Wenige freie Geister – das Land in dem wir leben…

PhilosophieJede Gesellschaftsordnung benötigt zu ihrer Existenz und Entwicklung ein historisch bestimmtes Bewußtsein und bringt dieses auch hervor. Heute herrscht in der BRD sozusagen ein Bewußtsein des „Geldverdienens – möglichst rasch und möglichst viel!“ und ein Bewußtsein des „Genießens und Entspannens“, der „Unterhaltung“. Die Entpolitisierung hat weite Kreise der Bevölkerung erfaßt. Es gibt nur wenige „freie Geister“, die sich kritisch mit ihrer Umwelt auseinandersetzen, nur wenige, die sich darüber wundern, woher der ganze Reichtum in diesem Land wohl kommt. Und es ist wiederum eine Masse, die gedankenlos nachplappert, was ihnen die bürgerlichge Medien vorsagen. Ob wir es nun wahrnehmen oder nicht: Es herrscht psychologischer Krieg!

Der psychologische Krieg!

Im Imperialismus, im höchsten und letzten Stadium des Kapitalismus, nimmt die ideologische Herrschaft der Großbourgeoisie die Form des psychologischen Krieges gegen das eigene und gegen andere, als Aggressionsobjekte bestimmte Völker on.

„Psychologischer Kampf ist die mit allen technischen, intellektuellen und emotionalen Mitteln offensiv wie defensiv geführte geistige Auseinandersetzung mit dem Ziel, einerseits den Kampfwillen des Gegners zu brechen, andererseits den eigenen bis zur Unüberwindlichkeit zu steigern.“ [1]

Dies gilt sowohl in bezug auf den Gegner im Lande, die sozialistiscbe Arbeiterbewegung und alle anderen demokratischen Kräfte, als auch in bezug auf den äußeren Gegner, noch dem Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution vor allem in bezug auf die Sowjetunion. Es ist völlig gesetzmäßig, wenn im Imperialismus, insbesondere in der durch die Große Sozialistische Oktoberrevolution eingeleiteten Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus, die ideologische Machtausübung der Großbourgeoisie die Form des psychologischen Krieges einnimmt.

Auf dich kommt es an, Kollege!

Der Parasitismus des Imperialismus zeigt sich wohl auf keinem Gebiet in so krassem Maße wie in der angestrebten vollständigen geistigen Erniedrigung und Knechtung des Volkes, vor allem der Arbeiterklasse. Deutlicher als in früheren Perioden revolutionärer Umgestaltung treten mit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution im Jahre 1917 die Volksmassen in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Geschehens, wird die Arbeiterklasse zur sozialen Hauptkraft der neuen Epoche. Die Rolle der Volksmassen, des subjektiven Faktors, wird vor ollem in Lenins Arbeiten zur Analyse des Imperialismus auf marxistischer Grundlage den neuen historischen Bedingungen entsprechend weiterentwickelt und als wesentlicher Bestandteil in die marxistisch-Ieninistische Revolutionstheorie und in die Lehre von der Partei neuen Typus aufgenommen.

Wer die Massen beeinflußt, der hat die Macht!

Auch in der bürgerlichen Ideologie wird der Aufstieg der Massen zur realen geschichtlichen Kraft als „Aufstand der Massen“ zur Kenntnis genommen und das „Menschsein“ zu einem zentralen Problem weltanschaulicher und politischer Betrachtungen. Allein mit dieser Fragestellung bestätigen bürgerliche Ideologen, daß die Rolle der Volksmassen zu einer der wichtigsten theoretischen und praktischen Fragen geworden ist.

Die imperialistische Bourgeoisie und ihre ideologischen Vertreter befinden sich in einem großen Dilemma. Sie brauchen das Volk, die Arbeiterklasse als Ausbeutungsobjekt, als Profitquelle, als Kanonenfutter, als Stimmvieh, aber sie fürchten das Volk und vor allem die Arbeiterklasse, deren bloße Existenz ihnen, angesichts der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, ständig den Anblick des Totengräbers ihrer eigenen, parasitären Macht bietet.

Die Kraft des Volkes

In die Herrschaftstechnlk der imperialistischen Großbourgeoisie sind in der Regel deformierte Formen und Methoden der bürgerlichen Demokratie eingegangen. Sie sind deshalb deformiert, weil das Monopol Negation der Demokratie, Reaktion auf der ganzen Linie ist, wie Lenin in seinen Arbeiten zur Imperialismusanalyse nachgewiesen hat. Ohne dos Volk funktioniert der Mechanismus der deformierten bürgerlichen Demokratie auch im Imperialismus nicht, selbst wenn sich die Funktion der Massen nur darauf beschränkte, alle paar Jahre an den Parlamentswahlen teilzunehmen, um wenigstens den Schein einer Beteiligung des Volkes an der Macht zu wahren. Da aber die Kraft des Volkes und vor allem der Arbeiterbewegung durch den Mechaoismus dieser Demokratie bestimmte Gefahren für die uneingeschränkte Herrschaft der Großbourgeoisie heraufbeschwören kann, ist die psychologische Bearbeitung des Volkes unerläßlich für die Herrschaft der Großbourgeoisie und für das Funktionieren ihrer Demokratie.

Wie die Bourgeoisie die Massen betrügt…

Lenin hat in einer Analyse des Zusammenhanges zwischen Imperialismus und Opportunismus auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Er schrieb:

„Ohne Wahlen geht es in unserem Zeitalter nicht: ohne die Massen kommt man nicht aus, die Massen aber können im Zeitalter des Buchdrucks und des Parlamentarismus nicht geführt werden ohne ein weitverzweigtes, systematisch angewandtes, solide ausgerüstetes System von Schmeichelei, Lüge, Gaunerei, das mit populären Modeschlagworten jongliert, den Arbeitern alles mögliche, beliebige Reformen und beliebige Wohl­taten verspricht – wenn diese nur auf den revolutionären Kampffür den Sturz der Bourgeoisie verzichten.“ [2]

Der Widerspruch zwischen Lüge und Wahrheit

Die gezielte massenhafte Produktion und Verbreitung offen menschenfeindlicher, antidemokratischer und antikommunistischer Anschauungen im Imperialismus, die in genauso krassem Gegensatz zu den klassischen bürgerlichen Auffassungen von Freiheit, Demokratie und Humanismus stehen wie das Weimar Goethes zum Buchenwald der Nazis, ist Reflex des immer schärfer hervortretenden Widerspruchs zwischen Bourgeoisie und Proletariat, zwischen der aggressiven imperialistischen Innen- und Außenpolitik der Monopole und dem Streben der übergroßen Mehrheit der Nation nach Frieden und gesellschaftlichem Fortschritt, Freiheit und Demokratie, Menschlichkeit und Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Wohlstand.

Wozu dient die geistige Manipulierung?

Unter diesen historischen Bedingungen beginnt im monopolkapitalistischen System die Manipulierung des Bewußtseins und der Verhaltensweise des Volkes. Der Widerspruch zwischen den Lebensinteressen des Volkes und der aggressiven Politik der herrschenden imperialistischen Kreise und ihres Generalstabes ist derart tiefgreifend, daß sich die Finanzoligarchie nicht mehr allein auf die bis dahin angewandten Methoden der bürgerlichen Massenbeeinflussung, auf die elementare Gewalt des alltäglichen Druckes der bürgerlichen Ideologie verlassen kann. Sie setzt eine einheitliche, zielgerichtete, jeden Bereich des gesellschaftlichen Lebens durchdringende geistige Mobilmachung durch, die mit allen Mitteln und Techniken der Meinungsmanipulation erstrebt wird.

Pragmatismus der imperialistischen Propaganda

Alles, was der imperialistischen Bourgeoisie nützt, wird skrupellos in den Dienst ihrer Macht gestellt. Die Frage nach Wahrheit oder Lüge, nach Menschlichkeit oder Unmenschlichkeit tritt völlig hinter der Nützlichkeit, hinter dem kalten, seelenlosen Pragmatismus [3] einer parasitären und aggressiven Klasse zurück. Sicher wird von ihr nicht jeder Erkenntnisfortschritt geleugnet, werden auch bestimmte Teilwahrheiten verkündet, aber nur in dem Maße, wie die Entwicklung der Profitproduktion solche Erkenntnisse benötigt. Im Hinblick auf die geistige Formung des Volkes, in bezug auf das Menschenbild jedoch wird geleugnet und betrogen, werden Halbwahrheiten verkündet, wird Wahres mit Falschem vermischt, wird die Bildung wohl dosiert verabreicht.

Die wenigen „freien Geister“

Bürgerliche Philosophen, Soziologen und Psychologen haben ganze theoretische Systeme der geistigen Erniedrigung des Volkes geliefert. Nach Schopenhauer, Nietzsche, Pareto, Le Bon können nur wenige „freie Geister“ die Wahrheit ertragen. Für die Massen seien Mythen und Lebenslügen unentbehrlich. Die Massen seien sowieso unfähig, Meinungen zu haben, außer jenen, die ihnen aufgedrängt werden. Oder wie die Chefin des CDU /CSU-Meinungsforschungsinstitutes in Allensbach es heute nennt, dort wo die Menschen „abstrakt verstehen sollten“, werden von der „Bevölkerung … die Dinge aus ihrer Küchenperspektive beurteilt“ [4].

„Die Falschheit eines Urtheils“, heißt es bei Nietzsche, „ist uns noch kein Einwand gegen ein Urtheil … Die Frage ist, wie weit es lebenfördernd, lebenerhaltend, Art-erhaltend, vielleicht gar Art-züchtend ist; und wir sind grundsätzlich geneigt zu behaupten, dass die falschesten Urtheile uns die unentbehrlichsten sind, dass ohne ein Geltenlassen der logischen Fiktionen, … ohne eine beständige Fälschung der Welt durch die Zahl der Mensch nicht leben könnte, dass Verzichtleisten auf falsche Urtheile ein Verzichtleisten auf Leben, eine Verneinung des Lebens wäre.“ [5]

Wenn wir die Abstraktionen des Philosophen beiseite lassen, dann heißt das, die falschesten Urteile über den Menschen und die Gesellschaft sind für den parasitären, faulen, sterbenden Kapitalismus die unentbehrlichsten, ohne eine beständige Fälschung des gesellschaftlichen Lebens könnte der Imperialismus vor dem Volke nicht bestehen, so daß ein Verzichtleisten auf falsche Urteile eine Verneinung des Imperialismus, sein Todesurteil sein würde.


Was der imperialistischen Bourgeoisie nützt, ist gut, und dementsprechend sind alle Wahrheiten schlecht und verfemt, lebensbedrohend, sofern sie sich nicht den egoistischen, volksfeindlichen Interessen dieser reaktionären Klasse fügen. Zur ideologischen Bändigung des Volkes, vor allem der Arbeiterbewegung, ist der Großbourgeoisie jede Form geistiger Manipulierung nützlicher als die Freiheit des Denkens und die Förderung der Wahrheit.

Der deutsche Weg der Volksverführung

Vom deutschen Imperialismus wurde die Manipulierung des Bewußtseins von jeher besonders systematisch betrieben. Das erklärt sich zunächst daraus, daß die deutsche Arbeiterbewegung zu Beginn der imperialistischen Epoche die stärkste Abteilung der internationalen Arbeiterbewegung war. Allein zur geistigen Verwirrung ihres stärksten Gegners mußte die deutsche Bourgeoisie bedeutende Mittel aufwenden und ständig nach neuen erfolgversprechenden Methoden der ideologischen Machtausübung als notwendige Ergänzung der politischen und militärischen Gewalt greifen.

Des weiteren macht der junkerlich-bourgeoise Charakter des deutschen Imperialismus, seine wachsende Aggressivität, seine Gier nach Eroberung die systematische ideologische Vorbereitung des Volkes auf den Krieg und den psychologischen Kampf gegen die „Erbfeinde“ notwendig.

Vorsicht: Antikommunismus!

Nach dem Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution im Jahre 1917 wurde Deutschland von der herrschenden Klasse mit aktiver Unterstützung der anderen imperialistischen Mächte zum europäischen Bollwerk und zur Speerspitze gegen den Sozialismus und gegen den ersten sozialistischen Staat der Arbeiter und Bauern ausgebaut. Hieraus resultiert der besonders militante Antikommunismus und Antisowjetismus der deutschen Großbourgeoisie, der im deutschen Faschismus einen grausamen Höhepunkt erlebte, der schließlich zu einer besonders heimtückischen und gefährlichen ideologischen Waffe gegen das eigene Volk und gegen die Völker der Sowjetunion wurde. Mit Hilfe des Antikommunismus bereitete der deutsche Imperialismus seine größten Verbrechen vor. [5]

Manipulierung des Bewußtseins als Form des ideologischen Kampfes ist eine mit dem Imperialismus untrennbar verbundene Erscheinung. Sie gehört zur Herrschaftstechnik des Monopolkapitals.

Quelle:
Manipulation. Die staatsmonopolistische Bewußtseinsindustrie. Dietz Verlag Berlin, 1968, S.12-17. (Download als pdf-Datei: Psychologischer Krieg )

Zitate und Anmerkungen:
[1] Wehrkunde, München 1958, Heft 4, S.188.
[2]  W.I. Lenin: Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus. In: Werke, Bd. 23, S.114/115.
[3] Der Pragmatismus ist eine besonders in den USA weit verbreitete reaktionäre subjektiv-idealistische Strömung ist. Sie ist gekennzeichnet durch offenen Verzicht auf Wissenschaft und Logik und durch Predigen des Irrationalismus. (Siehe auch: Die Krise der bürgerlichen Philosophie)
[4] E. Noelle·Neumann in Darmstädter Gespräche: Der Mensch und seine Mei-
nung, Darmstadt 1961, S. 93. .
[5] F. Nietzsche: Jenseits von gut und böse. In: Nietzsches Werke, Bd. VII, Stutt­ gart 1921, S. 12/13.


[Zitat Harry:] …den schönen Traum von einer atomwaffenfreien Welt haben in erster Linie N I C H T die Bewohner und deren Politiker der einstigen sozialistischen Länder vergeigt, sondern in allererster Linie die Proletarier, die Besitzlosen, die besitzlosen Knechte des Kapitals der führenden imperialistischen NATO-Länder. Und nicht zuletzt die „Arbeitnehmer“-vertreter (alias „Gewerkschaften“) haben in allen diesen Ländern dafür eine hohe Mitverantwortung zu tragen (wie schon Anno 1914, 1933)… Vergessen wir das nie, sagen wir D A S immer wieder offen bei jeder sich ergebenden sinnvollen Gelegenheit!!!

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2 Antworten zu Wenige freie Geister – das Land in dem wir leben…

  1. dlfhoerer schreibt:

    Der Text stammt aus dem Jahre 1968 und klingt als wäre er erst heute geschrieben worden. Hervorragend ausgewählt.

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