Warum sind wir manipulierbar?

war_59Wenn man sich die Rede der Samantha Power (der Name allein gebietet Ehrfurcht!) vor dem UN-Sicherheitsrat ansieht, dann möchte man glühende Pfeile schleudern gegen die bombardierenden Russen und das verruchte Assad-Regime, das die eigene Bevölkerung mit Faßbomben terrorisiert, dann möchte man Ströme von Tränen vergießen über das Leid der Kinder in Syrien und die tapferen Weißhelme…. wenn man nicht wüßte, daß diejenigen, die hier so theatralisch Anklage erheben, selbst die Verursacher und Sponsoren dieses barbarischen Krieges in Syrien sind. Fast eine Viertelstunde lang müssen sich die ehrenwerten Mitglieder dieses Rates das verlogene Geseiere eines Regimes anhören, das gemeinsam mit anderen imperialistischen Staaten und mit Hilfe gedungener Banditen dieses friedliebende Land überfallen, Menschen barbarisch ermordet, große Teile der Kulturgüter unwiederbringlich zerstört und Millionen Menschen in die Flucht getrieben hat. Die Blutspur der USA ist lang. Sie reicht von Korea über Vietnam bis nach Irak, Libyen und nun Syrien. Erst kürzlich bombardierten die USA rein „versehentlich“ eine Syrische Militäreinheit und ermordeten 100 Soldaten. Ständig erreichen uns neue Schreckensnachrichten. Lügen begleiten den Krieg… Doch warum sind wir so leicht manipulierbar? 

Die Eigenschaft des Bewußtseins, die wir als relative Selbständigkeit bezeichnen, macht es möglich, Menschen zu manipulieren. Diese zunächst noch abstrakte Möglichkeit wird allein unter den Bedingungen der Herrschaft des Monopolkapitals, im Imperialismus, zur realen Möglichkeit und auch systematisch mit den jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln verwirklicht.

Fremdinformation

Manipulierung des Bewußtseins ist untrennbar mit dem Bedürfnis der Menschen nach Information verbunden. Gäbe es kein Informationsbedürfnis, dann wäre es auch nicht möglich, das Bewußtsein zu manipulieren. Das Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft, die Tatsache. daß der einzelne Mensch nur in der Gesellschaft zu leben und sich in ihr als Persönlichkeit zu entwickeln vermag, schafft objektiv das Bedürfnis nach Information. Der Mensch braucht Kenntnisse über Fakten, Zusammenhänge und Hintergründe.

Wie finden wir zum richtigen Standpunkt?

Dieses Bedürfnis wirkt in dem Maße gebieterischer, je komplizlerter und komplexer eine Gesellschaftsordnung in ihrer ökonomischen, politischen und geistigen Struktur ist. Der Mensch steht als Individuum wie auch als Angehöriger einer Klasse oder sozialen Schicht gerade in unserem schnellebigen Zeitalter ständig vor Entscheidungen, sei es im Beruf, in der Familie, im politischen Leben oder anderswo. Entscheidungen haben die Herausbildung einer Meinung zur Voraussetzung. Für den Menschen wird damit die Kenntnis des Geschehens in seinem unmittelbaren Lebensmilieu und in der weiten Welt zu einer Frage seiner Existenz und pntwicklung. Entscheidungen trifft jeder Mensch auf Grund von Informationen.

Kann man erkennen, was wahr und was falsch ist?

Nun hat in unserer Zeit des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus das ökonomische, politische, militärische, technische, wissenschaftltche und kulturelle Geschehen Dimensionen erreicht, die es selbst dem genialsten Menschen unmöglich machen, alles wesentliche zu wissen. Bei dem heutigen Tempo des Anwachsens allein unsererwissenschaftlichen Kenntnisse und Erkenntnisse fällt es einem Fachmann schon schwer oder ist ihm gar unmöglich geworden, sich über sein Fachgebiet einen vollständigen Überblick zu verschaffen. Andererseits beeinflussen die Wissenschaften immer mehr das gesellschaftliche und persönliche Leben jedes einzelnen, werden sie immer mehr zur unmittelbaren Produktivkraft. Hinzu kommt, daß viele entscheidende Ereignisse auf wichtigen Lebensgebieten, die für die Entscheidungen des einzelnen von großer Bedeutung sind, weil sie oft unmittelbar in sein Leben eingreifen, global strukturiert sind.

Kein einziger Mensch ist in der Lage, sich alle Kenntnisse, alle Informationen, die er benötigt, aus eigener unmittelbarer Erkenntnistätigkeit zu verschaffen. Er greift daher auf Informationsquellen, auf Mitteilungen aus zweiter Hand zurück, läßt sich von anderen Menschen Anschauungen vermitteln, ist auf gesellschaftliche Hilfe angewiesen.

Woher kommen unsere Informationen?

Die Meinungen, die sich die Menschen über ihre Umwelt und das Geschehen in der Welt täglich bilden, beruhen zum größten Teil auf Informationen, die durch von ihnen getrennte Informationsquellen vermittelt werden. Die moderne Technik hat durch Presse, Funk, Fernsehen, Film, Literatur solche Quellen in großem Maße zur Verfügung gestellt. Für die Bewußtseinsmnnipulierunq ist diese Tatsache in zweierlei Hinsicht von besonderer Bedeutung. Einmal liegt hierin die Möglichkeit begründet, daß sich mit den Informationen, die nicht aus eigener Anschauung gewonnen worden, das Gefühl, der Sinn für die Wirklichkeit ändert, daß die vermittelte Information für den Menschen zur unmittelbaren Wirklichkeit wird. Bürgerliche Philosophen haben dies mit „Verdoppelung der Wirklichkeit“ umschrieben. Zum anderen ist die Frage entscheidend: Wer ist Besitzer der modernen Massenmedien, die die Menschen mit Informationen versorgen? Wer sammelt Informationen und gibt sie weiter? In welchem Sinne werden die Informationsquellen genutzt?

Wessen Interessen vertreten die bürgerlichen Medien?

In der Gesellschaft des staatsmonopolistischen Kapitalismus in Westdeutschland befinden sich alle wichtigen Massenmedien in den Händen der Großbourgeoisie, der Monopole oder des mit den Monopolen verschmolzenen Staates. Da die egoistischen Klasseninteressen der Großbourgeoisie dem allgemeinen Volksinteresse unversöhnlich gegenüberstehen, dem Volke fremde Interessen sind, werden alle dem Klasseninteresse der Großbourgeoisie dienenden Informationen für das Volk zu fremden Informationen. Der Begriff Fremdinformation hebt hervor, daß im staatsmonopolistischen Kapitalismus die Informationen über alle wesentlichen Probleme des gesellschaftlichen Lebens von ihrem Klasseninhalt her für das Volk fremde, nicht seinen Interessen dienende Informationen sind, daß das Volk den größten Teil seiner Information zur Meinungsbildung durch fremde, ihm nicht gehörende Informationsquellen bezieht.

Die Fremdinformation ist im staatsmonopolistischen Kapitalismus zur Hauptquelle für die Meinungsbildung und zur Richtschnur vieler Handlungen einzelner Menschen und des Volkes geworden.

Die ökonomischen Grundlagen der Manipulierung

Die durch die kapitalistischen Eigentumsschranken bedingte Trennung des Volkes von allen wichtigen, weil notwendiqan Informationsquellen, ist die alles entscheidende ökonomische Voraussetzung, um das Bewußtsein des Volkes manipulieren zu können, Die Monopole bestimmen, soufflieren, was als Realität zu gelten hat. Über die Information verbreiten sie das Ideengut der herrschenden Klasse, lösen sie ökonomische, politische, ideologische und militärische Handlungen im Interesse der herrschenden Gruppe der Monopole aus.

Die Fremdinformation ist zu einem mächtigen ideologischen Kampfmittel gegen das Volk geworden. Sie hebt nicht die Wirklichkeit ins Bewußtsein, sondern eine Pseudowirklichkeit, die, wie Hans Magnus Enzensberger formuliert, von der „Bewußtseinsindustrie“ hergestellt wird.

„Die Meinung, die der Öffentlichkeit in Gestalt einer entstellten Wirklichkeit aufgedrängt wird … verursacht … eine geheime Verrückung des eigenen Standortes aus der Wirklichkeit heraus. Man gewöhnt sich daran, die Welt zo sehen, wie man sie sich wünscht, nicht wie sie ist.“ [1]

Die Fremdinformation ist darauf angelegt, als Wirklichkeit nur das von den herrschenden Monopolen Gewollte anzuerkennen. Durch sie wird das Volk mit Pseudorealitäten buchstäblich überfüttert.


Erscheinung contra Wesen

Eine weitere Eigenheit der Erkenntnistätigkeit des Menschen, deren Verständnis uns hilft, den Mechanismus der Manipulation des Bewußtseins zu verstehen, ist der komplizierte Prozeß der Erkenntnis des Wesens in der Erscheinung. Keineswegs ist Erkenntnis einfach massives Aufnehmen äußerer Eindrücke. Erkenntnis ist ein Prozeß des Aufdeckens des Wesens in der Erscheinung, ist eine aktive Denktätigkeit auf der Grundlage der Sinnestätigkeit. Wesen und Erscheinung sind nicht identisch, fallen nicht zusammen, bilden aber eine untrennbare Einheit.

Kann man das Wesentliche überhaupt erkennen?

Die wirkliche Erkenntnis besteht darin, hinter der an der Oberfläche liegenden und den Sinnen unmittelbar zugänglichen Erscheinung das Wesen derselben aufzuspüren, zu zeigen, wie das Wesen in Erscheinung tritt. In der Manipulationstechnik wird nun die Erscheinung prinzipiell von dem, was erscheint, abgegrenzt. Auf diese Weise „sind die Wesenszusammenhänge – das, worauf es in der Gesellschaft eigentlich ankommt – apriori vor der Erkenntnis geschützt“ [2]. Daraus folgt, daß die Fakten, Begebenheiten und Informationen, die von den herrschenden Kreisen des staatsmonopolistischen Kapitalismus dem Volke als Wahrheit angeboten werden, gar keine echten Sinnesdaten, keine echten Fakten, Begebenheiten und Informationen sind, sondern Schemata, Abstrakta, Schein.

Beispiel:

Nehmen wir zum besseren Verständnis dieses Gedankens die Ereignisse im Nahen Osten im Juni 1967 als Beispiel. Die monopolistische Presse Westdeutschlands und alle anderen Massenmedien, die sich in der Hand der Monopole oder des Staates der Monopole befinden, stellten die Vorgänge so dar, als wolle Ägypten mit der rechtmäßigen Sperrung seiner Territorialgewässer im Golf von Akaba für den Transport von Kriegsmaterial für Israel den unschuldigen Staat Israel erdrosseln. Deshalb ginge der Kampf Israels gegen die arabischen Staaten um das sogenannte Überleben der Juden, also um eine Rassenfrage. Mit dieser massiven gezielten Propaganda, die scheinbar an Fakten anknüpft, nämlich an die erfolgte Sperrung des Golfes von Akaba durch die VAR und daran, daß der Staat Israel hauptsächlich von jüdischer Bevölkerung getragen wird, wurde erreicht, daß viele friedliebende Menschen in Westdeutschland schwankten, sich irrten und ihre Sympathie den Juden galt, denen ja erst in jüngster Vergangenheit durch den deutschen Faschismus so unendliches Leid zugefügt worden war.
Es ist nichts Sonderbares, daß es Menschen gibt, die den Kern der Vorgänge erst später begreifen, manchmal erst Jahre später, zumal sie unaufhörlich der Meinungsmanipulation ausgesetzt sind. Aber das Wesen der Vorgänge ist klar. Von Bedeutung ist das Endziel, auf das die Ereignisse unvermeidlich zusteuern würden, ließe man Israel unbehelligt gewähren, würde den arabischen Staaten nicht die. ganze Hilfe der sozialistischen und anderer antiimperialistischer Länder zuteil.
Worin besteht das Wesen dieser Ereignisse?
Die arabischen Staaten sind dabei, die von den Kolonialherren hinterlassene ökonomische Rückständigkeit und die grenzenlose Armut ihrer Bevölkerung zu überwinden. Erste Erfolge, vor allem in jenen Ländern, die sich für den nichtkapitalistischen Weg entschieden haben, sind unverkennbar. Um diesen fortschrittlichen Entwicklungsprozeß aufzuhalten, die Regierungen dieser Länder zu beseitigen und durch den Imperialisten hörige Regierungen zu ersetzen, um denn mit neokolonialistischen Methoden diese Länder wieder dem Einfluß des Imperialismus zu unterwerfen, die Ausbeutung vor allem der riesigen Erdölvorkommen zu sichern – deshalb wurde die Aggression Israels gegen die arabischen Staaten im Rahmen der Globalstrategie der USA-Imperialisten und ihres NATO-Militärblocks begonnen.
Es ging also bei den Ereignissen im Nahen Osten keineswegs um das Überleben der Juden, um eine Rassenfrage. Es ging um die Durchsetzung der imperialistischen Interessen in den arabischen Staaten, also um eine Klassenfrage. Trotz der militärischen Erfolge Israels wurde dieses Ziel nicht erreicht. Das ist das Wesen der Ereignisse im Nahen Osten, das die Meinungsmanipulatoren sorgsam vor den Augen des Volkes verborgen hielten. Sie „schützten“ die Menschen vor der Erkenntnis, indem sie auf den Schein der Ereignisse pochten.

Ein weiterer Grund für die Verfälschung der Wirklichkeit

Es gibt noch einen anderen Umstand, der den Meinungsmanipulatoren die Trennung von Wesen und Erscheinung erleichtert. In keiner anderen Gesellschaftsformation stellt sich das Wesen sozialer Probleme so verkehrt dar wie in der kapitalistischen. Hier herrscht der Warenfetischismus, wodurch alle gesellschaftlichen Verhältnisse der Menschen als Verhältnisse zwischen Sachen erscheinen. Die Vorgänge in der Erscheinung, die den Sinnen unmittelbar zugänglich sind, stellen sich verschieden, verkehrt, gegensätzlich zu ihrem inneren Wesen dar.

Quelle:
Manipulation. Die staatsmonopolistische Bewußtseinsindustrie.Dietz Verlag berlin, 1968, S.75-80.

[1] E. Kuby: Die Massenmedien der Meinungsmache. In: Bestandsaufnahme. Eine deutsche Bilanz 1962, München-Wien-BaseI1962, S.387.
[2] Th. W. Adorno: Soziologie und empirische Forschung. In: Wesen und Wirklichkeit des Menschen, Göttingen 1957, S. 255.

Und hier sind die wahren Tatsachen:

https://syrianfreepress.wordpress.com/2016/09/27/west-arming-nusra/

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3 Antworten zu Warum sind wir manipulierbar?

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Wenn ich von dem hier angeführten Beispiel der Sperrung des Golfs von Akaba ausgehe, so komme ich zu der Erkenntnis, dass das Nichterreichen des Zieles, nämlich über Israel den imperialistischen Staaten den Zugriff auf das Erdöl zu ermöglichen, eng mit den Vorgängen von heute zusammenhängt: Was damals nicht gelang, soll und muss heute verwirklicht werden. Auch heute geht es nur scheinbar um Sunniten oder Schiiten, diese Auseinandersetzungen werden von den imperialistischen Staaten nur in ihrem Interesse benutzt. Auch heute geht es um den Zugriff auf das Erdöl. Es ist das Elend der arabischen Völker, dass sie das nicht verstehen und den Schwerpunkt ihrer Kämpfe auf die Religion legen. Die Analogie zum Dreißigjährigen Krieg drängt sich auf, auch hier ging es nur scheinbar um den Gegensatz von Katholizismus und Protestantismus – es ging um die Wiederherstellung und Erweiterung der Macht der Habsburger, die die katholische Religion als Werkzeug benutzten und im Aufkommen der Macht der protestantischen Fürsten eine Gefahr für den Bestand ihrer Macht sahen.

    Um ganze Völker dazu zu bringen, dass sie gegen ihre eigenen Interessen handeln, ist es natürlich nötig, ihnen Legenden und Lügen in die Köpfe zu hämmern. Die Manipulationsmacht der Herrschenden ist inzwischen so weit entwickelt, dass sie dank jahrhundertelanger Vorarbeiten mit Leichtigkeit die Leichtgläubigkeit der Völker in ihrem Sinne manipulieren können. Dadurch, dass es die Sowjetunion und die sozialistischen Staaten nicht mehr gibt, sind die Chancen für das Begreifen der wirklichen Motive im Nahen und Mittleren bis auf Null gefallen. Es war sehr leicht für die USA, die Religionsgemeinschaften aufeinanderzuhetzen. So gesehen ist die Schaffung des Islamischen Staates ein Ausscherenwollen aus der Bevormundung durch die USA, wenn auch mit genau jenen falschen Mitteln, Partnern und Ideologien, die den Erfolg verhindern. Zumal auch die sehr schwachen kommunistischen Parteien, sofern sie überhaupt noch existieren, hilflos vor dem Dilemma stehen und den Völkern die wahren Motive und Verhältnisse nicht erklären können.

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