Der Wert der Propaganda

ereignisDie Ereignisse in der Weltarena scheinen sich wieder einmal zu überschlagen, und nicht alles ist gleich überschaubar. Dabei wird deutlich, wie wichtig es für die Arbeiterklasse ist, einen klaren Klassenstandpunkt zu finden. Es reicht heute nicht mehr aus, Ungerechtigkeiten und Widersprüche zu erkennen, man muß auch lernen, Falsches von Richtigem zu unterscheiden, Manipulationen von der Wahrheit, um schließlich ins bewußte und gemeinsame Handeln zu kommen. Hinderlich ist, wenn Einschüchterungsversuche oder Verlockungen der herrschenden Klasse ihr Ziel erreichen oder wenn falsche Orientierungen Protestaktionen ins Leere laufen lassen. Die bürgerlichen Propagandamedien sind voller Lügen und Falschmeldungen, sie verschweigen oder verdrehen die Tatsachen. Wer soll sich da noch zurechtfinden! Einzig die wissenschaftliche Weltanschauung des Marxismus-Leninismus gibt uns die Möglichkeit, die Hintergründe und Zusammenhänge zu erkennen. Es ist nicht leicht gegen diese Flut der Lügen anzutreten, doch es ist die einzige Möglichkeit die Welt zu erkennen, um sie im Interesse der ausgebeuteten und unterdrückten Massen dauerhaft zu verändern. Der Witz daran ist, daß die nun folgenden Erkenntnisse vor nahezu fünfzig Jahren niedergeschrieben wurden. Und sie treffen haargenau auch heute zu! Wir sehen: Wie wichtig ist die kommunistische Agitation und Propaganda!

Geistige Bedürfnisse

Die Notwendigkeit nach einem stärker ausgeprägten politischen Klassenbewußtsein hängt damit zusammen, daß die politischen Grundfragen immer stärker in den Mittelpunkt der Klassenauseinandersetzung rücken. Von jeher war das spontan erwachsende und sich nur auf wirtschaftliche bzw. unmittelbare Tagesprobleme orientierende Bewußtsein der Arbeiter nicht ausreichend für die Erfüllung der historischen Mission der Arbeiterklasse. Infolge der Verflechtung der Macht der Monopole mit der Macht des Staates werden ökonomische Forderungen an Unternehmer und Monopole zwangsläufig zu politischen Forderungen, zur Konfrontation mit dem imperialistischen Staat bzw. den politischen Parteien und Verbänden der Monopolherren. Das objektive Bedürfnis nach politischem Klassenbewußtsein verstärkt sich auch insofern, als die Menschheit in der Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Soziallsmus lebt.

Die Machtfrage

Jetzt steht vor den Arbeitern jedes Landes viel unmittelbarer als früher die Machtfrage. Gedanken über den konkreten Weg zu einer antiimperialistisch-demokratischen und schließlich sozialistischen Staatsordnung sind erforderlicher als zuvor geworden. Dabei muß die Arbeiterklasse berücksichtigen, daß dieser Übergang unter staatsmonopolistischen Verhältnissen vor sich geht, da sich die herrschende imperialistische Bourgeoisie immer weniger mit dem spontanen Verlauf der gesellschaftlichen Prozesse abfindet und schrittweise immer mehr Bereiche einer ihren Profitinteressen dienenden bewußten gesamtgesellschaftlichen Regulierung unterwirft.

Die Sozialdemokratie

„Die rechte Sozialdemokratie von heute ist, in Ergänzung ihrer alten Rolle als Lakaien der nationalen Bourgeoisie, zu einer Agentur des ausländischen, amerikanischen Imperialismus geworden und führt seine schmutzigen Aufträge zur Vorbreitung eiens Krieges und zum Kampf gegen die eigenen Völker aus.“  [1]

Die Friedensfrage

Schließlich ergibt sich die Konzentration des Klassenbewußtseins auf das politische Bewußtsein auch daraus, daß heute die Friedensfrage zum Hauptproblem des gesellschaftlichen Lebens geworden ist. Aber die Sicherung des Friedens, die Zerschlagung bzw. Verhinderung weiterer imperialistischer Aggressionen.

Die Friedensbewegung

„Die gegenwärtige Friedensbewegung verfolgt das Ziel, die Volksmassen zum Kampf für die Erhaltung des Friedens, zur Verhütung eines neuen Weltkrieges  zu mobilisieren. Folglich setzt sie sich nicht das Ziel, den Kapitalismus zu stürzen und den Sozialismus zu errichten – sie beschränkt sich auf die demokratischen Ziele des Kampfes für die Erhaltung des Friedens. In dieser Beziehung unterscheidet sich die gegenwärtige Bewegung für die Erhaltung des Friedens von der Bewegung während des ersten Weltkrieges für die Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg, da diese Bewegung weiterging und sozialistische Ziele verfolgte…. Um die Unvermeidlichkeit der Kriege zu beseitigen, muß der Imperialismus vernichtet werden.“ [2]

Der Weg zum Denken

All diesen neuen geistigen Anforderungen an die Werktätigen Westdeutschlands steht die imperialistische Meinungsmanipulation entgegen. Sie ist der reaktionäre Ausdruck der Notwendigkeit, in unserer Zeit die Bewußtseinsprozesse gesamtgesellschaftlich zu regeln; sie ist die imperialistische Art und Weise dieser Regelung mit allen sich aus diesem Klasseninhalt ergebenden widerwärtigen Folgen.

Das Menschenunwürdige an der Manipulierung ist nicht die gesamtgesellschaftliche Lenkung des menschlichen Denkens überhaupt, sondern die „Außenlenkung“ im Sinne ahumaner Zielstellung und ahumaner Methoden. Sie ist menschenunwürdig, weil sie eine gesamtgesellschaftliche Steuerung des Denkens im Interesse einer kleinen Minderheit des Volkes, für deren Zwecke und Ziele darstellt, weil sie gegen die höheren Anforderungen an das Bewußtsein in der heutigen Zeit gerichtet ist, indem sie durch Lüge und Halbwahrheit, mittels bewußter Trennung von Inhalt und Form, Wesen und Erscheinung, Ursache und Wirkung das Denken der Menschen verkrüppelt und vereinseitigt.

Was sagt die KPD dazu?

„Wo Kultur- und Pressekonzerne wie Springer und Bertelsmann unheimliche Macht über das Denken, Fühlen und Handeln von Millionen ausüben, wo nur fünf Prozent Arbeiter-und Bauernkinder an den Universitäten studieren, wo Schule und Berufsausbildung den Arbeitern nur eine völlig ungenügende Bildung vermitteln und sie damit im Zeitalter der technischen Revolution großer sozialer Unsicherheit ausliefern – dort haben Fragen der kulturellen Lage der Arbeiterklasse und aller Werktätigen aufgehört, Gegenstand für geruhsame Betrachtungen in Mußestunden zu sein, dort ist der Kampf um kulturelle Reformen zur aktuellen Notwendigkeit, zum gleichrangigen Bestandteil des politischen und sozialen Kampfes der Arbeiterklasse geworden.“ [3]

Eine neue Ideologie

Ohne eine neue ideologische Konzeption bei den Werktätigen nützen alle noch so gut gemeinten Vorschläge zur Erhöhung ihres Einflusses auf die Massenmedien nichts. Ohne ein Minimum an neuem Bewußtsein läßt sich auch keine Änderung der Machtverhältnisse erzielen. Umgekehrt ist aber die neue Ideologie nicht massenwirksam und zukunftsträchtig, wenn sie keine Instrumente hätte, die ihr Verbreitung sichern. Und ohne Bändigung, Zurückdrängung und Beseitigung der Macht der Monopole in Ökonomie und Politik würde eine demokratische Alternative zur Meinungsmanipulation sich in bloß aufklärerischer Bahn bewegen und nicht zur Wirkung kommen.

Haben wir schon eine neue Ideologie?

Das neue antiimperialistisch-demokratische Bewußtsein ist kein in der Opposition verharrendes Bewußtsein. Sicherlich sind Gedanken, die Bestehendes sarkastisch sezieren, und harte Worte, die die Unzulänglichkeiten, Sinnlosigkeiten und Gefährlichkeiten im bundesrepublikanischen Dasein brandmarken, notwenige Elemente. Sie sind auch schon mehr als nur sporadische Unzufriedenheit und gelegentliche Respektlosigkeit hinsichtlich mancher gesellschaftlicher Zustände in der Bundesrepublik, die Ulrike Meinhof mit Recht als noch nicht oppositionell und als noch nicht kritisch wertet [4] Aber eine bloß nonkonformistische Gedankenwelt reicht nicht aus, um die imperialistische Manipulierung des Geistes zu bannen oder gar zu beseitigen.

Was sagt ein Theologe dazu?

„Das Furchtbare ist in der Tat, daß wir zwar die große Fragwürdigkeit des ökonomischen Systems, das nicht wirklich den menschlichen Lebensbedürfnissen dient, überall erkannt haben, daß aber weder politische, industrielle, gewerkschaftliche noch unsere eigenen Kräfte erneuerungsmächtig bzw. -willig sind. Der Arbeiter spürt das und wird mehr und mehr fatalistisch. Wir dürfen die Menschen in diesem Produktions- und Konsumbetrieb einfach nicht im Stich lassen.“ [6]

Der Antikommunismus

Die Gedankenwelt (der demokratischen Kräfte in der BRD, N.G.) ist von einem eigenartigen Widerspruch durchzogen. Auf der einen Seite weist sie viele vernünftige und elementar-fortschrittliche Zielstellungen auf, die demokratisch und sogar antiimperialistischer Natur sind und sich aus humanistischen Idealen oder auch aus bestimmten Einzelerkenntnissen des Marxismus herleiten. Andererseits gibt es aber damit verbundene Ansichten, die ganz oder teilweise mit den reaktionärsten antikommunistischen Bestandteilen der Ideologie des imperialistischen Hauptfeindes übereinstimmen.

Die antikommunistischen Züge in der Ideologie nichtmarxistischer Kräfte im DGB, in der Sozialdemokratischen Partei und in anderen Organisationen der Bundesrepublik haben verschiedene Ursachen. Teils sind sie Produkt der imperialistischen Meinungsmanipulation, teils Ergebnis des Drucks extrem rechter sozialdemokratischer Politiker und Theoretiker. Teils beruhen sie auf einer fehlenden Kenntnis und Anschauung der sozialistischen Wirklichkeit…

Artikel 5 des Grundgesetzes der BRD

Vor allem aber gilt es, das im August 1956 vom Bundesverfassungsgericht ausgesprochene Verbot der KPD samt ihrer Presse als eklatanten Verfassungsbruch zu erkennen und außer Kraft zu setzen. … Meinungsfreiheit bedeutet zu gleich aber auch den Schutz des Volkes vor Kriegs-, Mord- und Völkerhetze, weil das Anschläge nicht nur auf die individuelle und kollektive Freiheit des Menschen, sondern auf ihr Leben ihr Dasein sind.

Quelle:
Manipulation. Die staatsmonopolistische Bewußtseinsindustrie. Dietz Verlag Berlin, 1968, S.455-470, 520f., 532 (gekürzt).

Zitate:
[1] G.M. Malenkow: Rechenschaftsbericht des ZK der KPdSU (B) an den XIX. Parteitag. Broschüre, Dietz Vwerlag Berlin 1952, S.9-27.
[2] J.W. Stalin: Ökonomische Probleme des Sozialismus. Broschüre, Dietz Verlag Berlin, 1952, S.31-38.
[3] Wissen und Tat, 1967, Heft 9/10, S.43f.
[4] konkret, 1967, Nr.1, S.3.
[5] H. Symanowski/F. Vilmar: Die Welt des Arbeiters, S.113.


Was ist Propaganda?

Unter Propaganda versteht man die systematische Verbreitung und gründliche Erläuterung politischer, philosophischer, ökonomischer, historischer, naturwissenschaftlicher u.a. Lehren und Ideen. Im Gegensatz zur imperialistischen Propaganda, die vor dem Volk die wirklichen Ziele kapitalistischer Klassenherrschaft zu verschleiern sucht und das Bewußtsein manipuliert, vermittelt die marxistisch-leninistische Propaganda, ausgehend von den objektiven Entwicklungsgesetzen der Natur und Gesellschaft, die wissenschaftliche Theorie und Politik, die Strategie und Taktik der kommunistischen Bewegung. Sie verbreitet die Ideen des Marxismus-Leninismus (der Werke von Marx, Engels, Lenin und Stalin), sie erläutert, die Fragen der Menschen beantwortend, systematisch und geduldig die marxistisch-leninistischen Grundlehren und ist unlöslich mit der Tärigkeit der kommunistischen und Arbeiterparteien verbunden. Die kommunistische Propaganda ist ein entscheidender Bestandteil der ideologischen Arbeit der Partei. (Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin, 1986, S.777f.)

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11 Antworten zu Der Wert der Propaganda

  1. Heums schreibt:

    Hallo Sascha,
    es ist mir eine Ehre, dass du mich erwähnt hast. Deine Artikel sind richtig gut beschrieben und zeugen von einer wahrhaft zielgerichteten Einstellung🙂. Ansbach wurde vorgestern vom islamistischen Terror heimgesucht, doch in Ansbach findet seit Jahrzehnten eine Katastrophe und ein Volksbetrug statt, der noch viel schlimmer ist. Ich habe über die Webseite der mittelfränkischen Stadt erfahren, dass dort die US Army untergebracht ist (siehe http://www.ansbach.army.mil), die sind dort stationiert und die Leute erfahren nie etwas darüber. Ansbach ist also eine der Orte auf dieser Welt, wo tagtäglich mit Waffen hantiert wird und das auf Kosten des Prekariats. Vor dem Terrorismus war in Ansbach also schon lange der militante Imperialismus der Bourgeoisie zu Hause und ist es noch immer. Ansbach spielt nicht nach den Regeln des Kommunismus, sondern de Kapitalismus, weshalb dieser Ort nur die Chaoswahrnehmung bei der Mehrheit der Bevölkerung erhöhen konnte und so antikommunistische Kräfte gestärkt hat. Ansbach ist fest in den Händen des Imperialismus und damit Großteile Deutschland, Europas und der ganzen Welt. Die Amerikaner verbreiten in Ansbach ihren weißen Terror, das ist ein gigantischer Albtraum, wo ich hoffe, dass er mal ein Ende nimmt, doch das wird erst im Kommunismus stattfinden!!!

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Heums. Was meinst Du, gibt es Themen, die man unbedingt aufgreifen sollte? Ich habe heute zufällig wieder mal bei Lenin gelesen, was er damals (also schon 1898) für wichtig gehalten hat. Der Unter-schied zu heute ist, was das Proletariat betrifft, natürlich gewaltig. Vor hundert Jahren gab es in den Ballungszentren und Industriegebieten ein sehr dicht versammeltes Proletariat, das ist heute nicht mehr so. Und die Bourgeoisie hat in den letzten 100 Jahren auch enorm dazugelernt, wie es die Arbeiter am besten zerstreuen und manipulieren kann.

      Und dann spielt natürlich die Zerstörung der kommunistischen Bewegung eine große Rolle. Anfangs dachte ich – na gut, dann sind wir eben hundert Jahre zurückgeworfen worden. Aber heute erscheint mir das viel länger. Allerdings bedarf es vermutlich nur eines Zündfunkens, um eine Explosion auszulösen. Ansbach beweist das. Ich glaube nicht, daß der „Islamismus“ daran schuld ist, wenn es einen solchen Terror gibt, m.E. kehrt der Terror nur an die Ausgangspunkte zurück. Das hilft natürlich niemandem und richtet großen Schaden an, nicht nur bei den Betroffenen. Zumal das Klassenbewußtsein und eine qualifizierte Führung fehlt.

  2. GreenHope schreibt:

    Hallo Sascha,
    wo du gerade die Wichtigkeit der Propaganda betonst. Es entspricht wahrscheinlich nicht deinem Musikgeschmack, aber es gibt abseits diverser Interpreten aus dem antideutschen Lager (Neonschwarz, Antilopen Gang etc.) oder sog. „Gangsta-Rapper“ (Bushido, Kollegah etc.) auch Vertreter der Rap-Musik, die sich durchaus sinnvoller, politisch aufgeladener Texte bedienen.

    Auch Rap fungierte mal als Sprachrohr der unterdrückten und unterpriviligierten Klassen und Schichten, wurde dann jedoch von reaktionären Kräften gekapert, die den Rap kommerzialisierten, wodurch der heutige Eindruck vom Rap als gewaltverherrlichendes, hedonistisches, frauenverachtendes, homophobes und sinnentlehrtes Musikgenre zustande kommen konnte.

    Jedoch ist auch positiver Gegenwind in Form von fortschrittlichem Rap zu spüren. Zu nennen wäre da etwa der kommunistische (marxistisch-leninistische) Rapper S.Castro aus Wuppertal, der in nahezu jedem seiner Lieder den Charakter der bürgerlichen Gesellschaft entlarvt.

    Hier ist eines seiner empfehlenswerten Lieder, in dem er über Ausbeutung, die weltpolitische Lage und die Strategie des Imperialismus rappt:

    https://www. youtube.com/watch?v=d9Wv7gyJiTc

    Ein etwas ruhigeres Lied von ihm:

    https://www. youtube.com/watch?v=p0tdy-MNHko

    Ich weiß nicht wie du die Angelegenheit bewertest, aber meiner Meinung nach eignet sich Rap-Musik aufgrund seiner Kompaktheit gut, um politische Botschaften, sicherlich stark verkürzt aber deutlich zu verbreiten und das persönliche Weltbild zu formen. Gerade durch die Verhaftung der Rap-Musik mit der Jugend sowie den proletarischen und migrantischen Schichten könnte bei richtiger Handhabung ein großes Publikum erreicht werden.

    Mao sprach sogar von der „revolutionären Kultur“ als „machtvolle Waffe der Revolution“ (vgl. Mao 1940, Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs „Über die Neue Demokratie“, Bd. II).

    Es wäre interessant zu wissen, was du darüber und über die Rolle der Kultur in der Agitprop im Allgemeinen denkst.

    • sascha313 schreibt:

      Keine Frage – Propaganda ist wichtig. Die Hörgewohnheiten und die Kommunikationsmöglichkeiten haben sich verändert. Rap hat den Nachteil, daß der Text ein fast „untergeht“, wenn man nicht genau hinhört. Das war bei den Arbeiterliedern im 20.Jh. anders – da konnte jeder mitsingen, und die Arbeiter haben das auch getan. Lieder von Ernst Busch zum Beispiel gehen ins Ohr und sind unübertroffen. Friedrich Wolf, glaube ich, hat mal gesagt: „Kunst ist Waffe!“ Und das stimmt auch. Doch viel wichtiger als der Musikgeschmack ist die Gemeinschaft, der Austausch mit Gleichgesinnten. Und da geht es heute in erster Linie ums Wissen. Kunst kann da also nur einen Anstoß geben…

  3. Hanna Fleiss schreibt:

    Green Hope, ich sehe das mit dem Rap nicht so, wie du schreibst. Ich habe mal einen sehr guten Rapper einen Antikriegstext vortragen gehört, der im Grunde alle Argumente gegen den Krieg aufführte, aber frag mich nicht, was von diesem Rap bei mir hängengeblieben ist – nichts. Das Interesse der Zuhörer konzentrierte sich vor allem auf die Artistik des Rappers (er sprach in einem Wahnsinnstempo, das rauschte alles am Ohr vorbei), aber nicht auf den Inhalt, wie mir mehrere Hörer sagten. Als Möglichkeit, Jugendliche auf Inhaltliches anszusprechen, erscheint mir der Rap nicht sehr geeignet. Er ist auf das reine Unterhaltungsniveau herabgesunken, auch wenn da politisch aufmüpfige Texte dargeboten werden. Es fehlt einfach das Mitsingenkönnen, das erst ein Gemeinschaftsgefühl und Zuversicht schafft, was gerade Jugendliche unbedingt brauchen. Und wenn ich an die chilenischen Gruppen denke, die damals mit ihren Liedern Massen mobilisiert haben, dann schneidet meiner Ansicht nach der Rap nicht besonders gut ab.
    Ich bin aber der Ansicht, dass die Kunst in der Propaganda eine sehr große Rolle spielt und dass sie nicht nur einen Anstoß geben kann, wie Sascha schreibt. Das hatte zum Beispiel auch die CIA herausgefunden, als sie in Westeuropa sich besonders auf Künstler und Schriftsteller stürzte und stützte, weil die Kunst eben beides ansprechen kann: das Gefühl und den Verstand. Und meiner Ansicht nach wird der Verstand im allgemeinen erst über das Gefühl erreicht. Womit ich nicht sagen will, dass es reicht, mitreißende Lieder zu komponieren und vorzutragen, dabei aber der politischen wissenschaftlichen Bildung eine Zweitrolle zuzuweisen.. Nein, beides zusammen erst kann junge Menschen aus der anerzogenen Entpolitisierung herausführen und aktivieren.

    • GreenHope schreibt:

      Eine gutes Beispiel für den Musikstil den du ansprichst ist Grup Yorum, (falls du sie nicht kennst) eine linke türkische Band, die sich trotz massiver Repressionen wie Inhaftierungen von Bandmitgliedern in der Türkei oder Einreiseverboten der BRD nicht davon abschrecken lässt ihre Tätigkeiten fortzusetzen. Sie spielt modern aufbereitete aber volkstümliche (damit meine ich verständliche) Musik „zum Mitsingen“, die sich an traditionelle türkische Klänge anlehnt und ist quer durch das Land sehr beliebt (ihre Konzerte werden von zehntausenden besucht + Millionen Aufrufe auf Videoplattformen).

      Du hast recht, es ist in der Tat schwer durch Rap ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen. Dazu ist Rap aufgrund der von dir und Sascha angesprochenen Problematik glaube ich nicht fähig, jedoch kann Rap gerade bisher unpolitische Menschen für politische Themen sensibilisieren, deren Musikgeschmack oft im Rap zu verorten ist. Der Rahmen des Raps ist also begrenzt und ich glaube, dass das Interesse an Rap in der entwickelten, klassenlosen Gesellschaft nicht mehr vorhanden sein wird, da das „Aggressionspotenzial“ (und Rap ist naturgemäß eine militante, kämpferische Musik), welches durch Rap zum Ausdruck gebracht wird sich ebenfalls auflösen wird, wenn der gesellschaftliche Hauptwiderspruch zwischen den Klassen verschwindet und der Klassenkampf aufhört.

    • Doed schreibt:

      Ich finde Rap vielleicht gar nicht so schlecht um etwas rüberzubringen. Die Musik im Hintergrund ist recht simpel gestrickt und eigentlich liegt der Fokus beim Text. Und das sage ich, der Rap an sich nicht hört und meist unerträglich findet. Grandmaster Flashs „The message“ fand ich gut. Das ist aber alles reine Geschmackssache. Ich bin zwar auch noch jung, aber meine Musik spielt immer um Ende 60er anfang 70er.

      Die Nazis haben übrigens nicht umsonst ihre Schulhof-CDs etc. unter’s Volk geschoben. Darauf befinden sich sehr eingängige Cover populärer Lieder. Oft gute Laune-Lieder, teilweise auch an den Punk-Stil angelehnt. Aber halt gespickt mit extrem rassistischen Texten.

  4. Rolf schreibt:

    Da muss ich als „Älterer“ Hanna recht geben. Ich kann mir die Texte auch nicht so merken. Geschweige denn auch (teilweise) verständlich finden. Da finde ich Busch, Brecht und Co. schon viel besser. Aber es ist auch der „kapitalistisch gezüchteten“ Moderne geschuldet. Man sollte es auch auf die heutige Zeit beziehen. Rap ist eine Erscheinuhng der heutigen „kapitalistischen Welt“.
    Rolf

    • Doed schreibt:

      Rap hat jahrzehntealte Wurzeln und ist mehr ein Ding der Schwarzen bzw. der ärmeren Bevölkerung. Dass Trends dann später kommerziell ausgeschlachtet werden, ist nicht neu und dann haben wir diese chauvinistischen und geldpreisenden Texte, weil es irgendwie „cool“ ist. Ich weiß nicht warum sich gerade so negative Sachen durchsetzen und Geld bringen. Vielleicht weil es etwas Anrüchiges hat oder irgendwie neu ist.

  5. Rolf schreibt:

    Richtig! Geldpreisende Texte, kommerziell ausgeschlachtet …
    Warum? Weil es von den kapitalistischen „Entscheidern“ und den Marionetten so gewollt ist. Ganz einfach! Das Volk wird mit „bestimmten Sachen“ beschäftigt. Es „denkt“ nicht an sich. Es wird „gebildet“ …
    Rolf

  6. Hanna Fleiss schreibt:

    Rolf, ich denke, dass auch der Rap, selbst dann, wenn man darauf besteht, dass er Ausdruck der unterdrückten jungen schwarzen Bevölkerung ist, er also nicht die übliche Ami-Musik ist, bin ich aber doch der Ansicht, dass auch er eine bestimmte Funktion bei der Manipulierung und Entpolitisierung spielt. Und dann: Musik ja – aber als Hauptinhalt des Lebens? Musik als Hauptinhalt des Lebens junger Menschen – das dient nicht nur dem Kommerz, das dient vor allem der Ablenkung von ihren wirklichen Problemen. Und da schließe ich auch den Rap nicht aus. Das ist keine Generationenfrage, denn der Rap war vor allem Ausdruck der Hilflosigkeit der jungen Schwarzen in den USA gegen ihre Benachteiligung in der Gesellschaft. Sie wollten protestieren, wussten aber nicht, wogegen und gegen wen, es war und ist jetzt erst recht kein zielgerichteter Protest. Der war es vielleicht ganz zu Anfang, heute gilt er als eine fast schon bürgerliche Musikart, und diesen Ruch wird er auch nicht mehr los, unter Kampfliedern der Arbeiterklasse würde ich ihn jedenfalls nicht suchen. Was uns wirklich auf diesem Gebiet fehlt, sind die jungen Leute, die wissen, warum sie gegen den Kapitalismus auftreten, und die auch wissen, wie man mit welchen Rhythmen, Tönen, Texten und vor allem mit heißem Herzen die Menschen aufrütteln und sie in ihrem Kampf gegen diese menschenverachtende Gesellschaftsordnung begleiten kann.

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