Was ist deine Arbeit wert, Kollege?

PfandflaschenDie Bosse haben sich geeinigt! Sie zahlen dir jetzt 8,50 EUR pro Stunde. Das ist soviel wie ein Sack Flaschen. Die kannst Du dann im Aldi abgeben. Und in ein paar Jahren sind es dann 34 Cent mehr, wenn du das noch erlebst…

Da fang mal schon an zu sammeln, Kollege, damit du was zu fressen hast, wenn du dann mal Rente kriegst. Oder mach schnell noch eine Firma auf, laß ein paar Leute für dich arbeiten – dann klappt das auch. Vom Arbeitsamt kannst du dir jedes Jahr neue Praktikanten holen. Die bezahlt der Staat. Und wenn du Glück hast, kannst du dir sogar eine Finca in Spanien dafür kaufen. Ist das nicht herrlich???  Apropos. Hast du schon mal was von Ausbeutung gehört? Das betrifft nicht nur die Kollegen bei Mannesmann oder Amazon, die Busfahrer oder Straßenbahnschaffner. Nein, es betrifft auch DICH. Und auch Dich, Kollegin!

Gibt es eigentlich noch Ausbeutung?

Es wurde schon auf jene bürgerlichen Ideologen hingewiesen, die heute behaupten, die kapitalistische Ausbeutung sei verschwunden, weil in der Nachkriegszeit der Reallohn der Arbeiter gestiegen sei. Niemand wird ernsthaft die Bedeutung des Reallohns für die Arbeiterklasse im Kapitalismus geringschätzen. Tatsache ist aber auch, daß er nur ein Moment, nur eine Erscheinung in der kapitalistischen Ausbeutung ist. Ihr Wesen ist mit der Höhe des Reallohns längst nicht erfaßt.

Wie kommt die Ausbeutung eigentlich zustande?

Das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung ergibt sich aus den kapitalistischen Produktionsverhältnissen, insbesondere aus der unterschiedlichen Stellung der verschiedenen Klassen und Schichten der kapitalistischen Gesellschaft zu den Produktionsmitteln. Diese Stellung wird im Kapitalismus dadurch charakterisiert, daß die Mehrheit der Gesellschaft über keinerlei Eigentum an den Produktionsmitteln verfügt, während eine kleine Gruppe die Produktionsmittel in ihren Händen konzentriert.

Was ist mit Eigentum gemeint?

Wenn Marx von den Eigentumsverhältnissen sprach, so ist damit nicht irgendein Eigentum, sondern immer das Eigentum an den Produktionsmitteln gemeint. Die Zahl jener, die keine eigenen Produktionsmittel besitzen, wird immer größer, die Zahl der Produktionsmitteleigentümer immer kleiner. Gegenwärtig kann man davon ausgehen, daß in den industriell entwickelten kapitalistischen Ländern 80 bis 90 Prozent aller Arbeitsfähigen als Arbeiter und Angestellte kein Eigentum an den Produktionsmitteln besitzen (Abbildung 2).

Abb2

Eine Minderheit besitzt fast alle Produktionsmittel

Völlig unabhängig davon, ob die Arbeiter und Angestellten eine gut oder schlecht eingerichtete Wohnung besitzen, das real einsetzbare Eigentum, über das sie in der kapitalistischen Gesellschaft verfügen, ist ihre Arbeitskraft. Alle anderen Mitglieder der kapitalistischen Gesellschaft sind als Bauern, Handwerker, als Klein- oder Großunternehmer in der einen oder anderen Form Eigentümer von Produktionsmitteln. Dabei besteht das Charakteristische wieder darin, daß der entscheidende Teil der Produktionsmittel, Betriebe und Bergwerke, Produktions-, Forschungs-, Verkehrs- und Dienstleistungseinrichtungen, Eigentum von zwei bis drei Prozent der Bevölkerung ist. In der BRD beispielsweise verfügen etwa 60 Monopolgruppen über mehr als zwei Drittel des Gesamtkapitals aller Kapitalgesellschaften.

Der Lohnempfänger muß seine Arbeitskraft verkaufen

Diese Zahlen über die Eigentumsverhältnisse – so erklären bürgerliche Ideologen – mögen stimmen, aber sie hätten aber eine geringe Bedeutung, weil auch Arbeiter und Angestellten ihr Eigentum an Kühlschränken, Waschmaschinen, Autos, Fernsehempfängern und anderen langlebigen Konsumgütern außerordentlich vergrößert hätten. Das mag stimmen, aber ob ein Arbeiter ein, zwei oder auch drei Kühlschränke, Fernsehempfänger oder andere Konsumgüter besitzt, ändert nichts an der entscheidenden Tatsache: Wenn er und seine Familie leben wollen, bleibt ihm kein anderer Weg als der Verkauf seiner Arbeitskraft.
Verkauf.png

Quelle:
O. Reinhold/K.-H. Stiemerling: Politische Ökonomie. Dietz Verlag Berlin 1985, S.35/36. (Tab. ebd. – Zwischenüberschriften wurden eingefügt. N.G.)


Was ist Ausbeutung?

Um es einfach zu machen, lassen wir die komplizierten Formeln und ihre Erklärungen aus dem Marx’schen Kapital mal weg. Bekanntlich hat der enorme wissenschaftlich-technische Fortschritt in den letzten Jahren viele Neuerungen gebracht, die sich vor allem in der materiellen Produktion auswirken.Wie das funktioniert, zeigt die folgende Tabelle (Abbildung 8):

Mehrarbeitezeit

Wer wollte bestreiten, daß die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit sich in den Jahren nach 1978 nicht noch mehr verringert hat, als im vorangegangenen Zeitraum. Wo modernste Technik eingesetzt wird, sind ganz erhebliche Steigerungen der Arbeitsproduktivität möglich. Wenn die Produktion dann noch ins Ausland verlagert wird, wo das Lohnniveau wesentlich niedriger ist als in der BRD, lassen sich weitere, zusätzliche Profite erwirtschaften. Heute übernehmen Computerprogramme eine Vielzahl von Aufgaben, für die früher umständliche Berechnungen usw. notwendig waren. Es gibt allerdings auch Berufe, wie Kraftfahrer, Kfz.-Mechaniker oder Zahnarzt, in denen läßt sich die Arbeitsproduktivität nicht mehr wesentlich steigern. Das wird wiederum ausgeglichen durch alle möglichen anderen Tricks, wie falsche Normvorgaben, minderwertiger Materialersatz, höherer Leistungsdruck, Einsatz von Billiglöhnern, Leiharbeitern, Praktikanten usw. Es gibt massenhaft Firmen, die könnten ohne Arbeitsagentur und Jobcenter nicht überleben. Daher also die relativ niedrigen Arbeitslosenzahlen.

Das ist die Quelle des sagenhaften Reichtums der kapitalistischen Unternehmer!

Und um den „Arbeitsfrieden“ zu erhalten, zahlt der Unternehmer bzw. der Staat bestimmten Berufsgruppen einen höheren als den Durchschnittslohn – als „Schweigegeld“ sozusagen.

Siehe auch: https://campogeno.wordpress.com/tag/pfandflaschen-sammler/

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8 Antworten zu Was ist deine Arbeit wert, Kollege?

  1. Harry 56 schreibt:

    Jawohl, die Bosse haben sich gut geeinigt über die weitere reibungslose geräuschlose Ausbeutung von Millonen von Niedriglohnsklaven, Besitzlosen, Proletariern.
    Doch was für, welche Bosse verhandelten da ?
    Es waren die Bosse der Arbeitgebervereinigungen und die Bosse des arbeiterverräterischen DGB.
    Bravo! Bravo! Mit solchen „Gewerkschaftlern“ läßt sich´s für´s Kapital gut leben!

  2. Rheinlaender schreibt:

    Der dahin vegetierende Langzeitarbeitslose bzw. H4ler ist das beste, was dem groß kapitalistischen BRD Staat passieren kann.
    Der H4ler kostet dem Staat mit ca. 800 Euro monatlich nicht mal die Hälfte eines Kurzeit-Arbeitslosen. Der Kurzeit-Arbeitslose bekommt ca. 1100 Euro plus ca. 500 Euro für die Rente gutgeschrieben. Kein Wunder, dass der deutsche Staat – bzw. dessen superreiche Bosse – den Langzeitarbeitlsen erstmal erschaffen musste.
    Mal eine andere Rechnung: Ein Langzeitarbeitsloser, der 20 Monate arbeitslos ist, entspricht 10 Kurzeitarbeitslosen mit nur zwei Monaten Dauer Arbeitslosigkeit. Anmerkung: Welcher Lohnabhängige hätte vor zwei Monaten Arbeitslosigkeit Angst? Wer würde dann nicht gern mal zwei Monate arbeitslos machen? Rein rechnerisch gibt es Langzeitarbeitslose nur, weil es keine Kurzzeitarbeitslosen gibt.

  3. Aber, aber Genosse!
    [Ironie an, sonst werde ich wohl mißverstanden]: Oha, das sind ja Netto 17 Cent mehr pro Stunde. WOW! 29,47 € mehr im Monat.
    Damit können die Mindestlöhner endlich einen Riester-Vertrag abschließen und sich selbstständig um ihre Rente kümmern.😉 — [Ironie off]
    Nun, solange die in Gewerkschaften organisierte Arbeiterklasse sich nicht mit der nicht-organisierten Arbeiterklasse solidarisiert, wird es in der BRD dabei bleiben: Keinen gleichen Lohn für gleiche Arbeit. …

    Und da die Gewerkschafter bei dieser Mindestlohngeschichte auch noch mitwirken: Damit schaufeln sie ihr eigenes Grab. Aber, was solls: ‚man‘ redet bei denen eh gegen die Wand, was kein Wunder ist, sind sie ja vom Kapitalismus vollkommen verblendet.

  4. Harry 56 schreibt:

    „Aber, aber, Genosse“!“….. Diese Gewerkschaften, institutionelle protegierte Agenturen, „Transmissionsriemen“ (O-Ton LENIN) – aber leider heute, aktuell! – des KAPITALS, können als solche, sich niemals ihr „eigenes Grab schaufeln“. Solange wir noch diesen Kapitalismus haben, werden wir auch weiterhin diese Gewerkschaften als treueste fatalistische Systemdiener, Stützen des Kapitals haben, zum Leidwesen jedes weiteren echten gesellschaftlichen Fortschritts für die große Masse des immer noch tatsächlich arbeitenden, zumeist ziemlich besitzlosen Volkes.

  5. Pingback: Bist du zufrieden mit deinem Lohn, Kollege? | Sascha's Welt

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