Kommunismus? Man wird doch noch träumen dürfen!?

h_g_wellsVielleicht ist dem einen oder anderen Leser der englische Schriftsteller Herbert George Wells bekannt. Er war um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert ein vielgelesener Autor. In zahlreichen phantastischen Romanen beschrieb H.G. Wells das Leben des englischen Bürgertums und die Widersprüche der bürgerlichen Gesellschaft. Mit Ironie und Trauer zeichnet Wells ein satirisches Bild der Erstarrung und des Stumpfsinns im bürgerlich-aristokratischen England. Er träumte von einer besseren Gesellschaft. Im Zuge der allmählichen Stabilisierung des Kapitalismus wandte sich Wells dem Schicksalsroman zu. Hier kommt er nun zu der falschen Vorstellung eines „organisierten Kapitalismus“, in dem der „gebildete Kapitalist“ eine führende Rolle spielt. Ungeachtet seiner scharfen Kritik am Widersinn der bürgerlichen Ordnung lehnte jedoch Wells den revolutionären Kampf als Ausweg aus der sozialen Misere ab.

„Träume sind Schäume“, sagt man oft, doch was sind Träume wirklich?  War sein Traum von einer besseren Welt nur ein nutzloser Wunschtraum, eine Utopie, oder war er eine realisierbare Möglichkeit?  B.M. Teplow schreibt:

Eine besondere Form der Einbildungskraft ist der Wunschtraum. Ebenso wie die schöpferische Einbildungskraft ist der Wunschtraum das selbständige Hervorbringen neuer Bilder. Aber er unterscheidet sich von der schöpferischen Einbildungskraft durch zwei wesentliche Züge:
  1. Wunschtraum nennt man das Hervorbringen von Bildern dessen, was man sich wünscht, während sich in Bildern der schöpferischen Einbildungskraft durchaus nicht immer die Wünsche des Autors verkörpern. Es ist keineswegs möglich, die negativen Gestalten Tschitschikows, Pljuschkins und Nosdrows einen „Wunschtraum Gogols“ zu nennen. In den Wunschträumen finden die Wünsche des Menschen, das, was ihn anzieht, wonach er strebt, ihren bildhaften Ausdruck.
  2. Wunschtraum nennt man einen Prozeß der Einbildungskraft, der in der schöpferischen Tätigkeit nicht inbegriffen ist, das heißt, der nicht sofort und unmittelbar ein objektives Produkt in Gestalt eines Kunstwerkes, einer wissenschaftlichen Entdeckung, einer technischen Erfindung usw. liefert…
Der Wunschtraum ist ein Prozeß der Einbildungskraft, der auf die Zukunft gerichtet ist, und zwar auf die Zukunft, die man sich wünscht…. Der Wert des Wunschtraumes wird hauptsächlich durch die Beziehung bestimmt, in der er zu der Tätigkeit eines Menschen steht. [1]

War Lenin ein Träumer?

Lenin führt in einer seiner Arbeiten folgende Worte des berühmten Kritikers und Publizisten der 1860er Jahre, Pissarew, an und hebt dabei die Richtigkeit des in ihnen enthaltenen Gedankens vom „Nutzen des Wunschtraumes als Impuls zur Arbeit“ hervor.

Meine Träume können den natürlichen Gang der Ereignisse überholen, oder sie können auf ganz anderen Wegen gehen, auf Wegen, die der natürliche Gang der Ereignisse nie beschreiten kann. Im ersten Falle ist das Träumen nicht schädlich; es kann sogar die Energie des arbeitenden Menschen fördern und stärken … Wenn der Mensch gar keine Fähigkeit hätte, in dieser Weise zu träumen, wenn er nicht dann und wann vorauseilen könnte, um in seiner Einbildung das einheitliche und vollendete Bild des Werkes zu sehen, das eben erst in seinen Händen zu entstehen beginnt -dann, kann ich mir absolut nicht vorstellen, welche anregende Ursache den Menschen zwingen würde, umfassende und ermüdende Arbeiten auf dem Gebiete der Kunst, der Wissenschaft und des praktischen Lebens anzufangen und zu Ende zu führen… [2]
944932_900

Lenin im Gespräch mit H.G. Wells (1920)

Dreimal war Wells in Rußland zu Gast: 1914, 1920 und 1934. Bei seinem zweiten Besuch traf er sich mit W.I. Lenin. Seine Eindrücke darüber schrieb er im dem Buch „Russia in the Shadows“ (1920) nieder. Darin nennt er den Führer der russischen Revolution den „Träumer vom Kreml“, dessen Pläne (besonders der Plan der Elektrifizierung Rußlands) nicht realisierbar seien. Wells konnte sich eben unter Sozialismus nicht viel vorstellen und er glaubte auch nicht an die Kraft des befreiten Volkes. 1920 setzte Wells seine Suche nach Wegen zur Umgestaltung der menschlichen Gesellschaft durch Aufklärung und Umerziehung der Menschen fort. In seinen utopischen Romanen „Men Like Gods“ (1923) und „The World of William Clissold“ (1926), werden die Menschen von gebildeten Aristokraten geleitet. Kurz vor dem 2. Weltkrieg erkannte Wells jedoch auch die Gefahr des Faschismus. Er schrieb die Novellen „The Autocracy of Mr. Parham“ (1930) und „The Croquet Player“ (1936).

Während also Wells noch träumte, verwirklichte Lenin in der Sowjetunion bereits seinen Plan zur Elektrifizierung des ganzen Landes. Das Leitmotiv Lenins war: „Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“. Und schon im Oktober 1932 wurde das Dnepr-Kraftwerk, das bis dahin bedeutendste Bauvorhaben der Sowjetunion auf dem Gebiet der Energiewirtschaft, in Betrieb genommen. Das wäre ohne die Oktoberrevolution 1917 unmöglich gewesen.

Die Kraft des Proletariats

Als im Juli 1929 beim Ваu des Dnepr-Wasserkraftwerkes die Gefahr entstand, daß das schon begonnene Gießеп von 180.000 Kublkmetern Beton nicht bis zиm Eintreten der Frostperiode Anfang November geschafft werden konnte und die amerikanischen und deutschen Вегаtег dadurch eine längere Unterbrechung aller Ваuarbeiten für unvermeidlich hielten, kämpften 10.000 Bauarbeiter im sozialistischen Wettbewerb um den rechtzeitigen Abschluß der Betonierarbeiten. Stoßbrigaden. der Komsomolzen verdoppelten die Produktion des Schotterwerkes und erhöhten die bisherigen Leistungen im Betonieren fast auf das Dreifache. So gelang es, allein im September 57.000 Kubikmeter Beton zu gießеп. Damit wurde auf diesem Gebiet selbst die damals in den USA erzielte monatliche Höchstleistung von 52.330 Kubikmetern beträchtlich überboten. [3]
Dneproges.jpg
Das gigantische Bauwerk des DNEPROGES (Dnepr-Wasserkraftwerk) entstand auf Initiative Lenins.

Der Sozialismus ist keine Utopie

Eine Utopie [gr.: „Nirgendwo“, benannt nach dem Staatsroman „Utopia“ von Thomas Morus] ist ein nicht realisierbares Wunschbild. Das gilt insbesondere für Entwürfe einer idealen Gesellschaft als Alternative zur bestehenden Ausbeuterordnung. Warum ist das so? Solche gesellschaftlichen Utopien wurden nicht von den objektiven gesellschaftlichen Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten abgeleitet, sondern gehen lediglich von abstrakten Prinzipien der Gerechtigkeit, der Gleichheit, der Humanität usw. aus. Sie sind daher unter den gegebenen Bedingungen, in der vorgesehenen Art und Weise nicht realisierbar. Der Sozialismus aber ist keine Utopie. Erstens hat er über 70 Jahre lang existiert (und er existiert noch z.B. in Nordkorea und auf Kuba), und zweitens ist damit praktisch auch bewiesen, daß ein wissenschaftliches Herangehen an die Dinge in Natur und Gesellschaft immer zu einer besseren Beherrschung der Gesetzmäßigkeiten führt und den bestehenden Zustand erheblich verbessern kann, was natürlich Rückschläge keineswegs ausschließt.

Für diejenigen, die immer noch daran zweifeln, sei hinzugefügt, daß der Sozialismus für alle Menschen, die in ihm lebten, ein Fortschritt war, nicht nur für ein paar wenige. Davon konnte man sich überzeugen. Alle üblen Nachreden über den Sozialismus wurden von denjenigen in Umlauf gebracht, die es gewohnt sind, auf Kosten anderer zu leben. Lies auch Stalin: Was ist besser – Sozialismus oder Kapitalismus?


War der Schriftsteller H.G. Wells ein Utopist?

In England war 1883/84 von kleinbürgerlichen Intellektuellen eine Organisation gegründet worden, die sich nach dem römischen Feldherrn Fabius Cunctator (der „Zauderer“) benannte. Sie propagierte die reformistische Theorie des allmählichen Hineinwachsens in einen bürgerlichen „Sozialismus“. Diese Organisation war Mitbegründer und kollektives Mitglied der Labour Party.  Das Manifest der Fabian Society wurde in der Zeitschrift „The Fortnightly Review“, New Series, vom I.November 1893 unter dem Titel „To your tents, oh Israel!“ veröffentlicht. Von der Ideologie dieser Fabian Society waren damals nicht wenige Intellektuelle beeinflußt. So auch G.B. Shaw (1856-1950), Baron Passfield (1859-1947) und auch H.G. Wells.  Engels und Lenin gaben eine ausführliche Charakteristik des Fabianismus [4], die sehr vieles im schriftstellerischen Werk von H.G. Wells erklärt. Engels schrieb 1893  in einem Brief an F.A. Sorge:

Die Fabians sind hier in London eine Bande von Strebern, die Verstand genug haben, die Unvermeidlichkeit der sozialen Umwälzung einzusehn, die aber dem rohen Proletariat unmöglich diese Riesenarbeit allein anvertrauen können und deshalb die Gewohnheit haben, sich an die Spitze zu stellen; Angst vor der Revolution ist ihr Grundprinzip. Sie sind die „Jebildeten“ par excellence. [5] (Brief von 18 Januar 1893)

und in einem späteren Brief erklärt Engels:

Es ist ein vollständiges pater peccavi [Schuldeingeständnis] dieser hochnäsigen Bourgeois, die sich in Gnaden herbeilassen wollen, das Proletariat von oben herab zu befreien, wenn es nur so einsichtig sein will zu begreifen, daß so eine rohe ungebildete Masse sich nicht selbst befreien kann und zu nichts kommt, außer durch die Gnade dieser gescheuten Advokaten, Literaten und sentimentalen Weibsleute. [6] (Brief vom 11. November 1893)

Und Lenin meinte dazu:

Den vollendeten Ausdruck des Opportunismus und einer liberalen Arbeiterpolitik haben wir zweifellos in der „Gesellschaft der Fabier“ vor uns. Der Leser braucht nur einen Blick in den Briefwechsel von Marx und Engels mit Sorge zu werfen … Er wird dort eine glänzende Charakterisierung dieser Gesellschaft durch Engels finden, der die Herren Sidney Webb und Co. als eine Bande von bürgerlichen Gaunem behandelt, die danach trachten, die Arbeiter zu korrumpieren und sie in konterrevolutionärem Geist zu beeinflussen. [7].

H.G. Wells war also nicht nur ein Utopist, sondern er verbreitete auch eine reaktionäre, sozialismusfeindliche Weltanschauung.


Lenins Pläne wurden Wirklichkeit

Lenin ZukunftIn Saparoshe steht diese monumentale 20 Meter hohe Leninstatue. Die Arbeiter haben sie errichtet zum Dank und zur Erinnerung an W.I. Lenin, der mit seinem GOELRO-Plan die Elektrifizierung der Sowjetunion in die Wege leitete.

Nun soll diese Statue vom faschistischen Regime in der Ukraine abgerissen werden. Die Dummheit und Arroganz der nazistischen Machthaber in Kiew  kennt eben keine Grenzen!  Das ändert aber nichts an der grandiosen Geschichte des Aufbaus des Sozialismus in der Sowjetunion und seiner heldenhaften Verteidigung während des Großen Vaterländischen Krieges.


Der letzte Besuch von H.G. Wells in der Sowjetunion

Nach anderthalb Jahrzehnten, während seines zweiten Besuchs in der UdSSR (1934), war Wells gezwungen anzuerkennen, daß der Traum Lenins Realität geworden war. Aber Wells konnte wie schon zuvor die Bedeutung des sozialistischen Aufbaus nicht verstehen, und er verteidigte im Gespräch mit Stalin die Ideen der Technokratie und eines „Sozialismus“ à la Roosevelt. J.W. Stalin wies ihn auf die Unhaltbarkeit dieser Ideen hin:

„Der Kapitalist ist an den Profit gefesselt, keine Kraft kann ihn davon losreißen. Und der Kapitalismus wird nicht von den Organisatoren der Produktion, der technischen Intelligenz, vernichtet, weil diese Schicht die selbständige Rolle nicht spielt, sondern von der Arbeiterklasse.“ [8]

Der Schriftsteller war also unbelehrbar in seinem Irrglauben. Charakteristisch dafür ist auch, daß solche utopischen Ideen im Schaffen von Wells in der letzten Zeit ihren Ausdruck in seiner erneuten Hinwendung zum Genre des phantastischen Romans fanden. In der Filmerzählung „Things to Come“ (1935) führt „die Aristokratie des Geistes“ die Welt angeblich zur Harmonie. Letztlich hoff Wells sogar auf eine Veränderung der biologischen Natur der Menschen („Star Begotten“, 1937), welche durchgeführt wird von den Marsbewohnern. Wells konnte seine bürgerliche Beschränktheit nie überwinden. Nicht zu übersehen ist auch, mit welcher Überheblichkeit er Stalin gegenüber auftritt.

Siehe: http://www.stalinwerke.de/band14/b14-002.html


Lawrenti Berija – ein Held des sozialistischen Aufbaus

Er war auch ein Träumer, aber ganz und gar kein Spinner wie Wells. Lawrenti Berija war – wie wir heute sagen würden: ein Macher. Er war ein Kommunist, ein Menschenfreund und ein Veränderer, ein Held des sozialistischen Aufbaus, ganz im Stalinschen Sinne.

«Genosse Stalin stellt die große Aufgabe, einen fünfstündigen Arbeitstag anzustreben. Wenn wir das anstreben, so wird das ein großer Umschwung sein. Um neun Uhr ist Arbeitsbeginn und um 14 Uhr ist die Arbeit schon beendet, ohne Pause. Mittagessen – und dann ist Freizeit. In dieser einen Sache können wir den Kapitalismus umgehen, sie können das so nicht, sie brauchen den Profit, und sie brauchen die Arbeiter – aber wie gut wäre das für die Russen: 5 Stunden arbeiten und gut leben? Nein, wir brauchen den Sozialismus und die Sowjetmacht, und dann wollen wir auch wie Menschen leben. Es wird ein friedlicher Übergang zum Kommunismus sein.»
«Der Kommunismus ist möglich, wenn die Zahl der Kommunisten im Leben zunimmt – nicht aus Angst, nicht wegen der Prämien und nicht aus Gewissensgründen, nein solcher, für die es interessant ist, zu leben zu arbeiten, die zu arbeiten verstehen und sich zu erholen wissen, aber nicht wie auf einem Tanzabend, sondern mit Verstand und um sich weiterzuentwickeln.»
«Sport – ist obligatorisch für jeden; wenn der Werktag einmal fünf Stunden beträgt, dann ist für alles das genbügend Zeit da, man muß ein Leben lang lernen. Wenn 10 Jahre vergangen sind, dann setzt du dich erneut für ein paar Monate auf die Schulbank, frischst deine Kenntnisse in Geschichte und Geografie auf. Und wenn du dich auskennst, dann lege eine Prüfung ab und nimm zwei Monate frei. Man muß uns nicht belehren, wir brauchen Kommunisten mit Verstand. Und was bist du für ein Kommunist, wenn du nichts weißt und das Herz für 40 Jahre genug hat? Wir hatten dafür keine Zeit, aber du wirst sie haben, also dann entwickle dich, mein Bester, die Sowjetmacht gab sie dir, also nutze sie und stärke sie.»
«Und so – weltweit»

Aus den Aufzeichnungen von Lawrenti Pawlowitsch Berija

beriya_o_zhizni

Siehe auch: Die Wahrheit über Lawrenti Berija

Anmerkungen und Zitate:
[1] B.M. Teplow: Psychologie. Volk und Wissen Volkseiegener Verlag Berlin, 1957, S.120f.
[2] W.I. Lenin: Sämtliche Werke. Bd. IV, 2. Hbd., Verlag für Literatur und Politik, Wien 1929,
S.323.
[3] Geschichte Lehrbuch für Klasse 9, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1978, S.78.
[4] Der starke bürgerliche Einfluß, der von der Fabian Society ausging, war ein bedeutendes Hemmnis für die Entwicklung der sozialistischen Arbeiterbewegung in England. Er war, wie Lenin feststellte der „vollendete Ausdruck des Opportunismus und einer liberalen Arbeiterpolitik“ (W.I. Lenin, Werke, Berlin 1960, Band 21, S.258). Zwar hatten die Fabier, wie Engels bemerkte, „mit großem Fleiß unter allerlei Schund auch manche gute Propagandaschrift“ herausgebracht, sie leugneten aber den Klassenkampf und die Notwendigkeit der proletarischen Revolution. Nach ihrer Vorstellung vom Sozialismus sollte nicht die Nation, sondern die „Kommune“ Eigentümerin der Produktionsmittel werden. Ihre Taktik, diesen „Munizipal Sozialismus“ zu erreichen, bestand darin, „die Liberalen nicht als Gegner entschieden zu bekämpfen, sondern … to permeate Liberalism with Socialism“, d.h. den Liberalismus mit Sozialismus zu durchdringen. Das ist natürlich großer Schwachsinn!
[5] Friedrich Engels an Friedrich Adolph Sorge, Brief vom 18. Januar 1893, Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1968, Bd.39, S.8.
[6] Friedrich Engels an Friedrich Adolph Sorge, Brief vom 11.November 1893, Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1968, Bd.39, S.166.
[7]  W.I. Lenin: Der englische Pazifismus und die englische Abneigung gegen die Theorie. In: Werke, Dietz Verlag Berlin, 1960, Bd.21, S.258.
[8] J.W. Stalin: Gespräch mit dem englischen Schriftsteller H.G. Wells am 23. Juli 1934. In. J.W. Stalin, Werke, Bd..14. (in English:  https://www.youtube.com/watch?v=AM7u1-BQ8ww)

 

Dieser Beitrag wurde unter Geschichte der UdSSR, Marxismus-Leninismus, Wider den Antikommunismus! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

28 Antworten zu Kommunismus? Man wird doch noch träumen dürfen!?

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Ich weiß nicht, ob die Idee des „Hineinwachsens in den Sozialismus“ direkt von Kautsky bzw. Bernstein stammt oder ob er sie von den Fabiern übernommen und lediglich auf Verhältnisse des kaiserlichen Deutschlands „umgearbeitet“ hat. Heute ist die Partei Die Linke mit ihrer „Transformationstheorie“ genau auf diesen Punkt zurückgegangen, und Sahra Wagenknecht ist der Linkspartei in Vorbereitung einer Regierungsbeteiligung offensichtlich zu links mit ihren Vorstellungen von sozialer Marktwirtschaft, der Ablehnung der Planwirtschaft, der Träumerei von einer „wieder sozialen EU“. Dass weder die „soziale Marktwirtschaft“ (genauer: der Kapitalismus) noch eine „soziale EU“ (die lediglich ein Pakt des europäischen Kapitals ist und nichts weniger im Programm hat als das Soziale) in der Lage sein wird, den Sozialismus auf dem Wege einer Regierungsbeteiligung und mittels Reformen „auf friedlichem Wege“ einzuführen, müsste eigentlich jedem einleuchten, der kein Bourgeois ist. Wobei meiner Ansicht nach die deutschen Arbeiter weitgehend das Bewusstsein verloren haben, dass sie eine eigene Klasse bilden, die gegenüber dem Kapital in einem antagonistischen Verhältnis steht, und deshalb ansprechbar für dieserart „Utopien“ sind. So erklärt sich mir auch die, wenn auch zögernde, Zustimmung vieler politikinteressierter Menschen für Sahra Wagenknecht und die Linkspartei im allgemeinen, die meiner Ansicht nach eine Partei des Verrats ist, sofern man den Revisionismus des Marxismus-Leninismus zu Recht als Verrat bezeichnet. Was dabei herauskommt, haben wir in Berlin nach 10 Jahren Mitregieren erfahren – auf jeden Fall kein Sozialismus.

    • „Ein Hineinwachsen“ entstammt der mittelalterlichen Theologie der Scholastiker, was Agenten der Kirche, wie Kautsky oder Bernstein lediglich übernommen haben, um die erwachende Klasse der Proletarier mit irrem Wahn zu füttern; sie also mit Unwichtigkeiten „zu unterhalten“ … und damit vom Wesentlichen ablenken zu können!

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Jauhuchanam, in der mittelalterlichen Scholastik kenne ich mich nicht aus, eher in den Gedanken derjenigen Aufklärer, die gegen sie auftraten. Das „Hineinwachsen in den Sozialismus“ hat aber mit der ursprünglichen Scholastik nichts zu tun, sondern mit dem Revisionismus des Marxismus.
        Interessiere dich doch mal für die „Transformationstheorie“ der Linkspartei, du wirst staunen, mit welchen Ammenmärchen sie versucht, nicht nur ihre Parteimitglieder, sondern die gesamte Öffentlichkeit zu verschaukeln. Sowieso, neu ist das alles nicht, die Spur führt direkt zu Kautsky und Bernstein.

  2. @ Hanna Fleiss
    „Eine materialistische Staatsanalyse unterscheidet sich von der idealistischen Staatsphilosophie, dem rechtswissenschaftlichen Positivismus [Anmerkung von mir: auch ein Idealismus] und der politikwissenschafftlichen Instituitionslehre dadurch, daß sie den Staat als ERGEBNIS und WIRKUNGSFORM von Eigentums- und Produktionsverhältnissen der Gesellschaft thematisiert. Sie vermeidet daher, die auch unter Linken verbreitete Fehleinschätzung und Illusion in Bezug auf den bürgerlichen Vertretungsparlamentarismus.“
    Prof. Dr. Ekkehard Lieberam (MASCH = Marxistische Abendschule in Wedel (Holstein) am 17. Februar 2016)

    • sascha313 schreibt:

      O je, o je – das konntest Du natürlich nicht wissen, Georg: Der Herr Professor Lieberam* aus Leipzig ist einer der übelsten Marxfälscher und Stalinfeinde. Daß dieser Mann nun auch noch herumtingelt und „Marxismus“ verbreitet, ist ein großes Übel! Auf einen Nenner gebracht bedeutet dieser akademische Wortsalat, daß der Staat (marxistisch gesehen) ein Ergebnis der materiellen Verhältnisse ist und genutzt wird. Das ist aber absolut nicht neu. Konkret muß es heißen: „Der Staat ist das Machtinstrument der herrschenden Klasse.“ und „Wer die Produktionsmittel besitzt, ist auch imstande einen Staat zu errichten.“ – Und was Hanna Fleiss dann über die „Links“-Partei schreibt, ist leider auch wahr. Wagenknecht wird ja auch noch von den eigenen Atlantikbrückenvertretern eingeschüchtert, wenn sie mal was Kritisches über den BRD-Staat sagt…

      * Herr Professor Lieberam hat z.B. so einen Satz geschrieben wie: „Seine [des Antikommunismus, N.G.] bis heute andauernde Massenwirksamkeit in den arbeitenden Klassen Westdeutschlands und in deren politischen und gewerkschaftlichen Organisationen ist aber ebenfalls maßgeblich darauf zurückzuführen, dass der erste große Ausbruch aus dem kapitalistischen Weltsystem 1917 in Russland nach wenigen Jahren mit Terror und Verbrechen einherging.“ („Marxistisches Forum“, Heft 65, S.40).

      So, so – der Aufbau des Sozialismus unter Stalin war also „Terror und Verbrechen“? Daß der Antikommunismus aber „maßgeblich“ auf die Verleumdungskampagne und die Abweichungen vom Marxismus-Leninismus durch den Antikommunisten Chruschtschow und dessen Nachfolger zurückzuführen ist, leugnet dieser Herr Professor. Er ist also ebenfalls ein Antikommunist!

    • Hanna Fleiss schreibt:

      Jauhuchanam, Sascha hat es ja schon geschrieben: Lieberam gehört zu der Garde derjenigen, die versuchen, unter der Vorspiegelung, sie würden den „echten“ Marxismus vertreten, in die marxistisch-leninistische Theorie ihre bürgerlichen, antikommunistischen Vorstellungen einzuschmuggeln. Und das gelingt ihnen ja auch ganz gut. Eben weil das politisch-theoretische Wissen nach der Konterrevolution und endgültig nach der „Auflösung“ der Sowjetunion so stark diskreditiert wurde, dass von ihnen der Marxismus-Leninismus als „Abweichung“ vom „wirklichen Marxismus“ behandelt werden kann.

      Lieberam arbeitet also im Auftrag der Bourgeoisie daran, nicht nur die 70 Jahre Sowjetunion als Verbrechen hinzustellen, sondern insbesondere Lenin und Stalin des Terrors (was ja heute ausgesprochen modern klingt) zu bezichtigen, in der Meinung, dass das heute jeder verstünde. Da wird also ein Gemenge geschaffen, in dem sich außer Herrn Lieberam niemand mehr wirklich zurechtfindet. Und das ist die Absicht. Damit wird aber auch offenbar, welche Angst bei den Obrigkeiten vor dem Sozialismus (auch wenn er nicht „vollkommen“ war) herrschte und heute, Marx, Lenin und Stalin sei Dank!, immer noch herrscht.

  3. Vorfinder schreibt:

    Was solche Bourgeoisie-Büttel wie den Herrn Prof. Lieberam anbelangt, ist doch sicher klar, die werden durchgefüttert – eben weil die wissenschaftliche Weltanschauung und die Leistungen des Sozialismus (wieder) zunehmende Anziehungskraft für die Menschheit haben und nur eine wissenschaftliche Weltanschauung tatsächliche Antwort auf die Menschheitsfragen gibt. Solche Kanalien* wie Lieberam haben die Aufgabe zu tingeln, weil die Lügen über Stalin und den Sozialismus sich nicht mehr selbst tragen, zunehmend fundiert widerlegt sind.

    Weshalb noch zu viele solchen Kanalien wie L. zuhören, liegt wieder daran, dass es keine wahre Kommunistische Partei in Deutschland gibt, es somit an fundierte marxistischer Öffentlichkeitsarbeit und Wissensvermittlung fehlt . Wir haben in der öffentlichen Diskussion überhaupt nur eine Chance uns gegen das Allerlei, gegen Lügen und Geschichtsfälschung und Bauernfängerei zu behaupten, wenn wir auf Basis unserer wissenschaftlichen Weltanschauung argumentieren und agieren. Gerade weil in linken Kreisen die wissenschaftliche Weltanschauung nur ungenügend verbreitet ist, befinden wir uns gegenwärtig überhaupt in der Defensive. – Die Offensive beginnt mit dem Klassikerstudium.

    Anm.d.Red.:
    *Du meinst sicher „Canaille“ (frz.Gesindel, Schurke),
    aber „Kanalie“ ist besser, weil das daran erinnert,
    wo dieser Herr Professor hingeraten ist!🙂 N.G.

    • Hanna Fleiss schreibt:

      Fand ich auch ganz lustig.

    • …und was ist das bitte? “dass es keine wahre Kommunistische Partei in Deutschland gibt“??? Was soll den das „Wesen“ einer solchen wahren KP in Deutschland sein? Woran könnte zum Beispiel ein Mensch, der im Kapitalismus mit seinem irren Wahn, der Lehre der Mafiaorganisation Kirche indoktriniert – also abgerichtet und dressiert – wurde (wie meiner einer), eine solche wahre KP in Deutschland erkennen???

      • Vorfinder schreibt:

        @jauhuchanam
        „… eine solche wahre KP in Deutschland erkennen???“

        Diese Frage ist eine, deren Beantwortung dann das Wirken einer wahren Kommunistischen Partei mit sich bringen wird.

        Georg Lukács sagt auf Lenin hin: „Selbstredend kann auch die größte und beste Partei der Welt keine Revolution ´machen´. Aber die Art, wie das Proletariat auf eine Lage reagiert, hängt weitgehend von der Klarheit und Energie ab, die die Partei seinen Klassenzielen zu geben imstande ist.“

        Ja, Georg, Deinen Befund betreff Kirche teile ich. Und in unserer Zeit scheinen die Linken (ich stelle „Linke“ hier mal allgemein), gänzlich hilflos in Haltung und Argumentation gegenüber den Kirchen, gegenüber der Religionsfrage. Die Linken haben gegenüber den europäischen Kirchen nichts zustande gebracht. So verwundert es nicht, dass nun in Europa mehr als je zuvor (jedenfalls in bisher ungekannter Weise) die Hilflosigkeit gegenüber dem Islam samt seinen verschiedenen Glaubensströmungen als Faktor in den europäischen Gesellschaften noch zugenommen hat. Auch auf den Voodoo-Zauber hätten diese heutigen „Linken“ keine Antwort…

        So wie die gesellschaftlichen Fakten derzeit liegen, können wir nicht bloß sagen, was Lenin in den Briefen an Gorki zum Thema Religion schrieb. (Lenin, Werke, Bd 34, S.382-385) Ich will aber nicht aus dem Blick lassen, was Lenins Intention seiner Ablehnung war. Die Religionsfrage gilt es nach wie vor, auf der Basis unserer wissenschaftlichen Weltanschauung anzugehen.

        Du hast sehr recht, Georg, wenig ist getan die Menschen aus dem religiösen Wahn zu befreien. Ohne wahre Kommunistische Partei wird sich das Defizit nicht wirksam abbauen lassen.

      • @ “Und in unserer Zeit scheinen die Linken (ich stelle „Linke“ hier mal allgemein), gänzlich hilflos in Haltung und Argumentation gegenüber den Kirchen, gegenüber der Religionsfrage. Die Linken haben gegenüber den europäischen Kirchen nichts zustande gebracht.“

        Wie sollte sie denn auch? Wer die eigentliche Lehre der Kirche nicht kennt, kann schwerlich Argumente gegen sie haben und muss in einer hilflosen Haltung gegenüber dieser Kriminellen Vereinigung verharren.

        Dem IRREN Wahn, der als ‚christliche Religion‘ bezeichnet wird, liegt folgendes Menschen- und Weltbild zugrunde: „Der Mensch ist von Natur aus ein Böses-Sein“. Aus diesem Mumpitz wird abgeleitet, daß “der Mensch deshalb schuldig ist.“ Aus dieser „Anschauung“ — die selbst von einem ‚religiösen‘ Standpunkt aus, nichts anderes als eine Schizophrenie ist, wurde ein ganzes ‚Gebäude‘ lauter bescheuerter Gedanken gebildet und von der Kirche eine ‚ihr eigene‘ Kultur gebildet.
        Anthropologen bezeichnen sie richtigerweise als [ich füge hinzu: künstlich gemachte, weil nicht zufällig entstanden oder sich irgendwie ‚mythisch/mystisch‘ entwickelte] Schuldkultur mit einer einzigen ‚Religion‘: der Schuld-Religion, einer einzigen Sprache: der Schuld-Sprache, einem einzigen Recht — einer auch von der Kirche selbst erfundenen ‚Philosohie): dem Schuld-Recht und einer einzigen Wirtschafts-, Finanz- und Währungsform: einem SCHULD-Währungs-, Finanz- und Wirtschaftssystem, das Zentral vom Banken-Syndikat (der BIZ in Basel) des ‚Papstes‘ – also der Kirche – planvoll gesteuert und kontrolliert wird, ohne das im Kapitalismus aber auch gar nichts funktionieren würde.

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Vorfinder, das ist auch meine Befürchtung, dass durch die Flüchtlinge die Religion bei uns wieder mehr zum Thema werden könnte. Aber nicht nur die Religion, sondern auch das Frauenbild. Ich kann mir auch religiöse Auseinandersetzungen von Christentum und Islam selbst vorstellen (ich meine jetzt nicht den politischen Islamismus). Das würde den Obrigkeiten sehr zugute kommen. Auch die Freidenker und ähnliche Verbände sind in dieser Hinsicht weniger aktiv, als man annehmen sollte. Sie tun ja eine ganze Menge zur Aufklärung der Bevölkerung, aber meiner Ansicht nach reicht es nicht, obwohl sich die Kirchenaustritte derzeit häufen sollen.

        Kurios: Dass sogar die Linkspartei mit der Frömmigkeit liebäugelt, Ramelow soll ja ein wahrer Kirchgänger und Betbruder sein, und es gibt ja eine kirchliche Fraktion in der Partei.

        Ich bin mir nicht sicher, ob man wirklich mit Gläubigen so eng zusammenarbeiten sollte, auch wenn sie sonst viele politische Ansichten teilen. Dass eine kommunistische Partei, deren Weltbild ja durch den dialektischen und historischen Materialismus bestimmt ist, religiöse Glaubensrichtungen ablehnt, ist selbstverständlich, denn Materialismus und Idealismus können nicht zusammenkommen, da widerspricht sich alles. Für Lenin in Russland war das damals eine sehr wichtige Frage, aber mir scheint, dass sie heute wieder nicht nur in Russland, sondern auch hier in der BRD zu einer wichtigen Frage wird. Sprich mit den Leuten, viele werden dir sagen: Nein, in der Kirche bin ich nicht mehr, aber ich glaube trotzdem weiter an Gott, irgendwer muss doch das Weltall geschaffen haben, bestimmt nicht dein dialektischer Materialismus. Ich finde es nicht leicht, über dieses Thema mit Gläubigen überhaupt zu sprechen, sie empfinden jedes rationale Wort zum Thema schon als persönlichen Angriff. Wenn ich sage: Es gibt keinen Gott, die Götter wurden von den Menschen geschaffen, weil sie sich die Dinge der Natur nicht erklären konnten, aber heute können wir es dank der Wissenschaften, dann werden mir Stimmen von Wissenschaftlern vorgehalten, die in ihrer Arbeit durchaus materialistisch denken müssen, aber „privat“ sich für gottgläubig halten. Das prominenteste Beispiel wäre Einstein, der das ganz sicher nicht aus Opportunismus sagte.

      • Ach! BITTE!! Was wunderst du dich: „Kurios: Dass sogar die Linkspartei mit der Frömmigkeit liebäugelt, Ramelow soll ja ein wahrer Kirchgänger und Betbruder sein, und es gibt ja eine kirchliche Fraktion in der Partei.“ ???

        Ramelow liebäugelt nicht nur mit der Frömmigkeit: Er hat einfach begriffen, das ‚unsere‘ Gesellschaft eben vor allem aus Menschen besteht, die sich in der ein oder anderen ‚FORM‘ als Christen fühlen! Und das ist nun einmal die Mehrheit der Menschen, die in diesem ‚Gemeinwohl‘ leben! … und diese Menschen, die hier die Mehrheit stellen, GILT es zu sammeln!!! … Die muss man heute erst mal von dem „Opium des Volkes“ befreien, das sie – wie jeden Süchtigen – gefangen hält!!

        ICH weiß es nicht: Bist du aus der DDR oder bist du in der BRD abgerichtet worden ??? Die Menschen – was auch immer sie tun – die HIER leben, WISSEN GAR NIX: ‚irgendwie‘ Glauben sie doch ‚an einen Gott‘, der sie irgenwann einmal ‚erlöst‘: Diese Menschen MÜSSEN so denken, weil sie auf dieses ‚Denken‘ abgerichtet und dressiert wurden !!!!

  4. sascha313 schreibt:

    Ich meine, man muß dem auch offensiv entgegentreten. Mit diesem Mann zu streiten ist absolut nutzlos, das haben seine Leipziger DKP-Genossen auch schon vergeblich versucht. Der Mann ist ein „Feind in den eigenen Reihen“. Aber es gibt ja noch genügend andere Foren und Gesprächsmöglichkeiten! (Schon Kurt Gossweiler war empört über dieses verlogene „Heft 65“)

  5. Meine Frage: Was ist an der von mir zitierten Aussage dialektisch falsch???
    Was wäre die Reaktion gewesen, wenn ich ‚euren‘ unseligen L. nicht genannt hätte? Mir ging es beim Zitieren nicht um den Menschen L. (den ich doch überhaupt nicht kenne), sondern um die getroffene Aussage

    „Die Menschen haben sich bisher stets falsche Vorstellungen über sich selbst gemacht, von dem, was sie sind oder sein sollen. Nach ihren Vorstellungen von Gott, von dem Normalmenschen usw. haben sie ihre Verhältnisse eingerichtet. Die Ausgeburten ihres Kopfes sind ihnen über den Kopf gewachsen. Vor ihren Geschöpfen haben sie, die Schöpfer, sich gebeugt. Befreien wir sie von den Hirngespinsten, den Ideen, den Dogmen, den eingebildeten Wesen, unter deren Joch sie verkümmern. Rebellieren wir gegen diese Herrschaft der Gedanken. Lehren wir sie, diese Einbildungen mit Gedanken vertauschen, die dem Wesen des Menschen entsprechen, sagt der Eine, sich kritisch zu ihnen verhalten, sagt der Andere, sie sich aus dem Kopf schlagen, sagt der Dritte, und – die bestehende Wirklichkeit wird zusammenbrechen.“ Karl Marx/Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, MEW, 3, Seite 13.

    • sascha313 schreibt:

      Nein, Georg – das Zitat von Lieberam „Eine materialistische Staatsanalyse… (bis) Vertretungsparlamentarismus.“ ist von vorn bis hinten bedeutungslos und verschwommen. Der Herr Professor versteckt sich hier hinter akademischen Worthülsen, um nebenher seinen Anti-Stalinismus verkaufen zu können. Der Satz selber ist also nicht der Punkt! (gemeint ist die Person L. als Demagoge!) – Du zitierst es selbst. Marx hat es doch einfach und verständlich genug ausgedrückt.

      • Du wirst ihn sicher besser kennen, als ich.

        In seinem “Vortrag“ in Wedel hat er jedenfalls nichts gegen Stalin gesagt, sondern sprach über die “Staatsauffassungen“ (wie ich sie vom ‚Westen‘ her schon kannte und “verdeutlichte“, das der ‚Marxismus‘ eben eine ganz andere hat.
        Ansonsten erwähnte er noch, dass es in Leipzig eine ‚größere‘ Gruppe von Kommunisten gibt, die gemäß Lenin “konspirativ“ arbeiten und noch nicht vom Verfassungsschutz unterwandert wären (wobei mich wunderte, dass er das in der Öffentlichtkeit preisgab …)

      • sascha313 schreibt:

        Nunja, ich kenne ihn nicht, nur dieses üble Heft 65, und – was sagt er da nicht alles, um sich interessant zu machen…
        (Von ihm etwas über Marxismus zu lernen, halte ich für ausgeschlossen. Auch Dühring, Bernstein u. Kautsky haben ja Vorträge gehalten und sie hatten sogar ihre Anhängerschaft…)

        Über den Staat gibt es eine interessante Broschüre von Lenin „Staat und Revolution“ (das ist besser!)

      • “kennen“ meinte ich freilich nicht im wirklich menschlichen.

        Dass ich über den Marxismus etwas von ihm lernen könnte, halte ich auch für ausgeschlossen, nachdem ich seine “Ahnenseite“ aufgestöbert hatte und ein Interview von ihm gelesen habe, indem er kundtut, dass der “Kommunismus“ des 20. Jahrhunderts (den “sowjetischen“ meint er) “zu früh und auch noch falsch kam“ und er den Kommunismus vielleicht in 300 Jahren für möglich hält. Also, im Prinzip, was die Kirchen hier seit 1526 Jahren betreiben: „Ein Vertrösten auf eine Hoffnung, die sich in diesem Leben nicht verwirklichen ließe.“

      • sascha313 schreibt:

        Das hast Du gut gemacht, Georg!

      • Danke! …

        Hier haben „Hanna Fleiss“, „Vorfinder“, Du Selber und viele andere, GUTES und Richtiges geschrieben: Wann machen WIR es endlich wie Lenin, der doch (nach meiner Kenntnis) auch nur mit wenigen Menschen Ende des 19. Jahrhunderts anfing??? Was waren das für ’schwere Jahre‘ (1905 bis 1917!!! und davor!!!): Millionen Tote!!! Eine ‚Welt‘, die gar nicht begreifen konnte, wofür er lebte: UND am ‚Anfang‘ stand, (was ich als) das größte Wunder bezeichne, das Menschen bewerkstelligt haben: DIE „Gnade“ des Oktobers 1917, welche Milliarden von als Sklaven gehaltenen Menschen Freiheit UND Frieden, statt Kapitalismus und Krieg und einen bis heute nie dargewesenen Entwicklungssprung ermöglichte!!! (wobei doch niemand leugnen kann, daß unser Leben voller [scheinbarer] Irrtümer und [sogenannter] Leiden voll ist (Augustinus 400 AD) und dabei die ‚gröbsten‘ denkbaren Fehler gemacht wurden!!! (Lesart der Schuldkultur der Kirche!!! – also was die Leute empfinden, wenn sie nur ‚Stalin‘ lesen – als ob dieser Wahrhaft ‚große‘ Mensch überhaupt mit Hitler, Roosefelt, Churchill, Truman – der mit zwei Atombomben [gemäß der ‚Lehre‘ von Johann Calvin – deren Sekte Trueman als ‚Baptist‘ angehörte] ‚präventiv‘ angeblich !!! den ‚Krieg‘ beendete!!!

        Kurz! Sascha313 würdest du denn auch Banken überfallen, wie Stalin — oder widerspricht dies dem DIAMAT ???? … oder würden ‚moralische! Bedenken. Dann letztlich DOCH von einem Umsturz einer Revolution ABHALTEN, wie „wir alle“ seit 1989 uns FEIGE aus unserer Verantwortung (als eingebildete Avangarde (???) GESTOHLEN haben ???

      • sascha313 schreibt:

        Nunja, ich weiß nicht, ob Stalin „Banken überfallen“ hat. Damals wäre das wohl keine schlechte Idee gewesen. Heute lohnt sich das nicht mehr. Aber mal im Ernst: es wird wohl immer so sein, daß Menschen (wie Marx, Lenin usw.) ihrer Zeit und deren Ideen geistig vorauseilen. Doch Du weißt ja selber, Georg, daß man das Gras nicht zum Wachsen zwingen kann. Alles braucht seine Zeit, auch das Proletariat. Und ohne das geht es nunmal nicht. Es gibt massenhaft Streiks auf der Welt (vorerst ’nur‘ ökonomische!) – doch nur die werktätige Klasse kann den Kapitalismus überwinden, und nicht ‚ein paar wenige‘, auf diese proletarische Klasse (die Lohnempfänger) kommt es an – und die war 1917 revolutionär. Ist sie heute aber (noch) nicht! Alles andere ist Illusion.

  6. sascha313 schreibt:

    Ich las gerade ein Interview von einem gewissen Prof. Mausfeld (*1949), der sich über die Gegensätze von links und rechts, über Manipulation und über fehlende Orientierung beklagt… Ja, bitte. Und er selber ist das beste Beispiel dafür: Kein Wort über die ökonomischen (also die materiellen!) Grundlagen der Ideologie, kein Wort über Kapitalismus, über das Kapital, über den Profit, über die Ursachen der Ausbeutung, kein Wort über das Privateigentum an Produktionsmitteln usw. – Ist das nicht philosophischer Idealismus??? Was denn dann sonst?

    Wenn der Herr Professor Mausfeld das nicht einmal kapiert hat, wie sollen das dann – bitteschön! – seine Studenten begreifen? Wenn man kein einziges Wort von Marx gelesen hat, dann kommt man auch zu keiner richtigen Erklärung. Man wundert sich allemal über die Trägheit der Massen, trägt aber selber nicht im geringsten dazu bei, diese Trägheit durch Erkenntnisse über die Klassenverhältnisse zu überwinden!

    • Ach, Sascha!
      Dann wäre er doch Professor gewesen. Er wird doch nicht seinen Trog riskieren.😉

      Passend dazu ein Zitat, dass einem Rothschild zugeschrieben wird:
      „Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, daß aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, daß das System ihren Interessen feindlich ist.“ Oder wie es im Volksmund heißt: Die Jack ist näher, als die Büchs. Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht.😉

    • Doed schreibt:

      Hallo sascha,
      ich habe das Interview auch gelesen. Er fasst es halt sehr allgemein. Ist auch historisch gesehen gar nicht so falsch. Links sein, ist für eine gerechte Ordnung sein. Von daher waren die frühen Liberalen auch „sehr“ links gewesen, wurden jedoch von den Sozialisten abgelöst, die den Liberalismus als unfähig entlarvt haben, diese Gerechtigkeit für die Menschen herzustellen, da er die ökonomischen Abhängigkeiten außen vor gelassen hat.

    • blacky white schreibt:

      Dieser idealistische Professor sagt: „der Neoliberale tut so als, ob es KEINE Alternative gäbe“. Gleichzeitig sieht dieser Stammtisch-Philosoph auch KEINE Perspektive. Ansonsten bringt Mausfeld einige, wenige echte wissenschaftliche Dinge (besonders auf Propaganda bezogen) wo wir Kommunisten – wirklich nur bescheiden – lernen können. Bsp.: „Zeige ein paar blutige, tote Kinder als Kriegsopfer auf Fotos, und Du kannst jedes Land der Welt angreifen.“

  7. Hanna Fleiss schreibt:

    Sascha, ich sehe das Mausfeld-Problem ein wenig anders. Wenn man mit den Leuten spricht, auch mit „Wohlmeinenden“ im Internet kommuniziert, ist man erstaunt, wie sehr manipuliert sie doch sind. Ich habe es gewusst, habe mir aber diesen Grad der Manipulation der Köpfe so nicht vorstellen können. Manchmal hatte ich den Eindruck, die Gesprächspartner hätten eine Vorstellungswelt, wie man sie ungefähr um 1830 hatte, nur mit dem Unterschied, dass es keinen Kaiser mehr gibt, dafür aber die bürgerliche „Demokratie“. Dass inzwischen Entscheidendes für die Entwicklung der Menschheit passiert ist, wird nur insoweit in Betracht gezogen, als es als bestenfalls als „untauglich“ durchgeht.

    Du hast völlig recht, Prof. Mausfeld bewegt sich in seinen soziologischen Forschungen und Erkenntnissen im Rahmen lediglich der bürgerlichen Soziologie, die meiner Ansicht nach die Aufgabe hat, gerade von dem, was du bemängelst, den Klassenverhältnissen, zu schweigen und abzulenken und das ganze Medien-Elend auf das soziologisch-psychologische Elend der herrschenden Klasse zu schieben. Wobei diese Klassen zwar als unerhört „demokratisch heruntergekommen“ und durch den Besitz der Medien wie Medienherrscher auftreten und der rezipierenden Bevölkerung ein A für ein O vormachen zu können. Auf dem Mediengebiet leistet er eine Menge Aufklärung, denn der größte Teil der Bevölkerung ist hinsichtlich der Regierungsverlautbarungen noch immer gläubig, und wenn Kleber im ZDF seinen Sermon beendet hat, könnte er ruhigen Gewissens ein „Amen“ an die Stelle eines „Aufwiedersehen“ setzen, ohne dass es zu Zuschauerklagen kommen würde. Auch, wenn jetzt mehr Leute merken, wie sehr sie von den Medien manipuliert werden sollen, es bleibt immer noch der große unaufgeklärte Rest. Wobei meiner Ansicht nach eine große Rolle die Vorstellung spielt, dass es „früher“, das meint die sechziger und siebziger bis in die achtziger Jahre hinein, „ ganz anders war“.

    Die deutschen Arbeiter sind als Klasse verbürgerlicht worden, und zwar nach oben und nach unten.
    Da hat ihnen die SPD seit 100 Jahren klargemacht, dass es eigentlich keine Klassen mehr gibt, sondern nur noch Reiche, weniger Reiche und Arme. Und warum die Armen arm und die Reichen reich sind, darüber sich den Kopf zu zerbrechen lohnte sich nicht, und am Ende hätte man nur Ärger. Schon der Begriff „Klasse“ ist „Kommunismus“, und mit dem will niemand was zu tun haben, denn wem sein Leben lieb ist, der bleibt zu Hause. Und denkt sich sein Teil. Oder auch nicht.

    Es gibt ja keine marxistische Medienkritik mehr, soweit mir bekannt ist. Die sie nach 1990 hätten leisten können, haben Mäuschen gespielt, nur nicht auffallen. Ich erinnere an das DDR-Fernsehen, das nur allzu bereit war, sich dem bürgerlichen Medienbetrieb auszuliefern. Auch wenn es hier und da Proteste wegen diesem oder jenem gab, das aber nicht die Anpassungsbereitschaft störte.

    Kann man von einem bürgerlichen Soziologen wie Prof. Mausfeld erwarten, dass er sich mit dem Marxismus-Leninismus beschäftigt und aus dieser Sicht heraus sein Arbeitsfeld erklärt? Er weiß doch, woran er nicht rühren darf, ohne Konsequenzen auslöffeln zu müssen. Zumal ja auch seine Rezipienten in dieser Hinsicht derselben Ansicht sind wie er. Er ist in seiner Lage gezwungen, an der Oberfläche zu bleiben, aber wenigstens was kucken lassen, das will er. So oder so ist er im Grunde jetzt schon ein Außenseiter, ohne an den Wurzeln rühren zu wollen oder zu müssen. Aber auf diese Weise erreicht er wenigstens Leute, die willig sind, „sich einen Kopf zu machen“.

    • sascha313 schreibt:

      Du hast natürlich recht, Hanna (und auch Georg – den job wäre er sonst los!). Das ganze Interview ist eben doch recht allgemein gehalten; ein paar richtige Sätze sagt er ja durchaus. Doch wenn er nur wenigsten ansatzweise in die richtige Richtung deuten würde … tut er aber nicht. Na, dann machen wir es eben!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s