Müssen Kinder lesen lernen?

lesenHeute ist es unter Kindern und Jugendlichen kaum noch üblich, daß mal mehr als ein Buch gelesen wird. Allenfalls geschieht das noch in der Schule. Viel einfacher ist es doch, sich ein paar Videos reinzuziehen, am PC oder per Smartphone Computerspiele zu spielen oder stundenlang irgendwelche geistlosen Trickfilme zu konsumieren, von denen in den diversen Fernsehkanälen ja zu jeder Zeit ein reichlicher Überfluß vorhanden ist. So kommt es, daß viele Jugendliche nach ihrer Grundschulzeit große Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten haben und mitunter nicht einmal in der Lage sind, sich kultiviert zu artikulieren. Klar, die Zeit schreitet voran und die technische Entwicklung verdrängt mehr und mehr die bisherigen Lebensgewohnheiten. Die DDR war – wie alle anderen sozialistischen Länder auch – ein Leseland. Und unsere Jugend war gebildet, ganz im Gegensatz zu heute, wo man eine halbwegs vernünftige Bildung nur noch in den privilegierten Klassen und Schichten vorfinden kann. Dann aber auch nur eine Spezialbildung. Die Bourgeoisie erzieht sich ihre Lakaien. Müssen Kinder nun eigentlich lesen lernen? Wir sind der Meinung, ja! Denn lesen bildet…

Die Kinder in der DDR haben gern gelesen. Und sie haben viel gelesen. Die Bibliotheken und Kinderbibliotheken waren gut besucht, die Ausleihe war generell kostenlos und das Angebot war riesig. (Der folgende Text wurde überarbeitet, um ihn für die heutige Zeit etwas lesbarer zu machen.)

Kinder- und Jugendliteratur in der DDR

PAUL WAGNER

Das Kinder- und Jugendbuch ist neben der unmittelbaren Wirklichkeit ein eindrucksvolles Erziehungsmittel der heranwachsenden Generation. In unserer Republik war es ein wesentlicher und anerkannter Bestandteil der Nationalliteratur, konnte deshalb niemals wie in kapitalistischen Ländern zu einer bloßen Ware werden, durch die geschäftstüchtige Schriftsteller und Verleger auch Minderwertiges lediglich aus Profitinteresse verbreiten. Unsere Arbeiter-und-Bauern-Regierung förderte bewußt eine erzieherisch wertvolle sozialistische Kinder- und Jugendliteratur. Bereits das „Gesetz über die Teilnahme der Jugend am Aufbau der Deutschen Demokratischen Republik und zur Förderung der Jugend in der Schule, im Beruf und bei Sport und Erholung vom 8.Februar 1950“ schuf dafür wertvolle Voraussetzungen. In Durchführung dieses Gesetzes entstanden neue Verlage für Kinder- und Jugendbücher, wie z.B.

  • der Kinderbuchverlag, Berlin: Lektüre für Leser bis zum vierzehnten Lebensjahr (1949-1963 erschienen über 1000 Titel in einer Gesamtauflage von mehr als 30 Millionen Exemplaren),
  • der Verlag Neues Leben, Berlin: hauptsächlich für junge Leser vom vierzehnten Lebensjahr an (1949-1963 über 1000 Titel, mehr als 18 Millionen Bücher, dazu 48 Millionen Hefte und Broschüren).
  • Weitere Verlage, die wertvolle Kinder- und Jugendliteratur herausgaben:
    • Altberliner Verlag Lucie Groszer Berlin,
    • Alfred Holz Verlag, Berlin,
    • Prisma-Verlag, Leipzig,
    • Gebrüder Knabe Verlag, Weimar und andere

Die FDJ und die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ waren Herausgeber von insgesamt 21 Zeitschriften und Zeitungen, beispielsweise „Junge Welt“, „Jugend und Technik“, „Die Trommel“, „Die Rakete“, „Fröhlichsein und Singen“ und anderer für 3,5 Millionen Bezieher.

Wie entstand die neue sozialistische Jugendliteratur?

Bei der Entwicklung einer neuen sozialistischen Kinder- und Jugendbuchliteratur waren uns die Übersetzungen sowjetischer Bücher, etwa die Erzählungen von A. Gaidar, M. Nossow und anderen, eine wertvolle Hilfe. Sehr positiv wirkte sich zudem das seit 1951 durchgeführte Preisausschreiben zur Schaffung einer neuen Kinder- und Jugendliteratur aus. Von den ausgezeichneten Jugendschriftstellern seien nur genannt: Ludwig Renn, Erwin Strittmatter, Alex Wedding, Benno Pludra, Götz R. Richter. Höchst bedeutungsvoll war es, daß die Kinder- und Jugendliteratur nun auch ordentliches Lehrfach an allen unseren Lehrerbildungsstätten (Universität, Pädagogische Institute, Fernstudium) und in der Lehrerweiterbildung wurde. Das schaffte neben der Ausbildung von Bibliothekaren für Kinderbüchereien und der Pionierleiter in Kinderliteratur eine breite Grundlage, das Kinder- und Jugendbuch in die schulische und außerschulische Erziehung einzubeziehen.Seit 1956 bestand ferner an der Deutschen Staatsbibliothek in Berlin eine Abteilung für Kinder-und Jugendliteratur, die mehrere beachtenswerte internationale Kinderbuchausstellungen durchführte.

Worin bestand das Bildungsziel und was haben wir abgelehnt?

Unsere neue Kinder- und Jugendliteratur, zu der wir auch die Neuausgaben der sogenannten klassischen Kinder- und Jugendbücher (zum Beispiel Robinson) rechneten, mußte eindeutig und klar unserem sozialistischen Bildungs- und Erziehungsziel dienen. Sie sollte dazu beitragen, der heranwachsenden Generation unerschütterlichen Glauben an den Sozialismus und Kommunismus zu geben, sollte sie geistig und moralisch vorbereiten, Schwierigkeiten zu überwinden – und alles Errungene zu verteidigen. Deshalb haben wir in der DDR immer auch Erzählungen abgelehnt, die den faschistischen Krieg verherrlichten, die Ausbeutung anderer Völker und der Arbeiterklasse als selbstverständliches Recht der herrschenden Klasse glaubhaft zu machen versuchten, die andere Rassen als minderwertig darstellten oder die aggressive Politik der Imperialisten unterstützten, wie es in manchen Jugendbüchern Westdeutschlands nun wieder der Fall war.

Beispiel: In einer vom Deutschen Pädagogischen Zentralinstitut 1960 herausgegebenen Dokumentation wurde nachgewiesen, daß in Westdeutschland zwölf Heftreihen militaristischen Inhalts in einer jährlichen Auflagenhöhe von etwa 20 Millionen Heften erschienen waren, die die Jugend zur Bejahung des Krieges und zur Bereitschaft, andere Völker zu überfallen und auszuplündern, erziehen sollten, andere Völker verächtlich machten und verrohend wirkten.

Humanistische Werte – fortschrittliche Traditionen

Eine wahrhaft humanistische und sozialistische Kinder- und Jugendliteratur dient dem Frieden, der Völkerverständigung und der Solidarität mit unterdrückten Völkern. Sie erzieht zu echtem Patriotismus, indem sie den jungen Menschen die Schönheit der Heimat, die geistigen, kulturellen und technischen Leistungen fortschrittlicher und humanistischer Menschen unseres Volkes und einzelner Gelehrter, Entdecker und Künstler ersohliefit, indem sie schildert, wie die Arbeiterklasse und ihre Führer, wie Karl Marx, Karl Liebknecht. Ernst Thälmann, Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht und andere, gegen Unterdrückung und für den Aufbau des Sozialismus kämpften.

Das Buch – ein Lehrbuch des Lebens

Unsere Kinder- und Jugendbücher haben die Jugend zu wahrheitsgetreuer, klarer Er­kenntnis der Wirklichkeit und ihrer Gesetzmäßigkeiten in Natur und Gesellschaft und damit zu einer wissenschaftlichen Weltbetrachtung erzogen. Das Buch soll – wie Tschernyschewski einmal sagte – „ein Lehrbuch des Lebens sein, das berufen ist, im Kinde reales Wissen zu entwickeln, ein aktives Verhältnis zu den Erscheinungen des Lebens in ihm zu erziehen und die Gefühle des Bürgers und Kämpfers in ihm zu pflegen“. Das galt nicht nur für die vielfältige belehrende Literatur, sondern auch für dichterische Darstellungen aller Art. Ferner sollte das Kinder- und Jugendbuch die schöpferischen Kräfte des Lesers wecken und fördern. Besonders aktivierend auf den jugendlichen Leser wirkten Darstellungen von Helden, die für den Fortschritt und gegen jegliche Unterdrückung kämpften, und Erzählungen aus dem vielgestaltigen neuen Leben in unserer Republik und anderer sozialistischer Länder.

Für Kinder muß man noch besser schreiben…

Für die sprachliche Gestaltung gelten für die Kinder- und Jugendliteratur dieselben Gesetze wie für Erwachsenenlektüre. Maxim Gorki sagte mit Recht: „Für Kinder muß man genauso schreiben wie für Erwachsene, nur besser.“ Der kindliche und jugendliche Leser erwartet, daß eine Darstellung interessant, verständlich, spannend und in einer klaren und anschaulichen Sprache geschrieben ist. Auch die äußere Form der Kinderbücher (Bilderbuch, Illustrationen, Druck, Einband) muß künstlerisch wertvoll sein. Sie dienen dadurch der ästhetischen und kulturellen Erziehung der Jugend. Diese Forderung hat unsere Kinder- und Jugendliteratur mit hohem Niveau erfüllt.

Eine altersgerechte, wissenschaftliche begründete Auswahl

Wirklich bildend kann das Kinder- und Jugendbuch allerdings erst dann wirken, wenn es den geistigen Kräften und Fähigkeiten der jugendlichen Leser entspricht. Die genaue Kenntnis der psychologischen Gesetzmäßigkeiten und der inhaltlichen Leseinteressen und des Leseverständnisses – darüber gab es eine Fülle wissenschaftlicher Untersuchungen – war deshalb unabdingbare Voraussetzung für Beurteilung, Auswahl und Auswertung geeigneter Bücher. Wir unterscheiden folgende drei Gruppen: Literatur für das Vorschulalter (bis zum sechsten Lebensjahr), Kinderliteratur (vom sechsten bis vierzehnten Lebensjahr), Jugendliteratur (vom vierzehnten bis achtzehnten Lebensjahr), ohne uns – da das Leseinteresse stark individuell bestimmt ist – genau auf diese Phaseneinteilung festzulegen.

Literarische Vielfalt

Kinder- und Jugendliteratur umfaßt alle Formen literarischer Darstellungen vom Bilderbuch, das bereits im Vorschulalter die geistigen Kräfte des Kindes weckt und fördert und die ästhetische Erziehung anbahnt, über verschiedenartigste Erzählungen bis zur einfachen romanhaften Gestaltung für Jugendliche. Besondere Beachtung verdienen die Volksdichtungen (Märchen, Sagen, Volksbücher, Volkslieder) und die für die polytechnische und wissenschaftliche Bildung wichtige belehrende Literatur (Erzählungen, populärwissenschaftliche Bücher, Lehrbücher, Anleitungen, Nachschlagewerke und ähnliches), die unbedingt echte wissenschaftliche Kenntnisse und Erkenntnisse anregend, anschaulich und verständlich vermitteln müssen.

Der Bildungsauftrag der sozialistischen Schule

Die Grundlage für die Erziehung zum sinnvollen Lesen wurde in den Lese- und Literaturstunden der Schule geschaffen. Dort wurden die Lesefertigkeit und das Leseverständnis geweckt, und durch die gesamte sprachliche und geistige Bildung wurde auch die literarische Kritikfähigkeit angebahnt. Neben dem Lesen gibt es kaum eine andere Fähigkeit, die der Schüler so spontan selbständig und lustbetont außerhalb der Schule zur Erweiterung seiner Erlebnis- und Erkenntnisbereiche anwendet; andererseits fehlt ihm noch die Urteilsfähigkeit. Deshalb müssen ihn Lehrer, Eltern und Erzieher bei seiner außerunterrichtlichen Lektüre beraten. Die Einheit zwischen schulischer und außerschulischer literarischer Erziehung ist also für eine erfolgversprechende Jugendschriftenpädagogik unbedingt notwendig.

Warum ist der Deutschunterricht so wichtig?

Für den Unterricht wurde durch Einbeziehung von Kinder- und Jugendbüchern in den Deutschlehrplan der ersten bis zehnten Klasse bereits eine wichtige Voraussetzung geschaffen. Methodisch kam es darauf an, durch Vorlesen, Buchbesprechungen, Erzählungen aus Büchern und Aussprachen darüber Freude und Interesse am guten Buch zu wecken und die Schüler auch in ihrer Privatlektüre zum besinnlichen, nachdenklichen und kritischen Lesen zu erziehen. Der Lehrer regte ferner dazu an, die Schüler- und Pionierbücherei und die öffentliche Kinderbibliothek sinnvoll zu: nutzen. Er wies auch auf die öffentlichen Bildungseinrichtungen hin, die für die spätere selbständige Weiterbildung in der DDR überall vorhanden waren.

Lesen und Lernen auch in der Freizeit

Deshalb wurde eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Kinderbibliothekaren und vor allem Pionierleiter angestrebt. Schaukästen, Wandzeitungen, Aussprachen mit Jugendschriftsteller unterstützten die Werbung für das gute Kinder- und Jugendbuch. Die Eltern sollten in Elternabenden, Elternseminaren und besonderen Aussprachen unbedingt über Inhalt und Form und erzieherische Bedeutung guter Kinder- und Jugendliteratur unterrichtet werden. Denn pädagogisch gut durchgeführte, durch Erläuterungen und Lesestunden ausgestaltete Buchausstellungen sind sehr wirkungsvoll und wecken nachhaltiges Interesse der Eltern und aller Erzieher. Eine wertvolle Hilfe in der außerschulisch-literarischen Betreuung waren außerdem der „Buchklub der Kinder“ und die „Buchgemeinschaft der FDJ“.

Der Unterschied der DDR zu Westdeutschland

In unserem Arbeiter-und-Bauern-Staat haben wir uns systematisch um eine wahrhaft humanistische Kinder- und Jugendliteratur bemüht. In Westdeutschland dagegen wurden im Dienst der psychologischen Kriegsvorbereitung von gewissenlosen Verlegern und Schriftstellern immer wieder zahlreiche Kriegsbücher herausgegeben, die die. Jugend durch ein verfälschtes Geschichtsbild für die aggressiven Pläne der Kriegshetzer zu gewinnen suchten. Minderwertige Comics und eine grob abenteuerliche verbrecherische Schund- und Schmutzliteratur wurden in Millionen Exemplaren reißerisch aufgemachter billiger Hefte verbreitet, die die Jugend unter schamloser Ausnutzung ihres natürlichen Bedürfnisses nach Wagnis und Abenteuer zu Brutalität und Sadismus verführten.

Es gab auch verantwortungsbewußte Lehrer im Westen…

Doch auch in Westdeutschland gab es viele verantwortungsbewußte Lehrer, Eltern und Erzieher, die sich einzeln oder in Vereinigungen ernsthaft dagegen wendeten und sich aufopferungsvoll um die Verbreitung guter Literatur bemühten. Ungeachtet dessen und trotz eines sogenannten Schundgesetzes wurden diese höchst verderblichen Hefte weiter produziert und verbreitet. Unser „Kuratorium zum Kampf gegen die Vergiftung der Jugend durch Schund und Schmutz“ in der DDR hat in einem Prozeß am 18. Mai 1955 in Berlin-Lichtenberg sehr eindrucksvoll nachgewiesen, wie verheerend demoralisierend diese Hefte auf Kinder und Jugendliche wirken.

Aus humanistischer Verantwortung

Unsere Regierung hatte deshalb aus humanistischer Verantwortung für unsere Jugend durch die „Verordnung zum Schutze der Jugend“ vom 15. September 1955 das Herstellen von. Schund- und Schmutzerzeugnissen grundsätzlich verboten. Jedem, der sie vorsätzlich oder fahrlässig verbreitet, drohen Geld- oder Gefängnisstrafen. Ein Gesetz freilich genügt nicht. Je stärker wir aber in unserer Erziehungs- und Bildungsarbeit den Sinn für die Wirklichkeit, das gesellschaftliche Bewußtsein, die sozialistische Moral und das selbständige Denken unserer Schüler entwickeln, je mehr wir sie in der Pionierorganisation und in der Schule zur sinnvollen Tätigkeit für die Gemeinschaft erziehen, desto weniger wird Schundliteratur auf sie wirken. Diese Aufgabe kann nicht allein die Schule lösen. Alle, die sich für die heranwachsende Generation verantwortlich fühlen, müssen mithelfen, indem sie sich für wertvolle Kinder-und Jugendliteratur interessieren und sie verbreiten.

Quelle: Pädagogische Enzyklopädie, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1963, Bd.I, S.494-497.


Kinderbücher in der DDR

Zu Kindern gehören Kinderbücher. Sie enthalten Gedichte, Märchen, Sagen, Geschichten und Romane. Sie berichten auch aus der Welt der Wissenschaft und Technik. Die besten Bücher für Kinder werden über Jahrzehnte und Jahrhunderte von den Mädchen und Jungen gern gelesen. Jeder kennt den alten Kinderreim »Backe, backe Kuchen« und das Kinderlied von Hoffmann von Fallersleben »Eln Männlein steht im Walde«. Seit über 150 Jahren lesen Kinder das »Dornröschen« und andere Märchen der Brüder Grimm. Noch länger ist Defoes »Robinson« bekannt. Johann Wolfgang von Goethe hat dieses Buch als zwölfjähriger Junge gelesen. Zu den langlebigen Kinderbüchern gehören »Der Struwwelpeter« (1845 geschrieben) von Heinrich Hoffmann, »Max und Moritz« (1865) von Wilhelm Busch und »Emil und die Detektive« (1928) von Erich Kästner.

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Neben guten Kinderbüchern werden im Kapitalismus von gewinnsüchtigen Geschäftsleuten immer wieder schlechte, minderwertige und schädliche Bücher für Kinder hergestellt. In der DDR durften solche Bücher nicht veröffentlicht und nicht verkauft werden. Nach der Gründung unserer Republik entstanden viele neue, sozialistische deutsche Kinderbücher. Zu den Vorbildern dieser Bücher gehörten »Ede und Unku« (1931) von Alex Wedding und »Timur und sein Trupp« (1941) von Arkadi Gaidar. Viele Kinder hatten eine eigene kleine Bibliothek oder gingen in die öffentlichen Kinderbüchereien und durften kostenlos die schönsten Bücher entleihen: »Nobi« von Ludwig Renn, »Lütt Matten und die weiße Muschel« von Benno Pludra, »Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen« von Franz Fühmann. »Tinko« von Erwin Strittmatter ist eines der berühmtesten sozialistischen Kinderbücher. Viele Kinder kan­nten »Sally Bleistift in Amerika« von Auguste Lazar. Lustig sind auch heute noch die Abenteuer von »Alfons Zitterbacke«. Bei uns sorgten die besten Künstler dafür, daß die Kinderbücher ein schönes Gesicht erhalten. Sie zeichneten oder malten die Bilder für den Text und für den Einband – und sie bitten ihre Leser sehr herzlich:

Haltet die Bücher sauber, behandelt sie gut.

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Quelle: Von Anton bis Zylinder. Ein Lexikon für Kinder.Der Kinderbuchverlag Berlin, 1985, S.204f.

P.S. Viele dieser beliebten DDR-Kinderbücher wurden nach 1990 in der kapitalistischen BRD wieder aufgelegt. Bei der Zahl der Neuerscheinungen sind heute nur wenige Bücher zu finden, die all den pädagogischen, inhaltlichen und ästhetischen Ansprüchen genügen, die in der DDR an ein Kinderbuch gestellt worden waren (was nicht heißen will, daß es bei uns nicht auch schlechtgemachte Bücher gab). Vielfach wird heute durch Hochglanzpapier und Buntheit, durch wirklichkeitsfremde oder nebensächliche Themen, durch halbwissenschaftliche Erklärungen in Kinderbüchern das ersetzt, was jungen Lesern an schulischer Bildung vorenthalten wird. Lesen und Lernen erfordern im Kapitalismus eine bedeutend größere Auslese, die ohne Hilfe erfahrener Pädagogen und Berater oft nicht möglich ist. Das Lesen guter Literatur sei also dringend empfohlen. Verzichten kann man hingegen auf die massenhaft in Supermärkten und in Bibliotheken angebotene Billiglektüre.

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