Ein Leben für die DDR und mehr…

Foto BuchWer noch das Glück hatte, in der DDR geboren worden zu sein und in der DDR aufwachsen zu dürfen, der erinnert sich vielleicht an so manche Episode seiner Kindheit oder Jugendzeit. Nicht immer waren die Erlebnisse erfreulich. Manches war durchaus auch ärgerlich. Anderes wiederum bleibt ein Leben lang im Gedächtnis, und erfreut einen noch heute. Die DDR war unser Vaterland. Und wir liebten dieses Land, liebten das Leben und wir genossen die Sorglosigkeit, die dieses Leben mit sich brachte. Argwohn, Neid und Hinterlist waren seltene Gäste, und wenn doch – so suchten wir sie schnellsten zu vertreiben. Räumten deren Platz für Heiterkeit und Freude frei, für Forscherdrang und Wissensdurst, und für ein frohes Miteinander.  Mißt man alles das mit heutigen Maßstäben, so ist man geneigt, dem Guten noch Gutes hinzuzufügen, um all das Schlechte vergessen zu machen, was heute die Menschen bedrückt und hartherzig werden läßt. Einer, der all diese Seiten des Lebens kennengelernt hat, der Verantwortung übernahm, wo es galt zuzupacken, und der auszugleichen vermochte, wo Ungerechtigkeiten nicht hinnehmbar waren, ist Eckhard – ein Bastler, ein Erfinder, ein Zauberer. Und doch ein klarer und geradliniger Charakter, ein Mensch ohne Hintertüren und ohne Schnörkel, ein Kommunist, Kundschafter für den Frieden. Eckhard schreibt:

Bleibende Erinnerungen

X FestivalIn der Zeit meiner Lehre fanden 1973 die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten statt. Wir hatten uns gründlich auf die Tage in Berlin vorbereitet. So organisierten wir unter anderem einen Subbotnik (Arbeitseinsatz) und bastelten für unsere Gastgeber in Berlin kleine emaillierte Sonnenuhren. Die Delegierten des Uhrenwerkes, zu denen auch ich gehörte, trafen sich in Dippoldiswalde und fuhren von dort mit dem Zug nach Dresden. Von hier ging es mit Güterwagons der Deutschen Reichsbahn nach Berlin Köpenick. Die Fahrt in den Güterwagen war schon ein Erlebnis für uns, das wir so nie wieder erlebten. Köpenick war der Stadtbezirk, der für den Bezirk Dresden zuständig war. Für die Veranstaltungen und Erlebnisse die in Berlin auf uns warteten, war die Zeit einfach zu kurz und auch die Nächte reichten nicht aus. Unser Gastgeber war eine Hausgemeinschaft in Berlin Oberspree, die auf dem Boden, für ich glaube 5 Personen, Betten aufgestellt hatten, wo wir kommen und gehen konnten wann wir wollten. Wir besuchten Großveranstaltungen, unter anderem den Karnevalsumzug und unzählige kleine Veranstaltungen, die in ganz Berlin stattfanden. Am Alex traf sich die ganze Welt und es gab unzählige Diskussionsrunden. Wir trafen unter anderem Angela Davis und Dean Reed. Ein großes Thema war damals der Freiheitskampf des vietnamesischen Volkes. Die Begeisterung, die überall herrschte, war sicher echt und nicht, wie später über solche Treffen behauptet, aufgezwungen. Alle die man nach Jahrzehnten trifft und die dabei waren, erinnern sich immer gerne daran zurück. (…) Die Abschlußveranstaltung auf dem Marx-Engels-Platz war dann noch mal ein großer Höhepunkt, nach dem wir geschafft und müde unsere Heimreise antraten. In den darauf folgenden Tagen begann an dieser Stelle der Bau des Palastes der Republik, den es nun heute, vor allem weil er den Gegnern der DDR, als Haus des Volkes, ein Dorn im Auge war, auch nicht mehr gibt. (S.29f.)


Unerfreuliches

FDJ KL WismarUnsere FDJ-Kreisleitung befand sich damals in einem sehr alten Gebäude in der Lübschen Straße und so sollte die Fassade unseres Hauses neu verputzt werden. Wir beschlossen, dies im Rahmen einer Jugendinitiative durch die FDJ-Kollektive der in Wismar ansässigen Baubetriebe zu organisieren. Ich nahm zum VEB Bau, dem Wohnungsbau Wismar und weitere mögliche Betrieben Kontakt auf und machte zum Zeitpunkt als die Rüstung stand, den ernst gemeinten Vorschlag, daß alle Mitarbeiter der Kreisleitung sich beim Abschlagen des alte Putzes beteiligen und wir sonnabends einen Subbotnik (Arbeitseinsatz) organisieren. Dieser Vorschlag kam, besonders beim 1. Sekretär, nicht gut an und man erklärte mir, daß es ja nicht angehen kann, daß das Sekretariat der Kreisleitung auf dem Gerüst steht und Putz abklopft. Ich sah dies genan anders herum und fand es gut, wenn die Bevölkerung auch mal sieht, daß wir nicht nur reden, sondern auch tatkräftig bei der Verschönerung unserer Stadt mithelfen. Es fand sich am Ende keine Mehrheit, die diese Idee mit mir durchsetzte. Sicherlich war Bequemlichkeit, und daß dies in der Freizeit passieren sollte, einer der Gründe. Auch ich wäre an diesem Wochenende in Wismar geblieben und man hätte abends nach dem Arbeitseinsatz im Innenhof der Kreisleitung noch gemütlich zusammensitzen können. Ich eckte also wieder einmal an und der Vorschlag wurde verworfen. (S.94)


Meine Arbeit beim MfS

wohnungIn meiner weiteren dienstlichen Arbeit, hatte ich damals die Aufgabe einen jungen IM, der in Potsdam wohnte auszubilden. Er kam immer mit der S-Bahn nach Berlin und wir trafen uns in einer konspirativen Wohnung. Alles was, ich selbst gelernt hatte, galt es jetzt weiter zu vermitteln. Zu zweit lief dies immer in zwanglosen Unterhaltungen ab. Neben dem nachrichtendienstlichen und operativen Wissen standen auch immer politische Themen zur Diskussion. Internationale Probleme und Probleme im eigenen Land nahmen viel Zeit in den Unterhaltungen ein. Wichtig war es, daß die IM nicht nur Fragen stellten konnten, sondern auch in der Lage waren, Probleme international einzuordnen und auch eigenständig Antworten fanden. Mit dem IM verstand ich mich sehr gut und unsere Ausbildung ging planmäßig voran. Zu allem mußten natürlich Pläne geschrieben werden, was mir nun wieder weniger Spaß machte. Das Ziel bestand, den IM als Instrukteur auszubilden, so daß wir ihn später im Operationsgebiet einsetzen können. Im Laufe der Ausbildung stand auch ein geplanter Grenzeinsatz an. Er diente der Kontrolle und der Überprüfung des IM und sah wie folgt aus. Der IM wurde kurzfristig von mir kontaktiert und sollte, zur Erledigung einer wichtigen Aufgabe, nach Berlin kommen. Ich erklärte ihm, daß ein wichtiger Kurier ausgefallen ist, der dringend eine Mitteilung und Material nach Westberlin bringen sollte, wofür er jetzt einspringen muß. Dies geschieht durch illegales Passieren der Grenzanlagen der DDR mit Hilfe der Grenztruppen im Raum Stahnsdorf. Er wird durch einen Grenzposten durch die Grenzanlagen der DDR auf Westberliner Gebiet gebracht, wo er sich in einem anliegenden Park mit unserem IM aus dem Operationsgebiet trifft und die Nachricht und das Material übergibt. Alle notwendigen Parolen und Verhaltensrichtlinien sprachen wir durch und als ich mir sicher war, daß er alles verstanden und behalten hatte, ging er zur geplanten Zeit zur Grenze. Ich wartete im Auto und das Ganze dauerte eine gute Stunde. Der IM kam mit erledigtem Auftrag, wie geplant und stolz zurück. Hierfür erhielt er später eine Prämie und die Ausbildung konnte gezielt weitergehen. (S.133)

IM – inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR


Politische Trägheit

Das unsichtbare Visier.pngIn den achtziger Jahren mußte ich zunehmend feststellen, daß über die Arbeit des Ministeriums für Staatssicherheit kaum noch in den Massenmedien berichtet wurde. Es wurden so gut wie keine Filme und Dokumentationen mehr im Fernsehen gezeigt und somit existierte für die breite Öffentlichkeit unsere Arbeit auch kaum noch. Filme wie „Das unsichtbare Visier“ waren zwar spannend und erfüllten eher das Klischee von James-Bond-Filmen, zeigten aber wenig von der wirklichen aktuellen Aufklärungsarbeit des MfS. In den 50er und 60er Jahren spielte die Arbeit der Sicherheitsorgane im Zusammenhang mit der Arbeit der Kriminalpolizei noch öfter eine Rolle im Fernsehen. Natürlich hatte sich durch die Entspannungspolitik die Lage verändert, aber die Spionageangriffe der westlichen Geheimdienste wurde doch nicht weniger. Sie hatten nur ihre Mittel und Methoden gegen die sozialistischen Staaten verfeinert, aber auch das hätte man filmisch natürlich aufarbeiten können. Der differenziertere offene Umgang mit der Friedensbewegung in der BRD und das Offen legen von Zusammenhängen mit den Umweltbewegungen in der DDR, hätte ein klareres Bild von der komplizierten Situation zeigen können. Natürlich hätte man auch eigene Fehler im Umweltbereich und andere Probleme ansprechen müssen, aber hätte auch zeigen können, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten Veränderungen wollen und vornehmen.  Es kann mir doch keiner erzählen, daß die Filmschaffenden in der DDR nicht dazu in der Lage gewesen wären. Ich denke eher, man wollte sich dieser komplizierten Aufgabe nicht stellen und hat damit aber auch die Chance verpaßt, die Friedenssicherung des MfS ins richtige Licht zurücken. (S.145f.)


Dieses Buch ist interessant zu lesen, und man möchte es so bald nicht wieder aus der Hand legen. Kritisch, sachlich und optimistisch beschreibt der Autor sein Leben in der DDR. In einem Brief als Vorwort schreibt der ehemalige Leiter der Hauptverwaltung Aufklärung, Generaloberst a.D. des MfS, Genosse Werner Großmann, dazu: „…mit großer Genugtuung begrüße ich Deine politische Haltung, der Du bis heute treu geblieben bist. Ich war und bin immer wieder stolz und glücklich darauf, mit Genossen gemeinsam gearbeiet zu haben, deren Worte und Taten übereinstimmten.“ Wer also wissen will, wie das Leben in der DDR wirklich war, dem sei dieses Buch empfohlen.

Siehe hier: E.Steinfurth „Ein Leben bis zur W(ende)“

Dieser Film von den X.Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Berlin wurde wegen seiner sozialismusfreundlichen Aussage von youtupe blockiert:

https://www.youtube.com/watch?v=bZyWXn1ydSU

(man kann ihn aber ansehen mit http://www.unblocker.yt)

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3 Antworten zu Ein Leben für die DDR und mehr…

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