Kriegsrhetorik aus den USA

jkirby

USA-Kriegsrhetoriker Kirby

Mit einer zynischen Kriegserklärung trat kürzlich erneut ein Regierungssprecher der USA vor die Presse. Er sagte, man könne auch russische Städte bombardieren und die Russen müßten bald ihre Soldaten bald in Leichensäcken aus Syrien zurückschicken. Schärfer kann man es kaum formulieren. Doch warum gibt es diese Kriegsrhetorik?

Es wäre weit gefehlt, wollte man die Kriegsvorbereitung daran messen, wie laut die Trommel gerührt wird. Nicht indem lauthals nach Krieg gerufen und die Gewalt als solche propagiert wird, geschieht seine Vorbereitung, sondern dadurch, daß dafür alle wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden, wie etwa durch die Notstandsgesetze, und dadurch, daß die Menschen systematisch darauf eingestellt werden, und zwar – so absurd es erscheinen mag – reifgemacht werden für den Krieg selbst (wie kürzlich in der BRD – rät die Bundesregierung wieder zur „Bevorratung für den Notfall“) und gerade mit Friedensbeteuerungen auf den Lippen. … Der psychologische Krieg gilt nicht als Ersatz des Krieges in den „klassischen Sphären“ zu Lande, zu Wasser und In der Luft, sondern als dessen „vierte Dimension“, von der ausgehend die Menschen erneut reifgemacht werden sollen, ihn zur Durchsetzung imperialistischer Expansionsbestrebungen in allen Dimensionen zu führen.
[Zitat: Banaschak/Vorholzer „Mensch und Macht“. Berlin 1969, S.107f.]


Leichensäcke für die Russen?

Martin Berger

Skrupelloser und brutaler als jeder andere Präsident in der jüngeren Geschichte der USA hat der „Friedensnobelpreisträger“ Obama rund um den Erdball unentwegt eine Politik der bewaffneten Interventionen und Konflikte verfolgt. Nun kündigte er eine weitere Verschärfung der Vorgehensweise gegen Rußland an, ungeachtet der Tatsache, daß dies schnell auf einen Weltkrieg hinauslaufen kann, mit der Folge, daß beide Seiten sich gegenseitig mit Atomwaffen vernichten.

Eine zynische Kriegserklärung

Man könnte anstelle einer Kriegserklärung wohl kaum eine zwingendere Erklärung abgeben, als die, die der Sprecher des USA-Außenministerium, Konteradmiral John F. Kirby, abgab. Die Behauptung liest sich wie folgt:

Die Folge wird sein, daß der Bürgerkrieg in Syrien weitergehen wird, daß Extremisten und extremistische Gruppen, auch weiterhin das in Syrien vorhandene Vakuum auszunutzen werden, um ihre Operationen auszuweiten, das schließt fraglos Angriffe gegen russische Interessen, vielleicht sogar russische Städte ein, und Rußland wird seine Truppen in Leichensäcken nach Hause schicken, und sie [die Russen] werden künftig noch mehr Ressourcen verlieren,vielleicht sogar noch mehr Flugzeug… [1]

Die Sowjetunion wurde 1980 in die Falle gelockt

Der gleiche modus operandi wurde schon vor einem Vierteljahrhundert angewandt, um die Sowjetunion zu erpressen. Gegen Ende der 1980er Jahre fühlten sich die USA stark genug, das „Imperium des Bösen“ in die afghanische Falle zu locken, indem sie bewaffnete Terroristen aufstellten, die sich nun in „moderate Terroristen“ verwandelt haben, einschließlich in Al Qaeda. In den 1980er Jahren bedinete sich Washington des saudischen Reichtums und des Pakistanischen Geheimdienstes. So wurde auch der sogenannte „afghanische Widerstand“ ins Leben gerufen – mit pakistanischer logistischer Unterstützung und einem Zustrom „frischer Rekruten“ aus dem gesamten Nahen Osten.

Die Clinton hielt das für eine „großartige Idee“

Der ehemalige USA-Außenministerin und jetzige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton erklärt 2012 in aller Offenheit, daß das aus ihrer Sicht es eine großartige Idee gewesen sei:

Als die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte, hatten wir die brillante Idee, daß wir nach Pakistan gehen und dort eine Streitkraft von Mudschaheddin schaffen, sie mit Stinger-Raketen und allem anderen ausstatten, und innerhalb Afghanistans gegen die Sowjets vorgehen. Und wir waren erfolgreich. Die Sowjets haben Afghanistan verlassen, und dann haben wir gesagt. „Wunderbar! Und Tschüss!“, und wir haben diese gut trainierten Leute, die so fanatisch waren, in Afghanistan und Pakistan zurückgelassen, sie gut bewaffnet und Verwirrung gestiftet… [2]

Es ist immer das gleiche Drehbuch…

Was jedoch diese Hillary vergessen hat zu erwähnen, ist die Tatsache, daß die Bewegung der Mudschaheddin in Afghanistan eine „Brutstätte“ für den Al Qaeda-Keim war. Al Qaeda wurde und wird noch direkt von der CIA kontrolliert, um den Prozeß der Destabilisierung im Nahen Osten zu forcieren, um unter einem Vorwand Rüstungsinteressenten der USA mit Waffen zu versorgen, um nacheinander Staat für Staat zu überfallen.

Es ist immer das gleiche Drehbuch, das nun das Weiße Haus auch in Syrien wiederholen will. Kein Wunder, daß es den brutalen Überfall auf die syrischen Soldaten am 17. September 2016 angeordnet hat, nachdem die Abmachung getroffen worden war, das Leben der Kämpfer von Jabhat al-Nusra zu verschonen, die sonst harte Zeiten gehabt hätten, wobei ihre Positionen erobert worden wären. Wir sollten uns auch daran erinnern, daß im September 2015 der ehemalige Anführer der CIA, David Petraeus, einer der Paten des USA-Guerilla-Bandenkrieges, das Weiße Haus dazu drängte, daß ISIS gemeinsam mit Jabhat al-Nusra „kämpfen“ sollte.

Es ist keineswegs ein Bürgerkrieg in Syrien

Nach sechs Jahren fortwährenden Krieges ist der Konflikt in Syrien keineswegs ein „Bürgerkrieg“, wie man uns gern glauben machen möchte, sondern ein Konflikt, der völlig von außen gesteuert wird und nicht von innen ausgeht. Syrien ist zu einer Art Gordischer Knoten geworden, ein Ort, an dem die Interessen Rußlands, Chinas, der EU, der Türkei, des Iran, Saudi-Arabiens und der USA unauslösbar miteinander verflochten sind.

In dieser Situation ist Washington vollkommen unfähig, über eine ernsthafte politische Lösung in Syrien auch nur zu reden, da es hinter jedem Friedensprozeß in diesem kriegszerrissenen Land einen Vorboten sieht für eine dauerhafte Präsenz von Moskau, Peking oder Teheran in dieser Region, und da jeder Fortschritt bei den verschiedenen Energietrassen, der diesen Staaten in dieser Region künftig mehr Einfluß und Reichtum verschafft, auch bedeutet, daß es am Tisch keinen Platz mehr geben wird für die gierigen „Verteidiger der westlichen Demokratie“.

Die USA-Kriegsverbrecher scheuen das Tageslicht

Das ist auch der Grund, warum die USA so heftig gegen die Veröffentlichung von Details der russisch-amerikanischen Waffenruhe-Vereinbarungen protestiert haben und haben die Diskussion über die Abmachung so weit weg wie möglich von den Vereinten Nationen halten wollten, vielleicht auch aus der Angst heraus, es könne eine UNO-Resolution angenommen werden, die zwangsläufig zu erfüllen gewesen wäre. Und das ist auch der Gurnd, warum Washington in seinen Masterplan vorgesehen hat, syrisches Territorium zu benutzen, um den größten indirekten Krieg der modernen Geschichte zu beginnen und seine folgenschwere Umwandlung in eine direkte bewaffnete Konfrontation mit Rußland zu verfolgen.

Der imperialistische Komplott

Insgesamt 80 Staaten kämpfen sowohl direkt als auch indirekt in Syrien. Es war kein Zufall, daß die USA-Besatzungsmacht am 23. Mai 2003 die gesamte irakische Armee entlassen hat und damit die Voraussetzung schuf für die Verstärkung der ISIS, anstatt die Iraker in einer einzigen großen Armee zu vereinigen. Im Januar 2012 gründete die CIA während des syrischen Krieges in Syrien einen „Ableger“ von Al Qaeda – den notorische Jabhat al-Nusra. Es ist kein Geheimnis, daß die Kämpfer dieser Terroristengruppe zu verschiedenen Zeitpunkten in Krankenhäusern in der Türkei und Israel behandelt wurden – beides sind treue Satellitenstaaten Washingtons. Diesen Schritten folgte dann auch die Zustimmung [der USA] zur Invasion des türkischen Militärs in Syrien, die am 20. August 2016 gestartet wurde.

Eine massive, begleitende Propaganda-Kampagne

Um Vorbedingungen für eine offene bewaffnete Auseinandersetzung mit Rußland zu schaffen, hat Washington eine massive Propaganda-Kampagne gestartet, hat darauf abzielt, Moskau in jeder Weise ins Zwielicht zu setzen. Man braucht sich nur an den sogenannten „Doping-Skandal“ und an die „Enthüllungen“ zu erinnern, die der ukrainische Präsident Petro Poroshenko über die angebliche Anwesenheit mehr als 30.000 russischer Soldaten und Hunderten von russischen Panzern in der östlichen Ukraine gemacht hat. Und egal wie lächerlich und grundlos solche Behauptungen auch sein können, Washington würde sie selbst dann noch wiederholen, wenn es keine Möglichkeiten gehabt hätte, ein paar Hundert Panzer überall auf der Erde zu verfolgen und der Öffentlichkeit unwiderlegliche Beweise darüber zur Verfügung zu stellen. Überdies hören wir ständig wiederholt Beschuldigungen über eine angebliche Beteiligung Moskaus beim Abschuß der malaysischen Boeing MH-17 über dem Donbass und viele andere. Die Liste geht weiter…

Wenn man alle diese Schritte in Betracht zieht, kommt man nicht umhin, sich an den „Genius“ der nazistischen Propaganda, an Joseph Goebbels zu erinnern, der durch die andauernde Wiederholung von durchsichtigen Lügen bis einschließlich zum Tag der Nazi-Invasion in Rußland die öffentliche Wahrnehmung beeinflußt hat.


Martin Berger ist ein freiberuflicher Journalist und geopolitischer Analytiker exklusiv für das online Magazin „New Eastern Outlook

[1] Erklärung lt. US-State Department (die Seite wurde gelöscht!)
[2] siehe: https://www.youtube.com/watch?v=WnLvzV9xAHA

(Übersetzung aus dem Englischen)

Siehe auch: A Veiled Threat?

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