Die Zerschlagung der Ungarischen Räterepublik 1919

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Einmarsch der Horthy-Faschisten

Beunruhigt von den Erfolgen der ungarischen Roten Armee entschlossen sich die westlichen Imperialisten, mit einer Intervention gegen die Ungarische Räterepublik vorzugehen. In Juni 1919 vereinbarten die Vertreter Englands, Frankreichs, Italiens und der USA auf der Pariser Friedenskonferenz neue gemeinsame Aktionen. Am 13. Juni übersandte Clemenceau im Namen der Konferenz der ungarischen Regierung ein Ultimatum, in dem die unverzügliche Beendigung des Einmarsches der ungarischen Roten Armee und ihre Rückführung über die Demarkationslinie, die von Entente bei der Unterzeichnung des Waffenstillstands am 3. November 1918 festgelegt worden war, gefordert wurde.

In dem Ultimatum wurde gesagt: „Wenn die Bündnismächte aufgrund der Informationen ihrer Vertreter 4 Tage seit dem Mittag des 14. Juni keine Nachrichten über den endgültigen Umsetzung dieser Verfügung erhalten, haben sie das Recht, Truppen zu schicken oder andere Maßnahmen zu ergreifen…“ Im Falle der Annahme dieses Ultimatums versprach Clemenceau, die rumänischen Kräfte hinter die Demarkationslinie zurückzuführen und die Vertreter der Regierung der Ungarischen Räterepublik zur Friedenskonferenz nach Paris einzuladen.

Eine tückische Falle

Die Ungarische Rärerepublik brauchte eine Unterbrechung des Krieges, um mit dem friedlichen Aufbau zu beginnen. Außerdem hätte eine Einladung zu der internationalen Konferenz die offizielle Anerkennung der Ungarischen Räterepublik bedeutet. Es war jedoch nur eine tückische Falle von Clemenceau, Versprechungen, die nicht gedachte zu erfüllen. Das Ultimatum von Clemenceau wurde daraufhin am 19. Juni 1919 im I. Rätekongreß der Ungarischen Republik besprochen. Die Reformisten, die über eine Stimmenmehrheit im Parlament verfügten, strebten ohne jegliche Garantien ihrer Umsetzung zu einer Annahme der Vorschläge der Entente. Einige Kommunisten, darunter auch Béla Kun, die die verderblichen Folgen dieses Schrittes unterschätzten und nicht zur Spaltung der Regierung beitragen wollten, stimmten den Sozialisten zu. Die Gegner der Annahme dieses Ultimatums — Tibor Samueli, Otto Corvin, Laszló Rudás und andere waren in der Minderheit.

Rückzug der ungarischen Roten Armee

Die Ungarische Räteregierung verfügte demnach, die ungarische Rote Armee im Norden hinter die Demarkationslinie zurückzuziehen. Inzwischen hatte Clemenceau Ungarn hinterhältig betrogen und die rumänischen Truppen auf dem ungarischen Territorium belassen. Diese ungerechtfertigte Abweichung von der Zusage entmutigte die Führung der ungarischen Roten Armee, wozu auch die subversive Tätigkeit des alten Offizierskorps und anderer feindseliger Elemente beitrug. Am 24. Juni 1919 fand in Budapest ein konterrevolutionärer Putsch statt. Er wurde von den bewaffneten Abteilungen der Arbeiter und Soldaten unterdrückt, doch infolge der Unentschlossenheit der Regierung, die sich vor einer Einmischung der Entente fürchtete, erhielten die Anführer des Putsches nicht die gebührende Strafe. Fast gleichzeitig flammten in Paks, Kalocs und in einigen anderen Städten konterrevoutionäre Putsche auf.

Die Konterrevolution etabliert sich

Die Konterrevolution begann,  Machtorgane zu errichten, die die Räteregierung ersetzen sollten. In Arad und Szeged war unter dem Schutz der französischen Besatzungstruppen eine bürgerliche Regierung eingesetzt worden, die angeführt wurde vom Grafen Gyula Károly; den Posten des Militärministers in dieser Regierung übernahm Admiral Horthy. In Wien wurde ein weiterer Kandidat auf den Posten des Chefs der ungarischen Regierung vorbereitet — der rechte Sozialist Tarami. In Budapest plante 1920 der konterrevolutionäre Untergrund die Bildung einer „rein sozialistischen“ Regierung unter dem Vorsitz Peidly. Auch die internationale Lage verschlimmerte sich. Nach dem Rückzug der ungarisch Roten Armee aus der Slowakei wurde auch die Slowakische Räterepublik erdrosselt.

Intervention und Verrat

Der Putsch der weißgardistischen Truppen Denikins in der Ukraine verhinderte die geplanten Aufnahme unmittelbarer Beziehungen zwischen den Armeen Sowjetußlands und der Ungarischen Räterepublik. Während dieser Zeit sammelte die rumänische Soldateska ihre Kräfte für eine erneuete Intervention gegen die Ungarische Räterepublik. Unter diesen Bedingungen faßte das Oberkommando der ungarischen Roten Armee den Entschluß, die Truppen der Entente anzugreifen und am 20. Juli begann der Angriff gegen die rumänischen Truppen. Jedoch war diese Operation nur unzureichend vorbereitet. Der  Generalstabschef der Roten Armee beging den Verrat, dem Gegner den Operativplan des Angriffs zu übergeben. Als die Verräter erwiesen sich auch andere höchste Offiziere. Daraufhin erlitt die ungarische Rote Armee an der Theiß eine Niederlage und mußte unter dem Druck der zahlenmäßig überlegenen rumänischen Truppen nach Budapest zurückziehen.

Ein Rückschlag für die Arbeiterklasse

Die Kommunisten riefen zum Widerstand auf. „Wir standhaft bleiben in unserem revolutionären Kampf“, schrieb Béla Kun am 1. August in einem Appell an das internationale Proletariat. Doch die proletarische Diktatur erlitt einen  Rückschlag. Die rechten Sozialdemokraten aus den Reihen der Mitglieder des Rates der Volkskommissare organisierten eine Verschwörung und nutzten ihre zahlenmäßige Überlegenheit, um am 1. August der Rücktritt der Räteregierung zu erzwingen und eine sogenannte „Gewerkschaftsregierung“, angeführt von Pejdly und Pejer zu errichten. Die „Gewerkschaftsregierung“ erließ ein Dekret über die Auflösung der Roten Armee und die Aufhebung der Nationalisierung der Banken und der Industrieunternehmen und liquidierte auch andere Errungenschaften des ungarischen Volkes.

Gründe für den Sturz der ungarischen Räterepublik

Der Verrat, der von den Reformisten kurz vor dem Einmarsch der rumänischen Truppen nach Budapest begangen wurde, nahm der ungarischen Arbeiterklasse jede Möglichkeit, den Widerstand gegen die Interventen fortzusetzen. W.I.Lenin hielt die subversive Tätigkeit der rechten Sozialdemokraten für einen der Hauptgründe des Sturzes der Ungarischen Räterepublik. Im Manifest der Kommunistischen Internationale bemerkte er: „Es ist der größte Verrat geschehen. Die Sowjetmacht in Ungarn wurde unter dem Druck der imperialistischen Räuber und durch den ungeheuren Verrat der Sozial-Verräter gestürzt. Auf der Stirn dieser Partei steht jetzt das Kainsmal. Sie hat das Proletariat, die Revolution, die gute Partei der ungarischen Kommunisten, die Internationale verraten.“

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Gebäude der Zeitung „Nèpszava“ nach einem Überfall der Horthy-Banden im August 1919

Die Handlungen der rechten Sozialdemokraten ebneten den Weg für die Errichtung einer Militärdiktatur. Im Land begann das blutige terroristische Regime des Admirals Horthy. Die Kommunisten und andere Patrioten wurden gefoltert, mit verbundenen Händen in die Donau geworfen und an den Straßenlaternen erhängt. Etwa 5.000 Helden der Ungarischen Räterepublik haben ihr Leben für die Revolutionen geopfert, mehr als 40.000 Menschen wurden in die Gefängnisse geworfen, Zehntausende emigrierten. Unter den Hingerichteten waren auch die Kommunisten Otto Corvin und Jenö László. Am 2. August 1919 wurde Tibor Samueli ermordet.

Die ungarische Republik hatte eine Niederlage erlitten. Die Hauptgründe dafür waren die Intervention der imperialistischen Staaten und der Verrat der rechten Sozialdemokraten. Jedoch ist die proletarische Revolution nicht spurlos am ungarischen Volk vorübergegangen. In seinem Gedächtnis für immer blieben 133 heldenhafte Tage, als die Werktätigen Ungarns zum ersten Mal in der Geschichte des Landes von den demokratischen Freiheiten Gerbauch machen konnten und die Sowjetmacht im Interesse des Volkes tiefgreifende sozial-ökonomische Umgestaltungen verwirklichte.

Die Bedeutung der ungarischen Revolution

Die Errichtung der Diktatur des Proletariats in Ungarn hatte große internationale Bedeutung. In den Thesen des Zentralkomitees der Ungarischen sozialistischen Arbeitspartei, die im Zusammenhang mit 100. Jahrestag der Gründung der kommunistischen Partei Ungarns veröffentlicht wurden, heißt es: „Das Ungarische Proletariat hat es unter Führung der Kommunisten als erstes nach der russischen Arbeiterklasse geschafft, die Macht zu erobern und die Nation aus dem Strudel der kapitalistischen Ausbeutung und dem Verfall herauszuführen. Die ungarische Räterepublik hat bewiesen, daß die Eroberung der Macht und die Errichtung der Diktatur des Proletariats nicht einfach eine ‚russische Besonderheit‘ ist, sondern eine allgemeine Forderung der Liquidation des Kapitalismus und der Errichtung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung.“

Siehe auch: istoriia.ru (russ.)


Sándór Csikos

Der weiße Terror in Ungarn

Miklós Horthy war für Ungarn dasselbe, wie Koltschak für Rußland. Konteradmiral Horthy war im August 1919 der Anführer eines weißgardistischen Strafkommandos. Im Unterschied zu Koltschak war Horthy sogar ein Feigling: im von den Franzosen okkupierten Szeged wartete er die ganze Zeit ab und fürchtete sich, gegen die ungarische Rote Armee zu kämpfen. Er trat erst hervor, nachdem die rumänischen Interventen schon die ungarische Räterepublik besiegt hatten.

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Weißer Terror in Ungarn. Zeichnung M.Birosz

Am 16. November 1919, einen Tag bevor die rumänischen Besatzer die Stadt eroberten zogen die Horthy-Faschisten feierlich in Budapest ein. Danach begann auch in der ungarischen Hauptstadt der blutige weiße Terror. Horthy watete in einem Meer von Blut, und er flüchtete 25 Jahre später, im Oktober 1944, als Feigling in Schande. Die Günstlinge und Nachfolger dieses faschistischen Machthabers, die Partei „Jobbik“ feiern jedes Jahr in Ungarn das Jubiläum des Einmarschs der Horthy-Faschisten in Budapest:

Sehen Sie diese Wochenschau! Ebenso hätten jetzt in Rußland die Anhänger Koltschaks oder Denikins in Moskau marschieren können. Sie hatten es vorgehabt! Würden Sie gerne in den Straßen Moskaus oder Petersburg solche finsteren Fratzen der herrschenden oder künftigen Terroristen, der Mörder, und ihre drohende Parade sehen? Oder jährlich in Berlin einen Aufmarsch der SS?

Sándór Csikos, Budapest

Siehe auch: Die Räterepublik in Ungarn 1919

Wer war Miklós Horthy?
Horthy (1868-1957) war ein ungarischer faschistischer Politiker. 1918 letzter Befehlshaberder österreich.-ungar.Seekriegsflotte; als Anführer der konterrevolutionären „Nationalarmee“ für den blutigen Terror nach dem Sturz der ungar. Räterepublik 1919 verantwortlich.; 1920/44 Reichsverweser Ungarns; betrieb eine chauvinist. aggressive Politik gegen Nachbarstaaten; führte Ungarn 1941 an der Seite Hitlerdeutschlands in den Krieg gegen die UdSSR, überließ im Okt. 1944 die Macht den faschistischen Pfeilkreuzlern. (Quelle: BI Universallexikon (5 Bde.), VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1986, Bd.2, S.434.)

Колчак был для России то же самое, что Миклош Хорти для Венгрии. Контрадмирал Хорти возглавлял белогвардейских карателей в августе 1919 г. (В отличие от Колчака, он был даже трусом: против венгерской Красной Армии он воевать убоялся — всё время отсиживался в оккупированном французами г. Сегеде. И вылез оттуда лишь после того, как румынские интервенты уже свергли Советскую Республику.) 16 ноября 1919 г. он торжественно вошёл в оставленный накануне румынскими оккупантами Будапешт. После чего и в столице начался кровавый белый террор. Хорти приходил через море человеческой крови, и так же уходил, трус, с позором, спустья 25 лет, в октябре 1944 г.

Любимчики в Венгрии чудо-президента ВВП, партия «Йоббик» каждый год отмечает годовщину вступления Хорти в Будапешт: Смотрите эту кинохронику! Так же нынче возлюбленные в России Колчак или Деникин вступили бы в Москву… Вздумайтесь! Вы бы хотели видеть на улицах Москвы или Петрограда такие угрюмые рожи состоявшихся уже или будущих террористов, убийц, их угрожающий парад?

Парад хортистов

Sandor Csikos, Будапешт


See also:

Jobbik: Meet the BNP’s fascist friends in Hungary

Die Räterepublik in Ungarn

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