Der faschistische Putsch in Ungarn 1956

1956-ungarn17Heute vor 60 Jahren fand in Ungarn der erste faschistische Putsch nach 1945 statt. Dieser verbrecherische konterrevolutionäre Akt war von langer Hand durch die CIA vorbereitet worden und mit Hilfe des Hetz- und Spionagesenders „Radio Freies Europa“, der ungarischen Faschisten im Lande und der katholischen Kirche organisiert. Es gab entsetzliche Lnychmorde auf offener Straße, Kommunistenverfolgungen und viele tausend Tote. Nach einigem Zögern hatte sich auch die revisionistische Chruschtschow-Regierung dazu entschlossen, dieses Horrorszenrium im zweiten Anlauf zu beenden. Noch heute wird von angeblichen Historikern über dieses grauenvolle Ereignis seitenweise gelogen. Wie erlebte und beurteilte der Historiker Dr. Kurt Gossweiler nun die konterrevolutionären Ereignisse in Ungarn? In seiner „Taubenfuß-Chronik“ vermerkte Kurt Gossweiler:

Mátyás Rákosi sah, welche Gefahr hier heraufzog. Er wußte, welche Kräfte im Petőfi-Kreis wirkten, er kannte Imre Nagy. Er kannte das alles, denn er wußte, wie es damals, 1948, von Rajk organisiert worden war. Und er kämpfte, er kämpfte verbissen, zäh, mit aller Kraft, deren ein Rákosi fähig war. Er kämpfte um die Partei. Er wußte, wohin die Beschuldigungen, das Lamentieren über „Fehler“ zielten. Den ersten Angriff, der 1953 mit der Wendung zum neuen Kurs erfolgte, hatte er nach zwei Jahren wieder zurückgeschlagen: Als in der SU im Februar 1955 der Schlag gegen Malenkow geführt wurde und die Abkehr vom neuen Kurs zurück zur forcierten Entwicklung der Schwerindustrie erfolgte, führte Rákosi den Schlag gegen Imre Nagy und trieb die bereits frech gewordenen Parteifeinde für einige Zeit wieder in die Mäuselöcher. Aber dann kam die „Versöhnung“ mit Tito, und damit hatte es Rákosi nicht mehr allein mit den Imre Nagys zu tun. Mit ihnen allein fertig zu werden, war die Partei stark genug. In dem Moment, wo sie, die Nagys, in der KPdSU Unterstützung fanden, kämpften Rákosi und Gerő und all die guten Genossen der ungarischen Partei einen verzweifelten, aber hoffnungslosen Kampf.

  • Rákosi, das ist die tragischste Gestalt der revolutionären Kommunistischen Bewegung. Es wird sich einmal ein sozialistischer Shakespeare finden, um die Menschen zu erschüttern mit der Darstellung der Tragödie dieses Mannes, den eine rakosi16-jährige Haft in den Kerkern des Horthy-Faschismus nicht zu zerbrechen vermochte und der am Ende seines Lebens gefällt wurde nicht im offenen Kampf, sondern von einer Verschwörung, die er selbst sah, ohne von ihr sprechen zu können; der sich selbst beschuldigen mußte, obwohl er die wahren Schuldigen kannte; der bereit war, als Revolutionär, der er immer war, selbst seine revolutionäre Ehre zu opfern, in der Hoffnung, dadurch das Verhängnis aufhalten zu können. Das ungarische Volk wird ihm noch einmal Denkmale setzen als einem seiner Größten. – Auf dem Plenum wird Ernő Gerő zum I. Sekretär gewählt – der letzte Versuch, die Partei vor der Zersetzung durch die Nagy-Leute zu bewahren. Aber auf dem gleichen Plenum wird Kádár ins ZK kooptiert.
  • 14. Juli 1956: Neues Deutschland. Bericht über die ZK-Tagung der ungarischen Partei vom 18.-21. Juli (Ergänzung). Das ZK wurde erweitert, in das Politbüro die Rehabilitierten Kiss, Kádár, Marosan und Revai gewählt. Mitgeteilt, daß bisher 474 rehabilitiert wurden, darunter: Ferenc Donáth, János Kádár, György Marosan, László Rajk, Tíbor Szönyi, Zoltán Horváth, Gyula Kallai, György Pálffi, Pál Schiffer, Imre Vajda. Als eine der wichtigsten Maßnahmen der letzten Zeit die Beseitigung der technischen Sperren an der ungarisch-österreichischen Grenze erwähnt! Am letzten Tag des Plenums noch einmal Gerő: Unter den Arbeitern bedauern viele, daß Genosse Rákosi aus dem Politbüro ausschied und nicht mehr Erster Sekretär des ZK ist. – Rákosi bleibt Mitglied des ZK und wird im Präsidialrat der Nationalversammlung arbeiten.
  • 22. Juli 1956: Veröffentlichung des Beschlusses der ungarischen Partei, Mihály Farkas aus dem ZK auszuschließen. Begründung: Farkas war zur Zeit des Rajk-Prozesses im ZK für die Arbeit der Staatssicherheitsorgane verantwortlich. Aller Parteifunktionen enthoben. Vorschlag an den Präsidialrat der Nationalversammlung, Farkas seine militärischen Ränge abzuerkennen. Bedeutung: Gerő und seine Genossen kämpfen auch nach Rákosis Rücktritt als Erster Sekretär weiter. Wir erinnern uns, daß Farkas bereits im April aus dem Politbüro und dem Sekretariat des ZK abberufen wurde, weil er die Auffassungen Nagys teilte! …
  • 9. Oktober 1956: „Neues Deutschland. Aussprache beim ZK der KPdSU (Mikojan und Suslow) mit Gerő, Kádár, Hidas…“
  • 13. Oktober 1956: „Politbüro der ungarischen Partei beschließt Wiederaufnahme Imre Nagys in die Partei. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dieser Maßnahmeund den Besprechungen Gerős, Kádárs, Hidas mit Mikojan und Suslow? Am gleichen Tage Mihály Farkas, ehemaliger Verteidigungsminister, wegen Verletzung der sozialistischen Gesetzlichkeit, verhaftet. (Die ungarischen Genossen kämpfen mit unglaublicher Zähigkeit und begleiten jedes Zugeständnis nach rechts, das ihnen empfohlen wird, mit einem schlag nach rechts, daeraus erklärt sich zum Teil der anderen Verlauf der Entwicklung in Ungarn im Vergleich zu Polen. In Polen bahnte sich frühzeitig ein Kompromiß zwischen den beiden Richtungen an, so daß die Rechten wohl die „alte“ Politik angriffen, aber mit persönlichen Angriffen auf Vertreter dieser „alten“ Politkk sehr vorsichtig waren. In Ungarnwurde seit langem zuerst gegen Rákosi , dann gegen Gerő ein wahrer Hetzfeldzug geführt, eben weil sie dem Vordringen der Nagy-Leute Widerstand bis zum letzten entgegensetzten. (Siehe auch oben 22. Juli 1956).
  • 13. Oktober 1956: Neues Deutschland. 100-Millionen-Rubel-Kredit an Ungarn von SU, davon 40 Millionennin freier Valuta.
  • 16. Oktober 1956: Neues Deutschland. Imre Nagy wieder Mitglied der Partei….
  • 23. Oktober 1956: Studentendemonstration in Budapest, Auslösung der konterrevolutionären Bewegung. …
  • 25. Oktober 1956: Kádár 1.Sekretär des ZK. Damit die gleichen Ziele wie in Polen erreicht. Aber die offene Konterrevolution will auf schnellstem Wege von der ersten zur zweiten Etappe gelangen. Mehrfache Neubildung der Regierung Imre Nagy, Freilassung Mindszentys, seine Rundfunkansprache, Zurückziehung der sowjetischen Truppen, weißer Terror, Austritt aus dem Warschauer Pakt, Zulassung bürgerlicher konterrevolutionärer Parteien, Auflösung der Partei der Ungarischen Werktätigen durch Kadar, Gründung der USAP, Eingreifen der Sowjettruppen, Hilferuf Nagys an die Westmächte gegen Sowjettruppen, Bildung der Revolutionären Arbeiter- und Bauernregierung durch Kádár, der die Sowjettruppen zu Hilfe ruft.

Quelle:
Kurt Gossweiler „Die Taubenfuß-Chronik oder Die Chruschtschowiade 1953 bis 1956, Verlag zur Förderung der wissenschaftlichenWeltanschauung, München 2002, S.106-151 (gekürzt)


Siehe auch:
Kurt Gossweiler: Die Konterrevolution in Ungarn

Der angebliche Volksaufstand in Ungarn 1956
Enver Hoxha: Die Teufel geraten außer Kontrolle

Bilder aus dem Leben des Genossen Mátyás Rákosi

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9 Antworten zu Der faschistische Putsch in Ungarn 1956

  1. einseinsnull schreibt:

    ich finde die darstellung der geschehnisse und die von dir dabei verwendenten adjektive (faschistischer putsch, revisionistischer chruschtschow) weit überzogen, wenngleich nicht komplet falsch aber eben viel zu sehr in schwarz-weiß gedacht, wie hier ja leider üblich.

    dennoch sind diese sorte „gegendarstellungen“ zu der berichterstattung der bürgerlichen medien irgendwie erfrischend, weil das so ein schönes, deutliches „nein“ mitschwingt.

    es ist schon beeindruckend zu sehen, wie heute, nachdem in ungarn eine anti-EUische rechtsregierung am ruder sitzt, die den westlicheren ländern nicht in den kram passt, der aufstand in ungarn 1956 plötzlich zu einem aufstand von „linken studenten“ oder „liberalen kräften“ umdefiniert wird, weil man das dann hier, z.b. in deutschland oder frankreich, als symphatisch und unterstützenswert darstellen kann, weswegen es angeblich infam und absurd sei, das orban das jetzt feiert.

    wenngleich ich mich, wie schon gesagt, auch mit deiner einordnung nicht anfreunden kann – aber dass orban etwas feiern würde, was sich nicht gegen kommunisten, liberale oder ausländer richtet, dass glauben ja nicht mal die plapperköpfe von ARD und ZDF.

    • sascha313 schreibt:

      Nein, die Darstellung von Kurt Gossweiler ist noch weit untertrieben. Er kannte damals viele Details noch nicht, die heute bekannt sind. Selbst die sowjetischen Kräfte hatten aufgrund der chaotischen Vorgehensweise der revisionistischen Führung keinen genauen Fahrplan, so daß sich der Weiße Terror in Ungarn verheerend ausbreiten konnte und viele tausend Tote forderte. Das ist auch keine „Gegendarstellung“, sondern es ist die historische Wahrheit!

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Noch deutlicher und detailreicher spricht Enver Hodscha über die Konterrevolution 1956 in Ungarn, heute in kommunisten-online gepostet. Ist nur ziemlich lang.

      • Doed schreibt:

        Bei solchen Darstellungen werden Kommunisten aber nie als glaubwürdig wahrgenommen. Da vertraut man kurioserweise doch lieber solchen antikommunistischen Hetzern wie vom Schlage eines Hubertus Knabe. Im tollen liberalen Deutschland spricht man ja grundsätzlich die Wahrheit.

  2. Pingback: Der angebliche „Volksaufstand“ in Ungarn 1956 / Венгерский мятеж 1956 года/ Magyar ellenforradalom 1956 | Sascha's Welt

  3. Rheinlaender schreibt:

    Hallo Doed, Hallo einseinsnull,
    seid bitte nicht so pessimistisch. Spätestens seit dem USA/NATO/EU Putsch in der Ukraine, weiß eigentlich jeder halbwegs informierte Mensch, dass die CIA die Nazis und Faschisten unterstützt. Das war schon 1973 in Chile und der ganzen Welt nicht anders. UND ? Die USA geben das schon seit langem selber zu! Warum sollen die Kommunisten dann aus „westlich politischer Korrektheit“ lügen?

    Am letzten Donnerstag hatte ich eine Diskussion mit Kommunisten-Hassern über den angeblichen Volksaufstand in der DDR 1953. Als ich denen dann mit Begriffen wie Faschisten und CIA kam, haben die tatsächlich klein bei gegeben. Ja, die haben dann sogar von selbst über die ganzen terroristischen Aktionen der USA erzählt und auch von der Lüge über den angeblichen Volksaufstand http://www.voltairenet.org/article161002.html in China 1988/1989 berichtet.
    Vor allem in einer noch härteren – also treffenderen Sprache – als ich.

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Rheinlaender, ich verstehe deine Frage nicht: „Warum sollen die Kommunisten dann aus ‚westlich-politischer Korrektheit‘ lügen?“

    • sascha313 schreibt:

      Das ist m.E. nur eine Formulierungssache. Besser müßte es heißen:

      „Warum sollten die Kommunisten denn aus ‚westlich-politischer Korrektheit‘ lügen?“

      Nein, natürlich lügen sie nicht! Denn schon diese sogenannte „political correctness“ ist ebenso falsch und verlogen, wie die Ausklammerung von sogenannten „No-go-Themen“. (Beides sind US-Amerikanismen!) Das zieht sich übrigens bis hinein ins Private, Familiäre. Da werden Tatsachen nur deshalb nicht angesprochen und verschwiegen, um den häuslichen Frieden nicht zu stören! Wo ist da die Ehrlichkeit???
      Die historische Wahrheit bleibt auf der Strecke!

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