Brauchen wir zum Ausgleich Spaß… oder sollten wir nicht lieber doch mal bei Lenin nachlesen?!

In einem Bücherregal (immerhin!) für gebrauchte Bücher stand ein einzelner Band: LENIN, Band 4,  1. Auflage 1955. Herausgegeben vom Marx-Engels-Lenin-Stalin-Institut der DDR. Die Goldschrift des Einbands war noch nicht verblaßt, die Seiten sind fast unberührt, das rote Bändchen liegt noch wie am ersten Tag ordentlich zwischen Seite 151 und 156…. Hat niemand dieses Buch gelesen? Vielleicht wäre es besser gewesen, hätte man es gelesen…

tour174Was für ein Wochenende, und was für eine bemerkenswerte Woche! Während am schönen Strand von Nizza mindestens 84 Menschen starben, kamen beim Putsch in Istanbul und Ankara mindestens 290 Menschen ums Leben. Da überfallen bewaffnete Banditen in Jerewan eine Polizeistation, randalieren und inszenieren einen Aufstand. Und … die BRD-Regierung plant nun auch noch weitere 25 Milliarden Euro jedes Jahr für Mordwaffen, für Panzer und für Kriegsgerät. Da fliegen täglich nur so – just for fun – Dutzende Militärflugzeuge am Himmel herum, da finden NATO-Kriegsmanöver vor den Küsten der Ukraine statt. Wen interessiert’s? Die Welt ist aus den Fugen und der deutsche Patrizier frißt und feiert.

Da werden in unserem Land Hunderte Kilometer neuer Straßen, Brücken, Tunnel gebaut und ausgebaut, der Staat spendiert 9 Millionen für einen Zoo und 6 Millionen für eine private Betriebskantine. Es gibt Spaßveranstaltungen en masse , sportliche Wettkämpfe, Autorennen, Volksfeste usw. usf. Und dabei gibt es in der BRD so viele Arme und unter dem Existenzminimum Lebende wie nie zuvor. Doch wer ist schuld an all dem Widersinn? Die islamistische Bedrohung? Nein. Keineswegs. Eine dümmere Antwort kann es kaum geben, Herr Misere! Die Frage ist also durchaus ernst gemeint: Brauchen wir zum Ausgleich Spaß oder sollten wir lieber Lenin lesen?

Man kann die Menschen durchaus verstehen, wenn sie wegsehen von dem was in der Welt geschieht. Die Augen zu – dann ist es nicht mehr da. Doch wenn man selbst betroffen ist, dann funktioniert der Trick nicht mehr. Und so bleibt nur noch die Suche nach einer Lösung, nach einem Ausweg aus dem Dilemma….

Der Irrationalismus der Gegenwart.

Ich weiß nicht, ob es sich lohnt, hier den Original-Ton einer solchen „Weltverbesserungsveranstaltung“ einzublenden, oder ob wir uns nicht doch lieber Sinnvollerem und Ernsthafterem zuwenden sollten. Hier also ein Beispiel:

Wenn man in Basel wohnt – hahaa – geht ja gar nicht anders, dann wird einem das so bewußt – hahaa. Wir sind ja in einer ständigen Auseinandersetzung mit uns selbst. So ist das – hahaa! Aber meistens  haben wir ja gar keine Zeit, um zu einem Ergebnis oder Fortschritt zu gelangen, nicht wahr! Weil die Matrix versucht, uns alles kaputt zu machen. Denn, hätten wir die Chance uns selbst zu entdecken, den Spreu vom Weizen zu trennen, uns vom Müll der Gesellschaft zu befreien, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, dann wäre alles anders als bisher – hahaa!

Der Sinn einer solchen Sendung wird einem wahrscheinlich erst dann klar, wenn man sich so ein schönes T-shirt für neunzehnfünfundneuzig gekauft oder eine Reise nach Antalya gebucht hat. Alles SUPERGÜNSTIG, versteht sich! „Für Euch machen wir das!“

Oder ein anderer Leser schreibt: „…auch ich habe inzwischen das Vertrauen in die USA verloren… Das Prekariat wird sich mobilisieren … die Menschheit vor der aggressiv imperialistischen Bourgeoisie zu retten, indem sie Quanttechnologie entwickelt und so das Volk kampffähig macht.“ Wie schön! Da haben wir sie endlich: DIE LÖSUNG…!

Wenn man schon keine Pokémons jagen kann, dann sollte man wenigstens ein T-shirt kaufen oder eine kampffähige Quanttechnologie nutzen! Oder eben sch… drauf – am Autorennen teilnehmen oder eine Open-air-Veranstaltung besu chen. So ein Irrsinn!

Kann man so die Welt besser machen??? Nein, so geht es nicht.


Wie kann man die Welt besser machen?

Wir sind uns sicher darin einig, daß der Krieg das größte Übel ist, welches einem Volk widerfahren kann. (Auch wenn es einige Leute gibt, die am Krieg enorm verdienen!) Und vermutlich sind wir uns auch darin einig, daß die Welt in den letzten 25 Jahren nicht sicherer geworden ist. Im Gegenteil: Solange es die DDR und die anderen sozialistischen Länder noch gab, hatten wir Frieden in Europa. Das ist eine Tatsache! Und man wird auch zugeben müssen, daß der Krieg 1914, ebenso wie der 1939 von deutschem Boden ausging. WARUM war das so?

Schon damals war DEUTSCHLAND ein kapitalistisches Land. Doch einen Kapitalismus ohne Krisen gibt es nicht. Immer wenn das Kapital an seine Grenzen stößt, sucht es nach einem Ausweg. Und dieser Ausweg heißt Massenarbeitslosigkeit, heißt Inflation, heißt Krieg. Der Krieg bringt neue Eroberungen, führt zu neuen Rohstoffquellen, neuen Absatzmärkten, und schließlich lebt vom Krieg das Militär und die gesamte Rüstungsindustrie. Niemals waren die Profite der Industrie und der Banken höher als in Kriegszeiten.

Zusammenbruch des Kapitalismus

Und so konnte Stalin nach dem dem Ende des 2. Weltkriegs völlig zurecht feststellen : vorbeiQuelle: J.W. Stalin. „Der internationale Charakter der Oktoberrevolution“. In: „Fragen des Leninismus“, Moskau 1947, S.215-223

Gibt es dafür Beweise? Ja, es gibt sie.

Im Jahre 1947 fand in Moskau der XVIII.Parteitag der KPdSU (B) statt. Dort legte Genosse Stalin folgende Tabelle vor:

Tabelle.jpg

Danach erklärte er, wie diese statistischen Angaben zu verstehen sind:

Erklaerung 1947Quelle: J.W. Stalin: „Rechenschaftsbericht an den XVIII.Parteitag der KPdSU (B)“ in „Fragen des Leninismus“, Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau 1947, Seite 683f.


Was ist die Alternative zum Kapitalismus?

Schon damals gab es nur die eine reale Alternative – den Sozialismus. Die Sowjetunion hatte ihren mächtigsten Gegner, das faschistische Deutschland, besiegt, die deutsche Wehrmacht war zerschlagen. Bedingungslos hatten die Nazis kapituliert. Überdeutlich hatte sich hier die Überlegenheit des Sozialismus gezeigt. Dabei wurde auch eines klar:

Je stärker der SOZIALISMUS, desto sicherer der FRIEDEN.


Was ist Sozialismus? Kurz gesagt: Volkseigentum an den Produktionsmitteln und eine straffe planmäßige Leitung der Volkswirtschaft.  Keine Arbeitslosigkeit, keine Ausbeutung und keine Kriege.

Der Sozialismus

Mit dem Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution im Jahre 1917 begann zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit der Aufbau des Sozialismus in einem Land: in der Sowjetunion. Die Bedingungen und die Grundlagen für die Verwirklichung des Sozialismus haben Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir IIjitsch Lenin erforscht. Diese drei genialen Männer gaben den Revolutionären aller Länder ein wissenschaftlich begründetes Programm für den Sturz der Ausbeuterordnung. Der Sozialismus ist deshalb das Ziel des Kampfes der Arbeiterklasse aller Länder. Auch in der DDR hatten die Werktätigen unter Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands die entwickelte sozialistische Gesellschaft aufgebaut. Die Macht der von einer marxistisch-leninistischen Partei geführten Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten ist das wichtigste Kennzeichen eines sozialistischen Staates. Im Sozialismus gehören Grund und Boden, Betriebe und Maschinen nicht mehr den Kapitalisten, sondern dern Volk. Die wichtigste Form des Volkseigentums in der DDR sind die volkseigenen Betriebe. Eine andere Form ist das genossenschaftliche Eigentum. Im Sozialismus ist das Streben der Menschen darauf gerichtet, den gesellschaftlichen Reichtum zu mehren. Der Sozialismus ist eine gerechte Gesellschaftsordnung. Jeder kann nach seinen Fähigkeiten arbeiten und wird nach seinen Leistungen entlohnt. Alle Mädchen und Jungen haben die gleichen Möglichkeiten der Bildung. Frau und Mann sind gleichberechtigt. Ein fester Grundsatz des Sozialismus ist die internationale Solidarität und die Freundschaft mit allen Völkern.

Quelle: Von Anton bis Zylinder. Das Lexikon für Kinder. Der Kinderbuchverlag der DDR, Berlin 1968, S.353.


Wir hatten schon mehrfach darauf hingewiesen, daß der Marxismus-Leninismus eine Wissenschaft ist. Und eine Wissenschaft muß man studieren. Doch warum sollte man den Marxismus-Leninismus studieren? Man kann den Sozialismus nur aufbauen, wenn man die Kenntnisse dazu besitzt.

lenin_bibliothek

Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924)

Bereits in seinen früheren Werken hatte Lenin die Grundfrage der marxistischen Staatstheorie gestellt, die Frage der Diktatur des Proletariats. Der imperialistische Krieg hatte eine revolutionäre Situation geschaffen, die proletarische Revolution war auf die Tagesordnung gestellt worden. Die Verräter der Arbeiterklasse, die Opportunisten, bemühten sich gerade damals auf jede Weise, die grundlegende Frage der Diktatur des Proletariats aus dem Marxismus zu entfernen. Angesichts der geschichtlichen Situation war das für die Arbeiterbewegung praktisch und theoretisch höchst gefährlich. Lenin wandte sich deshalb diesen Fragen erneut mit großer Energie zu. Alles, was Marx und Engels über den Staat geschrieben hatten, studierte er sorgfältig. Auf dieser Grundlage reinigte er die marxistische Lehre vom Staat von den opportunistischen Entstellungen und entwickelte sie weiter, bereicherte sie um die neuen Erfahrungen des proletarischen Klassenkampfes unter den Bedingungen des Imperialismus. Das Ergebnis dieser Arbeit war sein Buch „Staat und Revolution“.

Achso – und was steht nun in diesem wertvollen Lenin-Band von 1955?

Lenin Bd4 In einer Antwort an Herrn Neshdanow schrieb Lenin im Mai 1899: „Der dem Kapitalismus eigene Widerspruch zwischen Produktion und Konsumtion besteht darin, daß die Produktion mit großer Geschwindigkeit anwächst, daß die Konkurrenz ihr die Tendenz schrankenloser Ausdehnung verleiht, während die Konsumtion (die individuelle), wenn überhaupt, so äußerst schwach wächst; der proletarische Zustand der Volksmassen gibt der individuellen Konsumtion nicht die Möglichkeit rasch zu wachsen. … Der dem Kapitalismus eigene Widerspruch zwischen Produktion und Konsumtion besteht ausschließlich darin, daß wachsender Nationalreichtum mit wachsendem Elend des Volkes einhergeht…“ Und Lenin stellt schließlich fest, „daß schon die ganze Entwicklung der Produktivkräfte mit unaufhaltsamer Gewalt zur Ablösung des Kapitalismus durch eine Wirtschaft assoziierter Produzenten führen muß.“ (Lenin, Werke, Bd.4, Dietz Verlag Berlin, 1955, S.152ff.)


Siehe auch:
Lenin, die Revolution und der Staat


[Zitat Harry:] …den schönen Traum von einer atomwaffenfreien Welt haben in erster Linie N I C H T die Bewohner und deren Politiker der einstigen sozialistischen Länder vergeigt, sondern in allererster Linie die Proletarier, die Besitzlosen, die besitzlosen Knechte des Kapitals der führenden imperialistischen NATO-Länder. Und nicht zuletzt die „Arbeitnehmer-vertreter“ (alias „Gewerkschaften“) haben in allen diesen Ländern dafür eine hohe Mitverantwortung mitzutragen (wie schon Anno 1914, 1933)… Vergessen wir es nie, sagen wir D A S immer wieder offen bei jeder sich ergebenden sinnvollen Gelegenheit!!!

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11 Antworten zu Brauchen wir zum Ausgleich Spaß… oder sollten wir nicht lieber doch mal bei Lenin nachlesen?!

  1. Nadja Norden schreibt:

    Hallo Genosse Norbert!
    Meine Glückwünsche zum Fund dieses bibliographisches Museumstück.
    Könntest Du ein Bild dessen in Deinem Blog veröffentlichen?
    Freundschaft,
    Nadja

  2. Pingback: Brauchen wir zum Ausgleich Spaß…? | rh-netz-meinungen

  3. marie schreibt:

    Das ist wiedermal so ein Beitrag, der alles sagt. Selbst die Pokemonjagd mit ihrer vom Wesentlichen ablenkende Funktion findet ihren Platz🙂
    Doch wo ist der Platz heute, um unser Wissen zu verbreiten? Also, das ist eher eine rhetorische Frage, doch ich selbst finde noch immer keinen gesellschaftlichen Platz für politisch erfolgreiches Wirken und treibe mich nachts hier auf anderer Leut‘ Seiten herum. Dies macht mir ein freies und tiefes Heimatgefühl, lässt mich heute z.B. erinnern, dass Albert Norden im früheren Land ein bekannter Name war. Aber viel lieber würde ich auf Kundgebungen stehen und Saschas Text z.B. oder Dimitroff oder Brecht oder mich selbst rezitieren🙂

    Ganz ernsthaft bringe ich zu Saschas heutigem Thema an, was das größte Paradoxon meiner politischen Wahrnehmung ist: In der DDR kam der marxistisch-leninistische Bildung aller Menschen eine grundlegende Bedeutung zu. Das Volk der 17 Millionen DDR-Bürger WUSSTE, was das Leben im kapitalistischen Deutschland für sie bedeuten würde. Es wusste auch, dass Kapitalismus ohne sozialistische Staaten zum Krieg führen wird. Und dennoch entschieden die Menschen sich ausreichend mehrheitlich für den Anschluß ihres Landes an die kapitalistische BRD.

    Nunja: Nun also wieder von vorne🙂 Dass man nur mit gebildeten Menschen Revolution machen kann, wissen wir von Lenin. Bilden wir uns also wieder und weiter und lesen auf anderer Leut‘ Seiten und schreiten hoffentlich noch einmal dem Morgenrot entgegen!

  4. sascha313 schreibt:

    Gemach, gemach… würde Eberhard Esche sagen!
    Nein, nein, Marie – es war nicht die Mehrheit, die für den „Anschluß“ der DDR an die westdeutsche BRD waren. Es war fraglos eine Minderheit. Nur eben eine sehr lautstarke. In solchen Dingen gibt es oft eine „schweigende Mehrheit“. Die Masse latscht einfach hinterher, und sie weiß noch nicht einmal genau wohin…. (Einige geben ja dann auch zu, daß sie sich geirrt hatten.)

    Wo man kürzlich eine Mehrheit hatte, das war der Brexit. Aber auch nur deswegen, weil das Volk gründlich die Nase voll hatte von dem Herumregiertwerden.

    Und was das Verbreiten unserer marxist.-leninist. Weltanschauung betrifft, so sind wir noch viel zu wenig an der Jugend dran. Das hat auch seine Gründe (Pokémon, Desinteresse, Verführung, Resignation oder ganz tiefgehende Zweifel an allem…). Ich bin ganz sicher, daß sich das ändern wird!

    • marie schreibt:

      Meine Meinung ist diese: „Am Ende paradox – es war wirklich letzte Wahl
      Sie ist das Feigenblatt der Annexion der DDR durch die BRD ->
      Jedoch haben sich die Bürger in der letzten DDR-Volkskammerwahl am 18.03.1990 nach jahrzehntelanger erfolgreicher ideologischer (m.E. auch als psychologisch zu bezeichnender) Kriegsführung im imperialistischen Auftrag mehrheitlich gegen den Fortbestand ihres Staates entschieden und damit der Konterrevolution zum Sieg verholfen.

      Da der Staat lediglich der herrschenden Klasse als Machtinstrument dient, liegt der Schluss nahe, dass die in der DDR herrschende Arbeiterklasse mehrheitlich das Interesse an ihrer Machtausübung verloren hatte,
      oder/und/weil die sie anführende Sozialistische Einheitspartei Deutschlands ihrer revolutionären Führungsrolle nicht mehr gerecht werden konnte und diese letztlich aufgegeben hatte.“

      Dabei stütze ich mich hierauf: http://www.wahlrecht.de/ergebnisse/volkskammerwahl-1990.htm: Da steht, dass 40,8 % die CDU gewählt haben – und wenn das nicht gelogen ist, waren es ausreichend mehrheitliche Stimmen FÜR den Anschluss an die BRD, oder eben die Wende -> zurück in ein Leben unter der Knute des Kapitals.

      • sascha313 schreibt:

        Du magst recht haben, Marie, oder auch nicht. Du weißt ebenso wie ich, daß die DDR (wie auch die SU) nach jahrelagem Einfluß revisionistischer Kräfte und nach intensiver „Bestrahlung“ durch das Westfernsehen geschädigt war. Die DDR-Staats- und Parteiführung war der Sache schon lange nicht mehr gewachsen. Also schickte man Herrn Krenz nach Moskau. Und der holte dort sich von dem Banditen Gorbatschow die neuesten Instruktionen, und so war schon klar, daß die Grenzöffnung und der Westgeldumtausch (ganz nach Wünschen der Konterrevolution) zu dem geplanten Chaos führen würden, was letztlich dem Plan der Westmächte entsprach. (Krenz kann sich da nicht rausreden!)

        Wer zu dieser Zeit in der VK saß, war offensichtlich der Konsequenzen dieser Entwicklung nicht mehr bewußt oder er war so himmelschreiend naiv (wie diese Tante Bergmann-Pohl) oder schon so verblödet, daß er den Versprechungen der westdeutschen Imperialisten Glauben schenkte.

        Erich Honecker erklärte im Dezember 1989 in einer Art „Panik“ und Unverständnis: „Ich war und bin für eine Erneuerung der Partei und Gesellschaft, wie es im Aktionsprogramm gefordert wird, habe aber zunehmend Zweifel, ob dieser Prozeß in die richtige Richtung verläuft.“ (E.H. zu den dramatischen Ereignissen, W.Runge Verlag Hamburg.1992, S.88).

        Ich glaube nicht, daß die Arbeiterklasse das Interesse an der Machtausübung verloren hat; sie hat vielmehr gespürt, daß sie von ihrer eigenen Partei verscheißert wurde…

  5. Hanna Fleiss schreibt:

    Marie, ich bin nicht der Ansicht, wie du schreibst, dass das Volk der 17 Millionen DDR-Bürger wusste, was das Leben im kapitalistischen Deutschland für es bedeutete. Und sie haben sich auch nicht plötzlich für den Westen entschieden, gar unverständlicherweise. Wenn man nicht abgehoben gelebt hatte, wusste man sehr wohl, was die Leute so denken und schwatzen. Die Beeinflussung durch die elektronischen Medien war ungeheuerlich, ihnen wurde eine Welt in Saus und Braus vorgeführt, und alles, was dagegensprach, wurde von ihnen negiert – sie wollten glauben. Ich rede jetzt nicht von Menschen, die gern in der DDR gelebt haben, wie ich zum Beispiel, sondern ich rede von den Menschen, unter denen ich gelebt hatte, ganz normale, durchschnittliche DDR-Bürger. Die ihre Arbeit gemacht haben, die aber nie den Mund aufmachten, sondern sich „raushielten“. Jede Argumentation für die DDR stieß bei ihnen auf Ablehnung.

    Sage mir niemand, dass mit den Menschen wirklich im Sinne des Sozialismus gearbeitet wurde. Und wenn, wie Lenin schrieb, der Sozialismus nur mit marxistisch-leninistisch gebildeten Menschen aufgebaut werden kann, so wurde in der DDR das Wesentlichste vernachlässigt: die Arbeit m i t den Menschen. Sprich mal heute mit ihnen. Einige werden enttäuscht sein, aber seltsamerweise geben sie sich selbst die Schuld, „es nicht geschafft“ zu haben, sie begreifen noch immer nichts. Und das sind die Nachwirkungen der fehlenden Arbeit mit ihnen. Und ich glaube sogar, wenn sie auf die DDR schimpfen, tun sie das aus „voller Überzeugung“ und nicht aus Angst, dass ihnen jetzt, wenn sie das nicht tun sollten, Nachteile entstehen könnten. Ich bin dagegen, dass wir uns etwas vormachen, wir sollten die Dinge realistisch sehen.

    • sascha313 schreibt:

      Ich denke, Hanna, wer heute auf die DDR schimpft, der wiederholt und bestätigt eigentlich nur, was die DDR-Hasser in der einen oder anderen Form schon irgendwo mal gesagt haben. Fragt man aber nach den Vorzügen, so hat man sofort die Zustimmung, daß die DDR eben doch der „bessere Teil“ der deutschen Geschichte war..

  6. Rolf schreibt:

    Also für mich war die DDR „eindeutig“ der bessere Teil für die Menschen! Aber ich muss auch Hanna zustimmen. Oft hat man sich nur mit sich selbst – unter den Genossen – beschäftigt. Und man hat auch Lenin außen vor gelassen. Das Volk sollte doch alles wissen um den revolutionären Kampf und die Lage richtig einschätzen zu können. Mit der Zeit wurde aber dem Volk vieles verheimlicht und teilweise auch verschönt mitgeteilt.
    Rolf

    • sascha313 schreibt:

      Rolf, Du hast vollkommen recht. Je mehr man heute darüber weiß – und je mehr man von Lenin (und von Stalin!) liest, desto klarer wird, wie sehr die Partei versagt hat, als es darum ging die Arbeiter zu gewinnen – es wurde zuletzt nur noch reglementiert, nicht mehr geführt. Und heute? Was tun wir heute???
      Reden wir doch mit den Arbeitern!

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