Aus den Erinnerungen sowjetischer Kommunisten: Partisanenführer „Batja“

Heimtückisch und vertragsbrüchig überfiel das imperialistische Deutschland am 22. Juni 1941 die sozialistische Sowjetunion. Die Sowjetmenschen waren von einem einzigen Gedanken beseelt: den heimatlichen Boden so schnell wie möglich vom Feind zu säubern und das Land von der faschistischen Sklaverei zu befreien. Dabei bewiesen sie große Tapferkeit und unvergängliches Heldentum. Im Kampf gegen Hitlerdeutschland verteidigte das Sowjetvolk nicht nur die Freiheit und Unabhängigkeit seines Landes, sondern zugleich auch die sozialistische Gesellschaftsordnung, die fortschrittlichste der Welt. Im Verlaufe des Krieges wuchs auch die Kraft und Organisiertheit des Volkswiderstandes im Hinterland der deutschen Okkupanten. Allen voran kämpften dabei die Kommunisten. Illegale Parteiorganisationen, die eng mit den Massen des Volkes verbunden waren, übermittelten die Wahrheit, verliehen ihnen den Glauben an den Sieg und organisierten die Menschen zum Kampf gegen den Feind.

batja

Grigori Matwejitsch Linkow (1899-1961) war Kommunist. Man nannte ihn Batja. Er gehört zu den unsterblichen Helden des Großen Vaterländischen Krieges, die wir niemals vergessen werden. Als einer der berühmtesten sowjetischen Partisanenführer trug er wesentlich zum Sieg der Sowjetunion über den deutschen Faschismus bei, welcher unsägliches Leid über die Völker Europas, insbesondere über die Völker der Sowjetunion gebracht hatte, der ganze Länder verwüstet hatte und über 50 Millionen Tote hinterließ. Allein die Sowjetunion hatte 20 Millionen Tote zu beklagen, 1.710 zerstörte Städte, 70.000 niedergebrannte und ausgeplünderte Dörfer und 84.000 zerstörte Schulen, Hochschulen und Universitäten. Hier nun ein Auszug aus seinem Buch. Linkow beschreibt hier die Situation kurz nach der faschistischen Okkupation im Jahre 1941:

Auf der Suche nach den eigenen Leuten

Neunundzwanzig Tage einsamer Streifzüge auf der Suche nach meinen Leuten waren eine gute Schule für mich. Ich hatte enge Verbindung mit der Bevölkerung aufgenommen und standhafte und entschlossene Menschen gefunden, mit denen ich arbeiten konnte. Ich hatte nicht nur die Wälder erforscht, die als Basis unserer Aktionen dienen sollten, sondern war auch mit den Sitten und der Lebensweise des belorussischen Dorfes vertraut geworden. Die faschistischen Okkupanten bekamen sehr bald die Widerstandskraft der belorussischen Menschen zu spüren und führten einen erbitterten, Kampf gegen sie. Sie verboten der Bevölkerung, sich ohne besondere, Genehmigung aus einem Bezirk, in den anderen zu begeben. Damit trennten und isolierten sie bis zu einem gewissen Grade ein Dorf vom anderen, und die Gestapo und die Militärdienststellen bekamen mannigfache Möglichkeiten zu Ausplünderung und Unterdrückung.

Wie verhielten sich die deutschen Okkupanten in der Sowjetunion?

Die Faschisten verhielten sich der Bevölkerung gegenüber sehr unterschiedlich. In einigen Bezirken zogen sie, wenn Partisanen auftauchten, die Starosten und die Bürgermeister zur Verantwortung. So erschossen sie zum Beispiel im Unterbezirk Swjadezkaja, der zum Bezirk Lepel gehört, den Bezirksbürgermeister und den Polizeivorsteher, weil sich in einem Dorf nachts Partisanen gezeigt hatten. In anderen Bezirken, in denen ununterbrochen Partisanengruppen in Aktion waren, nahm die deutsche Kommandantur „Anzeigen“ entgegen und erließ der Bevölkerung den Teil an Getreide- und Viehlieferungen, den angeblich die Partisanen geraubt hatten. Mit unserer Unterstützung wurden damals massenweise „Anzeigen“ über die „Umtriebe“ der Partisanen fabriziert und darin auch Dörfer genannt, in denen die Partisanen überhaupt nicht auftraten. Durch diese fingierten Anzeigen und Beschwerden, verbunden mit der Bitte deutsche Soldaten „zum Schutz“ zu entsenden, konnten wir die Stärke der Sondereinheiten bei den deutschen Führungsstellen erkunden und in vielen Fällen ihren Schlag in die verkehrte Richtung lenken.

Massenvernichtungsaktionen der Nazis im besetzten Gebiet

Die Faschisten gingen unerhört grausam vor. Sie unternahmen Massen-vernichtungsaktionen gegen die Bevölkerung. Die Anzeige eines Geheimpolizisten genügte bereits, Erschießungen zu veranlassen. Rachsucht und Eigennutz waren gewöhnlich die Beweggründe solcher Anzeigen. Mit ihren Zwangsmaßnahmen gegen die Denunzierten konnten die Okkupanten daher auch nie das gewünschte Ziel erreichen. Die Dörfer und Siedlungen, in denen die Sondereinheiten ihre Aktionen durchführten, wurden isoliert, und der Verkehr mit ihnen wurde verboten. Besonders schonungslos verfuhren die Faschisten mit den Juden. Die jüdische Bevölkerung galt ihnen als jagdbares Wild ohne Schonzeit. Die Gestapo wies ihre ausführenden Organe an, die jüdische Bevölkerung nicht auf einmal, sondern in mehreren Etappen zu vernichten und diese „Operationen“ zur Entfachung des Antisemitismus unter der Bevölkerung zu benutzen.

mordaktionen

In einigen Städten und Dörfern des Witebsker Gebietes mußte die örtliche Polizei auf Befehl der Gestapo Massengräber für die Juden vorbereiten lassen. Entsprechend der Anzahl der Juden wurde die Größe der Gräber bestimmt, wobei man von vornherein für alle Fälle einen gewissen Spielraum ließ. Diese Massengräber mußten von den Juden selbst ausgehoben werden. Sie arbeiteten unter dem Kommando der örtlichen Polizei und einiger faschistischer Aufseher. In der Ortschaft Mstish bei Witebsk erschossen die Faschisten die gesamte jüdische Bevölkerung Ende August 1941, in Lukoml in September 1941 in Tschaschniki und anderen Orten im Februar und März 1942. Während der Bevölkerung jeder Verkehr mit den Bezirken, die Schauplätze von Strafaktionen waren untersagt wurde, bestand volle Freizügigkeit in und zwischen den Gebieten, in denen die Hitlerfaschisten aus taktischen Gründen keine Gewalt gegen die Bevölkerung anwandten. Nach dieser Methode verfuhren die Okkupanten auch in der Ukraine.

Wie die Nazi-Wehrmacht die sowjetischen Dörfer ausplünderte

Die faschistischen Räuber schreckten vor nichts zurück. Prügelstrafen und Erschießungen, Erpressung und Bestechung – alles war ihnen recht, das belorussische Volk irrezuführen und gefügig zu machen. Im Witebsker Gebiet lösten die Hitlerfaschisten zunächst die Kolchose nicht auf, sondern zwangen die Mitglieder, die kollektive Arbeit bis Ende des Jahres fortzusetzen. Verschiedentlich gaben sie die Losung aus: „Kolchose ohne Sowjets“. Die Zielsetzung war klar: Die Kolchosernte des Jahres 1941 sollte unter Dach und Fach gebracht werden und der Kolchosviehbestand, soweit er nicht evakuiert war, in seiner Gesamtheit erhalten bleiben. Deshalb wurden auch die Kolchosvorsitzenden auf ihren Posten belassen, wenn sie sich schriftlich verpflichteten, für die deutsche Wehrmacht zu arbeiten. (…)

pluenderer

Die faschistischen Eroberer betrachteten anfangs die Gebiete, die hinter ihrer Front lagen, als sichere Etappe, wo sie schalten und walten konnten wie bei sich zu Hause. In der ersten Zeit fuhren sie einzeln oder in kleinen Gruppen seelenruhig durch die Dörfer, machten halt, wo es ihnen gefiel, fingen Ferkel und Hühner ein, requirierten Speck, Butter und Eier und brachten alles zu ihren Einheiten. Eine besondere Leidenschaft hegten sie für Hühner und Enten. Truppenteile ließen auf der Fahrt durch die Dörfer halten und eröffneten aus Gewehren und Maschinenpistolen das Feuer auf Enten, Hühner und Ferkel. (…)

Der schwere Kampf im Rücken des Feindes

Ich konnte mir gut denken, wie schwer es meine Kämpfer und Gruppenkommandeure hatten. Sie waren zum größten Teil Komsomolzen; sie brannten in heiligem Haß gegen den Feind, aber ihnen fehlte die nötige Erfahrung im Umgang mit Menschen, vor allem in der besonderen Situation, in der sie sich befanden. Bei meinen Streifzügen durch die Dörfer, in denen sich Gestapoagenten verborgen hielten, hatte ich das alles selbst gesehen und erlebt.

partisanen

Es war an einem Frühlingstag vor Sonnenuntergang. Wir folgten einem schmalen, lange nicht begangenen Pfad durch ein verlassenes sumpfiges Waldgebiet. Schwaden von Mücken umschwärmten uns. Die Stämme der Fichten glühten bernsteingelb im Lichte der sinkenden Sonne. Ein großer schwarzer Specht mit leuchtendrotem Schopf hupfte um den Stamm einer trockenen Erle herum. Uber uns quiekte ein Eichhörnchen. Aus dem Weidendickicht erklang der Triller einer Nachtigall, und wir nahmen. nach langer Zeit wieder einmal mit Bewußtsein wahr, wie die Maiglöckchen blühten und dufteten. Schön ist es, in einem Frühlingstag im Walde ein Feuer anzuzünden, Fischsuppe zu kochen oder Kartoffeln zu rösten.

Ein Verdächtiger erweist sich als ein Kollaborateur der Nazis

Der mit hohem Gras bewachsene Pfad machte eine scharfe Biegung um eine Gruppe junger Fichten, und wir sahen wie dahinter ein Schatten vorbeihuschte. Im Augenblick hatten wir unsere Maschinenpistolen schußbereit und stürmten vorwärts. Ein Mann versuchte, über den Windbruch springend, sich eilig in das Dickicht zu entfernen. Sein Kopf war von einem Mückenschleier umhüllt. Auf unseren Anruf blieb er stehen – weiterzulaufen wäre auch sinnlos gewesen. Die Jungen hatten ihn rasch durchsucht. Waffen und Papiere hatte er nicht bei sich. Er nannte sich Iwan Iwanowitsch Sidorow. „Ich bin Schuhmacher und habe in Latyglino gearbeitet“, erklärte er. „Ich will mir jetzt Arbeit in einem anderen Dorf suchen.“ Dieses kränklich aussehende Männchen mit schwachem Bartwuchs und faltigem Gesicht kam uns doch sehr verdächtig vor. Kürzlich hatte uns ein Flurhüter berichtet, daß in einem Dorf fast alle Einwohner erschossen wurden, nur weil sich dort Partisanen. gezeigt hatten. Vor Ankunft der Strafexpedition war in jenem Dorf ein „Schneider“ aufgetaucht, der sich als einen aus deutscher Gefangenschaft entlaufenen Soldaten der Roten Armee ausgab. Diesen „Schneider“ erkannten die Dorfbewohner dann unter den Angehörigen des Straftrupps wieder. Er trug bereits eine deutsche Uniform mit dem Gefreitenwinkel. Der aufgegriffene Unbekannte rief in uns sogleich die Erinnerung an die Erzählung von dem „Schneider“ wach. Wir nahmen den Mann ins Verhör, und er verwirrte sich bald in seinen Aussagen. Mit Hilfe einiger Dorfbewohner, die der Erschießung entgangen waren, konnten wir dann feststellen, daß der „Schneider“ und der „Schuhmacher“ identisch waren. Nach altem russischen Brauch schlugen wir einen Espenpfahl in sein Grab.

Wie gesagt, das geschah im Frühjahr 1942. Im Herbst 1941 waren wir noch „Schüler der untersten Klasse“ und machten uns von vielem recht naive Vorstellungen…

                                                      * * *

Das Vorwort zu diesem bemerkenswerten Buch setzen wir nun an den Schluß:

Der Verfasser des Buches „Die unsichtbare Front“, Held der Sowjetunion G.M. Linkow, wurde im Großen Vaterländischen Kriege von uns Batja genannt. Ich kenne ihn als einen der Führer unserer heldenhaften Partisaneneinheiten, die dem Feinde empfindliche Verluste beibrachten. Ich selbst hatte Gelegenheit, mich mit Batja im Hinterlande des Feindes zu treffen und mit ihm den Faschisten immer dann Schläge zu versetzen, wenn der Gegner uns nicht erwartete, und immer dort, wo er uns nicht vermutete. In seinen Erinnerungen berichtet Batja auch von diesen unseren gemeinsamen Aktionen gegen den Feind. Er erzählt einfach, schlicht und bescheiden, ohne Selbstbeweihräucherung, wie wir die Bewegung der Rächer des Volkes organisierten und wie Haß und Empörung des Volkes sich über den Feind entluden.
Mit der Wahrheitsliebe des Bolschewiken schildert G.M. Linkow sowohl die Schwierigkeiten, die sich uns anfangs auf dem vom Feinde okkupierten Territorium entgegenstellten, als auch die großen militärischen Erfolge, die die Partisanenbewegung allen Schwierigkeiten zum Trotz errang. Am Beispiel seiner militärischen Tätigkeit zeigt uns G.M. Linkow, wie Schritt für Schritt, von kleineren Operationen bis zu großen Diversionsakten, die uns von der Partei gestellte Aufgabe, auf dem okkupierten Gebiete für den Feind unerträgliche Bedingungen zu schaffen, immer konsequenter und erfolgreicher erfüllt wurde, wie der heldenhafte Volkswiderstand im Rücken des Feindes mit jedem Tage wuchs.
Januar 1946 Generalmajor S.A. Kowpak
Zweifacher Held der Sowjetunion

Quelle:
G.Linkow: Die unsichtbare Front, Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau, S.98-114.  Bild: M.I. Schaz: Porträt des Partisanenführers Batja (Zwischenüberschriften, N.G.)

Siehe auch:
G.Linkow: Entschlossene Menschen
Pater Pawel – ein sowjetischer Held
Saburow: Erinnerungen eines Partisanen
Sie werden es nicht verstehen…

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