Gegnerschaft. Mit dem nun nur erwünschten Tod des Reichspräsidenten konnte die «Gleichschaltung» des gesamten staatlichen Lebens auch formal zu Ende geführt werden. Das Regime der Nazis hatte sich endgültig konsolidiert.

Deutschlands Weg in den Abgrund war damit frei von letzten inneren Hindernissen. Vermochten ihn diejenigen, denen der Verstand nicht in die Stiefel gerutscht war, die nur allzuwenigen, die von den Stiefeln nicht zertreten worden waren, noch einmal zu versperren? Die Besten versuchten es.

Quelle:
Heinz Bergschicker: Deutsche Chronik 1933-1945. Ein Zeitbild der faschistischen Diktatur. Verlag der Nation Berlin,3.Auflage 1985. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Seite 12

Nacht über Deutschland. Es begann schon viel früher. Mit der Übertragung der Macht auf die Nazipartei setzte eine verschwindend kleine Minderheit von Monopolkapitalisten ihre unumschränkte Herrschaft durch und schuf mit Hilfe der Hitleristen ein Terror-Regime in bisher nie dagewesenem Ausmaß. Der Terrorismus begann mit der Verfolgung und Ermordung der Kommunisten, führte über die Ausrottung und Eroberung fremder Völker zum Krieg und endete dank des heldenhaften Kampfes der Sowjetunion im totalen Fiasko. Am 8. Mai 1945 kapitulierten die faschistischen Machthaber bedingungslos. Dieser Sieg war nur möglich, weil die Sowjetunion als erstes sozialistisches Land in der Weltgeschichte die moralische und militärische Stärke besaß, einen so aggressiven und mächtigen Feind, wie das faschistische Deutschland zu überwinden.


Siehe auch:
Sie werden es nicht verstehen…

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