BRD (1959): Alte Nazis – neue Uniformen.

ReichstagMitunter scheint es, als sollte man sich lieber schöneren Dingen in der Gegenwart zuwenden, anstatt alte Geschichte(n) wieder aufzuwärmen. Der Leser B. schrieb beisielsweise:  „Danke für den Artikel. Politik ist ein sehr schmutziges Geschäft.“ Und? Was hilft’s, wenn man sich abwendet und nur brav und freundlich seine Arbeit erledigt. Das haben die meisten Menschen in den 1930er Jahren auch gedacht und getan. War das richtig? Nein, es war nicht richtig. Doch Änderungen geschehen nicht von allein. Man muß etwas dafür tun. Die Macht im Staate BRD hat keinesfalls das Volk (wie in güldnen Lettern überm Reichtstag prangt). An die Macht kamen in Westdeutschland mit Hilfe der USA und der anderen Westalliierten bald wieder die alten Nazis. Deren Nachfolger bestimmen auch heute noch mehrheitlich die Politik. Sie sind die Vollstrecker der Großindustrie, des Finanzkapitals. In der Politik geht es also nicht etwa um Arbeitsplätze oder um die immer wieder hochgelogene Bedrohung aus dem Osten. Nein, hier geht es allein um die Profite der Monopolbourgeoisie. Der Publizist Klaus Polkehn hat einmal recherchiert…

Eine harmlose „Wiedersehensfeier“?

„Die 2000 Männer an den Tischen schwiegen, als der Großadmiral, weißhaarig und sichtlich gealtert, zu der kleinen Bühne des großen Saales ging. Hier reichte ihm eine Reihe der ‚erfolgreichsten‘ Kommandanten, Kretschmer, Brandi, Suhren, Hardegen, Schnee und Hanmann, die Hand. Minutenlang zuckten dann die Blitzlichter der Fotografen …“

Das war das erste Auftreten des ehemaligen Großadmirals Dönitz, in Nürnberg wegen erwiesener Kriegsverbrechen verurteilt, nach seiner Entlassung aus dem Spandauer Kriegsverbrechergefängnis. Es war – wie eine westdeutsche Zeitung schrieb – „nichts als eine Wiedersehensfeier“, die da im August 1958 im Winterhuder Fährhaus bei Hamburg vor sich ging. Der Mann, der dem „letzten Reichskanzler“, dem von Hitler zu seinem Nachfolger ernannten Dönitz, so ostentativ die Hand reichte, war der Fregattenkapitän Otto Kretschmer, ehemaliger Vorsitzender des „Marinebundes“. Wegen „zu großer Belastung“ hatte Kretschmer im Juni 1956 den Vorsitz niedergelegt, nachdem zuvor mit seiner Stimme der Nazigroßadmiral Raeder, ebenfalls gerade aus Spandau entlassen, zum Ehrenmitglied des Bundes ernannt worden war.

Der Nazi-Kapitän Kretschmer in neuer Uniform

Man könnte über diese Ereignisse mit der Bemerkung hinweggehen, daß es nun mal unverbesserliche Nazis gibt, wäre nicht Fregattenkapitän Kretschmer heute wieder Fregattenkapitän – in der westdeutschen Marine. Im Dezember 1955 hat er die Uniform wieder angezogen. Der damalige Bonner Kriegsminister Blank bestellte ihn zum Leiter der Annahmeorganisation der Bonner Kriegsmarine. Kretschmer entschied über die Einstellung neuer Offiziere. Es ist der gleiche Kretschmer, der im Jahre 1941 im britischen Kriegsgefangenenlager Grizedale Vorsitzender eines Femegerichts war. Der deutsche U-Boot-Offizier Berndt war von seinen Mitgefangenen beschuldigt worden, sich bei der Gefangennahme „unmilitärisch“ verhalten zu haben. Im britischen Kriegsgefangenenlager (!) verurteilte ihn das geheime Gericht unter Vorsitz von Kretschmer zum Tode. Wenige Tage später fand man Berndt auf rätselhafte Weise erschossen auf. Otto Kretschmer kommandiert heute Matrosen der Bundesmarine. Ein Einzelfall? Leider nicht.


Von Nazis bombardiert: Coventry, Rotterdam

Bitte erinnern Sie sich: Am Abend des 10. Mai 1940 meldete der „Reichsrundfunk“: „Heute nachmittag haben drei französische Flugzeuge die Stadt Freiburg bornbardiert 24 Personen, darunter Frauen und Kinder wurden getötet.“ „Von jetzt ab Vergeltung“, heißt es am nächsten Morgen in den Zeitungen. Ein amtliches Kommunique teilt mit: „Zur Vergeltung dieses völkerrechtswidrigen Vorgehens wird die Deutsche Luftwaffe in derselben Weise antworten…“ Der „totale Luftkrieg“ beginnt: Coventry und Rotterdam sind zwei der Stationen. Waren es wirklich französische Flugzeuge, die diese Mordwelle auslösten?

Wer bombardierte zuvor Freiburg?

Spätere Untersuchungen ergaben: Drei Flugzeuge des deutschen Kampfgeschwaders 51 „Edelweiß“ warfen Bomben auf Freiburg; sie lieferten die „Rechtfertigung“ für den folgenden Luftmord. Jene Flieger, Deutsche, die Bomben auf wehrlose Landsleute warfen, unterstanden dem Oberkommando des Majors Josef Kammhuber, dem gleichen Kammhuber, der am 2. Mai 1938 (!) in einer „Organisationsstudie“ die Nazi-Luftwaffengruppenkommandos vom „Jahr 1950 ab“ in folgenden Städten stationiert wissen wollte: Berlin, Braunschweig, München, Wien (!), Budapest (!), Warschau (!) und Königsberg. Kammhubers Pläne gingen nicht in Erfüllung, weil der „Führer“, der seinen getreuen Paladin 1943 zum General der Flieger befördert hatte, bereits 1945 bankrott ging. Kammhuber wechselte die Uniform und ist seit 1956 Chef der westdeutschen Luftwaffe im Range eines Generalleutnants der Bundeswehr.

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Die „Wunderwaffe“ der Nazis

Erinnern Sie sich noch daran, wie im Frühjahr 1945 die Gerüchte über den bevorstehenden Einsatz einer „Wunderwaffe“ von Mund zu Mund gingen? Goebbels hatte sie verbreiten lassen, um die Kampfmoral zu stärken. Und tatsächlich war man damals verzweifelt tätig, um noch irgendeine „Überwaffe“ zu produzieren. Die Oberleitung dieses Projekts oblag dem Chef des Amtes für Kriegsschiffbau, Vizeadmiral Ruge. Ruge hatte schon unter Wilhelm II. in der Kriegsmarine gedient. Hitler beförderte ihn zum Vizeadmiral und bedachte ihn mit hohen Kriegsauszeichnungen. Vor der „Wunderwaffenproduktion“ kommandierte Ruge das Marinekommando Italien und arbeitete als Mitglied eines „Sonderstabes“ eng mit dem Kriegsverbrecher Kesselring zusammen. Den gleichen Friedrich Ruge treffen wir heute als Inspekteur des Führungsstabes Marine der Bonner Bundeswehr. Und er hat sich nicht gebessert. 1955 bezeichnete er in dem berüchtigten „Deutschen Soldatenkalender“ die Ostsee als „Rollbahn für kommende Entscheidungen“.

Wer war dieser Ruge?

Der Name Ruges wurde auch im November 1958 genannt, als er die Besetzung Dänemarks durch Bundeswehreinheiten empfahl. Es gehe, meinte der Naziadmiral, um die Schaffung „klarer Befehlsverhältnisse“ im NATO-Kommando Europa-Mitte. Um das Bild Ruges abzurunden, soll noch erwähnt werden, daß unter seiner Leitung alte Nazifilme als „Lehrmaterial“ in der Bundesmarine eingeführt wurden. Das „Ministerialblatt des Bundesverteidigungsministeriums“ nannte u. a. folgende Titel: „Asse zur See“, „U-Boote im Atlantik“, „Schlachtschiffe in Fahrt“ und „Sperrlücke X“.

Ruge


Der Befehl des Generals Foertsch

Lesen Sie die schriftliche Aussage des ehemaligen Kommandeurs der 218. Infanterie-Division der Hitler-Wehrmacht. Generalmajor Ingo Erwin Kollani vom 27. Februar 1950:

„Als ich den Befehl über die 218. Division übernahm. war General Foertsch Stabschef der 18. Armee. Die Befehle hinsichtlich des Arbeitseinsatzes der Zivilbevölkerung und· der Kriegsgefangenen ergingen an die Division von der Armee über das Armeekorps und waren vom Stabschef der 18. Armee. General Foertsch, unterzeichnet… Die Requirierungen von Lebensmitteln wurden vom Oberquartiermeister der Heeresgruppe, General Rauser, auf Grund der Befehle vorgenommen, die vom Stabschef der Heeresgruppe Kurland, General Foertsch, unterzeichnet waren.“

Der Stabsgefreite Willi Handke von der ehemaligen 23. Infanterie-Division schilderte die Durchführung der Befehle des Generals Foertsch so:

„Ich sah persönlich einen Transport auf der Station Ljubuljardi fertig zur Abfahrt, bestehend aus 1000 bis 1500 Menschen. Die ganze Bevölkerung weinte sehr und wollte nicht nach Deutschland fahren, aber mit Hilfe des Befehls und durch Drohungen wurde die ganze Bevölkerung gewaltsam hinausgetrieben.“

Wer war dieser Foertsch?

Dieser General Friedrich Foertsch, von Hitler mit dem Ritterkreuz dekoriert, zuletzt Chef des Generalstabes der Heeresgruppe Kurland, wurde als Kriegsverbrecher zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Wenige Wochen nach seiner vorzeitigen Entlassung, Ende 1955 holte ihn Kriegsminister Strauß in die Bundeswehr, ernannte ihn zum Generalmajor und übergab ihm das Kommando der 2. Grenadier-Division in Gießen. Heute amtiert Mörder Foertsch in der Abteilung „Planung und Politik“ beim NATO-Stab in Paris.


Er „verheizte“ 55.000 deutsche Soldaten

Nicht den Weg zur Bundeswehr gefunden hat Herbert Otto Gille, einstmals General der Waffen-SS. Er gehört zu den Begründern der bewaffneten SS. Während· des zweiten Weltkrieges kommandierte er die berüchtigte SS-Division „Wiking“. Auf Gilles Konto kommt – um nur ein Beispiel zu nennen – die „Verheizung“ von 55.000 deutschen Soldaten im Kessel von Tscherkassy im Februar 1944. 73.000 Mann waren damals bei Korsun aussichtslos eingekesselt. Um weiteres Blutvergießen zu verhindern, forderte die Sowjetarmee die Eingeschlossenen zur Kapitulation auf. Der Kommandeur der eingeschlossenen Truppen, General der Artillerie Stemmermann, war bereit, darauf einzugehen. Aber im Kessel befand sich auch noch die SS-Division „Wiking“. Gille ließ General Stemmermann erschießen und trieb die Truppen erneut in den Kampf. 55.000 deutsche Soldaten starben bei dieser Operation. Gille aber verließ in letzter Minute mit einem „Fieseler-Storch“ das Kampfgebiet.

Was macht dieser Gille nach 1945?

Der SS-General Gille läuft heute in Westdeutschland frei und unbehelligt herum, ja er ist Führungsmitglied der von der Bundesregierung zugelassenen SS-Nachfolgeorganisation HIAG. Gille darf heute in Adenauers „Rechtsstaat“ solche Worte schreiben und veröffentlichen: „Ehrenvoll ist es für mich, für die Waffen-SS das Wort ergreifen zu dürfen. Gern erinnern wir uns, als wir Schulter an Schulter mit Kameraden der anderen Wehrmachtsteile siegreich vor­ wärtsstürmten.“ Diese Worte standen im August 1953 im „Wiking-Ruf“, eine Zeitschrift, die Gille heute herausgibt und die man in Westdeutschland an Zeitungskiosken kaufen kann.

Meyer


Erhard Milch – „Ehrenarier“ des Nazireiches

Auch den ehemaligen Generalfeldmarschall Erhard Milch hat man aus gutem Grund nicht in die Bundeswehr eingegliedert. Er dient heute dem Adenauer-Staat und den in Westdeutschland herrschenden Konzernen auf seine eigene Weise. Milch, Sohn eines jüdischen Apothekers, war der „Ehrenarier“ des Nazireiches. Er bezichtigte seine eigene Mutter des Ehebruchs und wurde so von Göring persönlich zum „Arier“ ernannt. Milch war schon 1933 als Staatssekretär für Luftfahrt eingesetzt worden und brachte es im Verlauf des Krieges bis zum Generalinspektor der Luftwaffe. Milch war Verantwortlicher für den Einsatz von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen in der Flugzeugindustrie. Er war einer der Initiatoren der Versuche, die von Luftwaffe und SS gemeinsam im KZ Dachau durchgeführt wurden. Häftlinge wurden – um die „Bedingungen beim Höhenflug“ zu studieren – in Unterdruck- und Unterkühlkammern buchstäblich zu Tode gemartert. Dafür wurde Erhard Milch im Frühjahr 1947 von dem Alliierten Militärgericht in Nürnberg zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

…lebenslänglich für diesen Verbrecher…?

Aber schon im April 1954 entließen die Amerikaner den Verbrecher Milch aus der Haftanstalt Landsberg. Sein erstes Wiederauftreten in der Öffentlichkeit erfolgte im April 1957. Milch nahm – genau zehn Jahre nach seiner Verurteilung – als Ehrengast gemeinsam mit Bundeswehroffizieren an der feierlichen übergabe des Flugplatzes Essen-Mülheim an die „Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt“ teil. Milch hat seitdem einen gutbezahlten Posten im Klöckner-Konzern inne. Er berät und vertritt diese Firma, die sich stark in der Rüstungsproduktion engagiert hat.

Milch


Ein gewählter Vertreter im deutschen Bundestag

Auf dem gleichen Gebiet wie Milch ist der CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Berendsen tätig. Auch er hat „große militärische Erfahrungen“. Noch während der Weimarer Republik trat er der Reichswehr bei. 1936 hatte er es bis zum Schwadronschef im Reiterregiment 2 gebracht. Seit 1938 war er dann im Hitler-Generalstab tätig, in jener Organisation, die im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß als verbrecherisch bezeichnet wurde, weil sie die Überfälle auf andere Völker vorbereitet hatte. 1948 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, wurde er 1953 als CDU-Mitglied in den Bundestag gewählt. Berendsen, übrigens „Militärexperte“ seiner Partei und Mitglied des „Verteidigungsausschusses“ des Bonner Bundestages – ist Prokurist des Konzerns Klöckner & Co. 1958 schanzte der „Volksvertreter“ Berendsen seiner Firma einen Großauftrag zur Lieferung von 4.000 Panzerwagen für die Bundeswehr zu, einen Auftrag, der erst an eine englische Firma gehen sollte. Der „Parlamentarier“ wußte es zu verhindern.

Eine Karriere bei der Bundeswehr

Und im Januar 1959 wurde schließlich von dem „Personalgutachterausschuß“ der Bundeswehr entschieden, einer Einstellung Berendsens in die Bonner Armee stünde nichts im Wege. Nazi-Generalstäbler und Waffenschieber Berendsen wurde inzwischen Brigadegeneral der Bundeswehr. Sein direkter Vorgesetzter ist der Generalinspekteur der Bundeswehr, Adolf Heusinger, einst Chef der Operationsabteilung des Generalstabes der Hitlerwehrmacht.


Hitlers General – nun in der Bundeswehr

Heusinger hat in dieser Stellung tatkräftig an der Planung und Vorbereitung der Hitlerschen Überfälle auf andere Nationen mitgewirkt. Eine „Geheime Kommandosache“ über die Okkupation Hollands, Belgiens und Luxemburgs trägt seine Unterschrift. Heusinger unterzeichnete am 27. März 1941 auch jenes Dokument, das die Vorbereitung der Besetzung des neutralen Jugoslawiens forderte und in dem es hieß:

„Politisch ist es besonders wichtig, daß der Schlag gegen Jugoslawien mit unerbittlicher Härte geführt wird und die militärische Zerschlagung in einem Blitzunternehmen durchgeführt wird…“

Auf einem anderen Blatt steht, daß Heusinger später kalte Füße bekam und mit den Organisatoren des 20. Juli-Attentats liebäugelte. Da Heusinger als Chef der Operationsabteilung des Generalstabes fast täglich mit Hitlet zusammentraf, erwogen die Verschwörer zunächst, ihn mit der Beseitigung des faschistischen Diktators zu beauftragen. Doch dann gab es auch gute Gründe, ihm nicht zu trauen. Deshalb wußte er von dem Termin des Anschlages des Obersten Stauffenberg nichts, hielt gerade am 20. Juli 1944 bei Hitler Vortrag und kam so selbst bei der Explosion zu Schaden.

War Heusinger ein Verschwörer gegen Hitler?

In dem Prozeß vor dem faschistischen „Volksgerichtshof“ wurde Heusinger nicht vernommen, obwohl der angeklagte General Stief ihn als Mitverschworenen bezeichnet hatte. Und während die anderen Verschwörer zum Tode oder zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt wurden, kam er unbehelligt davon und wurde nur zur sogenannten „Führer-Reserve“ versetzt. Er hatte nämlich in einer Denkschrift für die Gestapo seine Kameraden verraten. Dessenungeachtet wagt es Heusinger, sich heute als „Mitkämpfer des 20. Juli“ zu bezeichnen. 1945 – in dem Nürnberger Prozeß als Zeuge vernommen – erklärte Heusinger wörtlich:

„Es war schon immer meine persönliche Ansicht, daß die Behandlung der Zivilbevölkerung im Operationsgebiet und die Methoden der Bandenbekämpfung im Operationsgebiet der obersten politischen und militärischen Führung eine willkommene Gelegenheit boten, ihre Ziele durchzuführen, nämlich die systematische Reduzierung des Slawen-und Judentums.“

Bis 1948 interniert, ist Heusinger heute der oberste Soldat der Bundesrepublik. der am 10.Oktober 1953 in den „Bonner Heften“ schrieb: „…angreifen, wo immer sich eine Chance dafür bietet. Mit dieser Kampfmethode sollte der Westen dem Osten gegenübertreten. “

Heusinger


Ob sich Herr von Manteuffel noch erinnert?

Wie sein Kollege Ex-Oberst Berendsen, hat auch Ex-General Hasso von Manteuffel den Weg in den Bundestag gefunden. Das „Eichenlaub zum Ritterkreuz mit Schwertern und Brillanten“ verlieh „der Führer“ dem damaligen Kommandeur der Elite-Division „Großdeutschland“. Ob sich der Herr Bundestagsabgeordnete Manteuffel noch daran erinnert, wie er Oberleutnant Geeg und Unteroffizier Klimke das „Eiserne Kreuz“ ansteckte? Manreuffel hatte befohlen, Geeg und Klimke hatten ausgeführt: Weil in der Nähe ein Wehrmachtsauto beschossen worden war, wurde das russische Dorf Klimanzowo eingeäschert, wurden Frauen und Kinder wie Vieh zusammengetrieben und fortgeschafft. Ob sich der Herr Bundestagsabgeordnete noch daran erinnert, wie er am 4. September 1944 seinen Offizieren befahl, den „positiven Aufsatz von Reichsminister Dr.Goebbels in der neuesten Nummer der Wochenzeitung ‚Das Reich‘ mit der Überschrift ‚Die Festigkeit unseres Vertrauens‘ allen Männern im Gespräch und im Unterricht nahezubringen“, jenen Artikel, der „totalen Einsatz“ forderte? Vielleicht erinnert sich Herr Manteuffel auch noch an die Ardennenoffensive, bei der er Tausende deutscher Soldaten in den Tod trieb und alliierte Kriegsgefangene ermorden, ließ.

„Diese Freiheit ist verteidigenswert…“

Als Mitglied der Fraktion der DP-FVP stimmte Manteuffel 1956 von der Tribüne des Bundestages herab dem Adenauerschen Wehrpflichtgesetz zu, indem er sagte:

„Nur wer die Unfreiheit kennt, weiß den Wert der Freiheit zu schätzen. Diese Freiheit ist verteidigungswert.“

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So reiht sich Name an Name…

Es ist jene Freiheit, möchte man hinzufügen, die der Ex-Generalfeldmarschall Kesselring heute im Adenauer-Staat genießt. Auf Befehl Kesselrings wurden am 29. September 1944 in dem oberitalienischen Städtchen Marzabotto 1830 unbewaffnete Menschen abgeschlachtet. Auf seinen Befehl wurden am 24· März 1944 in Rom 335 Frauen und Männer ermordet. Am Tod von 80.000 Italienern ist Kesselring mitschuldig. Im Mai 1947 verurteilte ihn deshalb ein britisches Militärgericht zum Tode. Und heute? Schon 1957 aus dem Gefängnis entlassen, amtiert Kesselring unbehindert im Bonner Staat als Präsident der Militaristenorganisation „Stahlhelm“. Ebenso unbehindert darf er heute in Westdeutschland öffentlich erklären: „Wir waren noch viel zu rücksichtsvoll.“

So reiht sich Name an Name und Titel an Titel. Waffen-SS-Generalmajor Kurt Meyer, einst Kommandeur der SS-Panzer-Division „Hitlerjugend“, von einem kanadischen Kriegsgericht wegen Ermordung wehrloser Kriegsgefangener zum Tode verurteilt, erhielt nach seiner Haftentlassung 4.800 Westmark Entschädigung. Jener „Panzer-Meyer“, heute einer der Leiter der HIAG, durfte 1958 in Westdeutschland erklären: „Nicht einen einzigen Tag, nicht eine einzige Stunde bereue ich.“ 

Da ist Generalmajor Kurt Freiherr von Liebenstein. Bundeswehrkommandeur im „WestbereichV“, von Hitler für die Vorbereitung des Überfalls auf Frankreich mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.Da sind Speidel, Reinefarth, Hausser und all die anderen braunen Blüten im Bonner Staat. Sie haben den zweiten Weltkrieg vorbereitet und geführt, der 27 Millionen Tote – darunter 5,5 Millionen Deutsche – kostete und dem IG-Farben-Konzern 6,26 Milliarden Mark Profite brachte. Heute bemühen sie sich unter Adenauers Fittichen, einen neuen Weltbrand anzuzetteln.

Das ist das wahre Gesicht der Bundesrepublik Deutschland, über das unlängst ein Kabarettist der Münchener „Lach- und Schieß gesellschaft“ spottete: „Da fordern die Sowjets in ihrem Friedensvertrag die Liquidierung aller faschistischen Organisationen. Die wollen wohl ganze Landstriche entvölkern?“

Militaristen1Militaristen2

Quelle:
Klaus Polkehn: Alte Köpfe, neue Uniformen. In: URANIA-Universum, Urania-Verlag Leipzig/Jena, Verlag für populärwissenschaftliche Literatur, 1959, S.406-416.

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