LAWROW SPRICHT KLARTEXT: Die ‚Waffenruhe‘ war gefälscht, sie wirft künftige ‚einseitige Maßnahmen‘ über den Haufen…

sergey-lavrov22. September 2016. Der russische Außenminister, Sergej Lawrow hat heute auf der Sitzung des UN-Sicherheitsrats Klartext gesprochen. Er erklärte, daß zukünftige einseitige Feuerpausen, bezeichnet als ‚Waffenruhe-Abmachungen‘ vom Tisch sind. Er bezog sich dabei eindeutig auf die zunehmenden sachlichen Beweise, daß die Abmachung über den Kurs dieses Konflikts in einer Reihe von Punkten von den USA fortlaufend schamlos übertreten wurde.

Das hinterhältige Verhalten der USA

Dabei geht es in erster Linie um die Übertretungen der Waffenruhe selbst, in Verbindung mit den offiziell geleakten Bestandteilen des ‚geheimgehaltenen Textes‘ der neuen Waffenruhe. Es sind Beweise, daß die USA unfähig sind, auf mehrere Gruppierungen Einfluß zu nehmen, die die zuvor durch die USA vereinbarte Waffenruhe mitunterzeichnet haben. Ganz zu schweigen von jenen Gruppierungen, die von sich behaupten, gemäßigt zu sein, die aber die Waffenruhe nicht unterzeichnet haben. Wobei beide fortsetzen, entweder mit ISIS oder mit Jabat Al-Nusra zusammenzuarbeiten. Rußland hat zweifellos mit Erfolg darauf hingewiesen, daß mehrere dieser Gruppierungen erfundene Erscheinungen sind, und operiererende Synonyme von Al-Nusra (früher „Al Qaeda der Levante“ genannt) selbst sind.

Das „versehentliche“ Attentat des USA

Der Kontext, den man dabei unmöglich ignorieren kann, ist hier natürlich der Bruch der Waffenruhe, die durch den gemeinsamen Angriff der USA an der Seite von ISIS auf die Position der Syrischen Arabischen Armee bei Deir ez-Zor begangen wurde. Dieser Angriff wurde unterstützt und dauerte länger als eine Stunde, wobei die russischen Anrufe über die Koordinierungs-Hotline, die eingerichtet worden war, um den Konflikt zu deeskalieren, ignoriert wurden.

USA-Sprecherin sagt: „Kill them, to save them!“

Ein anderer Umstand war die Reaktion des USA-Außenministeriums auf der Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates vor ein paar Tagen, insbesondere das Verhalten und die eiskalten, undiplomatischen Bemerkungen der Vertreterin Power eingeschlossen, wobei die USA nachträglich versuchen, Rußland für den Angriff auf den Hilfskonvoi des „Roten Halbmond“ ein paar Tage später verantwortlich zu machen. Es war ein Angriff, bei dem sich immer mehr herausstellt, daß er entweder von den Al-Nusra-Kämpfern am Boden oder von einem USA-Predator-Drohnen-Attacke mit einem Brandgerät durchgeführt wurde.

Eine „Waffenruhe“ zur Aufrüstung und Umgruppierung

Analysten und Aktive hatten ausgiebig den Nutzen dieser Waffenruhe-Vereinbarungen diskutiert. Zuweilen war leidenschaftlich kritisiert worden, daß die Waffenruhe nur einseitig durch Rußland kontrolliert wurde, was den Effekt hatte, daß es den durch die USA unterstützten Terroristengruppen ermöglicht wurde, sich unter dem Deckmantel von ‚Gemäßigten‘ oder nicht, wieder aufzurüsten und sich umzugruppieren. Solche Hilfskonvois waren lange Zeit als Hintertür verwendet worden, um mehrfach nutzbare Ersatzteile für die Reparatur der Waffen, wie Muttern, Bolzen und Kabel, – ja sogar Munition und neue Waffen einzuschmuggeln. Es ist seit langem dokumentiert, daß Erste-Hilfe-Pakete und Arzneimittel, die im allgemeinen für die betroffene Zivilbevölkerungen vorgesehen sind, von kämpfenden Terroristengruppen innerhalb der besetzten Teile von Aleppo entwendet wurden.

Ein Vorwand, den Sicherheitsrat zu täuschen

Damit geht dieses Kapitel zum Ende, und es wird offenkundig, was Rußland schon die ganze Zeit klar verstanden hat, daß nämlich genau das auch eingetreten ist. Was hier gebraucht wurde, war ein Vorwand, der gegenüber dem Sicherheitsrat und gegenüber der internationalen Gemeinschaft vorspiegeln sollte, Rußland und seine Verbündeten im Sicherheitsrat seien sich einig: „wir haben es mit der Waffenruhe versucht – doch seht, was dabei herausgekommen ist“. Das war die Vorarbeit für die sprichwörtliche „Nachrichten-Ente“, die dem russischen Bären durch die USA-Außenpolitik und dessen Medien-Hologramm aufgebürdet und auf seinem Rücken festgemacht werden sollte.

Wir bitten unsere Leser um Hilfe!

Wir sind damit endlich über den Berg. Wir laden unsere Leser ein, sich ein paar Minuten den Videoclip der Userin „Navsteva“ auf Twitter anzusehen, der tatsächlich das Highlight einer längeren russischen Präsentation und der heutigen historischen Sitzung des Sicherheitsrats ist. Es sind wirklich spannende Zeiten, voller Gefahren, mit dem Risiko, daß alles in einen totalen Krieg umschlagen kann. Wir bitten unsere Leser, besonders wachsam zu sein, da die Ereignisse eskalieren, und uns in unserer wichtigen Mission zu unterstützen, indem sie diesen Artikel über ihre sozialen Netzwerke verbreiten.

Text von J.Flores

(Übersetzung: Anja Meißner)


LAVROV MAKES HISTORY:

‚Ceasefires‘ were bogus, nixes future ‚unilateral measures‘

Russian Foreign Minister, Sergei Lavrov made history today at the UN’s meeting of the Security Council, declaring that future unilateral pauses couched as ‚ceasefire agreements‘ are off the table. He has skillfully referred to the mounting factual evidence of the US’s continued flagrant violations on any number of points of agreement over the course of this conflict.
These include primarily the violations of the ceasefire itself, in conjunction with officially leaked elements of the ’secret text‘ of the recent ceasefire which evidence that the US has been unable to reign in a number of groups signing onto previous ceasefires, let alone those groups the US claims to be moderates but did not sign onto the ceasefire, both of which continue to work closely with either ISIS or Jabat Al-Nusra. Russia has no doubt pointed out successfully that several of these groups are fictional entities, and are but operational synonyms of Al-Nusra (formerly called Al-Qaeda of the Levant), itself.
The impossible to ignore context here naturally is the ceasefire ending US joint attack alongside ISIS upon the Syrian Arab Army position at Deir ez-Zor which was sustained and lasted over an hour, despite calls from the Russian coordinating hotline which existed pursuant to standing agreements on deconfliction.
The other defining circumstances included the response of the US State Department at the emergency session of the UN Security Council a few nights ago, in particular the behaviour and callously undiplomatic remarks of representative Power, and the US’s following attempts to blame Russia for the attack on the Red Crescent aid convoy several days later, which increasingly appears as the result of either Al-Nusra militants on the ground or a US predator drone attack using an incendiary device.
Analysts and activists have long debated the utility of the ceasefire agreements. It had been noted, at times passionately, that the ceasefires were observed unilaterally by Russia and had the effect of allowing the US backed terrorist groups, whether organized under the ‚moderate‘ banner or not, to rearm and regroup. Aid convoys had long been used as a backdoor to smuggle in needed dual-use basic supplies for repairing weapons, such as nuts, bolts, wiring – and even munitions and new weapons. It had long been documented that first aid and medicines intended for affected civilian populations generally wound up used by terrorist fighting groups inside of occupied parts of Aleppo.
Now this chapter comes to end, and it is revealed that Russia understood clearly all along that this was precisely the case. What was needed was a pretext, a consensus building show-and-tell to the Security Council which provides Russia and its allies on the Security Council and in the international community that ‚we tried Ceasefires – and this is what happened.
This set up the footwork for the final proverbial ‚flying mare‘ that launched US foreign policy and its media hologram over the Russian bear’s shoulder and onto its back.
A real corner has been turned. We invite our readers to watch twitter user Navsteva’s several minute long clip, below, which was truly the highlight of the longer Russian presentation and today’s historic Security Council meeting.
These are truly interesting times, fraught with danger, as the chance of total war looms overhead. We ask our readers to be especially vigilant as events are escalating, and help our important mission and work here by sharing these articles across your social networking platforms.
Source: Uprooted Palestinian’s Blog
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35 Antworten zu LAWROW SPRICHT KLARTEXT: Die ‚Waffenruhe‘ war gefälscht, sie wirft künftige ‚einseitige Maßnahmen‘ über den Haufen…

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Ich fand die Waffenruhe-Vereinbarung sowieso zu diesem Zeitpunkt unangebracht. Die Waffenruhe gibt den Kopfabschneiderbanden doch lediglich die Möglichkeit, sich neu aufzumunitionieren. Ich nehme an, die Bevölkerung von Aleppo erwartet ihre Befreiung sehnlichst. Ich verstehe nicht, worauf sich Russland ständig mit den USA einlässt. Dass die USA ein doppeltes Spiel spielen, ist doch Russland nicht unbekannt.

    • sascha313 schreibt:

      Keine Frage auch Putin und Lawrow wissen das sehr genau: Das einzige, worauf man sich bei einem imperialistischen Land verlassen kann, ist seine Unberechenbarkeit! Und möglicherweise ging es der russischen Führung genau darum – nämlich zu beweisen, daß die USA Rußland betrügen wollten, denn das war ja von vornherein klar!

  2. heums schreibt:

    Sascha, du stehst ganz klar auf der falschen Seite. Du bist so weit links, dass du auf der rechten Seite schon wieder herauskommst!!! Baschar al-Assad wirft Fassbomben auf die Leute, vor allem auf die Menschen, die einen demokratischen Neuanfang für Syrien wollen. Genauso wie die Rechtspopulisten von der AfD hast du kein Interesse daran, dass Leiden der syrischen Migranten (wie z.B. Mohamad Nazir Alhabie oder Abdulrahman Asuaidan) zu beenden, sondern sprichst dich eher für das Leiden der Leute aus. Andererseits bin ich auch dagegen, dass sich die USA und der Westen so massiv einmischen, außer im gemeinsamen Kampf gegen den IS haben beide Parteien (Russland und die USA) in Syrien nichts verloren. Es ist ein Fehler von Putin, Assad zu unterstützen, genauso, wie es ein Fehler der USA und des Westens ist, die Rebellen zu unterstützen!!! Weder Russland noch die USA haben irgendwas in Syrien zu verlieren, das syrische Volk muss sich selbst wieder finden und Abschied nehmen von Assads Diktatur. Russlands und die USA gefährden Syrien und heizen den Krieg an. So lässt sich kein Frieden realisieren!!!

    • sascha313 schreibt:

      Ach Heums, Du armes Opfer der westlichen Propaganda…
      Was soll man noch dazu noch sagen? Informiere Dich besser, dann glaubst Du auch nicht jeden Quatsch! (Faßbomben; Assad)
      Und bevor Du jemandem anderen Vorhaltungen machst, solltest Du Deinen eigenen Standpunkt erst einmal überprüfen. Deine Frechheiten nehme ich Dir nicht übel, weil Du einfach wirklich keine Ahnung hast, was hier abläuft. Warst Du denn schon mal in Syrien? Sicher nicht! Sonst würdest Du nicht solchen Unsinn über „Demokratie“ erzählen.

    • Warum verbreitest du deine Querfront Propaganda nicht unter deines Gleichen? Dachtest du, daß du hier irgendeinen Blumentopf mit deinem Unsinn gewinnen könntest?

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  4. Inson schreibt:

    @ Heums
    Wenn du wirklich glaubst was du so schreibst, dann kann ich den Quantitätsmedien in diesem Land nur gratulieren. Du bist eins ihrer Produkte!
    Der Westen mischt sich nicht ein, sondern der Westen ist der Drahtzieher, der Initiator, der Aggressor in Syrien. Seine Bodentruppen tragen den Namen IS, ISIL, Daesh, Jabat al Nusra etc. Die die du als Rebellen bezeichnest sind identisch mit diesen Bodentruppen!

    Baschar al Assad ist der gewählte Präsident Syriens. Auf seiner Bitte hin befinden sich russische Streitkräfte im Land! Das entspricht dem geltenden Völkerrecht! Auf wessen Bitte hin befinden sich die Terroristen aus der halben arabischen Welt im Land? Auf wessen Bitte hin greifen Flugzeuge der verschiedenen NATO Bündnispartner Ziele in Syrien an? Auf wessen Bitte hin befinden sich türkische Streitkräfte, saudi-arabische und katarische Söldner im Land?

    Für das Leiden in Syrien sind genau jene Kräfte verantwortlich die zuvor den Irak und dann Libyen zerstört haben! Der Krieg gegen den Irak begann mit einer Lüge. Vielleicht erinnerst du dich, angeblich habe der Irak Massenvernichtungswaffen und er habe mit Al Qaida zusammen gearbeitet! Eine Lüge wie wir heute wissen, die genau dafür in die Welt gesetzt wurde um die Menschen zu täuschen und das eigene Vorgehen zu rechtfertigen.

    Die Fassbomben, die angeblichen Giftgaseinsätze seitens der syrischen Armee, was glaubst du? Wer hat das in die Welt gesetzt und mit welchem Interesse? Dieselben Medien wie damals, im Krieg gegen den Irak…..

  5. Tankist schreibt:

    Hanna, Inson, Sascha, bitte standhaft wie bisher bleiben und danke dafür!! Genosse Stalin unterschied ganz klar Kriege der Imperialisten untereinander und den Krieg der Imperialisten gegen den Sozialismus. Der Kreuzzug im Nahen Osten und das Weichkochen Berlins für TTIP sind die üblichen Spielchen von Leuten, die sich nur noch durch Verbrechen an der Menschheit an der Macht halten können. Mit Friedensgebeten und bunten Luftballons werden wir sie nicht vernichten.

  6. Hanna Fleiss schreibt:

    Na, selbstverständlich, Tankist. Ich bin ja auch der Ansicht, dass Russlands Außenpolitik bemüht ist, den großen Knall zu verhindern. Russland will Frieden, will in Ruhe seinen Kapitalismus aufbauen und gleichwertiger Partner des Westens werden. Mir geht es mit Russland so ähnlich wie mit den Befreiungskriegen: Einerseits musste Napoleon als Eroberer geschlagen werden, andererseits stellte sich dies als Sieg der übelsten Reaktion heraus. Es sind eben diese zwei Seiten des heutigen Russland.

    • Inson schreibt:

      Hallo Hanna,
      das mit Napoleon verhielt sich in Deutschland ähnlich. Die Rückkehr der finstersten Reaktion beschrieb Heinrich Heine so:
      „Ja, diese Überbleibsel oder Nachkommen der Teutomanen von 1815, die ihr altes Gewand ultrateutscher Narren nur etwas modernisiert haben und sich ein wenig die Ohren stutzen ließen – ich habe sie mein ganzes Leben lang verabscheut und bekämpft, und jetzt, da das Schwert der Hand des Sterbenden entfällt, fühle ich mich getröstet durch die Überzeugung, daß der Kommunismus, der sie als erste auf seinem Wege findet, ihnen den Gnadenstoß versetzen wird; und gewiß nicht durch einen Keulenschlag, nein, durch einen einfachen Fußtritt wird der Riese sie zertreten, wie man eine Kröte zertritt… Heute herrschen die Nationalen und der ganze üble Nachtrab von 1815 noch einmal in Deutschland, und sie heulen mit Erlaubnis des Herrn Bürgermeisters und der anderen hohen Obrigkeiten des Landes. Heult nur! Der Tag wird kommen, an dem der unvermeidliche Fußtritt euch zermalmen wird. In dieser Überzeugung kann ich unbesorgt die Welt verlassen.“
      Und wir können durchaus Parallelen zum Heute ziehen.

    • @ “Einerseits musste Napoleon als Eroberer geschlagen werden“

      Warum? Hat er etwa nicht die Sklaverei in den “deutschen“ Fürsten-“Staaten“ (Lehen des Papstes) abgeschafft? Ist es nicht ihm zu verdanken, dass dieses “Gebilde“ Heiliges Römisches Reich deutscher Nation aufgelöst wurde?

      Die “Befreiungskriege“ waren die Kriege des europäischen ‚Hoch‘-Adels und des Klerus.

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Jauhuchanam, die Befreiungskriege waren eben nicht die Kriege des europäischen Hochadels und des Klerus, sondern des Volkes. Dass das Volk die Wünsche des Königs und seiner Junker damit zugleich erfüllte, das ist eben die Zweischneidigkeit der Befreiungskriege. Freiherr vom Stein, Scharnhorst, Clausewitz und Ernst Moritz Arndt mit seinen Aufrufen und Gedichten bereiteten tatsächlich einen Volkskrieg gegen Napoleon vor, der zur deutschen Einheit führen sollte, weil der König dem Volk nach dem Sieg eine Verfassung versprochen hatte, was er dann aber nicht einhielt, sondern Metternich dieses zersplitterte Deutschland mit dem Deutschen Bund noch weiter zersplitterte, um das Habsburgerreich gegenüber Preußen zu stärken. Dass Napoleon den frischen Wind der bürgerlichen Revolution mitbrachte und das ganze versumpfte deutsche Elend mit seiner Eroberung von oben beseitigte und das nun wieder nach der Völkerschlacht bei Leipzig um so versumpfter auf die Deutschen zurückfiel, ist völlig klar. Das sind die zwei Seiten Napoleons, und dass Heine ihn besang, weil er den Juden die bürgerliche Freiheit gab, versteht sich auch. Und so ähnlich geht es mir heute. Ich weiß, wie wichtig Russlands Widerstand für die Welt ist, aber ich weiß auch, dass es nicht mehr die Rote Armee ist, sondern eine kapitalistische russische Armee, die die NATO-Aggression zurückschlagen will und muss, wenn wir als Menschheit überleben wollen.

        Aber du fragst, warum Napoleon zurückgeschlagen werden musste. Ganz einfach: Napoleon war ein Eroberer, und die Grundlage jeder Veränderung in diesem zersplitterten Deutschland war die deutsche Einheit und die Selbstständigkeit als Nation. Daran hatte Napoleon natürlich kein Interesse, seine Truppen ernährten sich von der Ausplünderung der Bevölkerungen der eroberten Länder, er führte in ihnen ein scharfes Besatzungsregime ein und verhinderte durch die Schaffung von selbstständigen Königreichen und Herzogtümern die Schaffung der Einheit. Zu diesem Zeitpunkt war die Bewegung zur Einheit der deutschen Landesgebiete noch progressiv, erst danach, unter dem Metternich-Regime, wurde sie deutschtümelnd, verklärte romantisch das Mittelalter und das Germanentum, und das war das, was Heine so verabscheute.

      • Inson schreibt:

        Fichte, Arndt, Jahn und andere Heroen der Befreiungskriege waren Antisemiten. Und das waren sie bereits ohne Zutun Napoleons. Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit gehen Hand in Hand. So brauchten sie ihre Verachtung für alles „Undeutsche“ nur noch auf Napoleon und die „Südländer“ (Franzosen) übertragen.

        Napoleon gab nicht nur den Juden die bürgerliche Freiheit, sondern er führte in allen besetzten Gebieten den „Code Civil“ ein!

        Der gesamte Adel Europas hat gegen die bürgerliche Revolution konspiriert und von Anfang an versucht sie zu ersticken! Die Antwort darauf war Napoleon. Er sollte das Umfeld schaffen in dem das bürgerliche Frankreich gedeihen konnte.
        Heine wie auch Goethe waren Bonapartisten, weil er kühn alle alten Verhältnisse umwarf. Die französische Revolution hatte das finstere Mittelalter endlich beendet und die Tür weit für die notwendigen Veränderungen aufgestossen. Das musste nun auch in ganz Europa geschehen. Und trotz zeitweiliger Rückschritte liessen sich diese Veränderungen nicht mehr rückgängig machen!

      • @ Hanna

        Die “Befreiungs“kriege können gar keine Kriege des Volkes gewesen sein, weil es gar kein Volk gab: 90% dieses Phantasmas, das als ‚Volk‘ verklärt wird, waren Sklaven:

        Diese Menschen waren entweder der Besitz des Adels oder des Klerus und mußten ohne irgendwelche Gegenleistungen diese verfressenen Ausbeuter und Verbrecher der Menschheit nähren, was von der Sekte der Juristen obendrein noch als ‚Recht‘ verkündet wurde.

        Napoleon beendete diese Sklaverei.

        Damit enteignete er die wirtschaftliche Grundlage von Adel und Kirche, denn die hatten quasi von einem Tag auf den anderen, niemanden mehr, den sie Halten ‚konnten‘, denn es war ihnen ja fortan gesetzlich verboten, ihre Untertanen, wie sie ihre Sklaven nannten, auszunehmen — “was man sich doch nicht gefallen lassen kann“ — weshalb Adel und Kirche ihren Widerstand gegen Napoleon organisierten, den sie dann als “Berfreungskriege“ durch die bezahlten Marktschreier = Priester und Pfaffen (oder wie Nietzsche sie trefflicher bezeichnete:) Tschandalas vermarktet haben.

        Welcher von den „deutschen“ Könige hat denn welchem Volk “eine Verfassung versprochen“??? Das klingt für mich alles nach dem Idealismus der depperten Bourgeoisie und diesem von Marx als widerlich bezeichneten bornierten Nationalismus.

        Napoleon war kein Eroberer, sondern ein Mensch, der versuchte, die “christliche“ Gesellschaftsordnung in Europa zu zerstören, also Adel und Kirche zu entmachten, die sich seit der Französischen Revolution gegen Frankreich verbündet hatten. Bedauerlicherweise ist er damit gescheitert.

        “ die Grundlage jeder Veränderung in diesem zersplitterten Deutschland war die deutsche Einheit und die Selbstständigkeit als Nation.“ Echt jetzt???

        Über eine solch phantastische Brücke mache ich nicht einen Schritt!!!

        Die Grundlage jeder Veränderung ist nämlich die Befreiung der Menschen von der Sklaverei — nichts anderes!!! — und das geht eben nun einmal nur, in dem die Träger einer verkommenen Gesellschaftsordnung ihrer Gewalt, die auf der Grundlage wirtschaftlicher Ausbeutung beruht, beraubt werden.

        Die deutsche Einheit und die Selbstständigkeit als Nation ist ein Trojanisches Pferd gewesen und, wenn ich deine Texte so lese, fällst sogar du bis heute darauf rein. Und wenn du schon auf dieses Phantasma hereingefallen bist, wie muss es erst den Menschen ergehen, die nicht einmal über deine Geschichtskenntnisse verfügen?

  7. Hanna Fleiss schreibt:

    Inson, das ist eben das Dilemma. Den Medien wird immer noch geglaubt. Die Leute begreifen nicht, dass es die Medien der Großkonzerne sind, die Interessenvertreter des Kapitals. Wenn du dich im Internet umsiehst, ist die Zahl der Gläubigen erschreckend hoch. Es ist aber auch schwierig, sich in dem Wust von Meinungen zurechtzufinden, was nicht heißt, dass die Gläubigkeit entschuldbar wäre, wenn man sich als denkender Mensch begreift. Und man sollte auch nicht vergessen, die Leute aus dem Westen sind mit Antikommunismus geradezu getränkt worden, als sie noch in den Windeln lagen. Und das sind die Auswirkungen. Da spielt so ein unterschwelliger Nationalismus mit.

    Gestern habe ich auf Phoenix einen Film gesehen über gefangene Kinder von Leuten des 20. Juli 1944. Da sagte eine Frau (die damals noch Kind war), dass sie, als die US-Armee die Kinder aus der Nazi-Gefangenschaft befreite, sie sich bei allem Hass auf die Nazis plötzlich als Deutsche, als Verliererin des Krieges empfand. Es ist schon kompliziert, wirklich die Dinge zu begreifen. Und manche Westdeutsche, das ist mein Eindruck, sind politische Kinder.

    • Inson schreibt:

      Ich teile deine Meinung. Umso wichtiger ist es den Zweifel zu wecken und immer wieder Fragen zu stellen.
      Die Leute des 20. Juli waren bis auf ganz wenige Ausnahmen Kriegsverbrecher. Sie wären in Nürnberg entsprechend abgeurteilt worden. Den bereits verlorenen Krieg vor Augen versuchten sie ihre Haut zu retten. Insofern sind sie auch Verlierer.
      Die Mehrheit der Verschwörer hatten ja einen Separatfrieden im Westen vor Augen um dann eventuell gemeinsam mit den Westalliierten die Sowjetunion zu schlagen.
      Und das ihre Kinder das ähnlich betrachten verwundert nicht.

  8. Hanna Fleiss schreibt:

    Inson, da musst du aber die engere Gruppe um Stauffenberg ausnehmen. Der war ein süddeutscher Junker ohne den ausgeprägten Preußengeist in den morschen Knochen, der hatte schon eine Vorstellung davon, wie ein friedliches bürgerliches Deutschland aussehen könnte, er wollte ja sogar die Kommunisten mit einbeziehen. Aber wir können von „Glück“ sagen, dass der Putsch nicht gelungen ist, denn es wäre unter den damaligen Voraussetzungen in jedem Fall ein faschistisches Deutschland geworden, bei allem guten Willen Stauffenbergs, der meiner Ansicht nach in seinem Wollen eher dem Freiherrn von Stein ähnelte, gutmeinend, fortschrittsfreundlich, aber letztlich doch Vertreter einer überlebten Klasse und Zeit.

    • Ich finde überhaupt nicht, dass die engere Gruppe um Stauffenberg — in Wirklichkeit die engere Gruppe um Gördeler — ausgenommen gehört.

      Sie alle vertraten das Militärbündnis mit den NAMEN Deutsches Reich, und ob dieses Bündnis der Vasallen des Papstes (Adel und Klerus) nun von Gottes Gnadentum (=“christlich“), preußisch, bayrisch, nationalistisch, rassistisch — wie in der NS-Diktatur — faschistisch oder wie heute “demokratisch“ daherkommt, tut in seinem Wesen nichts zur Sache:

      „… es ist immer dasselbe Wasser, mag es nun [christlich oder sonstwie religiös, esotherisch] arisch-antisemitisch, mag es nun jüdisch-national gefärbt sein, daß aus einem Giftbrunnen (*1) stammt, und daß keine Färbung der Welt zu einem gesunden Trank machen kann.“

      (*1) Giftbrunnen = die vom Papsttum 490 n. Chr. errichtete und mit Gewalt, Krieg, Völkermord, Ausbeutung und Ausplünderung verbreitete Schuldkultur, die sich durch Menschenjagd, Menschenhandel und Sklaverei, Schuldverschreibungen (Währungen!!! und die Zinsen darauf) finanziert, was vom Phantasma SCHULD-Recht, das die Sekte der Juristen — gut dafür bezahlt und mit Pfründen ausgestattet — im Auftrag der Kirche entwickelten, “ideologisch“ geschützt wird! … und — durch die von der Kirche entwickelte Schuldsprache — das Denken und damit das Bewusstsein der Menschen in allen Lebensbereichen emotional und mental prägt und damit bestimmt*!

      *“Das [gesellschaftliche] Sein, bestimmt das Bewusstsein“ (Karl Marx)
      der, als er diese Wahre Erkenntnis niederschrieb, (wahrscheinlich) noch nicht wissen konnte, wie das menschliche Gehirn mit seinen Organen geformt, geprägt, abgerichtet und dressiert werden kann, so dass es überhaupt erst möglich wird, Menschen, wie jedes andere Säugetier, HALTEN zu können. (Die Religionen “wissen“ und praktizieren dies aber schon seit sechs bis zwölftausend Jahren.)

      … und Karl Marx ‚lehrte‘ ja in seiner Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, was das “WISSEN“, die “Erkenntnis“ in jeder richtigen Philosophie und auch bei den Religionen ist: “Der Mensch besitzt keine wahre Wirklichkeit“, womit er doch bejat hat, was viele Menschen vor ihm erkannten, dass wir und alles lebende Sein Phänomen=Erscheinung des Lebens ist.

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Jauhuchanam, du nimmst gleich den großen Besen. Goerdeler war der sozialdemokratische Gegenspieler Stauffenbergs, der die Gruppe der Militärs führte.
        Du kannst die Putschisten nicht auf Goerdeler reduzieren. Aber beide Gruppen, im Grunde waren es noch mehr Gruppen, hatten sich das Ziel gestellt, mit der Beseitigung Hitlers in Deutschland neu anzufangen. Sie hatten sogar schon die Ämter der geplanten Regierung verteilt.

        Selbstverständlich war der Putsch keine sozialistische Revolution. Es waren zum größten Teil deutsch-nationale Offiziere und Generäle, die Hitlers Befehle bis aufs Komma ausgeführt hatten, solange sie noch an den deutschen Sieg glaubten. Ich würde sogar sagen, dass viele von ihnen sogar Verbrecher waren, viele hatten am Mord von Millionen Menschen in den überfallenen Ländern mitgewirkt und waren dafür hochdekoriert worden von Hitler. Auch Stauffenberg selbst war kein Unschuldsengel. Du übersiehst, wenn du so mit einem Wisch die inneren Verhältnisse in Deutschland gleichmachst, dass es tatsächlich zu dieser Zeit noch einen Unterschied machte, woher einer kam, nämlich inwieweit er das Preußentum in sich aufgenommen hatte, und da waren die süddeutschen Landsleute eher weniger berührt, die ja ständig in Opposition zu Preußen standen. Heute sind die Bayern, nebenbeigesagt, die besten Preußen.

        Und wenn du glaubst, dass Marx sich nicht vorstellen konnte, inwieweit die Gehirne manipuliert werden können, ich glaube, da irrst du dich. Er hätte dann diesen Satz nämlich nicht schreiben können. Und ein paar andere mehr. Und vor allem nicht das Manifest.

        Zum Putsch gibt es viele Ansichten, aber eines ist klar: Er zeigte den Alliierten, dass Hitlers Reich zu bröckeln begann, dass nun sogar Bürgerliche und Deutsch-Nationale unzufrieden waren und auf Änderung drängten. Das war ein Signal und machte vielen Menschen Hoffnung, dass der Krieg nun bald zu Ende gehen würde.

      • Mit dem großen Besen muß ich mich geschmeichelt fühlen:

      • Inson schreibt:

        Hanna, ich will nicht pingelig sein, aber Goerdeler war kein Sozialdemokrat, sondern als Politiker bis 1933 Mitglied der DNVP (Deutschnationale Volkspartei), deren Reichstagsabgeordneten nach der Auflösung der Partei durch die Nazis der NSDAP anschlossen. Mit Ausnahme Goerdelers allerdings, der nicht der NSDAP beitrat.

  9. Tankist schreibt:

    Mir stellt sich die Frage: Warum gab es den „20. Juli 1944“? Ich meine ganz einfach, weil es im Herbst 1941 nicht die geplante Siegesfeier Hitlers auf dem Roten Platz gab! Im Juni 1944 startete die Rote Armee auf Befehl Stalins die Operation „Bagration“, die Heeresgruppe Mitte wurde zerschlagen. Die geschlagenen Generale und Offiziere Hitlers erreichten dann doch noch Moskau- als Gefangene wurden sie an den Moskauern vorbei geführt. Spätestens jetzt war es keine Frage, ob das rote Siegesbanner über Berlin wehen wird sondern wann.

    Das ängstliche Bürgertum, zu welchem auch die Offiziere des 20. Juli zählten, meinte mit der Beseitigung Hitlers, welchen sie ja erst gerufen haben, den ihnen drohenden Untergang noch abwenden zu können. Gemeint war die Verbrüderung mit den Westalliierten, um dann gemeinsam gegen die siegreiche Sowjetunion zu kämpfen.

    Heute wird dieser Tag, werden die „Männer des 20. Juli“ glorifiziert. Zu den Feierlichkeiten anlässlich des 70. Jahrestages des Sieges über Hitlerdeutschland hat man in Moskau keinen offiziellen Vertreter der Bundesdeutschen Regierung gesehen. Damals wie heute sind es die gleichen Kräfte die an Krieg, Leid und Elend verdienen. Ein Verdienst Stalins war es, die Partei von Vertretern dieser Kräfte zu säubern.

  10. Hanna Fleiss schreibt:

    Ja, Tankist, so ist es, heute gibt es für unsere Obrigkeiten nichts Widerständlerisches als den 20. Juli, und wenn es hoch kommt, noch die Weiße Rose oder Bischof Galen. Kommunistischen Widerstand, auch wenn er nicht zur Selbstbefreiung führte, gab es für diese Herrschaften offenbar nicht. Dass gerade der Offiziersputsch dann auch noch für den großen Zapfenstreich einer neuen deutschen Angriffsarmee missbraucht wird, und zwar im alten, verzopften Preußenstil, das ist das Perfideste daran. Das ist direkt gegen die Ideen Stauffenbergs gerichtet, dem ich zumindest den guten Willen abnehme (bei vielen anderen Beteiligten spielte wohl eher die junkerliche Kameraderie eine Rolle), auf die sich jeder Schönredner mit großer Emphase beruft.

  11. Hanna Fleiss schreibt:

    Lieber Inson, da wirfst du einiges zusammen, was nicht zusammengehört. Jahn hatte mit den Befreiungskriegen überhaupt noch nichts zu tun, seine germanisch-teutsche Turnerbewegung fällt in die Metternich-Zeit. Und Fichte hatte ebenfalls mit den Befreiungskriegen nichts zu tun, obwohl er in seinen Schriften schon eine gedankliche Vorbereitung verbreitete. Die Idee der deutschen Einheit war von der Zurückgebliebenheit Deutschlands gegenüber Frankreich und vor allem gegenüber England getrieben, die ihre bürgerlichen Revolutionen schon hinter sich hatten und wo ein selbstbewusstes Bürgertum sich herausgebildet und vor allem in England die Industrie einen enormen Aufschwung genommen hatte. Diese Entwicklung wurde durch die Kleinstaaterei in Deutschland verhindert, deshalb der Ruf nach der Einheit Deutschlands. Dass die führenden Köpfe der Befreiungskriege Antisemiten waren, spielte insofern keine Rolle, als im Grunde jeder Nichtjude dieser Zeit Antisemit war. Was du da konstruierst, ist eine Entwicklung unserer Zeit und trifft so auf die Befreiungskriege nicht zu, ist ein bisschen zu grob vereinfacht.

    Der Code Civil war bereits eine Verfälschung des Volkswillens, wie auch Napoleon selbst Verrat an der Revolution geübt hatte, indem er die immer wieder aufflammenden Unruhen und Aufstände mit seiner Militärmacht niederschlug und damit die Revolution des Volkes beendete, womit das Bürgertum freie Bahn für seine Entwicklung erhielt. Es war nicht Napoleon, der die übrigens nicht mittelalterlichen, sondern die absolutistischen Verhältnisse des Königs und Adels in Frankreich umwarf, es war das französische Volk mit dem Sturm auf die Bastille. Dass sämtliche reaktionäre Monarchen und der hohe Klerus gegen die „Canaille“ in Frankreich mobil machten, ist aus der Geschichte bekannt, muss eigentlich nicht erwähnt werden. Goethe begriff die Kraft des Volkes und den Anbruch einer neuen Zeit mit gemischten Gefühlen bei den Kanonaden von Valmy und begrüßte Napoleon bei seiner Begegnung mit ihm als den Erben der französischen Revolution, nicht als den Kämpfer für sie. Was Heine angeht, so ist das ein bisschen komplizierter, er hatte ja die französische Revolution nicht erlebt (1797 geboren) und konnte Napoleon nur als den Träger der Revolution sehen, nicht aber als ihren Verderber, denn mit den Kriegen brachte der ja auch, sicher ungewollt, die Ideen der französischen Revolution mit, die alle Verhältnisse in diesem dumpfen, reaktionären Deutschland umwarfen. Sicher, er war für die Revolutionäre wie Forster eine Lichtgestalt, aber auch sie waren kleine Philister, denn die „Schreckenszeit“ unter Robespierre lehnten sie angeekelt ab. So wie in der Oktoberrevolution in Russland die Hinrichtung der Zarenfamilie zum Beispiel noch immer von unseren Gegenwartsphilistern als Beweis dafür gehandelt wird, dass der Kommunismus nichts als Schrecken, Diktatur und Mord verbreitet.

  12. Inson schreibt:

    Liebe Hanna, ich glaube du bringst hier was durcheinander.
    F.L. Jahn lebte von 1778 bis 1852. 1802 begegnete er in Greifswald Arndt, wo die Idee vom „Vereinigten Deutschland“ entstand. 1808 verfasste er die Schrift „Deutsches Volksthum“ in dem er seinem Nationalismus freien Lauf liess. 1810 gründete er in der Berliner Hasenheide den geheimen „Deutschen Bund“ zur Befreiung Deutschlands. Aus diesem ging dann die sogenannte „Turnbewegung“ hervor. Dieses Turnen ordnete er politischen Interessen unter, er wollte die Jugend für den Kampf gegen Frankreich trainieren.So war er auch folgerichtig Angehöriger des „Lützowschen Freikorps“, welches er mit gewonnenen Freiwilligen verstärkte.
    J.G. Fichte lebte von 1762 bis 1814 und war zunächst von den Ideen der französischen Revolution begeistert. In der Zeit der französischen Besatzung hielt er ab dem 13.12.1808 mehrere Vorlesungen in Berlin die dann als „Reden an die deutsche Nation“ bekannt wurden. In ihnen rief er zur Gründung eines deutschen Nationalstaates auf der sich von Frankreich emanzipieren sollte. Es waren aber auch solche Überlegungen enthalten, die nur die Deutschen im Besitz einer „reinen Sprache“ sah die sie zu tiefen Überlegungen befähige. Und er forderte eine Nationalerziehung welche die „Freiheit des Willens gänzlich vernichtet“. Es gibt sogar eine zeitgenössische Karikatur von ihm die ihn als dickbäuchigen Gelehrten mit Säbel als Kämpfer gegen Napoleon zeigte. Also alle 3 waren zumindest Agitatoren während der Befreiungskriege von 1813 bis 1815.

    Jede Revolution, so auch die französische bürgerliche Revolution, durchläuft verschieden Phasen. Gegensätzliche Interessen und Überzeugungen werden eben nicht nur verbal ausgetragen, bis sich eine Seite durchsetzt. Mit Napoleon, der übrigens auch Aufstände der Monarchisten niederschlug, setzte ein Phase der Konsolidierung ein. Der Übergang von einer gewissen Anarchie zu einer anerkannten staatlichen Ordnung, vollzieht sich nach jeder Revolution.
    Der „Code Civil“ war das zu dieser Zeit Machbare und es war dem übrigen Europa um Lichtjahre voraus! Es entsprach dem Willen des aufstrebenden Bürgertums. Die sich noch nicht als Klasse verstehenden Arbeiter hatten diese Revolution unterstützt und kämpften nun auch in den Armeen Napoleons!
    Die Ideen der französischen Revolution wurden sicher nicht unbeabsichtigt „mitgebracht“. Nein, die Völker Europas sollten von den Früchten der Revolution kosten um die bisherigen Grundlagen der Macht in den besetzten Gebieten zu beseitigen! Und auch deshalb wurde bspw. der Kirchenbesitz säkularisiert!

    Und zum Antisemitismus in jener Zeit. Er war vor allem ein Produkt der in Europa vorherrschenden Religionen und wurde von den weltlichen Herrschern immer gerne dann befeuert, wenn das Volk aufbegehrte. Aber während man in Frankreich nach der Revolution jeden als einen mit gleichen Rechten ausgestatteten Bürger betrachtete, definierte man sich in Deutschland nach seiner Abstammung und schloss so alles „Fremde“ aus. Das wurde von Arndt, Fichte und Jahn auch so offen propagiert.
    Und es waren nicht alle gelehrten Köpfe jener Zeit Antisemiten. Goethe der Napoleon bewunderte war genausowenig Antisemit wie Hegel, der Napoleon den „Weltgeist zu Pferde“ nannte und ein überzeugter Anhänger der Ideen der französischen Revolution blieb!

  13. sascha313 schreibt:

    Das ist ja recht interessant, aber ich schlage vor, wir machen da ein extra Thema dazu auf, da das alles nicht so zu Lawrow paßt😉

    • Hanna Fleiss schreibt:

      Ja, Sascha, ist wohl angebracht. Du siehst, welch eine Verwirrung in den Köpfen herrscht, sie kennen die deutsche Geschichte nicht. Das aber, zu wissen, dass das Heute auf dem Gestern aufbaut, ist die Voraussetzung, um die heutige Zeit, die auch einmal deutsche Geschichte sein wird, verändern zu helfen. Ich bin dafür, mach ein neues Thema auf. Mir tut es leid, dass ich mit einem Nebensatz von deinem Thema abgelenkt habe.

  14. Hanna Fleiss schreibt:

    Jauhuchanam, es ist nicht leicht, mit einem Blinden von der Farbe zu reden. Leider schmult hinter jedem deiner Buchstaben der alte Nietzsche hervor, ich aber berufe mich auf die marxistische Geschichtsforschung, und da kommen wir nicht zusammen. Du wirst entschuldigen.

  15. Hanna Fleiss schreibt:

    Inson, das ist richtig, Goerdeler war kein Sozialdemokrat, aber er stand in der Gruppe der Verschwörer für die Sozialdemokratie und im Grunde für alle „demokratischen Parteien“ der Weimarer Zeit. Gut, dass du das konkretisiert hast.

  16. Hanna Fleiss schreibt:

    Inson, du darfst nicht von Lebenszeiten der Fichte, Arndt und Jahn ausgehen, sondern musst von ihrer in der Politik aktiven Zeit ausgehen. Zur Zeit der Befreiungskriege spielte zum Beispiel Jahn eine sehr untergeordnete Rolle. Er vertrat den Standpunkt, dass sich die deutsche Jugend körperlich stählen müsse, um für den Kampf bereit zu sein, und das alles eingehüllt in eine sehr unappetitliche teutsch-germanische Legende. Fichte kann man zu den Wegbereitern der Idee der deutschen Einheit rechnen. Aber beide waren nicht entscheidend für die Befreiungskriege.
    Entscheidend waren: Freiherr vom Stein mit seinen Reformen, vor allem dem Oktoberedikt, Gneisenau, Scharnhorst, Boyen etc. und Arndt, der Stein sehr nahestand. Was wirklich entscheidend für die Befreiungskriege war, waren die preußisch geprägten reaktionären deutschen Zustände und der Befreiungskrieg des spanischen Volkes gegen Napoleon, der den Anstoß für den deutschen Widerstand gegen die französische Besatzung gab.

    Aber zur Großen Französischen Revolution. Das ist natürlich völlig richtig, dass eine Revolution mehrere Phasen durchläuft. In Frankreich gaben die Citoyens den Anstoß zur Revolution, und gesiegt hatten am Ende die Bourgeois. Was den Code Napoleon angeht, so ist er das Zeugnis der Vorstellungen der Bourgeoisie von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, insofern Napoleons Verrat an der Revolution, der die Volksbewegung im Grunde verachtete, auch wenn er durch sie überhaupt hochgekommen war und sie brauchte. Aber, und darum konnte Napoleon nicht herumkommen, der Code hatte noch immer so viele freiheitliche Elemente, dass die unterdrückten Deutschen ihn natürlich als Dokument der Befreiung ansehen mussten, wenn sie ihre vermufften reaktionären preußisch-deutschen Zustände betrachteten.

    Sieh mal, zu dieser Zeit hatte England seine bürgerliche Revolution schon lange hinter sich, Frankreich ebenfalls, nur das Bürgertum von Preußen-Deutschland verharrte in der Knechtschaft des Absolutismus. Das rechtlose Bürgertum war durch die preußische Bürokratie (vom Soldatenkaiser eingeführt), die Herrschaft der Junker im Staate und im Militär geknebelt, es hatte kaum Rechte, das deutsche Bürgertum war ein Niemand. Gerade die Revolutionsereignisse in Frankreich griffen auf Deutschland über, und so entstand im in Hunderte Kleinstaaten zersplitterten Deutschland mit den Befreiungskriegen gleichzeitig die Idee der deutschen Einheit. Die Produktivkräfte drängten zur Verwirklichung, es gab ja das englische Beispiel. Einer, der sich mit seiner ganzen Persönlichkeit dafür einsetzte, war der Freiherr vom Stein, der beim König Friedrich Wilhelm III. und seinen Junkern einen sehr schlechten Stand hatte. Der König war unfähig, Napoleon selbst nach der Niederlage in Russland militärisch entgegenzutreten. Das korrupte junkerliche Militär aus Zeiten Friedrichs II., in dem noch der Spießrutenlauf die Disziplin erzwang, musste reformiert werden, und so setzte Stein seine Idee des Volksheeres beim König durch, gegen den Willen der Junker. Die natürlich alles taten, um Stein zu Fall zu bringen. Steins Oktoberedikt war entscheidend, er hob die Leibeigenschaft der Bauern auf und führte das stehende Volksheer ein. Seine größten Feinde waren übrigens die ostelbischen Junker, die um ihre Macht und ihre Profite bangten und Angst vor dem bewaffneten Volk hatten. Um zu verstehen, in welcher Rückständigkeit Deutschland zu dieser Zeit lebte, ist es erhellend zu wissen, dass Stein Forderungen noch von Ulrich von Hutten beim König durchsetzen musste (Stein war ja Reichsritter und vertrat auch die überlebten Staatsideen seines Standes). Steins Ziel war es, mit seinen Reformen Deutschland nach der Vertreibung Napoleons unter einem starken Monarchen zu einem Staat zu vereinigen, um mit Frankreich und England gleichziehen zu können. Stein wurde aber auf Betreiben der Junker vom König entlassen und die von ihm eingeführten sozialen Reformen nach und nach rückgängig gemacht.

    Die Befreiungskriege gegen Napoleon haben zweifellos zwei Seiten: Einerseits der Kampf gegen die französische Besatzung (heute spricht man vom Selbstbestimmungsrecht der Völker), das ein Werk tatsächlich des Volkes war, andererseits erstarkte aber wieder die Reaktion unter Führung Preußens, an eine Einheit Deutschlands war unter diesen Umständen nicht zu denken. Erst 1848 gab es die unvollendete bürgerliche Revolution, der nach Marxens Worten die vollendete Reaktion folgte, die dann in Bismarck gipfelte, der die Deutschen 1871 nach der Niederlage Napoleons III. auf bismarcksche Weise mit Blut und Eisen zu einem Staat einigte.

    Ich kann hier nur bruchstückhaft deutsche Geschichte der Befreiungskriege erwähnen, wenn du es sehr viel genauer wissen willst, es gibt ausgezeichnete marxistische Untersuchungen zu diesem Thema noch aus Zeiten der DDR.

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