Ljubow Pribytkowa: WAS WIR LERNEN MÜSSEN…

hasi1Wieder einmal trifft Ljubow Pribytkowa den Nagel auf den Kopf. Doch was tun wir mit den Millionen verblödeten Deutschen, die nicht begriffen haben, wer sie  ausbeutet und wer die Kriege anzettelt in aller Welt? Gestern fiel mir ein Büchlein in die Hände: Erich Weinert „Memento Stalingrad“. Darin zitiert der Autor aus Briefen deutscher Soldaten und Offiziere, die der Sowjetarmee säckeweise in die Hände gefallen waren. Nach nur zehn Jahren Naziherrschaft war das deutsche Volk fast ausnahmslos so völlig verblödet, daß es den Hitleristen auf Wort glaubte. Sie glaubten das, was bei den Deutschen die Regel war: Gefangene werden nicht gemacht! Und was ist heute nach 25 Jahren „sozialer Marktwirtschaft“ – richtiger: IMPERIALISMUS – und Kriegen in aller Welt? Wievielen gelingt es, in Reichtum und Wohlstand zu leben, und warum? Und wieviele Milliarden Menschen auf der Welt leben in Hunger, Not und Elend?

Der Kessel von Stalingrad  war 1943 beendet, die Rote Armee war indessen schon hunderte Kilometer weiter westwärts gezogen. Lange, viel zu lange hatten die Generäle und Offiziere die Kapitulation ihrer Armeen verhindert und damit Hunderttausende deutscher Soldaten dem sicheren Tod durch Hunger, Erfrierung und einem sinnlosen „Heldentod“ ausgeliefert. Als dann endlich einer der Generäle (aus Feigheit oder aus Einsicht?) den Befehl zur Beendigung der Widerstandes gab, waren von den 330.000 deutschen Soldaten, Offizieren und Generälen nur noch 91.000 am Leben. Sie zogen in die Gefangenschaft, mußten vom sowjetischen Volk ernährt und medizinisch versorgt werden. Und das geschah auch. Abgefrorene Gliedmaßen, schwarze Beine, zerschossene Körperteile – und zurück blieben Berge von Leichen… Stalingrad war die Wende dieses furchbaren Krieges, der vom deutschen Imperialismus begonnen wurde und schätzungsweise bis zu 80 Millionen Opfer forderte. Und das Schlimmste: die Deutschen hatten nichts daraus gelernt! Das Büchlein von Erich Weinert war 1961 erschienen. Es blieb UNGELESEN – in der DDR! Das Lesebändchen war noch immer zwischen Seite 65 und Seite 72 eingeklemmt… 

WAS WIR LERNEN MÜSSEN…

von Ljubow Pribytkowa, Irkutsk

Nun sind schon 25 Jahre vergangen, seit die bürgerliche Konterrevolution die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, den ersten den Arbeiter- und Bauern-Staat der Welt zerstört hat, der nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution 72 Jahre lang existierte. Alle nationalen Reichtümer des Landes, die von den Händen des werktätigen Volkes geschaffen wurden, befinden sich jetzt im Privateigentum. Die Gesellschaft wurde in eine reiche Minderheit und eine arme Mehrheit gespalten, Realität wurde auch das Elend. Die hochentwickelte Industrie und die Landwirtschaft, die Bildung und das Gesundheitswesen, die Wissenschaft und die Kultur wurden zerstört. Heute gibt es in der Gesellschaft keine sozialen Gleichheit mehr wie es zur sowjetischen Zeit. Das Ende des 20. Jahrhunderts wurde für viele Völker Europas tragisch.

Ohne Revolution kein Sozialismus!

Das ganze sozialistische Weltsystem wurde zerstört. Auch China, Vietnam und Laos haben ihre sozialistischen Positionen aufgegeben. Allein die Koreanische Volksdemokratische Republik blieb auch weiterhin fest auf sozialistischen Positionen. Gerade deshalb wurde auch die Frage [1] wieder aktuell: WAS TUN? Die zurückliegende Bewegung fast aller Länder mit sozialistischer Orientierung braucht das Studium der zugelassenen Fehler, die Klärung der wirtschaftlichen und politischen Ursachen des geschehenen Rückschlags und eine Analyse der gesamten weltweiten Erfahrung des sozialistischen Aufbaues.

Aber die Hauptsache ist offenbar – man muß alles noch einmal von vorn beginnen. Es ist eine erneute sozialistische Revolution nötig. Karl Marx schrieb 1844: „Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung und der Auflösung bedarf.“ [2] Diese Worte haben bis heute ihren Wahrheitsgehalt nicht verloren.

Die Geschichte der Roten Oktober studieren!

Das heutige Rußland ist ein kapitalistischer Staat, deshalb wirken in ihm dieselben objektiven Gesetze, die auch beim Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert in Europa und in Rußland gewirkt haben. Um aber auf die Frage zu antworten, was man in der heutigen Zeit tun soll und wie man es tun soll, muß man die Geschichte des Großen Oktober studieren, um zu verstehen, wie die Arbeiterklasse 1917 die siegreiche proletarische Revolution unter Leitung der Bolschewiki durchgeführt hat, die Diktatur der Bourgeoisie gestürzt und die Diktatur des Proletariats errichtet hat.

Revolutionen geschehen dort, wo sich eine revolutionäre Situation herausgebildet hat, und sie entsteht immer objektiv, man kann sie nicht erzeugen oder beseitigen. In Rußland gibt es heute keine revolutionäre Situation, aber in der Zukunft ist sie unvermeidlich, weil sich die antagonistischen Widersprüche heftig verschärfen, die soziale Ungleichheit wächst. Und die Kommunisten haben nicht das Recht, darauf nicht vorbereitet zu sein.

Der Marxismus – von der Theorie zur Praxis

Die Kenntnis des wissenschaftlichen Kommunismus, der von Karl Marx und Friedrich Engels geschaffen wurde, wird helfen, darauf vorbreitet zu sein, weil diese Lehre ihre Aktualität nicht verloren hat. Sie ist zugleich auch die Theorie der gesellschaftlichen Entwicklung sowie die Methodologie ihrer Erkenntnis. Und solange der Marxismus nicht die Weltanschauung der Arbeiterklasse ist, wird sie sich auch nicht die von Lenin entwickelte Lehre von der sozialistischen Revolution aneignen und niemals einen strategischen Sieg im Klassenkampf erreichen, weil es ohne Theorie auch keine revolutionäre Praxis geben kann.

Bekannt ist der bildhafte Ausdruck Lenins, daß in einer revolutionären Situation die Oberen nicht mehr auf alte Weise verwalten können, die Unteren nicht mehr auf alte Weise leben können, daß sich die materielle Lage der Werktätigen verschlimmert und der Massenprotest heftig zunimmt. Diese Worte widergespiegelten die sich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts verschärfende Lage in Rußland.

Wie kam es in Rußland zur Revolution?

Freilich ergab sich bis 1917 im Land nicht zum ersten Mal eine solche revolutionäre Situation. Die Geschichte Rußlands ist eine Geschichte der Aufruhre, der Aufstände und der Revolutionen. Beim Blick auf die finstere Sklaverei in zaristischem Rußland, das schwere Leben der Leibeigenen, die Willkür der Gutsbesitzer und die absolute Rechtlosigkeit des Volkes wurde nicht nur bei dem hervorragenden Schriftsteller Radischtschew „die Seele vom Leid der Menschheit gekränkt“. Die revolutionäre Situation 1917 wurde begünstigt durch den ersten Weltkrieg, der 1914 begann. Der Krieg war zwar nicht die Ursache der Revolution, doch durch ihn verschärften sich alle Widersprüche, die dazu führten.

Den Dörfern gingen im Krieg 47,4 % der arbeitsfähigen männlichen Bevölkerung verloren. Millionen Menschen waren zur Armee mobilisiert worden. 36,2 % der Bauernhöfe hatten keine Pferde, 18,3 % kein Saatgut, 11,7 % kein Ackerland und 16,47 % kein Vieh. Die Dörfer waren fast völlig verwüstet. Die Bauern waren so unterernährt, daß 47 % der wehrfähigen Männer dienstuntauglich waren. Die Produktion von Lebensmitteln und Brot war stark eingeschränkt. In Petrograd und Moskau standen die Menschen Tag und Nacht vor den Lebensmittelläden Schlange. 1915 wurden infolge des Hungers 684 Aufstände registriert, und 1916 waren es bereits in ersten fünf Monate 510 Protestaktionen. Der Arbeitstag dauerte in vielen Betrieben 11 – 12 Stunden, in einigen sogar 16 Stunden. Die grausame Ausbeutung der Arbeiter führte sie zur Erschöpfung ihrer Kräfte.

Der Haß und die Verbitterung der Menschen

In einem Aufruf des ZK der RSDAP(B) an das Volk steht geschrieben: „Dieses langsame Sterben ist nicht so zu bemerken: hier gibt es keinen Kanonendonner, keinen Tod vor aller Augen; unbemerkt und fern von den Augen der satten Menge, in feuchten Kellern und auf Dachböden gehen die Arbeiter langsam zugrunde – aufgrund von Unterernährung, schlechten Wohnverhältnissen, Kälte und schrecklichen sanitären Bedingungen”. Und in dieser Zeit wurden die regierende zaristische Obrigkeit, der adelige Hofstaat und die Magnaten des Kapitals immer fetter.

Der Haß und die Verbitterung der Menschen nahmen zu. Die Streikbewegung in den Industriestädten Rußlands begann anzuwachsen. Die Herrschenden antworteten den Arbeitern daraufhin mit Verhaftungen, mit Aussperrungen und schickten sie an die Front. In August 1915 beim Streik der Textilarbeiter von Iwanowo-Wosnessenska griffen die zaristischen Machthaber zur blutigen Abrechnung. 100 Menschen wurden getötet, 40 verletzt. Zum Zeichen des Protestes gingen daraufhin in Petrograd in 16 Unternehmen 18.000 Arbeiter in den Ausstand. In Oktober 1916 entstand im Land eine revolutionäre Situation. Fast täglich flammten Streiks auf. Im Januar 1917 ereigneten sich 454 Streiks, an denen etwa 354.000 Menschen teilnahmen.

Die Waffen des Proletariats

Am 23. Februar 1917 (dem 8. März nach dem neuen Kalender) wurde der Internationale Frauentag in Petrograd zum ersten Tag der Revolution. Es begann ein allgemeiner Streik. Nach einem Aufruf der Bolschewiki wurde in vielen Betrieben die Arbeit niedergelegt. Mit den roten Fahnen und Aufrufen „Weg mit der Selbstherrschaft“ gingen die Arbeiter zum Stadtzentrum. Die Frauen trugen Plakate „Wir wollen Brot!“ Straßenbahnen wurden angehalten, die Wagen umgestürzt, der Verkehr war für lange Zeit unterbrochen und die Verlegung von Militär und Polizei war gestört. Während der Zusammenstöße mit der Polizei verteidigten sich mit Pflastersteinen, Schraubenmuttern und Eisstücken. Es waren jedoch Waffen notwendig. Diejenigen, die an der Revolution 1905-1907 teilgenommen hatten, erinnerten sich noch an den Brief Lenins an das Kampfkomitee von Sankt Petersburg, wo er geraten hatte, Kampfgruppen aufzustellen, sich selbst zu bewaffnen, so gut jeder kann, mit Revolvern, Messern, petroleumgetränkten Lappen, um Feuer anzulegen usw… [3]

Doch im Februar 1917 reichte das schon nicht mehr aus. In die Hauptstadt wurden Truppen verlagert. Die Arbeiter begannen, Waffenmagazine und die Lagerhäuser zu besetzen und die Waffen der militärischen Unterabteilungen zu nutzen, die auf die Seite der Aufständischen übergegangen waren. Lenin schrieb im „Militärprogramm der proletarischen Revolution“: „Eine unterdrückte Klasse, die nicht danach strebt, Waffenkenntnis zu gewinnen, in Waffen geübt zu werden, Waffen zu besitzen, eine solche unterdrückte Klasse ist nur wert, unterdrückt, mißhandelt und als Sklave behandelt zu werden.“ [4]

Die Bourgeoisie – bis an die Zähne bewaffnet

Und ist denn jetzt nicht die russische Bourgeoisie, ja – die ganze Weltbourgeoisie, als die herrschende Klasse, bis an die Zähne bewaffnet? Sind denn die inneren und äußeren Truppen Rußlands, die Polizei, die SOBR [5], die OMON [6], die speznas [7], die nazgwardija [8] letzten Endes etwa nicht für den Schutz ihrer Interessen geschaffen worden?

Es ist völlig klar, daß die Grundsätze Lenins zum Militärprogramm auch heute ihren Wahrheitsgehalt nicht verloren haben: „Die Bewaffnung der Bourgeoisie gegen das Proletariat ist eine der größten, kardinalsten, wichtigsten Tatsachen der heutigen kapitalistischen Gesellschaft.“ Und: „Bewaffnung des Proletariats zum Zwecke, die Bourgeoisie zu besiegen, zu expropriieren und zu entwaffnen – das ist die einzig mögliche Taktik der revolutionären Klasse, eine Taktik, die durch die ganze objektive Entwicklung des kapitalistischen Militarismus vorbereitet, fundiert und gelehrt wird. Nur nachdem das Proletariat die Bourgeoisie entwaffnet hat, kann es, ohne an seiner weltgeschichtlichen Aufgabe Verrat zu üben, die Waffen zum alten Eisen werfen, was es auch ganz sicher dann – aber nicht früher – tun wird.“ [9]

Die führende Rolle der kommunistischen Partei

Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts während der bürgerlich-demokratischen Februarrevolution und der Großen Sozialistischen Oktoberrevolutionen hatte die Avantgarde der Arbeiterklasse – die Partei der Bolschewiki – eine führende Rolle. Ihre Organisiertheit, ihre Selbstaufopferung und ihre Ergebenheit für die Sache der Befreiung der Werktätigen von Ausbeutung und Unterdrückung waren grenzenlos. Und auch heute haben die Worte des proletarischen Führers ihre Aktualität nicht verloren: „Die Rolle eines führenden Kämpfers kann nur eine Partei erfüllen, die von einer führenden Theorie geleitet wird.“

Der Sieg der Arbeiterklasse im Oktober 1917 hat die Richtigkeit der Auffassungen Lenins bestätigt, daß bei proletarischen Revolutionen während einer revolutionären Situation der subjektive Faktor, das heißt die Bewußheit und Organisiertheit der revolutionären Massen, hauptsächlich – der Arbeiterklasse, die entscheidende Rolle spielt. Lenin hat mehrfach betont: „Das große weltgeschichtliche Verdienst von Marx und Engels besteht darin, daß sie den Proletariern aller Länder ihre Rolle, ihre Aufgabe, ihre Berufung aufgezeigt haben: sich als erste zum revolutionären Kampf gegen das Kapital zu erheben und in diesem Kampf alle Werktätigen und Ausgebeuteten um sich zu vereinigen.“ [10]

Warum ist die politische Massenarbeit so wichtig?

Im Mai 2007 wurde auf der Internationalen Kommunistischen Konferenz „Die Bedeutung und Aktualität der Ideen der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution 1917 im 21. Jahrhundert“ in Brüssel festgestellt: „Die gesamte Geschichte der revolutionären Bewegung des 20. Jahrhunderts, des Sieges des Sozialismus in Osteuropa, die Revolutionen in China, Vietnam und auf Kuba haben bewiesen, daß ohne marxistisch-leninistische Partei weder der Sozialismus, noch die nationalen und demokratischen Revolutionen gesiegt hätten.“ Es wurde betont, daß auch heute die ständige Arbeit der Kommunisten unter den Massen in den Betrieben, in den Gewerkschaften und in der Armee vonnöten ist.

Wir dürfen auch nicht vergessen, daß 99 % der Massenmedien in den Händen der Bourgeoisie sind. Mit ihrer Manipulation des Bewußtseins hat sie die Menschen völlig im Griff. Antisowjetismus und Antikommunismus sind ihre ideellen Grundprinzipien. Lüge, Verleumdung und Entstellung der Tatsachen sind ihre propagandistischen Hauptinstrumente. Und vieles gelingt ihr auch: Die spießbürgerliche Konsumpsychologie, der Individualismus und Nationalismus, die apolitische Einstellung haben in der Welt der Gedanken begonnen, nicht nur die russische Intelligenz, sondern auch die Arbeiterklasse zu beherrschen.

Was das Leben lehrt…

Dennoch ist der Hauptpropagandist und Agitator das Leben selbst. Heute gibt es in unserem Land eine Armee von mehreren Millionen Arbeitslosen. Die Kürzung der Gehälter, der Preisanstieg für Lebensmittel und Medikamente, die Kosten für Transport, Miete und Ausbildung führen zu erhöhten sozialen Spannungen in der Gesellschaft. Und wer die Arbeitsbedingungen in den Betrieben einmal kennengelernt hat, wo Leiharbeit – besser gesagt: Zwangsarbeit – angewendet wird, der ist entsetzt von den Lebensbedingungen der dort arbeitenden Migranten. Das ist nichts anderes als die moderne Sklaverei des 21. Jahrhunderts.

Du wirst, lieber Leser, wenn Du die Informationen in der Chronik der Arbeiterproteste auf der Webseite der Allunions-KP (B) [11] verfolgst, die Ruhe für immer verlieren. Die mehrmonatigen Rückstände bei den Gehaltszahlungen der Firmen des Landes wurden zu einer Massenerscheinung. Damit im Zusammenhang wächst auch Jahr für Jahr die Anzahl der Streiks und Hungerstreiks. Allein im April dieses Jahres streikten die Fahrer der Kleinbusse in Petrosawodsk, die Seeleute in Astrachan, die Arbeiter im Rüstungsbetrieb „Kontakt“ in Saratow und die Mitarbeiter des Betriebes „Wasserkanal“ im Gebiet Swerdlowsk führten einen Hungerstreik durch… Man kann die Beispiele schon nicht mehr alle aufzählen.

Warum ist die Arbeiterklasse so unterwürfig?

Die Betriebsführer erlauben sich eine die bestialische Abrechnung bei der Auszahlung ihrer Schulden, wie es z.B. in Chanty-Mansijsk geschah. Das „Bündnis der tadshikischen Arbeiter“ sah sich gezwungen, zum Protest aufzurufen. Dann ging der Mann in Irkutsk ins Sanatorium und erschoß den sich dort ausruhenden Vorgesetzten – verstehen kann man den Schießenden. Da reißt sich einer buchstäblich ein Bein heraus, um die halbverhungerte Frau und die Kinder zu füttern, bekommt aber viele Monate kein Geld, und dieses Miststück verbringt seine Zeit im Sanatorium, um abzuspecken…

Bei den Protestaktien der Arbeiter überwiegen hauptsächlich ökonomische Forderungen, politische Forderungen dagegen sind äußerst selten. Offen gegen die brutale Ausbeutung der Arbeiter durch die Bourgeoisie zu protestieren, die die offizielle Presse unterwürfig Arbeitgeber [12] nennt, ist äußerst gefährlich. Die Wirtschaftsbosse ertragen Andersdenkende nicht. Entlassungenen mißliebiger Leute ohne Angabe der Gründe sind mittlerweile zur Norm geworden. Und die Angst vor Entlassung hat den Arbeiter, der sich durch Kredite gebunden hat, geduldig und ergeben werden lassen.

Schwerpunkt: Der Kampf gegen die bürgerliche Ideologie

Die Bourgeoisie hat in der Konterrevolution gesiegt, und die aktive Arbeit zur Bereinigung des Bewußtseins der Menschen von den Resten der sowjetischen Weltanschauung und der kommunistischen Ansichten wird fortgesetzt. Sie hat politische Parteien in den Betrieben und Agitationsarbeit in der Armee verboten. Den Kampf gegen den Marxismus und der psychologische Krieg wurden stärker. Deshalb ist heute die Schwerpunktaufgabe der Kommunisten, nicht nachzulassen im Kampf gegen die bürgerliche Ideologie, die großen Ideen des Marxismus-Leninismus ins Bewußtsein der Jugend zu tragen, ihnen die Wahrheit zu sagen über unsere schöne Vergangenheit und unsere freudlose Gegenwart.

Doch dabei stören die Revisionisten und Opportunisten aller Schattierungen. Die Bourgeoisie begrüsst jede beliebige Revision des Marxismus und die versöhnlerische reformistische Politik der Linken. Und daher gibt es im Land auch so endlos viele Parteien und Organisationen mit kommunistischen Bezeichnungen, aber echte kommunistische – nur vereinzelt.

Warum sind Revisionisten und Opportunisten so gefährlich?

Sogar zu Lebzeiten von Marx gab es viele Revisionisten, und heute haben sie sich vermehrt wie die Pilze nach dem Regen. Die einen bringen den Arbeitern zum Beispiel verstärkt die sogenannte Theorie „Personalismus“ ins Bewußtsein. Andere haben sogar ein „Zentrum für marxistische Forschungen“ organisiert, um die Illusion zu erwecken, sie würden den Marxismus schöpferisch weiterentwickeln, anstatt auf ihn zu verzichten. Aktiv wird in der kommunistischen Presse auch der bürgerliche Nationalismus verbreitet. „Rußland – die russische Macht“ und „Rußland – für die Russen“. Ein Kommunist, der aufhört ein Internationalist zu sein, der diesen chauvinistischen Quatsch der Kapitalisten wiederholt, wird zum Verbündeten der Bourgeoisie, zum Feind der Arbeiterklasse.

Vor kurzem äußerte auf einem Kongreß der „kommunistischen“ Partei „Kommunisten Rußlands“ der Vortragende begeistert, es hätten sich „in einigen entwickelten Ländern ‘soziale Regierungen’ herausgebildet, mit bemerkenswerten Zügen einer zukünftigen sozialistischen Gesellschaft, die beim sowjetischen System entlehnt“ seien. Ich lese den ganzen Vortrag und wundere mich, im Titel der Partei gibt es viel Kommunismus, im Vortrag dagegen steht nichts davon.

Die KPRF – Helfer der Bourgeoisie

Und bei der größten Linkspartei, der KPRF, ist nur der Titel auch kommunistisch. Die Fraktion der KPRF in der Staatsduma stellt ständig nur Anträge zur Verbesserung des Kapitalismus. Auf diese Weise wird sie niemals vom parlamentarischen Kretinismus [13] geheilt werden. Das marxistische Prinzip von der Notwendigkeit, das kapitalistische System zu zerstören, und nicht es zu verbessern, existiert für sie nicht. Am 30. August 2016 teilte Sjuganow zu den utopischen Projekten seiner Partei wieder einmal mit, daß Vertreter verschiedener Organisationen ein Memorandum zur Unterstützung der KPRF bei den bevorstehenden Wahlen unterschrieben hätten…

Geistige Plattform der KPRF ist die orthodoxe Religion. Ihre Führer verhehlen nicht ihre feindselige Beziehung zum Atheismus. Sie sind offen vom Materialismus zum Idealismus übergegangen. Klassenkampf, soziale Revolution und die Diktatur des Proletariats sind für diese Partei artfremde Begriffe.

Kampf dem Revisionismus und Opportunismus!

Der Revisionismus und der Opportunismus sind in der russischen kommunistischen Bewegung zu voller Blüte gelangt. Sie haben sich mit dem Eurokommunismus verbrüdert. Dieser Irrsinn bringt der Arbeiterbewegung einen kolossalen Schaden. Die Opportunisten hüllen sich in kommunistische Gewänder. Sie sind, wie Lenin schrieb, Verräter, und sie sind gefährlicher als offene Feinde. Sie sind gefährlicher als die Bourgeoisie. Und deshalb kann es mit ihnen keine Einheit geben. Nur Kampf!

31.08.2016


Über die Autorin:
Ljubow Pribytkowa ist eine russische Publizistin. Sie ist Mitglied des Bundes der Journalisten Rußlands, Kandidatin der philosophischen Wissenschaften und Dozentin. In den letzten Jahren hat die Autorin mehr als 200 publizistische und wissenschaftliche Artikel veröffentlicht, die in verschiedenen wissenschaftlichen Sammlungen und Zeitungen veröffentlicht wurden, wie z.B. „Rodnaja Semlja“ (Irkutsk), „Sowjetskaja Rossija“ (Moskau), „Solnze“ (russ.) – „Asch-schams“ (arab.)” (Moskau), „Moskwa. Sadowoje Kolzo“, „Rabotsche-Krestjanskaja Prawda“ (Ukraine), „Rabotschij klass“ (Ukraine), „Sowjetskij woin“ (Moskau), „Molnija“ (Moskau), „Swoimi imenami“ (Moskau), „Rabotschij putj“, „Objektiwnaja gaseta“, „Kommunisten-online“. „Kommunistische Internetzeitung“ (Deutschland) und andere.
(Siehe: http://www.love-CCCP.ru)

(Übersetzung Florian Geißler, Jena)
Übernommen von Kommunisten-Online

Anmerkungen:
[1] W.I. Lenin veröffentlichte im Mai 1901 eine Broschüre unter dem Titel „Was tun? – Brennende Fragen unserer Bewegung“ (W.I. Lenin, Werke, Bd.5, S.355-551)
[2] Karl Marx: Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen. In: K.Marx/F.Engels. Werke. Dietz Verlag Berlin, 1981, Bd.1, S.409
[3] Siehe: W.I. Lenin: An den Kampfausschuß des St. Petersburger Komitees. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1957, Bd.9, S.343
[4] W.I. Lenin: Das Militärprogramm der proletarischen Revolution. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1975, Bd.23, S.75
[5] SOBR [ [6] OMON [ [7] speznas [ [8] Nazgwardija [ [9] W.I. Lenin: Das Militärprogramm der proletarischen Revolution. a.a.O. S.76.
[10] W.I. Lenin: Rede bei der Enthüllung eines Denkmals für Marx und Engels. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1970, Bd.28, S.160.
[11] Allunions-KP (B) [ [12] Natürlich ist dieser Begriff „Arbeitgeber“ falsch und verlogen, denn die so bezeichneten Kapitalisten eignen sich unentgeltlich das Produkt der Arbeit ihrer Arbeiter und Angestellten an, die wiederum gezwungen sind, ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten zu verkaufen.
[13] Kretinismus – hier: geistige Mißbildung

pdfimages Ljubow Pribytkowa: Was wir lernen müssen…


Siehe:
F.Bikmetowa: Wie die KPRF den Kapitalismus stärkt
Die KPRF – eine Partei des göttlichen Willens
Die KPRF – Lakaien der Bourgeoisie

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22 Antworten zu Ljubow Pribytkowa: WAS WIR LERNEN MÜSSEN…

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  2. Hanna Fleiss schreibt:

    Sehr nötig und sehr wertvoll die Kommentare von Ljubow Pribytkowa. Auch dieser versucht die heutige jüngere Generation über die Geschichte der Sowjetunion vom Standpunkt der Kommunistin aufzuklären. Der opportunistische Aufguss der KPFR verkleistert die Köpfe, dass es erschreckend ist. Vor ein paar Tagen gab es in der „Jungen Welt“ ein Interview mit einem Mitglied der KPFR, das den Eindruck erwecken sollte, bei dieser Partei handle es sich um eine kommunistische Partei, nicht um eine nationalistische, großrussisch-gottgläubige sozialdemokratische Partei. Manchmal verstehe ich die „Junge Welt“ nicht, die sie ja auch als marxistisch bezeichnet. Und das Schlimme in der Sowjetunion und auch in den ehemals sozialistischen Ländern: Die heutige Bourgeoisie wusste es einmal besser, trotz Chruschtschow.

    Heute sind ehemals führende KPdSU-Funktionäre kapitalistische Unternehmer geworden, die bereit sind, nicht nur ihre ehemaligen Genossen schamlos auszubeuten, sondern sich selbst auch an den Westen zu verkaufen. Erschreckend, welche Nachwirkungen die Chruschtschow- und vor allem die Gorbatschow/Jelzin-Ära haben. Die Autorin schreibt es ja: Nicht nur Millionen Arbeitslose, beachtliche Kriminalität, erschreckende Armut und erschreckender Reichtum im heutigen Russland. Und trotzdem keine revolutionäre Situation. Auch der russischen Bourgeoisie ist es also gelungen, das russische Volk zu verblöden, um es so hart zu sagen. Die Ableitung jeden Widerstandes der russischen Arbeiterklasse ins Religiöse, wobei die sogenannte kommunistische Partei KPFR tatkräftig mithilft, hilft der Bourgeoisie, das russische Volk wie einst unter der Zarenherrschaft zu unterdrücken. Da sind die Ausarbeitungen von Ljubow Pribytkowa überlebenswichtig geworden. Aber wer liest sie?

    • sascha313 schreibt:

      Danke Hanna, ja – die „junge Welt“ ist trotz ihres linken Anstrichs ein revisionistisch-trotzkistisches Blättchen. Das begann schon damit, daß man Kommunisten wie Kurt Gossweiler jahrelang ignorierte und Antikommunisten wie Fülbert und Lieberam, Meißner und Konsorten großzügig zu Wort kommen ließ (auch dank Herrn Schölzel!). Nun hat sich das aber nicht geändert. Dennoch ist jede antikapitalistische Meinung ein Stück Aufklärung. In Rußland jedoch gibt es (im Gegensatz zu den Deutschen!) eine bedeutende Tradition: den Großen Vaterländischen Krieg. So gibt es im Land trotz allem Tausende Stimmen, die daran immer wieder erinnern.Tja, und wer liest? Es hängt ja nur davon ab, wer sich die Mühe macht, danach zu suchen; und von denen die lesen: es zu verbreiten!

  3. Klaus Hesse schreibt:

    Der Text ist so überaus zutreffend, dass man sich eigentlich darüber freuen sollte. Beim genaueren Lesen wird aber nur allzubald deutlich, dass diese Einschätzung ein alles andere als erfreuliches Bild zeichnet. Wer da gemeint haben sollte, dass die Talsohle, dessen, auf was wir uns einstellen müssen, 89/91 erreicht war muss jetzt erkennen, dass wir jetzt erst am Rande der Abgründe stehen, auf die man sich einrichten muss. Da ist nicht ’nur‘ der hierzulande Auftrieb kriegende offene und verdeckte faschistische Mob. Da sind Parallelen in vielen anderen Ländern, da ist der Abgrund von dem, was in den USA als ‚Demokratie‘ bei den Präsidentenwahlen ins Rollen gekommen. Da sind aber vor allem die nachgerade idiotischen Träumereien unter denen, die sich als ‚Linke‘, ‚Sozialisten‘ und Möchtegernkommunisten produzieren. Die Talsohle von all dem ist noch nicht einmal zu sehen, geschweige denn erreicht. Im Vergleich dazu war der Bund der Kommunisten mit der Klarsicht des Manifests, waren die Tage, Monate und Jahre 1917ff, 1945ff bei all ihrer Tragik Höhepunkte, deren historische Dimension noch lange nicht verstanden werden wird.

    Eine Nebenbemerkung: Was da über Nordkorea geschrieben wurde ist mir angesichts des Wenigen, was ich zu wissen glaube doch um Größenordnungen zurückhaltender einzuschätzen.

  4. War eine Weile weg und will auch nicht so umfangreich sein. Vergesst bitte nicht unser so wertvolles Sozialistisches Kuba. Ein großes Beispiel für die kommunistische Bewegung. Die kubanischen Kommunisten in aufrichtiger, dem Volk auch unangenehmende Wahrheiten nicht vorenthaltender Führung. Keiner autoritären Herrschaft, wie das leider zu oft auch bei uns so empfunden wurde. Sondern kluger Führung. Sie verstehen auch in diesen schweren Zeiten, ihrem Volk durch ihre Ehrlichkeit zu helfen, den VERLOCKUNGEN der überquellenden Konsumgesellschaft zu widerstehen und nicht in die Falle zu gehen.
    Gruß an Euch

  5. Tankist schreibt:

    ….und es wird kommen. Als sie im Mai 1945 bedingungslos kapitulieren mussten, haben sie daraus gelernt. 1941 vor Moskau war die Losung „Nje schaga nasad- keinen Schritt zurück“, der von Aussen eindringende Feind konnte gestoppt und vernichtet werden. Die inneren Feinde, Schädlinge und Abweichler hingegen durften nach 1953 ihr Werk erfolgreich zu Ende bringen. Dem Bürgertum ist es gelungen, das Rad der Geschichte zurück zu drehen. Eingelullt von s.g. friedlicher Koexistenz und benebelt von „gemeinsames Haus“ usw. wurde der Fehler gemacht, den Feind nicht zu vernichten sondern ihn uns vernichten zu lassen. So einfach ist das.

    • Peter Sydow schreibt:

      Der Kapitalismus weiß wie man die verblötesten Massen einlullt.Der sogenannte Marxismus ist nicht dazu in der Lage.
      Woran wird daß wohl liegen.

    • Sei nicht so pessimistisch.
      Die Kubaner haben sich mit Hilfe der Weltanschauung des Marxismus/Leninismus aus tiefer Sklaverei und Unterdrückung gekämpft.
      Sie sind immer noch das größte Beispiel für den ganzen amerikanischen Kontinent, daß es möglich ist, dem US Imperialismus zu trotzen.
      Sogar ohne die Unterstützung der Sowjetunion. Ganz allein auf sich gestellt. Welches Volk kann das von sich behaupten?
      Ich jedenfalls wäre sehr stolz, Kubaner zu sein.

  6. Tankist schreibt:

    kaum hatten sie ihr Werk in Mitteleuropa getan, richteten sie ihren Blick nach Jugoslawien…..Ende bekannt. Wir hatten im November 1989 auf unserem Territorium alles, um diesem bananenfixierten Mob seine Grenzen aufzuzeigen und den Feind vernichtend zu schlagen. Was fehlte war der Befehl der Arbeiter und Bauernmacht…… Schädlinge, Volksfeinde und Verräter

  7. Hanna Fleiss schreibt:

    Tankist, mein Sohn war bei den Kampfgruppen. Er meldete sich sofort. Dort wurde ihm mitgeteilt, dass die Kampfgruppen aufgelöst worden sind und die Waffen verschlossen bleiben. Für mich war die Frage: Wurde in der gemütlichen DDR jemals begriffen, dass man für den Sozialismus mit seinem ganzen Leben einstehen muss? Ihre Feinde jedenfalls wussten das. Und mein Sohn hatte auch etwas begriffen: nämlich, was eine „friedliche Revolution“ für ihn und uns alle bedeutet.

  8. Tankist schreibt:

    ja Hanna, mein Vater war auch bei den Kampfgruppen und in seinem Bücherschrank standen bis zuletzt die in Leder gebundenen Klassiker mit vier Köpfen…..immerhin brauchten die Verräter nach 1953 noch gut 3 Jahrzehnte, um den Verrat endgültig in die Tat umzusetzen.

  9. Inson schreibt:

    Doch – es gab Menschen die auch mit ihrem Leben für die DDR eingestanden wären. Der Feind allerdings kam aus einer Richtung, die man nicht für möglich gehalten hätte. Als wir das begriffen und bemerkten, dass es nicht um Reformen sondern um die Macht ging, war es allerdings zu spät.

  10. sascha313 schreibt:

    So ist es, Inson! Und woher der Feind kam, können wir heute sehr genau sagen:
    z.B. Rafik Kulijew: Wie kam es zur Perestrojka? oder
    hier: K.Gossweiler: Die vielen Schalen der Zwiebel Gorbatschow. Und
    L.Pribytkowa: Wie die KPdSU den Sozialismus in der Sowjetunion zerstörte…
    Deshalb schreibt die Autorin auch: „Die Opportunisten hüllen sich in kommunistische Gewänder. Sie sind, wie Lenin schrieb, Verräter, und sie sind gefährlicher als offene Feinde. Sie sind gefährlicher als die Bourgeoisie. Und deshalb kann es mit ihnen keine Einheit geben. Nur Kampf!“ Man braucht sich in der BRD nur einmal die sogenannten linken Parteien und Gruppierungen von „Die Linke“, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Marxistisches Forum bis hin zur DKP anzusehen, dann wird man das gleiche beobachten können wie in Rußland!

  11. Tankist schreibt:

    Danke Inson, bin völlig Deiner Meinung! Und wir waren nicht Wenige. Als die notwendigen Säuberungen in der Partei der Bolschewiki nach dem 05.03.1953 ausblieben, konnten die inneren Feinde mit der Umsetzung ihres von den äußeren Feinden gelenkten Verrats beginnen.
    Sehr geschickt waren sie im Tarnen und Täuschen. Die Geschichte dieses Verrats, seiner Folgen und Lehren müssen gut für die künftgen Kämpfe bewahrt werden. Wie wir die Gesellschaftsform dann nennen, wir werden sehen. Die Produktionsmittel müssen wir ihnen nehmen.

  12. Sascha Iwanow schreibt:

    Sascha du schreibst:
    „Nach nur zehn Jahren Naziherrschaft war das deutsche Volk fast ausnahmslos so völlig verblödet, daß es den Hitleristen auf Wort glaubte.“

    Ich möchte noch einen anderen Gesichtspunkt zu bedenken geben.

    Erinnern wir uns. Endes des 19. Jhdt. war die Welt aufgeteilt. Zwei imperialistische Mächte beherrschten die Welt: England und Frankreich. Als dann Deutschland auf die Weltbühne auftauchte, stand es sofort in Konkurrenz zu den etablierten Mächten. Und wir wissen: Imperialismus kennt keine friedliche Teilhabe, sondern nur Konkurrenz bis zum Krieg, denn die Widersprüche des Imperialismus sind innerhalb und außerhalb, also zwischen dem Imperialisten, antagonistisch. So war der 1. Weltkrieg unausweichlich „vorprogrammiert“.
    Nach dem 1. Weltkrieg setzten die imperialistischen Mächte England und Frankreich, jetzt mit der Unterstützung der imperialistischen USA, ihre Interessenpolitik gegen Deutschland fort. Erinnert sei an der Knechtungspolitik durch den Versailler Vertrag (der in meinen Augen eine Fortsetzung des 1.Wk. nur auf wirtschaftlichem Gebiet war) und seine rigorose Durchsetzung gegenüber Deutschland. (die Reparationszahlungen und der Streit an der französisch-deutschen Grenze)
    Angemerkt sei, auf der einen Seite rigoroses Durchsetzen, auf der anderen Seite schien der Versailler Vertag nur Papier zu sein, wenn ich an die Kriege Piłsudski-Polens denke. Polen wurde nämlich „erlaubt“ (erst durch Wegsehen, dann durch militärische Unterstützung), sich nicht an die Curzon-Linie zu halten. Mit Unterstützung Englands, Frankreichs und den USA, „durfte“ es große Gebiete im Osten erobern und annektieren.
    Doch zurück zu Deutschland.
    Die Politik der imperialistischen Staaten führte dazu, dass die hungernden Menschen in Deutschland nach Ursachen zu suchen begannen und sie fanden sie. Die Inflation und Wirtschaftskrise 1929 tat ihr übriges dazu. Ich bin der Meinung: die Bevölkerung Deutschlands begann sich komplett zu „radikalisieren“, es entstand eine negative Haltung gegenüber England, Frankreich und den USA.
    Als Hitler, der sich mit seinem Buch „Mein Kampf“ den deutschen Imperialisten und Militaristen, aber auch den internationalistischen Imperialisten, „empfohlen“ hatte auf der politischen Bühne auftauchte, brauchte er nur die deutsche Grundstimmung aufnehmen und fertig war der braune Brei. Seine Heilsversprechungen fielen auf fruchtbaren Boden, jedenfalls bei einem großen Teil der deutschen Bevölkerung. Wie schrieb B. Brecht so richtig: „Erst kommt der Bauch und dann erst die Moral!“
    Die deutsche Bevölkerung war nach meiner Meinung nach nicht nur verblödet, sondern die Politik Englands, Frankreich und der USA führten dazu, dass die Nazis so ein leichtes Spiel hatten. Für den Aufstieg des Nazismus haben nicht nur die deutschen Imperialisten und Militaristen Schuld, sondern auch die westlichen Imperialisten, die Deutschland in der Hoffnung unterstützten, es nach Osten lenken zu können.
    Erinnert sein auch an die imperialistischen Politik der nachfolgenden Jahre (amerikanische und englische Geldgeber, Münchner Abkommen usw.).

    Sascha, ich weiß nicht ob ich mich verständlich ausgedrückt habe. Ich bin nur ein Arbeiter, der sich über die Geschichte Gedanken macht.
    Ich geben dir auch in dem Sinne Recht, das ein Großteil der Bevölkerung völlig verblödet war und keine Ahnung vom Marxismus Leninismus hatten. Darin liegt auch die Ursache warum die KPD so wenig erreichen konnte.

    Und hier schließt sich der Kreis. Die heutige Bevölkerung Deutschland ist nun wirklich verblödet, denn sie wird systematisch durch die Massenmedien belogen und indoktriniert.

    Du schreibst an anderer Stelle:
    So werden die Deutschen gegen andere Völker aufgehetzt… (Soldatenbriefe von Stalingrad 1943)
    https://sascha313.wordpress.com/2016/09/11/wie-werden-die-deutschen-aufgehetzt-soldatenbriefe-von-stalingrad-1943/#more-43326

    „Das deutsche Volk war nicht nur verblödet, sondern geradezu dressiert worden. Und das ist im Kapitalismus immer so.
    Denn wie sollten eine Handvoll Konzernbosse, deren Lakaien und Angestellten, die Professoren, Politiker und sonstiges korrumpiertes Gesindel die riesige Masse eines Volkes in Schach halten können, wenn nicht durch Verblödung?“, und ich füge hinzu: durch Indoktrination, erst Verblöden und dann die Verblödeten indoktrinieren. Hat nicht nur unter Hitler funktioniert, sondern funktioniert heute immer noch!

    • sascha313 schreibt:

      Danke Sascha, für Deine wertvollen Ergänzungen. Du hast absolut recht: radikalisiert waren die Deutschen auch – das war so das Ventil, um den Klassenkampf in eine andere Richtung zu lenken. In der Schule „argumentiert“ man da nur mit ein paar oberflächlichen Phrasen, mehr haben die Unterrichtsmacher nicht drauf. Sollen sie auch nicht. Um praktische „Demokratie“ zu üben, wird dann gerade mal in großer Aktion ein Schülersprecher gewählt. Soll man sich da wundern, daß im Kopf nix hängenbleibt außer Flüchtigkeiten??? Geschichtskenntnis? Niente!

  13. Hanna Fleiss schreibt:

    Ich habe Schwierigkeiten mit dem Begriff „verblödet“. Ja, die Arbeiter waren blöd genug, der SPD-Führung jedes Wort abzunehmen und Hindenburg zu wählen, statt mit der KPD, nachdem sie ihren Irrtum mit dem Sozialfaschismus korrigiert hatte, zusammenzugehen. Mit Blödheit hatte das meiner Ansicht nach aber nichts zu tun, sondern mit der Angst vor dem Kommunismus, die ihnen von ihrer Führung eingetrichtert wurde und im Grunde die halbe deutsche Arbeiterschaft erfasste. Wie ja in fast allen kapitalistischen Ländern. Was wurde der deutschen Öffentlichkeit von den Hugenberg-Medien denn nicht alles an Gräueln aus der jungen Sowjetunion weisgemacht, sie war ja das Schreckgespenst nicht nur für das Kapital, sondern eben auch für große Teile der Arbeiterschaft. Ich möchte in diesem Zusammenhang aber noch darauf hinweisen, dass die Zahl der KPD-Wähler bis auf 6 Millionen angewachsen war, worunter sicher auch viele Stammwähler der SPD waren. Abgesehen davon, dass viele bürgerliche Intellektuelle Sympathien für das Neue in der Sowjetunion empfanden und viele ihre bisherigen Ansichten geändert hatten und KPD-Wähler wurden. Also von einer allgemeinen Verblödung der Deutschen kann man nicht wirklich sprechen. Das Kapital und dann die Nazis handhabten den Antikommunismus so geschickt, dass zum Beispiel Arbeiter ohne marxistische Vorbildung, die nicht begriffen hatten, dass sie Teil der unterdrückten Klasse sind, auf ihre Parolen hereinfielen.

    Was die heutige „Verblödung“ angeht, so funktioniert sie ja ganz ähnlich. Eine entscheidende Rolle spielt wieder der Antikommunismus. Und heute gibt es sogar eine bzw. zwei bzw. mehrere antikommunistische „linke“ Parteien, wie durchweg in allen ehemals sozialistischen Staaten! Die verdeckte Pression ist hierzulande zudem so stark geworden, dass es Mut braucht, aus den antikommunistischen Denkkreisen auszuscheren. Und dann muss bedacht werden, welches Bild eigentlich die linke Bewegung in der Öffentlichkeit abgibt, was nun wirklich nicht auf schnelle Änderung hoffen lässt.

    • sascha313 schreibt:

      Tja, liebe Hanna, wie soll man’s anders nennen. Der Begriff blöd od. blöde (schwachsinnig – umg. unsinnig) ist eigentlich nur ein stärkerer Ausdruck von dumm. Das soll natürlich keinesfalls heißen, daß ein Arbeiter bitteschön „blöd“ ist. Im Gegenteil. Wohl aber ist „Verblödung“ oder „Verdummung“ eine Methode. Und zwar eine durchaus geschickt angewendete Manipulierung des Denkens, was dann wiederum zu einer Schwächung der Wahrnehmung, der Erkenntnis und – möglicherweise – auch der Sinne führt. Und ist es nicht Blödsinn (Unsinn), wenn ein Wähler glaubt, eine der bürgerlichen Parteien könne oder wolle für „mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit“ sorgen?

  14. Hanna Fleiss schreibt:

    Sascha, ich habe immer Schwierigkeiten mit psychologischen bzw. psychiatrischen Begriffen, die eigentlich das Politische meinen. Du meinst, blöd wäre mit dumm zu übersetzen. Aber ist es wirklich Dummheit und nicht eine Folge von gesellschaftlichen Zusammenhängen im Kapitalismus, wenn Arbeiter auf die Argumente ihrer Ausbeuter hereinfallen? Das ist gemeint. Ich wehre mich zum Beispiel dagegen, wenn US-Politiker, die zum Atomkrieg hetzen, als Psychopathen bezeichnet werden, dann wären sie nämlich nach bürgerlichem Recht nicht schuldfähig. Es ist doch ganz eindeutig, dass sie die Interessen ihrer Klasse befördern wollen, sie tun es also politisch und im Interesse ihrer Klasse. Und sie sind schuldfähig. Noch eindeutiger: Es sind politische Verbrecher, die von den Völkern abgeurteilt gehören. Die Psychiatrie wird ihre Klasseninteressen nicht ändern können. Es ist eben eine Frage der Begriffe, und wer die Begriffe beherrscht …

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